edi­to­rial: Dr. Agnes M. Mühlgassner

10.06.2017 | Politik

© Gregor Zeitler

Mit dem Grup­pen­pra­xis­ge­setz hatte man einst große Hoff­nun­gen ver­bun­den: Sollte es doch die ärzt­li­che Koope­ra­tion för­dern. Die Rea­li­tät sieht bekannt­lich anders aus; für man­che ist es ein Gruppenpraxis-Verhinderungsgesetz.

Ein ähn­li­ches Schick­sal scheint dem Geset­zes­ent­wurf zur künf­ti­gen Pri­mär­ver­sor­gung zu dro­hen. Der Name ist bezeich­nend: Gesund­heits­re­form­um­set­zungs­ge­setz – kurz GRUG. Und am Ent­wurf gibt es jede Menge Kri­tik: Mehr als 300 Stel­lung­nah­men sind ein­ge­langt. Allein der Haupt­ver­band hat in sei­nen Aus­füh­run­gen 125 Ände­rungs­vor­schläge ein­ge­bracht. Da erüb­rigt sich jeder Kommentar.

Wer also ange­sichts die­ser Fülle von neuen gesetz­li­chen Rege­lun­gen noch immer eine Pri­mär­ver­sor­gungs­ein­heit auf die Beine stel­len will, wird spä­tes­tens dann stut­zig wer­den, wenn er im Zuge des­sen als ers­ten Schritt sei­nen Kas­sen­ver­trag zurück­le­gen muss – so ist es jeden­falls der­zeit im Geset­zes­ent­wurf vorgesehen.

För­de­rung von Pri­mär­ver­sor­gung: ja. Noch mehr Regu­lie­run­gen für die Zusam­men­ar­beit von Ärz­tin­nen und Ärz­ten: nein danke. Denn die Büro­kra­tie in den Ordi­na­tio­nen ist mit ein Grund dafür, warum zum Bei­spiel der Beruf des All­ge­mein­me­di­zi­ners unter den jet­zi­gen Rah­men­be­din­gun­gen für junge Ärz­tin­nen und Ärzte unat­trak­tiv ist.

Herz­lichst,
Dr. med. Agnes M. Mühl­gas­s­ner
Chef­re­dak­teu­rin

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 11 /​10.06.2017