kurz & infor­ma­tiv: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

15.12.2017 | Politik


Zukauf von Stu­di­en­plät­zen: ÖÄK for­dert attrak­ti­vere Ausbildung

Drin­gen­den Hand­lungs­be­darf, Jung­ärzte im Land zu hal­ten, sieht der Kuri­en­ob­mann der ange­stell­ten Ärzte in der ÖÄK, Harald Mayer ange­sichts der Pläne des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums, Stu­di­en­plätze an der pri­va­ten Para­cel­sus-Medi­zin-Uni (PMU) zuzu­kau­fen. Die jüngs­ten Zah­len der ÖÄK sind alar­mie­rend: Die Gesamt-Dro­pout-Quote erreicht dra­ma­ti­sche 38,8 Pro­zent. „Es ist höchst an der Zeit, den Stand­ort Öster­reich attrak­ti­ver zu machen und so die Ärz­te­flucht ein­zu­däm­men“, betont Mayer. Die Poli­tik sei gefor­dert, Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die den Fach­ärz­ten im Spi­tal mehr Zeit zur Ver­fü­gung stellt, um Ärzte aus­zu­bil­den. Außer­dem müs­sen Arbeits­plätze im Spi­tal attrak­ti­ver wer­den. „Der hohe Abgang der Jung­ärz­ten ins Aus­land hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sie dort bes­sere Aus­bil­dungs­be­din­gun­gen vor­fin­den“, so Mayer.


Fipro­nil in 54 von 311 Proben

Nach dem Skan­dal um mit dem Insek­ti­zid Fipro­nil belas­tete Eier hat die AGES (Agen­tur für Gesund­heit und Ernäh­rungs­si­cher­heit) kürz­lich ihren Schluss­be­richt vor­ge­legt. In 54 von 311 öster­reich­weit gezo­ge­nen Pro­ben wurde Fipro­nil nach­ge­wie­sen. 19 wur­den bean­stan­det, weil der Höchst­ge­halt über­schrit­ten war. Laut AGES bestand jedoch keine Gesund­heits­ge­fahr. Betrof­fen waren vor allem Pro­ben aus dem Groß­han­del (51 Nach­weise); im Ein­zel­han­del konn­ten nur in drei Pro­ben Rück­stände im Bereich der Bestim­mungs­grenze nach­ge­wie­sen werden.

Indien: Gesund­heits­not­stand wegen Smogs

In der indi­schen Haupt­stadt Neu Delhi wurde wegen gefähr­lich hoher Luft­ver­schmut­zung der Gesund­heits­not­stand aus­ge­ru­fen. Die Fein­staub-Kon­zen­tra­tion lag in Tei­len der Stadt zeit­weise über den maximal mess­ba­ren 999 Mikro­gramm pro Kubik­me­ter Luft. Ein Wert von höchs­tens 50 ist laut WHO noch unbe­denk­lich. Kin­dern, älte­ren Men­schen, Schwan­ge­ren, Per­so­nen mit Erkran­kun­gen des Herz-/Kreis­lauf­sys­tems oder Asthma wurde gera­ten, das Haus nicht zu verlassen.


USA: Leis­tungs­pflicht für Kon­tra­zep­tion fällt

Die US-ame­ri­ka­ni­sche Regie­rung unter Prä­sent Donald Trump hat beschlos­sen, künf­tig die Kos­ten für die Anti­ba­by­pille nicht mehr zu über­neh­men. Eine ent­spre­chende Leis­tungs­pflicht wurde aus der Gesund­heits­re­form gestri­chen. Damit sind alle Arbeit­ge­ber des Pri­vat­sek­tors nicht mehr dazu ver­pflich­tet, Kran­ken­ver­si­che­run­gen anzu­bie­ten, die Ver­hü­tungs­mit­tel ein­schlie­ßen. Die Ent­schei­dung betrifft Mil­lio­nen von Bür­gern, denn rund die Hälfte der US-Bevöl­ke­rung bezieht ihre Kran­ken­ver­si­che­rung über den Arbeitgeber.


Tan­sa­nia: Cho­lera-Aus­bruch

Bei einem Cho­lera-Aus­bruch in Tan­sa­nia sind in den ver­gan­ge­nen Mona­ten knapp 20 Men­schen gestor­ben; ins­ge­samt wur­den mehr als 570 Fälle regis­triert. Das zustän­dige Gesund­heits­mi­nis­te­rium warnt, dass sich die Epi­de­mie durch die anhal­tende Regen­sai­son ver­schlim­mern könnte. Bei einem mas­si­ven Cho­lera-Aus­bruch 2015 waren in Tan­sa­nia
mehr als 10.000 Men­schen erkrankt, 150 starben.

Auf­klä­rungs-Initia­tive zu Psoriasis

Seit Anfang Dezem­ber läuft eine neue Auf­klä­rungs-Initia­tive zu Pso­ria­sis, im Rah­men derer Betrof­fene über The­ra­pie­mög­lich­kei­ten infor­miert und dazu ermu­tigt wer­den sol­len, einen Arzt auf­zu­su­chen. Die The­ra­pie­pa­lette sei breit, wie Johan­nes Neu­ho­fer, Bun­des­fach­grup­pen­ob­mann für Haut- und Geschlechts­krank­hei­ten der ÖÄK, betonte: „Bio­lo­gika sind eine große Hoff­nung für die The­ra­pie von schwe­ren bis mit­tel­schwe­ren Fäl­len.“ Diese sys­te­mi­sche The­ra­pie werde aktu­ell nur von spe­zia­li­sier­ten Zen­tren sowie teil­weise von nie­der­ge­las­se­nen Fach­ärz­ten ange­bo­ten; Ziel sei es, das Ange­bot für Pati­en­ten künf­tig aus­zu­wei­ten. Die Initia­tive „Pso­ria­sis“ wird u.a. von der ÖÄK, der Ärz­te­kam­mer Wien sowie der Apo­the­ker­kam­mer unterstützt.

ÖÄK: Ohne Kam­mern mehr staat­li­che Regu­lie­rung

Ange­sichts der mit den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen ein­her­ge­hen­den Debatte über eine Abschaf­fung der Pflicht­mit­glied­schaf­ten in den Kam­mern warnt ÖÄK-Prä­si­dent Tho­mas Sze­ke­res vor einem sol­chen Schritt: „Die Kam­mern der freien Berufe haben neben den viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben in der Selbst­ver­wal­tung auch hoheit­li­che Auf­ga­ben. Stellt man eine Pflicht­mit­glied­schaft in Frage, müss­ten diese behörd­li­chen Auf­ga­ben wie­der an den Staat über­tra­gen wer­den. Das würde noch mehr staat­li­che Regu­lie­rung und Büro­kra­tie bedeu­ten.“ Eine Abschaf­fung würde die Inter­es­sen­ver­tre­tung schwä­cher und die Leis­tun­gen für Mit­glie­der teu­rer machen bezie­hungs­weise zu einer Ein­schrän­kung des Leis­tungs­an­ge­bo­tes füh­ren. Die Selbst­ver­wal­tung gewähr­leiste der Ärz­te­schaft nicht
nur Frei­heit und Unab­hän­gig­keit von staat­li­chen Insti­tu­tio­nen, son­dern auch die Unan­tast­bar­keit der Rechte ihrer Pati­en­ten. „Kam­mern ste­hen für die auto­nome, frei vom Staat und in Eigen­ver­ant­wor­tung umge­setzte Wahr­neh­mung­öf­fent­li­cher Auf­ga­ben. Was als Zwang ange­pran­gert wird, sichert in Wirk­lich­keit die Frei­heit der Berufs­grup­pen gegen­über dem Staat. Ohne gesetz­li­che Mit­glied­schaft gäbe es keine Selbst­ver­wal­tung, son­dern nur mehr staat­li­chen Ein­fluss und Büro­kra­tie“, so das Fazit von Szekeres.

ÖÄK: Gesund­heits­ver­sor­gung nicht an BIP koppeln

Es ist unzu­läs­sig, die Gesund­heits­aus­ga­ben an das BIP zu kop­peln“, appel­lierte ÖÄK-Prä­si­dent Tho­mas Sze­ke­res anläss­lich der aktu­el­len Regie­rungs­ver­hand­lun­gen. Ange­sichts der Tat­sa­che, dass die Gesell­schaft immer älter wird und chro­ni­sche Erkran­kun­gen kon­ti­nu­ier­lich stei­gen, sei die Stei­ge­rung der Gesund­heits­aus­ga­ben abseh­bar. „Es ist daher höchst an der Zeit, sich über bes­sere Leis­tun­gen Gedan­ken zu machen“, so Sze­ke­res. Öster­reich liege in punkto Prä­ven­tion an dritt­letz­ter Stelle der OECD-Län­der. Auch eine Auf­wei­chung oder Auf­he­bung der Rück­nahme des Rauch­ver­bots ist für den Ärz­te­kam­mer-Prä­si­den­ten nicht anzu­den­ken. Ange­sichts der Dis­kus­sion um die Kas­sen­zu­sam­men­le­gung sprach sich Sze­ke­res auch künf­tig für starke regio­nale Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen auf Bun­des­län­der­ebene aus. Nur auf die­ser Ebene könn­ten die bes­ten Ent­schei­dun­gen für die Men­schen vor Ort getrof­fen wer­den. Für die Zukunft müsse man auch den dro­hen­den Ärzte- und Ver­sor­gungs­man­gel berück­sich­ti­gen: „Wir haben einen bestür­zen­den Ärz­te­man­gel und ste­hen der Pen­sio­nie­rungs­welle der Baby-Boo­mer-Genera­tion”, betonte der Kuri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte in der
ÖÄK, Johan­nes Steinhart.


Arbeits­me­di­zi­ner: Emp­feh­lungs­ta­rif für 2018

Bei den arbeits­me­di­zi­ni­schen Emp­feh­lungs­ta­ri­fen für externe Arbeits­me­di­zi­ner hat der Vor­stand der ÖÄK eine Erhö­hung von 2,1 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr beschlos­sen. Hono­rare für Weg­zei­ten, Fahr­spe­sen, Büro­kos­ten etc. sind sepa­rat zu vereinbaren. 

Min­dest­ho­no­rar – Emp­feh­lun­gen für externe Arbeits­me­di­zi­ner
Ein­satz­zeit (Stunden/​Jahr) – Betrag pro Stunde in €
1–80 – 171,93
81–180 – 142,37
> 180 – 116,81

Gül­tig ab 1. Jän­ner 2018


Ita­lien: Ver­fas­sungs­ge­richt bil­ligt Impfpflicht

Das Ver­fas­sungs­ge­richt in Rom hat die von der ita­lie­ni­schen Regie­rung erlas­sene Impf­pflicht gebil­ligt. Die Region Vene­tien hatte das Gesetz als Ein­griff in das indi­vi­du­elle Gesund­heits­recht bezeich­net und geklagt. Kin­der im Alter von bis zu sechs Jah­ren dür­fen nicht in Krip­pen, Kin­der­gär­ten oder Vor­schul­klas­sen auf­ge­nom­men wer­den, wenn sie nicht geimpft sind. Die Pflicht gilt für zehn Imp­fun­gen, dar­un­ter jene gegen Diph­the­rie, Teta­nus und Masern. Seit Anfang 2017 gibt es in Ita­lien einen Wie­der­an­stieg von Masern-Fäl­len mit Todes­op­fern. 88 Pro­zent der Betrof­fe­nen waren nicht geimpft.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 23–24 /​15.12.2017