kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

10.02.2017 | Medi­zin

Can­na­bis erhöht Schizophrenie-Risiko

Die For­scher um Stu­di­en­au­tor Julien Vau­cher vom Uni­ver­si­täts­spi­tal Lau­sanne (CHUV) stütz­ten sich auf Daten aus einer Publi­ka­tion von 2016, die einen Zusam­men­hang zwi­schen bestimm­ten Gen­va­ri­an­ten und dem Can­na­bis­kon­sum bei 32.000 Stu­di­en­teil­neh­mern nach­ge­wie­sen hat. Die glei­chen gene­ti­schen Mar­ker wur­den in einem sepa­ra­ten Daten­satz gesucht, der Erb­infor­ma­tion von 34.000 Pati­en­ten und 45.000 Gesun­den umfasste. Die Kom­bi­na­tion der Daten ergab, dass Can­na­bis­kon­sum das Schi­­zo­­phre­­nie-Risiko um 37 Pro­zent erhöht. Die Stu­die basiert auf der „Men­del­schen Ran­do­mi­sie­rung“, bei der ange­bo­rene gene­ti­sche Mar­ker ver­wen­det wer­den, die nicht durch Umwelt­fak­to­ren beein­flusst wer­den. Mit die­ser Methode las­sen sich fal­sche Rück­schlüsse ver­mei­den wie zum Bei­spiel, dass die Wir­kung fälsch­li­cher­weise für die Ursa­che gehal­ten wird – in die­sem Fall, dass ein erhöh­tes Schi­­zo­­phre­­nie-Risiko der Grund für stär­ke­ren Can­na­bis­kon­sum sein könnte. Die Methode erlaubte aller­dings nicht, das Risiko in Abhän­gig­keit von der kon­su­mier­ten Menge oder dem Alter der Kon­su­men­ten zu bestim­men. APA/​Molecular Psychiatry

USA: Krebs-Todes­­­fälle stark gesun­ken

Die Zahl der Todes­fälle durch Krebs ist in den USA in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren um ein Vier­tel zurück­ge­gan­gen. Ursa­chen sind vor allem der Rück­gang des Tabak­kon­sums und Fort­schritte bei der Früh­erken­nung und Behand­lung von Kar­zi­no­men. Am meis­ten gesun­ken ist die Zahl der durch Pro­statakar­zi­nome beding­ten Todes­fälle und zwar um 51 Pro­zent zwi­schen 1993 und 2014. Auch die Zahl der Todes­fälle durch Mam­ma­kar­zi­nome ist zwi­schen 1989 und 2014 um 38 Pro­zent zurück­ge­gan­gen. Die Krebs­häu­fig­keit ins­ge­samt ist im letz­ten Jahr­zehnt bei den Frauen sta­bil geblie­ben, bei den Män­nern um etwa zwei Pro­zent gesun­ken. Die Todes­rate ist bei bei­den Geschlech­tern im Jah­res­durch­schnitt um etwa 1,5 Pro­zent gesun­ken. APA/​Journal for Clinicians

Rau­chen: ab 2030 jähr­lich acht Mil­lio­nen Tote 

Bis 2030 wird die Zahl der Men­schen, die jähr­lich an den Fol­gen des Rau­chens ster­ben, von der­zeit sechs auf acht Mil­lio­nen stei­gen. Das ergab eine Stu­die der WHO, die in Zusam­men­ar­beit mit dem Natio­na­len Krebs­in­sti­tut der USA durch­ge­führt wurde. In Öster­reich ster­ben jähr­lich zwi­schen 11.000 und 14.000 Men­schen durch Tabak­kon­sum. Auch der Welt­wirt­schaft kommt der Tabak­kon­sum teuer: Die Kos­ten für The­ra­pie von Tabak-indu­­zier­­ten Krank­hei­ten und für ent­gan­gene Pro­duk­ti­vi­tät belau­fen sich auf etwa 950 Mil­li­ar­den Euro. Pro­gramme zur Ein­däm­mung des Rau­chens wie etwa Preis- und Steu­er­erhö­hun­gen, Wer­be­ver­bote und Ent­wöh­nungs­an­ge­bote wür­den sich laut Stu­die daher finan­zi­ell loh­nen. APA

Anti­bio­tika: Wir­kung hängt von Umwelt ab

Wis­sen­schaf­ter um Jesse Har­ri­son vom Depart­ment für Mikro­bio­lo­gie und Öko­sys­tem­for­schung der Uni­ver­si­tät Wien haben Halo­mo­nas hydro­­­ther­­ma­­lis-Bak­­te­­rien, die poly-extremo-tole­rant sind, Sauer­stof­fund Eisen­man­gel sowie unter­schied­li­chen Salz­kon­zen­tra­tio­nen aus­ge­setzt und sie zusätz­lich mit Anti­bio­tika behan­delt. Die Bak­te­rien hiel­ten unter­schied­li­chen Men­gen von Anti­bio­tika stand – je nach­dem, wel­che Kom­bi­na­tion von Umwelt­fak­to­ren auf sie ein­wirkte. Zum Bei­spiel waren sie bei aus­rei­chend Sauer­stoff wider­stands­fä­hig gegen­über Ampi­cil­lin; fehl­ten Eisen und Sauer­stoff, hemmte Ampi­cil­lin ihr Wachs­tum viel stär­ker. Durch sys­te­ma­ti­sche Ver­su­che könne man für alle Anti­bio­tika jene Kon­stel­la­tio­nen ermit­teln, bei denen sie am bes­ten wir­ken und somit The­ra­pien für Infek­ti­ons­krank­hei­ten ver­bes­sern, mei­nen die Wis­sen­schaf­ter. APA/​Interface

Essen löst Ent­zün­dun­gen aus

In Ver­su­chen mit Mäu­sen zeigte sich, dass sich Makro­pha­gen wäh­rend des Essens im Darm sam­meln und je nach Glu­­cose-Spie­­gel Inter­leu­kin 1beta pro­du­zie­ren, der die Insu­lin­aus­schüt­tung in der Bauch­spei­chel­drüse anregt. Inter­leu­kin 1beta regu­liert gemein­sam mit Insu­lin den Glu­­cose-Spie­­gel; außer­dem sorgt es dafür, dass das Immun­sys­tem mit Zucker ver­sorgt und akti­viert wird. Dies ist auch inso­fern von Bedeu­tung, um mit der Nah­rung auf­ge­nom­mene Bak­te­rien unschäd­lich zu machen. Inter­leu­kin 1beta spielt auch bei der Ent­ste­hung von Typ 2‑Diabetes eine Rolle, da er dabei chro­nisch aus­ge­schüt­tet wird, was wie­derum die Beta­zel­len des Pan­kreas schä­digt. Die glei­che Ent­zün­dung, die bei Gesun­den schüt­zend wirkt, kann also bei Über­ge­wich­ti­gen chro­nisch wer­den und zu Dia­be­tes mel­li­tus füh­ren. Bis­lang war die Bedeu­tung von Inter­leu­kin 1beta rela­tiv uner­forscht, erkläte Wis­sen­schaf­ter um Marc Donath vom Uni­ver­si­täts­spi­tal Basel. Wer­den aus­rei­chend Nähr­stoffe auf­ge­nom­men, wird auch das Immun­sys­tem mit aus­rei­chend Zucker ver­sorgt, um auf Bak­te­rien ange­mes­sen reagie­ren zu kön­nen. Das könnte auch erklä­ren, warum bei Hun­gers­nö­ten oft Infek­ti­ons­krank­hei­ten auf­tre­ten. APA/​Nature Immunology

Hoher Fleisch­kon­sum senkt Lebenserwartung

Die Wis­sen­schaf­ter des Stock­hol­mer Karo­­linska-Insti­­tuts unter­such­ten über 16 Jahre lang hin­durch bei 74.645 Per­so­nen ver­schie­de­nen Alters die Aus­wir­kun­gen des Fleisch­kon­sums auf die Lebens­er­war­tung. Je nach kon­su­mier­ter Fleisch­menge unter­teil­ten sie die Pro­ban­den in fünf Grup­pen: Die Ster­be­rate in der Gruppe mit dem höchs­ten Fleisch­kon­sum (über 117 Gramm pro Tag) lag um 21 Pro­zent höher als bei der Gruppe mit dem nied­rigs­ten Fleisch­kon­sum (unter 46 Gramm pro Tag). „Ins­be­son­dere Todes­fälle durch kar­dio­vasku­läre Erkran­kun­gen wie Herz­in­farkt und Schlag­an­fall tra­ten bei Per­so­nen mit hohem Fleisch­kon­sum deut­lich häu­fi­ger auf“, erklärte Univ. Prof. Kurt Wid­halm, Prä­si­dent des Öster­rei­chi­schen Aka­de­mi­schen Insti­tuts für Ernäh­rungs­me­di­zin (ÖIAE). Auch die ver­mehrte Auf­nahme von Obst und Gemüse konnte die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen nicht aus­glei­chen. APA

Arte­rio­skle­rose: IgE als Verursacher

Ein IgM-Man­­gel kann zu einem erhöh­ten Risiko für Arte­rio­skle­rose und in der Folge zu Herz­kreis­lauf­erkran­kun­gen füh­ren. Das haben For­scher der Med­Uni Wien um Dimi­trios Tsi­an­tou­las her­aus­ge­fun­den. Ver­min­derte IgM-Spie­­gel – sie regu­lie­ren den IgE-Spie­­gel – tre­ten bei bis zu zwei­ein­halb Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung auf. Geht diese Balance ver­lo­ren, sor­gen die in zu gro­ßer Zahl vor­han­de­nen IgE-Anti­­kör­­per für die ver­mehrte Bil­dung von Plaques, Akti­vie­rung von Mast­zel­len und Ent­zün­dungs­vor­gän­gen, was die Gefäße schä­digt. „Wir konn­ten erst­mals zei­gen, dass IgE-Anti­­kör­­per selbst Ent­zün­dungs­re­ak­tio­nen in Gefä­ßen her­vor­ru­fen kön­nen und dass die Hem­mung die­ser IgE-Anti­­kör­­per die Schä­di­gung der Gefäße ver­hin­dert“, so Univ. Prof. Chris­toph Bin­der von der Kli­ni­schen Abtei­lung für medi­­­zi­­nisch-che­­mi­­sche Labor­dia­gnos­tik der Med­Uni Wien. Aus die­ser Erkennt­nis könn­ten neue The­ra­­pie-Opti­o­­nen ent­wi­ckelt wer­den. APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 3 /​10.02.2017