kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.04.2017 | Medi­zin

Neu­ro­feed­back bei Schlaf­stö­rung: nur Placebo-Effekt

Neu­ro­feed­back wirkt bei Schlaf­stö­run­gen genauso gut oder schlecht wie eine Pla­cebo-Behan­d­­lung. Das haben Salz­bur­ger Schlaf­for­scher in einer Dop­pel­blind­stu­die her­aus­ge­fun­den: Pati­en­ten wur­den für zwölf Sit­zun­gen in eine Gruppe mit ech­tem Neu­ro­feed­back und eine Gruppe mit Pseudo-Trai­­ning ein­ge­teilt. Das Ergeb­nis war ernüch­ternd: Beide Grup­pen hat­ten sub­jek­tiv das Gefühl von bes­se­rer Schlaf- und Lebens­qua­li­tät. Im Schlaf­la­bor spie­gel­ten sich die ver­meint­li­chen Ver­bes­se­run­gen aber nicht in objek­ti­ven Daten wider. Die bis­her berich­te­ten Erfolge von Neu­ro­­fee­d­­back-Trai­­ning dürf­ten auf dem Pla­cebo-Effekt beru­hen. „Die Methode (Neu­ro­feed­back, Anm.) gilt als wis­sen­schaft­lich fun­diert und effek­tiv, doch bis­he­rige Stu­dien genüg­ten nicht den kli­ni­schen Stan­dards“, so Univ. Prof. Manuel Scha­bus vom Labor für Schlaf und Bewusst­seins­for­schung der Uni­ver­si­tät Salz­burg. Laut Scha­bus müsse man die Wirk­sam­keit von Neu­ro­­fee­d­­back-Trai­­ning bei den ande­ren Anwen­dungs­ge­bie­ten mit dop­pel­blin­den Stu­dien tes­ten. APA/​Brain

Stress stei­gert Empathie

Unter Stress zei­gen Men­schen mehr Empa­thie und Hilfs­be­reit­schaft, wie For­scher um Univ. Prof. Claus Lamm vom Insti­tut für Psy­cho­lo­gi­sche Grund­la­gen­for­schung der Uni­ver­si­tät Wien her­aus­ge­fun­den haben. 80 männ­li­che Pro­ban­den muss­ten unter Zeit­druck anspruchs­volle Auf­ga­ben lösen. Anschlie­ßend sahen sie Bil­der von schmerz­haf­ten Ope­ra­tio­nen Wäh­rend­des­sen wurde die Gehirn­ak­ti­vi­tät mit­tels funk­tio­nel­ler Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (fMRT) gemes­sen. Unter Stress reagierte das neu­ro­nale Empa­­thie-Net­z­­werk stär­ker auf die Bil­der der Ope­ra­tio­nen. Bei einem ver­hal­tens­öko­no­mi­schen Spiel – wie­viel Geld gibt man einem Unbe­kann­ten? – zeigte sich, dass Pro­ban­den, die stär­ker auf den Schmerz reagier­ten, auch mehr Geld gaben. Lamm dazu: „Unsere Ergeb­nisse zei­gen, dass Men­schen unter Stress mehr Empa­thie zei­gen kön­nen und eher geneigt sind, ande­ren zu hel­fen.“
APA/​Social Cogni­tive and Affec­tive Neuroscience

FMSE: wei­tere Zecken­art als Überträger

Deut­sche Wis­sen­schaf­ter haben her­aus­ge­fun­den, dass FSME nicht nicht nur durch den Holz­bock, son­dern auch durch die Auwald­ze­cke über­tra­gen wer­den kann. Ob die Auwald­ze­cke erst kürz­lich zum Über­trä­ger wurde oder dies bis­her nur nicht bekannt war, ist unklar. Außer­dem haben die For­scher beob­ach­tet, dass FSME-über­­­tra­­gende Zecken zuneh­mend auch im Win­ter und in Stadt­nähe aktiv sind, sogar im Nor­den Deutsch­lands. APA

Herz­still­stand: erhöh­tes Risiko durch NSAR

Nicht-ste­ro­i­dale Anti­rheu­ma­tika (NSAR) erhö­hen das Risiko für eine Kar­dio­ple­gie. Das haben däni­sche For­scher anhand von Daten von knapp 29.000 Her­z­stil­l­­stand-Pati­en­­ten gezeigt. Etwa 3.400 Pati­en­ten hat­ten bis zu einen Monat vor dem Herz­still­stand Analge­tika genom­men, 1.100 davon Ibu­profen und 545 Diclo­fe­nac. Ergeb­nis: Unter Diclo­fe­nac stieg das Risiko eines Herz­still­stands um 50 Pro­zent im Ver­gleich zu Pati­en­ten ohne Analge­tika, bei Ibu­profen um 31 Pro­zent. APA/​European Heart Journal

Tbc: Gift-Tran­s­­por­t­­sys­­tem geklärt

Wie der Trans­port von Gift­stof­fen im Myco­bac­te­rium tuber­cu­lo­sis erfolgt, mit dem der Wirt geschä­digt wird, hat ein For­scher­team mit öster­rei­chi­scher Betei­li­gung her­aus­ge­fun­den. Der Trans­port­kom­plex hat eine sechs­tei­lige, stern­för­mige Struk­tur. In der Mitte befin­det sich eine wenige Nano­me­ter kleine Öff­nung, die von Ten­­ta­­kel-arti­­gen Greif­ar­men mit Gift­stof­fen befüllt wird; durch diese Öff­nung gelan­gen die Gift­stoffe nach außen. Das Team um Tho­mas Mar­lo­vits vom Insti­tut für Mole­ku­lare Bio­tech­no­lo­gie (IMBA) sucht nun Struk­tu­ren, an denen ein Wirk­stoff angrei­fen könnte. APA/​Nature Microbiology

Trauma: Tetris-Spie­­len könnte Sym­ptome lindern

Nach einem trau­ma­ti­schen Ereig­nis kann Betrof­fe­nen das Spie­len von Tetris oder ähn­li­chen Com­pu­ter­spie­len in der ers­ten Zeit hel­fen. Zu die­sem Schluss kom­men For­scher aus Groß­bri­tan­nien und Schwe­den in einer Stu­die. Von 71 Pati­en­ten, die nach einem Ver­kehrs­un­fall in der Not­auf­nahme im Kran­ken­haus Oxford waren, spielte eine Gruppe inner­halb von sechs Stun­den nach dem Unfall 20 Minu­ten lang Tetris. In der dar­auf­fol­gen­den Woche muss­ten die Pati­en­ten Tage­buch über ihre Erin­ne­run­gen an den Unfall notie­ren. Das Ergeb­nis: Die Pati­en­ten, die kurz nach dem trau­ma­ti­schen Erleb­nis Tetris gespielt hat­ten, muss­ten viel weni­ger an den Unfall den­ken – etwa 62 Pro­zent weni­ger Gedan­ken daran. Außer­dem emp­fan­den sie die Gedan­ken als weni­ger bedrü­ckend. Aller­dings: Nach vier Wochen waren unter bei­den Bedin­gun­gen gleich viele krank, so Ste­fan Röpke von der Ber­li­ner Cha­rité. Weil es sich um eine soge­nannte Proofof- Con­cept-Stu­­die mit nur weni­gen Pati­en­ten han­delt, kann sie nur erste Hin­weise lie­fern. APA/​Molecular Psychiatry

NSAR und PPI: Kom­bi­na­tion schä­digt Dünndarm

Die Kom­bi­na­tion von NSAR und PPI kann zu Ent­zün­dun­gen des Dünn­darms füh­ren. Eine zusätz­li­che Gabe von Rifa­xi­min wirkt den Ent­zün­dun­gen ent­ge­gen. Dies konnte eine dop­pel­blinde Stu­die des kli­ni­schen Phar­ma­ko­lo­gen Priv. Doz. Mar­kus Zeit­lin­ger und des Gas­tro­en­te­ro­lo­gen Wer­ner Dolak von der Med­Uni Wien zei­gen. Sie unter­such­ten 14 Tage lang 60 gesunde Pro­ban­den zunächst mit­tels Kap­se­len­do­sko­pie und teil­ten sie in zwei Grup­pen: eine erhielt Diclo­fe­nac und Ome­pra­zol sowie zusätz­lich Rifa­xi­min, die andere statt Rifa­xi­min ein Pla­cebo. Bei rund einem Drit­tel der Teil­neh­mer in der Pla­cebo-Gruppe wur­den nach zwei Wochen mit­tels erneu­ter Kap­se­len­do­sko­pie mar­kante Ent­zün­dun­gen im Dünn­darm fest­ge­stellt. Die andere Gruppe mit Rifa­xi­min wies signi­fi­kant weni­ger und leich­tere ent­zünd­li­che Ver­än­de­run­gen auf. Mit der Stu­die konnte die These erhär­tet wer­den, dass die zusätz­li­che Gabe von Rifa­xi­min den Darm schützt.
Med­Uni Wien/​Gastroenterology

M. Par­kin­son: Umpro­gram­mie­ren von Hirnzellen

For­schern des Karo­linska Insti­tuts in Stock­holm ist es mit öster­rei­chi­scher Betei­li­gung gelun­gen, Astro­zy­ten so umzu­pro­gram­mie­ren, dass sie die Funk­tion von Dopa­­min-pro­­­du­­zie­­ren­­den Neu­ro­nen, die bei M. Par­kin­son ver­lo­ren gehen, über­neh­men. Auf diese Weise behan­delte Mäuse, die an M. Par­kin­son lei­den, konn­ten danach wie­der bes­ser lau­fen; die Sym­ptome bes­ser­ten sich teil­weise. Bis es kli­ni­sche Unter­su­chun­gen am Men­schen geben kann, ist laut den For­schern „sub­stan­ti­ell mehr For­schung“ nötig.
APA/​Nature Biotechnology

Mög­li­cher­weise nega­tive Effekte durch Glu­­ten-freie Ernährung

In drei gro­ßen Lang­zeit­stu­dien hat ein For­scher­team um Geng Zong von der Har­vard Uni­ver­sity T.H. Chan School of Public Health in Bos­ton den Glu­­ten-Gehalt in der Ernäh­rung von knapp 200.000 Per­so­nen abge­schätzt. Im Zuge der Stu­dien wurde über Jahr­zehnte hin­weg die Ernäh­rung, Lebens­ge­wohn­hei­ten und die Gesund­heit unter­sucht, wie die For­scher beim Tref­fen der Ame­ri­can Heart Asso­cia­tion (AHA) in Port­land (Ore­gon) berich­te­ten. Ergeb­nis: Die­je­ni­gen mit dem höchs­ten Glu­­ten-Kon­­sum (bis zu zwölf Gramm pro Tag) hat­ten ein 13 Pro­zent gerin­ge­res Risiko, an Typ 2‑Diabetes zu erkran­ken als Per­so­nen mit einem gerin­gen Glu­­ten-Kon­­sum. Die­je­ni­gen Stu­di­en­teil­neh­mer, die wenig Glu­ten kon­su­mier­ten, nah­men meist ganz gene­rell auch weni­ger Getrei­de­fa­sern zu sich. Wie die AHA mit­teilte, müss­ten diese Ergeb­nisse in wei­te­ren Unter­su­chun­gen geprüft wer­den, da die Stu­di­en­teil­neh­mer selbst Anga­ben über ihre Ess­ge­wohn­hei­ten mach­ten. Auch stam­men die Daten groß­teils aus einer Zeit, in der Glu­­ten-freie Nah­rungs­auf­nahme noch kein Trend war. Obwohl wei­tere For­schung dazu nötig ist, raten die Wis­sen­schaf­ter dazu, die Glu­­ten-freie Ernäh­rung zu über­den­ken, wenn sie medi­zi­nisch nicht not­wen­dig ist. APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 8 /​25.04.2017