Vor­arl­berg: Der schnelle Weg zum Facharzttermin

10.11.2016 | Poli­tik

In Vor­arl­berg gibt es seit Anfang Okto­ber ein Buchungs­sys­tem für dring­li­che Extra-Ter­­mine bei Fach­ärz­ten. Den Zugang dazu haben die Hausärzte.

Das Fach­­arzt-Buchungs­­­sys­­tem ist gut ange­lau­fen. Wir haben ja vor­her schon kam­mer­intern einen Pro­be­lauf gehabt. Schließ­lich gelang es uns, das Pro­jekt in den Ver­hand­lun­gen mit der Vor­arl­ber­ger Gebiets­kran­ken­kasse zu fixie­ren“, sagt der Vor­arl­ber­ger Ärz­te­kam­mer­prä­si­dent Michael Jonas. Im Grunde gilt es, meh­rere Ziele anzu­steu­ern: Ver­kür­zung der War­te­zei­ten und bes­se­res Ter­min­ma­nage­ment sowie ein wei­te­rer Hebel, um den direk­ten Zustrom der Pati­en­ten in die Spi­tals­am­bu­lan­zen zu bremsen.

So läuft die Ter­mi­ner­stel­lung ab: Der Haus­arzt stellt den Bedarf nach einem dring­li­chen Fach­arzt­ter­min fest. Via Inter­net stel­len die Vor­arl­ber­ger Inter­nis­ten, Augen­ärzte, Der­ma­to­lo­gen, Ortho­pä­den, Psych­ia­ter und Neu­ro­lo­gen sowie HNO-Fach­ärzte mög­li­che Extra-Ter­­mine außer­halb der nor­ma­len Ordi­na­ti­ons­zei­ten online in das Buchungs­sys­tem. Der Haus­arzt klickt den Ter­min an und über­gibt dem Pati­en­ten die Buchung.

Ins­ge­samt wurde zwi­schen der Ärz­te­kam­mer im Ländle und der Vor­arl­ber­ger GKK unter Obmann Man­fred Brun­ner die Bereit­stel­lung von 1.010 zusätz­li­chen Fach­arzt­ter­mi­nen pro Monat für die kom­men­den ein­ein­halb Jahre ver­ein­bart. Davon ent­fal­len 300 auf Inter­nis­ten, 250 auf Ortho­pä­den, je 70 auf Oph­thal­mo­lo­gen, Neu­ro­lo­gen und Psych­ia­ter und 150 auf Der­ma­to­lo­gen. Dafür gibt es auch Extra­ho­no­rar: Die teil­neh­men­den Fach­ärzte erhal­ten 39 Euro Zuschlag je Ter­min. Ein klei­nes Hono­rar gibt es auch für die Haus­ärzte, die sich des Sys­tems bedie­nen. Die Teil­nahme ist frei­wil­lig. Burk­hard Walla, Inter­nist in Dorn­birn und Kuri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte der Ärz­te­kam­mer Vor­arl­berg, erläu­tert: „Wir haben 14 Augen­ärzte, acht Haut­ärzte, zwölf HNO-Ärzte, 18 Inter­nis­ten, fünf Neu­ro­lo­gen, 16 Ortho­pä­den und vier Psych­ia­ter, die Ter­mine bereit­stel­len. In der Ver­gan­gen­heit waren Schwer­punkt der Kla­gen über lange War­te­zei­ten zum Bei­spiel die Neu­ro­lo­gie und die Ortho­pä­die.“ Die Ver­ant­wor­tung liegt bei den Haus­ärz­ten. Sie müs­sen jetzt natür­lich auch ihren Pati­en­ten erklä­ren, warum ein dring­li­cher Ter­min bei einem Fach­arzt erfor­der­lich ist, warum nicht.

Von Anfang an dabei ist Bert­ram Koh­ler, Inter­nist in Dorn­birn. Koh­ler: „Ich habe in der Woche acht Ter­mine frei­ge­schal­tet und habe bis­her gute Erfah­run­gen gemacht.“ Neben der struk­tu­rier­ten Ter­min­ver­gabe macht er auf einen wei­te­ren Umstand auf­merk­sam, der nicht unbe­deu­tend ist: „Natür­lich sind meine dring­li­chen Ter­mine, die ich in das Sys­tem stelle, eher zu Rand­zei­ten.“ Sicher kein Feh­ler, wenn es – auch – um die Ent­las­tung der Spi­tals­am­bu­lan­zen geht. Die Kos­ten von berech­ne­ten 532.000 Euro tei­len sich Ärz­te­kam­mer und Gebiets­kran­ken­kasse je zur Hälfte. Jonas: „Das Geld kommt aus einem Refor­m­­pro­­jekt-Topf, den wir haben.“

Wenn’s klappt, wäre das womög­lich auch ein Bei­spiel für Österreich …

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 21 /​10.11.2016