Neuer Haupt­ver­bands­chef: Seine Prio­ri­tä­ten, seine Pläne

25.05.2017 | Poli­tik

Der kürz­lich ein­stim­mig zum neuen Vor­sit­zen­den des Ver­bands­vor­stands im Haupt­ver­band der Öster­rei­chi­schen Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger gewählte Alex­an­der Biach prä­sen­tierte beim Gesund­heits­fo­rum Sei­ten­stet­ten „Prae­ve­nire“ Mitte Mai fünf kon­krete Vor­stel­lun­gen für das Gesundheitswesen.Von Agnes M. Mühlgassner

Für die Wei­ter­ent­wick­lung des Gesund­heits­we­sens sind nach Ansicht von Alex­an­der Biach fünf Punkte umzusetzen:

1) „Sozi­al­ver­si­che­rung gemein­sam“: alle Akteure ein­bin­den
Biach betont, dass „die Zeit des Aus­gren­zens vor­bei ist und die des Ein­bin­dens beginnt“ – wobei er „so viele Akteure wie mög­lich ein­bin­den will“. Der immer wie­der vor­ge­brach­ten Kri­tik, wonach im Haupt­ver­band nur gestrit­ten werde, wider­spricht er: „Das stimmt nicht.“

2) Das Wohl der Men­schen in den Mit­tel­punkt stel­len
Das Ver­trauen der Men­schen in Ärzte und die Sozi­al­ver­si­che­run­gen sei „ein unend­lich hohes“, sagt Biach. Und wei­ter: „Die­ses Ver­trauen wol­len wir nicht ver­spie­len.“ Bei Dis­kus­sio­nen werde oft ver­ges­sen, dass es um das Wohl der Men­schen gehe – die­ses müsse „in Wahr­heit“ der Antrieb für alle Akti­vi­tä­ten sein. Dabei gelte es zu schauen, wie das Sys­tem finan­ziert wer­den könne.

3) Kon­kre­ter Umset­zungs­plan für Ver­sor­gungs­si­cher­heit und Ver­sor­gungs­struk­tur

Einen ver­meint­li­chen Still­stand im Gesund­heits­we­sen ver­neint Biach: „Es stimmt nicht, dass wir die Akteure nicht an einen Tisch brin­gen.“ Er könne auf „vie­lem auf­bauen, was jetzt schon da ist“. Der Bun­des­ziel­steue­rungs­ver­trag mit 22 kon­kre­ten Maß­nah­men mit einem kon­kre­ten Zeit­plan etwa: ange­fan­gen von den Pri­mär­ver­sor­gungs­ein­hei­ten (PVE) über die Aus­­­bil­­dungs-Qua­­li­­tät – in Zusam­men­ar­beit mit Kli­ni­ken und der Ärz­te­kam­mer – bis hin zu elek­tro­ni­schen Ser­vices. Bei der Finan­zie­rung tritt er für eine Ein­­nah­­men- ori­en­tierte Aus­ga­ben­po­li­tik ein. Man müsse mit den ver­füg­ba­ren finan­zi­el­len Mit­teln die best­mög­li­che Gesund­heits­dienst­leis­tung für die Men­schen schaffen.

4) Pen­si­ons­ver­si­che­rungs­be­reich
Das Umla­ge­sys­tem müsse nach­hal­tig gesi­chert sein, stellte Biach wei­ters klar. Er halte nichts davon, die Men­schen zu verunsichern.

Damit „die Men­schen mög­lichst lang im akti­ven Erwerbs­le­ben tätig sind“, will er bei­spiels­weise die Kur refor­mie­ren. Wird zum Bei­spiel das tat­säch­li­che Pen­­si­ons- Antritts­al­ter erhöht, bedeu­tet das eine Mil­li­arde Euro weni­ger Bundeszuschuss.

5) Leis­tungs­har­mo­ni­sie­rung
Quer über alle Bun­des­län­der und Berufs­grup­pen habe man 23 ver­schie­dene Leis­tun­gen iden­ti­fi­ziert. Bin­nen Jah­res­frist wolle er die Hälfte har­mo­ni­siert haben – und auf diese Weise die Sys­teme kom­pa­ti­bel machen. Darin sieht er auch eine Grund­vor­aus­set­zung für mög­li­che Ände­run­gen bei den Struk­tu­ren der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger. „Es kann sein, dass es Zusam­men­le­gun­gen gibt, aber es muss nicht sein. Der­zeit pas­sen die Sys­teme nicht zusam­men, so dass ich sie zusam­men­le­gen kann. Wenn sie har­mo­ni­siert sind, dann sind sie kom­pa­ti­bel, dass wir sie zusam­men­le­gen können.“

Zur Per­son

Gebo­ren 1973 in Wien; nach der Matura Stu­dium an der Wirt­schafts­uni­ver­si­tät Wien und Pro­mo­tion zum Dr.rer.soc.oec (Betriebs­wirt­schaft). Danach war er in der Wirt­schafts­kam­mer Öster­reich in ver­schie­de­nen Berei­chen tätig u.a. in der Mar­­ke­­ting- und Pres­se­ab­tei­lung und auch als poli­ti­scher Assis­tent des dama­li­gen Gene­ral­­se­­kre­­tär-Stel­l­­ver­­­tre­­ters Rein­hold Mit­ter­leh­ner. Im Bun­des­mi­nis­te­rium für Ver­kehr, Inno­va­tion und Tech­no­lo­gie war er zunächst Refe­rent von Staats­se­kre­tär Kuka­cka und dann des­sen Kabi­netts­chef. Von 2007 bis 2016 war er Direk­tor des Wie­ner Wirt­schafs­bun­des, seit 2016 Dire­k­­tor-Stel­l­­ver­­­tre­­ter der Wirt­schafts­kam­mer Wien. Von 2011 bis 2016 war er dar­über hin­aus Vor­sit­zen­der der Lan­des­stelle Wien der SVA und von 2016 bis 2017 Obmann-Stel­l­­ver­­­tre­­ter der Wie­ner GKK. Biach ist ver­hei­ra­tet und Vater zweier Töchter.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 10 /​25.05.2017