kurz & infor­ma­tiv: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

25.04.2016 | Politik

Ärz­te­kam­mer Wien: end­lich Aus­bau der kin­der­ärzt­li­chen Versorgung

Der Aus­bau der kin­der­ärzt­li­chen Ver­sor­gung sei „eine alt­be­kannte For­de­rung“ der Ärz­te­kam­mer Wien, die jetzt auch die Kran­ken­kasse nicht mehr aus­blen­den kann – so bewer­tet Johan­nes Stein­hart, Obmann der Kurie nie­der­ge­las­sene Ärzte der Ärz­te­kam­mer für Wien, die Äuße­rung von Ingrid Reischl, Obfrau der Wie­ner GKK, in einer Tages­zei­tung, den Aus­bau der kin­der­ärzt­li­chen Ver­sor­gung end­lich umset­zen zu wol­len. Kon­kret geht es dabei um die Ver­län­ge­rung der Öff­nungs­zei­ten der KIND-Ambu­lanz im AKH, die Ver­stär­kung des Ärz­te­funk­diens­tes sowie den Auf­bau wei­te­rer kin­der­ärzt­li­cher Ambu­lan­zen. „Wir sind zur Umset­zung unse­rer Ideen jeder­zeit bereit und ste­hen für Ver­hand­lun­gen zur Ver­fü­gung“, so Stein­hart. Pilot­pro­jekte wie das PHC in Wien-Maria­hilf hät­ten gezeigt, dass Pri­mär­ver­sor­gung auch ohne Aus­he­be­lung des Gesamt­ver­trags plan­bar sei, „und nach die­sem Vor­bild sind wir gerne zu wei­te­ren Pro­jek­ten bereit“, betont Stein­hart – vor­aus­ge­setzt die Ärzte wer­den lücken­los eingebunden.

Leit­fa­den: Gewalt­schutz in Kran­ken­häu­sern

Ein neuer Leit­fa­den dar­über, wie von Gewalt und Miss­brauch betrof­fene Frauen in Kran­ken­häu­sern unter­sucht und betreut wer­den sol­len, wurde kürz­lich prä­sen­tiert. Der von öster­rei­chi­schen Exper­ten erstellte Leit­fa­den soll eine Anlei­tung für alle in Kran­ken­häu­sern Täti­gen bie­ten, die mit Gewalt- und Miss­brauchs­fäl­len kon­fron­tiert wer­den. Down­load unter www.gewaltfreileben.at

Wien: OGH prüft UNIQA-Ein­stieg bei Privatklinik

Der Oberste Gerichts­hof (OGH) wird sich mit dem geplan­ten Ein­stieg der UNIQA-Toch­ter Pre­mi­Qa­Med bei der Wie­ner Pri­vat­kli­nik „Gol­de­nes Kreuz“ befas­sen. Zwar wurde die Über­nahme im Zuge des Kar­tell­ver­fah­rens in ers­ter Instanz geneh­migt; nun haben die Wett­be­werbs­be­hör­den den OGH als Zweit­in­stanz gegen die­ses Urteil ange­ru­fen. Für Univ. Prof. Tho­mas Sze­ke­res, Prä­si­dent der Wie­ner Ärz­te­kam­mer, ein „unglaub­lich posi­ti­ver Schritt“. Die Ärz­te­kam­mer Wien hatte schon früh mas­sive Beden­ken geäu­ßert: Mit der Über­nahme würde die UNIQA weit mehr als 50 Pro­zent der Beleg­s­pi­tals­bet­ten, in der Geburts­hilfe sogar in etwa 80 Pro­zent der Bet­ten in Wien „unter ihre Kon­trolle brin­gen“, so Sze­ke­res. Im Som­mer 2015 hatte die 100-pro­zen­tige UNIQA-Toch­ter ange­kün­digt, sich mit 75 Pro­zent an der Pri­vat­kli­nik zu beteiligen.

Ebola: WHO hebt Gesund­heits­not­stand auf

Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) hat den glo­ba­len Gesund­heits­not­stand, der wegen der Ebola-Epi­de­mie in West­afrika aus­ge­ru­fen wor­den war, auf­ge­ho­ben. WHO-Gene­ral­di­rek­to­rin Mar­ga­ret Chan folgte damit einer Emp­feh­lung von inter­na­tio­na­len Exper­ten; die Epi­de­mie sei trotz noch ver­ein­zelt auf­tre­ten­der Fälle erfolg­reich unter Kon­trolle gebracht wor­den. Im August 2014 hatte die WHO nach wochen­lan­gem Zögern den glo­ba­len Gesund­heits­not­stand aus­ge­ru­fen und damit die welt­weit koor­di­nierte Bekämp­fung von Ebola ein­ge­lei­tet. Mit ins­ge­samt mehr als 28.000 Infek­tio­nen und 11.300 Todes­fäl­len war dies die bis­her mit Abstand schwerste Ebola-Epidemie.

Kran­ken­haus Ober­wart: Ver­ga­be­ver­fah­ren ver­zö­gert sich

Beim Neu­bau des Kran­ken­hau­ses Ober­wart (Bur­gen­land) ver­zö­gert sich das Ver­ga­be­ver­fah­ren. Nach­dem ein Gene­ral­pla­ner von der Preis­rich­ter­kom­mis­sion bestellt wor­den war, haben zwei Pla­ner die Ent­schei­dung beein­sprucht. Nun muss das Bur­gen­län­di­sche Ver­wal­tungs­ge­richt ent­schei­den. Ins­ge­samt waren sie­ben Pla­ner in die engere Aus­wahl gekom­men. Wird den Ein­sprü­chen statt­ge­ge­ben, muss neu aus­ge­schrie­ben wer­den. Den geplan­ten Bau­start im Jahr 2019 soll das jedoch – nicht beein­flus­sen, da ein Zeit­puf­fer ein­kal­ku­liert wurde. Für den Neu­bau sind Kos­ten von 160 Mil­lio­nen Euro geplant; finan­ziert über das Bud­get und einen Kre­dit. Als Stand­ort ist ein Gelände unmit­tel­bar neben dem alten Kran­ken­haus geplant. Der Neu­bau soll im Jahr 2021 fer­tig­ge­stellt werden.

Lehr­pra­xis­lei­ter­se­mi­nar: E‑Lear­ning-Module

Ab sofort bie­tet die Öster­rei­chi­sche Aka­de­mie der Ärzte eine ELear­ning-Fort­bil­dung an, mit der acht Stun­den des Lehr­pra­xis­lei­ter­se­mi­nars abge­deckt wer­den. Ins­ge­samt müs­sen zwölf Stun­den des DFP-appro­bier­ten Semi­nars absol­viert wer­den, um die Vor­aus­set­zung für die Bewil­li­gung von Ordi­na­ti­ons­stät­ten als Lehr­pra­xis zu erfül­len. Min­des­tens vier Stun­den müs­sen im Rah­men von Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen absol­viert wer­den zu den The­men medi­zi­ni­sche Didak­tik sowie zur Erstel­lung eines Aus­bil­dungs­kon­zepts. Via E‑Learning kön­nen die The­men­kreise ärzt­li­ches Berufs­recht, Ver­trags­part­ner­recht, Arbeits­recht, Gesund­heits­öko­no­mie sowie Pra­xis­ma­nage­ment und Per­so­nal­füh­rung absol­viert wer­den. Details unter www.arztakademie.at

Medi­zin­stu­dium: mehr als 15.100 Anmeldungen

Ins­ge­samt haben sich 15.129 Inter­es­sen­ten für den heu­ri­gen Auf­nah­me­test an den Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tä­ten Wien, Inns­bruck und Graz sowie an der Medi­zi­ni­schen Fakul­tät der Johan­nes Kep­ler Uni­ver­si­tät Linz bewor­ben. Das sind um rund 1.000 Bewer­ber mehr als im Vor­jahr (14.041). Im kom­men­den Stu­di­en­jahr ste­hen ins­ge­samt 1.620 Stu­di­en­plätze zur Ver­fü­gung. An der Med­Uni Wien haben sich 7.519 Per­so­nen ange­mel­det, in Inns­bruck 3.626, in Graz 3.178 sowie an der Medi­zi­ni­schen Fakul­tät Linz sind es 806 Bewer­ber. An allen Stand­or­ten gab es mehr weib­li­che als männ­li­che Inter­es­sen­ten. Der Auf­nah­me­test für Human­me­di­zin (MedAT‑H) fin­det an allen Stand­or­ten am 8. Juli 2016 statt.

Ende der Grippewelle

Mit 5. April hat der bera­tende Arzt des Haupt­ver­ban­des, Univ. Prof. Klaus Klaus­ho­fer, die dies­jäh­rige Grip­pe­welle für been­det erklärt. Damit kann eine Kos­ten­über­nahme für Tami­flu® 75 mg Hart­kap­seln, Tami­flu® 6 mg/​ml Pul­ver zur Her­stel­lung einer Sus­pen­sion zum Ein­neh­men sowie Relenza® Pul­ver Ein­zel­do­sis 4x5 nur mehr nach vor­he­ri­ger Chef(kontroll)-ärztlicher Bewil­li­gung im Ein­zel­fall erfolgen.

Rech­nungs­hof-Kri­tik an Krankenkassen-Steuerung

Der Rech­nungs­hof (RH) kri­ti­siert in zwei Berich­ten die Steue­rungs­in­stru­mente der Kran­ken­ver­si­che­rung für die Jahre 2009 bis 2014. So fehlt der Geba­rungs­vor­schau der GKK Wien und Stei­er­mark sowie der BVA (Ver­si­che­rungs­an­stalt öffent­lich Bediens­te­ter) die Glaub­wür­dig­keit. Durch das Prin­zip der kauf­män­ni­schen Vor­sicht seien die Pro­gno­sen immer viel ungüns­ti­ger gewe­sen als die tat­säch­li­chen Rech­nungs­ab­schlüsse; für die Instru­mente der mit­tel­fris­ti­gen Haus­halts­pla­nung wur­den des­halb abwei­chende Pro­gno­sen für die Sozi­al­ver­si­che­rung erstellt. Außer­dem seien die 2009 fest­ge­leg­ten Finanz­ziele spä­tes­tens 2011 „auf­grund der tat­säch­li­chen Ent­wick­lung“ zur Steue­rung nicht mehr geeig­net gewe­sen. Glei­ches gelte für die im Jahr 2012 bis zum Jahr 2016 fest­ge­leg­ten Aus­ga­ben­ober­gren­zen: Die Aus­ga­ben­stei­ge­run­gen seien zu hoch ange­setzt wor­den und damit waren auch die geplan­ten Aus­ga­ben­dämp­fun­gen nicht rea­lis­tisch. Im zwei­ten Bericht wurde kri­ti­siert, dass die ope­ra­tive Steue­rung der Kas­sen in den Berei­chen „ärzt­li­che Hilfe und Heil­mit­tel“ nicht aus­rei­chend gewe­sen sei, um die Ziele der Gesund­heits­re­form 2012 erfül­len zu kön­nen und eine nach­hal­tige Finan­zie­rung sicherzustellen.

6. Tag der Gesund­heits­be­rufe: Qua­li­tät und Belastung

Ein­spa­run­gen und wach­sende Anfor­de­run­gen an Per­so­nen, die in Gesund­heits­be­ru­fen arbei­ten, füh­ren zuneh­mend zu psy­chi­schen und phy­si­schen Erkran­kun­gen des Per­so­nals und stel­len eine Her­aus­for­de­rung für die Ver­sor­gungs­qua­li­tät dar. Dar­über waren sich die der­zei­tige Vor­sit­zende der Gesund­heits­be­ru­fe­kon­fe­renz, Romana Schö­berl, und Univ. Prof. Karin Gutiér­rez-Lobos von der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien bei der Pres­se­kon­fe­renz im Vor­feld des 6. Tages der Gesund­heits­be­rufe Anfang April in Wien einig. Motto der dies­jäh­ri­gen Ver­an­stal­tung: Qua­li­tät und stei­gende Belas­tung. Die Her­aus­for­de­run­gen, denen sich das Gesund­heits­sys­tem künf­tig stel­len müsse, sind laut Exper­ten der rasante tech­no­lo­gi­sche Fort­schritt mit der per­so­na­li­sier­ten Medi­zin, der Öko­no­mi­sie­rung, dem demo­gra­phi­schen Wan­del sowie Migra­tion und Mobi­li­tät mit der Abwan­de­rung in Städte. Dar­über hin­aus sei mit einem ver­än­der­ten Krank­heits­spek­trum mit neuen Auf­ga­ben­stel­lun­gen zu rech­nen, die mit einem ver­än­der­ten Betreu­ungs­be­darf in Zusam­men­hang stün­den, betonte Gutiér­rez-Lobos. Bei der Gesund­heits­be­ru­fe­kon­fe­renz han­delt es sich um eine Initia­tive der ÖÄK, im Rah­men derer sich die gesetz­lich gere­gel­ten Gesund­heits­be­rufe zusam­men­ge­schlos­sen haben. ÖÄK-Vize­prä­si­dent Karl Forst­ner sieht darin „einen wich­ti­gen Ansatz­punkt“ ange­sichts der Not­wen­dig­keit, neue Kon­zepte zu suchen, mit den ver­schie­dens­ten Gesund­heits­be­ru­fen zusam­men­zu­ar­bei­ten. Dazu müsse aber nichts Neues erfun­den wer­den, wie er betont, „denn hier gibt es ja schließ­lich schon wohl über­legte Kon­zepte mit dem Team um den Haus­arzt, das auf­zeigt, wie man der Bevöl­ke­rung den künf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen ent­spre­chend Koope­ra­tio­nen der medi­zi­ni­schen Leis­tung bie­ten kann“.

Flücht­lings­hilfe: Rechts­schutz für Ärzte

Die Erst- und Basis­ver­sor­gung von Asyl­su­chen­den, die in Öster­reich Anspruch auf Grund­ver­sor­gung haben, wird vor­wie­gend durch den Ein­satz ehren­amt­li­cher Hel­fer, zum gro­ßen Teil aus dem Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­be­reich, gewähr­leis­tet. Dar­auf wurde kürz­lich von Exper­ten im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz der Platt­form Pati­en­ten­si­cher­heit hin­ge­wie­sen. Damit für die in der Flücht­lings­hilfe enga­gier­ten Ärzte, die in ihrer Frei­zeit in die­sem Bereich tätig sind, ein aus­rei­chen­der Ver­si­che­rungs­schutz gege­ben ist, hat die Ärz­te­kam­mer für Wien eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung für ihre Mit­glie­der inklu­sive Kos­ten­über­nahme abge­schlos­sen. Vor­aus­set­zung ist eine Regis­trie­rung auf der von der Ärz­te­kam­mer ver­wal­te­ten Liste der frei­wil­lig Tätigen.

Laut Maria Klete­cka-Pul­ker, Geschäfts­füh­re­rin der Platt­form Pati­en­ten­si­cher­heit, wei­sen viele Klein­kin­der bei Ein­tritt in den Kin­der­gar­ten auf­grund der Kriegs­wir­ren kei­ner­lei Impf­schutz auf. Im Rah­men der Erst­un­ter­su­chung sollte daher nach Erhe­bung des Impf­sta­tus der ent­spre­chende Impf­schutz – ins­be­son­dere gegen Masern/​Mumps/​Röteln, Diphtherie/​Tetanus/​Polio und Menin­go­kok­ken ACWY – ange­bo­ten wer­den. Ein wei­te­rer kri­ti­scher Punkt sei es, wenn beim Dol­met­schen auf Nach­barn oder Fami­li­en­an­ge­hö­rige – oft Kin­der – zurück­ge­grif­fen werde, so Klete­cka-Pul­ker. Bei fal­schen Über­set­zun­gen bedeute dies ein poten­ti­el­les Haf­tungs­ri­siko für die Mit­ar­bei­ter im Gesund­heits­be­reich. Das bereits 2013 von der Platt­form Pati­en­ten­si­cher­heit und dem Insti­tut für Ethik und Recht in der Medi­zin gestar­tete Pro­jekt „Video­dol­met­schen“ unter­stützt medi­zi­ni­sches Per­so­nal mitt­ler­weile in über 15 Spra­chen rund um die Uhr mit etwa 300 pro­fes­sio­nell aus­ge­bil­de­ten Dol­met­schern. Damit die­ses Pro­jekt auch im nie­der­ge­las­se­nen Bereich ange­wen­det wer­den kann, ist eine gute Inter­net­ver­bin­dung mit einer siche­ren Daten­über­tra­gung erfor­der­lich; hier besteht noch Aufholbedarf.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 8 /​25.04.2016