kurz & infor­ma­tiv: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

25.11.2016 | Politik

„For­schungs­mil­li­arde“ beschlossen

Die Regie­rung hat kürz­lich ein mehr­jäh­ri­ges For­schungs-För­de­rungs­pa­ket beschlos­sen: Bis 2021 sol­len 700 Mil­lio­nen Euro inves­tiert wer­den, dazu kom­men 500 Mil­lio­nen Euro aus pri­va­ten Mit­teln. Inves­tiert wer­den soll u.a. in For­schung zu Quan­ten­com­pu­tern, Digi­ta­li­sie­rung und den Aus­bau der Mobil­funk­ge­nera­tion „5G“. Fast zwei Drit­tel der För­de­rung (281 Mil­lio­nen Euro) gehen an den Wis­sen­schafts­fonds FWF sowie die Fort­füh­rung der Pro­gramme „F&E‑Infrastruktur“ und „Frontrun­ner“ und die neue För­der­li­nie „Early Stage“ für risi­ko­rei­che For­schung. Der Groß­teil der Mit­tel müs­sen aller­dings erst mit dem nächs­ten Finanz­rah­men für 2018 bis 2021 fixiert werden.

Slo­we­nien: unbe­fris­te­ter Ärzte-Streik

In Slo­we­nien sind die Ärzte in öffent­li­chen Spi­tä­lern und Gesund­heits­zen­tren mit 8. Novem­ber in einen unbe­fris­te­ten Streik getre­ten. Sie for­dern bes­sere Arbeits­be­din­gun­gen und höhere Gehäl­ter. Zunächst wol­len die Ärzte keine Über­stun­den mehr machen. Lässt sich die Regie­rung davon nicht beein­dru­cken, sol­len nach zwei Wochen nur noch Not­fälle sowie schwer­kranke oder ältere Pati­en­ten, Schwan­gere und Kin­der behan­delt wer­den. Die Gewerk­schaft der Ärzte und Zahn­ärzte FIDES hat zum Streik auf­ge­ru­fen, nach­dem mit der Regie­rung nach einem Jahr keine Eini­gung über den neuen Kol­lek­tiv­ver­trag erreicht wurde. Bereits seit 2008 wer­den neue Stan­dards und Nor­men für das öffent­li­che Gesund­heits­sys­tem gefor­dert. Der Streik könnte der größte Ärz­te­streik seit 2010 wer­den, als zehn Tage lang keine Über­stun­den gemacht wurden.

Apo­the­ker­ver­band: Rehak wird neuer Präsident

Der Vor­arl­ber­ger Jür­gen Rehak ist ab 1. Jän­ner 2017 der neue Prä­si­dent des Öster­rei­chi­schen Apo­the­ker­ver­ban­des. Er über­nimmt das Amt von Chris­tian Mül­ler-Uri für die kom­mende Funk­ti­ons­pe­ri­ode von fünf Jah­ren. Vize­prä­si­den­ten wer­den Tho­mas Veits­cheg­ger und Chris­tian Wurstbauer.

USA: 13 Fälle von Can­dida auris

n den USA sind erst­mals 13 Fälle der töd­lich ver­lau­fen­den Infek­tion mit Can­dida auris regis­triert wor­den. Vier Betrof­fene sind gestor­ben, wie die US-Gesund­heits­be­hörde CDC (Cen­ters for Dise­ase Con­trol) mit­teilte. 71 Pro­zent der ent­nom­me­nen Pro­ben der betrof­fe­nen USPa­ti­en­ten wie­sen eine Arz­nei­mit­tel-Resis­tenz auf. Can­dida auris – er lässt sich bei Infi­zier­ten im Ohr sowie im Urin nach­wei­sen – wurde erst­mals 2009 bei einem Pati­en­ten in Japan nach­ge­wie­sen. Mitt­ler­weile wurde der Pilz auch in zahl­rei­chen ande­ren Län­dern gefunden.

Neue Bögen „Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung zur Schutzimpfung“ 

Auf der Home­page des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums sind neue Bögen zur „Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung zur Schutz­imp­fung“ ver­füg­bar. Neu ist daran, dass die Mög­lich­kei­ten zum Ankreu­zen, ob man mit der Imp­fung ein­ver­stan­den ist oder nicht, ent­fernt wurde zuguns­ten fol­gen­der For­mu­lie­rung: „Wenn Sie mit der Imp­fung NICHT ein­ver­stan­den sind oder eine zusätz­li­che Auf­klä­rung benö­ti­gen, so unter­zeich­nen Sie diese Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung bitte NICHT.“ Die For­mu­lare ste­hen unter www.bmgf.gv.at zum Down­load zur Verfügung.

ÖÄK gegen Chefarztpflicht

Weil ihr büro­kra­ti­scher Auf­wand in kei­nem Ver­hält­nis zum Nut­zen steht, for­dert die ÖÄK die Abschaf­fung des Arz­nei­mit­tel­be­wil­li­gungs­sys­tems ABS und der Chef­arzt­pflicht. Das ABS habe den Zweck zu prü­fen, ob die Dia­gnose das ver­schrie­bene Medi­ka­ment recht­fer­tige. Das geschehe aber ohne­hin bei der Abrech­nungs­kon­trolle. „Wir leh­nen diese Par­al­lel-Büro­kra­tie daher ab. Sie bringt nichts als Zeit­ver­lust und War­tungs­kos­ten für Ärzte und für Pati­en­ten zusätz­li­che unnö­tige War­te­zeit“, kri­ti­siert der Bun­des­ku­rien-Obmann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte, Johan­nes Stein­hart. Die durch­schnitt­li­che Bear­bei­tungs­zeit einer Bewil­li­gung über das ABS beträgt laut Haupt­ver­band knapp sechs Minu­ten. Kal­ku­liert man fünf Minu­ten pro Medi­ka­ment, kommt man auf 4.560 Stun­den, die jede Woche mit dem War­ten auf Bewil­li­gun­gen ver­geu­det wer­den. In Ober­ös­ter­reich habe man die „Sinn­lo­sig­keit“ (Stein­hart) der Chef­arzt­pflicht inklu­sive ABS schon lange erkannt und komme ohne nega­tive Aus­wir­kun­gen jah­re­lang ohne das Sys­tem aus. Stein­hart kün­digte an, ABS und Chef­arzt­pflicht in den mit dem Haupt­ver­band ver­ein­bar­ten Arbeits­grup­pen zu the­ma­ti­sie­ren. „Diese Arbeits­grup­pen wer­den sich ja auch mit dem Abbau der Büro­kra­tie­flut befas­sen. Das ABS abzu­schaf­fen wäre ein ers­ter Schritt in diese Richtung.“

AGES: Schwer­punkt „Medi­ka­men­ten-Neben­wir­kun­gen“

Die Agen­tur für Gesund­heit und Ernäh­rungs­si­cher­heit (AGES) will mit einer Social-Media-Kam­pa­gne zum Thema Medi­ka­men­ten-Neben­wir­kun­gen Bewusst­sein schaf­fen und die Zahl der Mel­dung von Neben­wir­kun­gen erhö­hen. Laut AGES wer­den in ganz Europa der­zeit noch viel zu sel­ten Neben­wir­kun­gen an die Behör­den gemel­det. Die Kam­pa­gne ist Teil des Joint Action-Pro­jekts der Euro­päi­schen Kom­mis­sion unter dem Titel „Streng­t­he­ning Col­la­bo­ra­tion for Ope­ra­ting Phar­ma­co­vi­gi­lance in Europe“ (SCOPE). In Öster­reich kön­nen Neben­wir­kun­gen direkt der Arz­nei­mit­tel­be­hörde unter www.basg.gv.at/pharmakovigilanz/phv-meldung-online-vigiweb/ gemel­det werden.

Stei­ri­scher Gesund­heits­plan 2035 prä­sen­tiert

Der aus fünf Ele­men­ten bestehende Stei­ri­sche Gesund­heits­plan soll bis 2035 in meh­re­ren Schrit­ten umge­setzt wer­den. Ers­ter Schritt ist das „Gesund­heits­te­le­fon“, das rund um die Uhr mit medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal besetzt ist. Dann folgt in der Behand­lungs-Pyra­mide das Gesund­heits­zen­trum (GSZ), besetzt mit drei bis fünf All­ge­mein­me­di­zi­nern sowie Pfle­ge­per­so­nal. Von dort kann der Pati­ent bei Bedarf an einen Fach­arzt oder an ein Leit­spi­tal über­wie­sen wer­den. Anzahl und Stand­orte der GSZ sind bis­lang nicht fixiert. Anstelle der der­zeit 15 stei­ri­schen Spi­tä­ler soll es künf­tig nur noch neun geben: in sechs Regio­nen je ein Leit­spi­tal sowie drei Spi­tä­ler in Graz.

ÖÄK befragt Jung­me­di­zi­ner online

Mit einer Online-Umfrage zur „Berufs­mo­ti­va­tion All­ge­mein­me­di­zin“ will die ÖÄK unter Tur­nus­ärz­ten u.a. die Moti­va­tion für eine Nie­der­las­sung und Wün­sche für ein zukünf­ti­ges Berufs­bild erhe­ben. Damit will die Bun­des­sek­tion Ärzte für All­ge­mein­me­di­zin und appro­bierte Ärzte aus­sa­ge­kräf­tige Argu­mente für Ver­hand­lun­gen mit Ver­tre­tern der Gesund­heits­po­li­tik sam­meln. Alle Tur­nus­ärzte sind ein­ge­la­den, unter http://allgemeinmedizin.medunigraz.at/UM11 an der Umfrage teilzunehmen.

60 Pro­zent der Kin­der­sterbe­fälle in zehn Ländern

Obwohl die Kin­der­sterb­lich­keit ste­tig sinkt, sind im Jahr 2015 noch immer knapp sechs Mil­lio­nen Kin­der vor dem fünf­ten Lebens­jahr gestor­ben. 60 Pro­zent davon ent­fie­len auf nur zehn Län­der: In Afrika sind es Angola, die Demo­kra­ti­sche Repu­blik Kongo, Äthio­pien, Nige­ria und Tan­sa­nia, in Asien Ban­gla­desch, China, Indo­ne­sien, Indien und Paki­stan. In afri­ka­ni­schen Län­dern sind Pneu­mo­nien die häu­figste Todes­ur­sa­che von unter Fünf­jäh­ri­gen, in Asien Kom­pli­ka­tio­nen bei Früh­ge­bur­ten. Von 2000 bis 2015 ist die Zahl der Todes­fälle der unter Fünf­jäh­ri­gen um vier Mil­lio­nen gesun­ken – das ist ein Rück­gang von 53 Prozent.

Ärz­te­dichte: Öster­reich liegt auf Platz 13

Die Behaup­tung, wonach Öster­reich nach Grie­chen­land die zweit­höchste Ärz­te­dichte in Europa auf­weist, wurde kürz­lich durch eine Stu­die des For­schungs­in­sti­tuts für Freie Berufe der Wirt­schafts­uni­ver­si­tät Wien wider­legt. Ent­spre­chende OECD-Sta­tis­ti­ken seien pro­ble­ma­tisch, hieß es, da man die ein­zel­nen Län­der nur schwer ver­glei­chen könne. So wür­den etwa in Öster­reich die Tur­nus­ärzte berück­sich­tigt, in ande­ren Län­dern wie zum Bei­spiel in Bel­gien jedoch nicht. Nimmt man nur die fer­tig aus­ge­bil­de­ten Ärzte, liege Öster­reich ledig­lich im Mit­tel­feld. Dann kom­men in Öster­reich auf 1.000 Ein­woh­ner 4,32 Ärzte; rech­net man die Tur­nus­ärzte mit, sind es 5,05 Ärzte auf 1.000 Ein­woh­ner. Damit liegt Öster­reich nicht mehr auf Platz zwei der euro­päi­schen Län­der, son­dern auf Platz 13.

Die Pro­gnose für die Zukunft: Wäh­rend die Zahl der Anspruchs­be­rech­tig­ten seit 2005 um 14 Pro­zent gewach­sen ist, ist die Zahl der Kas­sen-All­ge­mein­me­di­zi­ner um zwölf Pro­zent zurück­ge­gan­gen. Musste ein Haus­arzt im Jahr 2015 – sta­tis­tisch gese­hen – 2.272 Pati­en­ten ver­sor­gen, wird er sich 2025 um 3.338 Wie­ne­rin­nen und Wie­ner küm­mern müs­sen. Die­ser Trend wird sich fort­set­zen. In Wien wer­den bis zum Jahr 2030 schät­zungs­weise min­des­tens 3.000 Ärzte feh­len. Geht man von einem Pen­si­ons­an­tritt mit 67 Jah­ren aus, wird sich die Zahl der Haus­ärzte von der­zeit 730 auf 190 reduzieren.

Nach­wuchs ist nicht in die­sem Aus­maß in Sicht, denn viele der in Öster­reich stu­die­ren­den Aus­län­der – vor allem deut­sche Staats­bür­ger – keh­ren meist wie­der in ihre Hei­mat zurück. Der Wie­ner Ärz­te­kam­mer­prä­si­dent, Univ. Prof. Tho­mas Sze­ke­res, for­dert des­we­gen einen „Mas­ter­plan für Jung­me­di­zi­ner, um die fun­da­men­tale Ver­sor­gungs­krise“ abzu­fan­gen. Es bräuchte Anreize, um die Abwan­de­rung der Medi­zin­ab­sol­ven­ten ins Aus­land zu ver­rin­gern. „Das beginnt bei den Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten und geht wei­ter bei den Arbeits­be­din­gun­gen“, so Sze­ke­res. Und der Kuri­en­ob­mannn der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte in der Wie­ner Ärz­te­kam­mer, Johan­nes Stein­hart, mahnt auch ent­spre­chende Bedin­gun­gen für die Ärz­tin­nen und Ärzte ein: „Dazu gehört die Strei­chung von zeit­rau­ben­den büro­kra­ti­schen Auf­la­gen ebenso wie das Ende der Decke­lun­gen und Degres­sio­nen im nie­der­ge­las­se­nen Bereich.“ Zumu­tun­gen wie das „Mys­tery Shop­ping“ müss­ten eben­falls abge­schafft werden.

Medi­zin­stu­dium: EU-Kom­mis­sion prüft Quotenregelung

Die EU-Kom­mis­sion prüft den Antrag Öster­reichs auf Ver­län­ge­rung der Quo­ten­re­ge­lung für aus­län­di­sche Medi­zin-Stu­den­ten. Bis Jah­res­ende soll eine Ent­schei­dung dar­über fal­len, ob die EU-Kom­mis­sion das aus­ge­setzte Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren wei­ter­führt, die Quo­ten­re­ge­lung ver­län­gert oder der Fall geschlos­sen wird. Die seit 2006 gel­tende Quo­ten­re­ge­lung war von der EU-Kom­mis­sion wegen der Dis­kri­mi­nie­rung von EU-Bür­gern bekämpft wor­den. Es wurde ein Mora­to­rium gewährt; Öster­reich musste bis 2016 nach­wei­sen, dass ohne Quote die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung des Lan­des nicht gesi­chert ist. Der Abschluss­be­richt wurde Anfang Okto­ber an die EU-Kom­mis­sion geschickt. Ohne die Quo­ten­re­ge­lung wür­den bis 2030 rund 3.500 Ärz­te­stel­len im Gesund­heits­sys­tem feh­len, zitierte Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Vize­kanz­ler Rein­hold Mit­ter­leh­ner (ÖVP) Berech­nun­gen der ÖÄK.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2016