Stand­punkt – Vize-Präs. Harald Mayer: Keine Chance für Alternativen

10.02.2016 | Stand­punkt

© Zeitler

Rein zah­len­mä­ßig gibt es in Öster­reich immer mehr Ärz­tin­nen und Ärzte – und der Ver­gleich, dass wir damit nahezu gleich­auf mit Grie­chen­land die höchste Ärz­te­dichte in Europa auf­wei­sen, wird uns nahezu bei jeder pas­sen­den und unpas­sen­den Gele­gen­heit präsentiert.

Nichts­des­to­trotz: In den Spi­tä­lern ist nichts davon zu mer­ken, dass Ärz­tin­nen und Ärzte in Hülle und Fülle vor­han­den sind. Denn wer auch nur hin und wie­der einen Blick in die Stel­len­an­zei­gen diver­ser Zei­tun­gen wirft, merkt, dass die offe­nen Stel­len im spi­tals­ärzt­li­chen Bereich immer mehr wer­den, dass es mitt­ler­weile nicht nur Tur­nus­arzt­stel­len sind, für die es keine Bewer­ber gibt, son­dern dass die­ses Phä­no­men bis hin zu Nach­be­set­zun­gen von Pri­ma­ria­ten geht.

Der All­tag selbst in den Spi­tä­lern hat in den letz­ten Jah­ren eine Wand­lung erfah­ren, die sich viele nicht hät­ten träu­men las­sen: Abge­se­hen vom Wust an Doku­men­ta­tion und Admi­nis­tra­tion sind wir jetzt soweit, dass mitt­ler­weile Ober­ärzte wie­der Tur­nus­ärz­te­tä­tig­kei­ten über­neh­men, weil der ärzt­li­che Nach­wuchs fehlt. Einer der Gründe dafür liegt sicher­lich darin, dass die Umset­zung des mit­ver­ant­wort­li­chen Tätig­keits­be­rei­ches ver­ein­bart ist, in der Rea­li­tät jedoch bis heute viel­fach Wunsch­den­ken ist.

So ist es eigent­lich kein Wun­der, dass es für immer mehr Spi­tals­ärz­tin­nen und Spi­tals­ärzte keine Option ist, die ärzt­li­che Tätig­keit in einem Spi­tal aus­zu­üben. Viele unse­rer Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen wagen den Sprung in die Nie­der­las­sung – sei es als Kas­sen­arzt oder auch als Wahl­arzt. Die Moti­va­tion dahin­ter: ein­fach nur raus aus dem Sys­tem Spital. 

Und die äuße­ren Umstände tra­gen ihr Übri­ges dazu bei und ver­schär­fen die ganze Situa­tion: ganze Dienst­rä­der wer­den gestri­chen, die noch an einer Abtei­lung vor­han­de­nen Ärz­tin­nen und Ärzte haben dann alle Hände voll zu tun mit der täg­li­chen Rou­tine. Die Ambu­lan­zen – eine an sich ver­nünf­tige und gute Ein­rich­tung – wer­den immer mehr zu Anlauf­stel­len für alle mög­li­chen Beschwer­den, von denen rund 50 Pro­zent nicht in eine Ambu­lanz gehö­ren, bes­ser im nie­der­ge­las­se­nen Bereich auf­ge­ho­ben wären und dort auch ver­sorgt wer­den sollten.

Dass die­ses Sys­tem trotz­dem noch immer funk­tio­niert, ist ein­zig und allein dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass Ärz­tin­nen und Ärzte sich ihrem Ethos ver­pflich­tet füh­len und Men­schen, die ärzt­li­che Hilfe benö­ti­gen, diese auch zukom­men lassen.

Maß­nah­men sind also in mehr­fa­cher Hin­sicht gefor­dert: Hier den gesteu­er­ten Zugang zur Spi­tals­am­bu­lanz umzu­set­zen und gleich­zei­tig den nie­der­ge­las­se­nen Bereich ent­spre­chend auszustatten.

Die Ent­las­tung von Spi­tals­ärz­tin­nen und Spi­tals­ärz­ten ist das zen­trale Thema. Nur so wird es auch wie­der mög­lich sein, dass sie gerne im Spi­tal arbei­ten und dort auch blei­ben – und Alter­na­ti­ven keine Chance haben.

Harald Mayer
2. Vize-Prä­­si­­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 3 /​10.02.2016