kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

10.02.2016 | Medizin

RNAs steu­ern Sal­mo­nel­len-Infek­tion

Wenn Sal­mo­nel­len mensch­li­che Zel­len infi­zie­ren, wer­den regu­la­to­ri­sche RNAs in den Mikro­ben aktiv. Das hat ein For­scher­team, an dem auch Fabian Amman und Peter Stad­ler vom Insti­tut für Theo­re­ti­sche Che­mie der Uni­ver­si­tät Wien betei­ligt waren, her­aus­ge­fun­den. Die For­scher haben mensch­li­che Zel­len in Kul­tur­scha­len von Sal­mo­nel­len befal­len las­sen und die regu­la­to­ri­schen RNAs von bei­den gleich­zei­tig sequen­ziert. Von den mehr als 300 regu­la­to­ri­schen RNAs der Sal­mo­nel­len waren man­che um das Zehn­fa­che akti­ver, eine – die soge­nannte „PinT“ – sogar um das 100-Fache. Die For­scher haben ent­deckt, dass „PinT“ das Anschal­ten von Viru­lenz­ge­nen zeit­lich steu­ert. Ver­mut­lich forme sie vor allem den Über­gang vom inva­si­ven Sta­tus der Mikro­ben zu einem Zell­pro­gramm, mit dem sie sich opti­mal in den Wirts­zel­len ver­meh­ren kön­nen. „PinT“ mani­pu­liert aber auch die Zel­len, sodass sie etwa Boten­stoffe unter­drü­cken, die eine Ent­zün­dungs­re­ak­tion und damit die zel­lu­läre Abwehr unter­stüt­zen. Dadurch kön­nen sich die Bak­te­rien bes­ser in den Zel­len eta­blie­ren, so die For­scher.
APA/​Nature

Adi­po­si­tas durch Softdrinks

Wird der Zucker­ge­halt von Soft­drinks um 40 Pro­zent redu­ziert, könn­ten in Groß­bri­tan­nien inner­halb von fünf Jah­ren eine Mil­lion Adi­po­si­tas-Fälle und 500.000 Fälle von Über­ge­wicht ver­hin­dert wer­den. Ein For­scher­team um Gra­ham Mac Gre­gor von der Queen Mary Uni­ver­sity in Lon­don hat den Effekt in Anleh­nung an die Erfah­run­gen berech­net, die in Groß­bri­tan­nien mit der Reduk­tion von Salz in vie­len Nah­rungs­mit­teln gemacht wur­den. Dort wurde der Salz­ge­halt inner­halb von fünf Jah­ren um 40 Pro­zent ver­rin­gert. Bei Soft­drinks würde dies „zu einer durch­schnitt­li­chen Reduk­tion der Ener­gie­auf­nahme um 36,4 Kilo­ka­lo­rien pro Tag am Ende des fünf­ten Jah­res füh­ren“, so die For­scher. Damit würde sich das Kör­per­ge­wicht von Erwach­se­nen um durch­schnitt­lich 1,2 Kilo­gramm ver­rin­gern. „Inner­halb von 20 Jah­ren würde das auch 274.000 bis 309.000 Typ-2-Dia­be­tes-Erkran­kun­gen ver­hin­dern“, so die Autoren.
APA/​Lancet Dia­be­tes & Endocrinology

Ghre­lin-Ago­nist gegen Kachexie

Der Ghre­lin-Ago­nist Ana­mo­re­lin – er ist dem kör­per­ei­ge­nen Ghre­lin ähn­lich – soll bei Kach­e­xie den Appe­tit erhö­hen und eine ana­bole Wir­kung aus­lö­sen. In zwei kli­ni­schen Phase-III-Stu­dien wurde die Sub­stanz im Ver­gleich zu Pla­cebo bei ins­ge­samt rund 500 Pati­en­ten mit Lun­gen­kar­zi­no­men im Sta­dium III und IV unter­sucht. Ana­mo­re­lin wurde täg­lich über drei Monate hin­weg oral ver­ab­reicht. In der ers­ten Stu­die stieg die Mager­masse (Lean Body Mass) bin­nen zwölf Wochen um durch­schnitt­lich 1,1 Kilo­gramm (Pla­cebo: 0,44 Kilo­gramm); in der zwei­ten um 0,95 Kilo­gramm (Pla­cebo: minus 0,57 Kilo­gramm). Die Sub­stanz ist noch nicht als Arz­nei­mit­tel zuge­las­sen; es ist jedoch bereits auf der neuen Doping­liste der Welt-Anti-Doping-Agen­tur ange­führt.
APA

Mers-Vak­zine an Dro­me­da­ren getestet

Kata­la­ni­sche Wis­sen­schaf­ter haben an Dro­me­da­ren einen Impf­stoff gegen das Mers-Coro­na­vi­rus getes­tet. Sie impf­ten vier von acht Dro­me­da­ren, die als Wirts­or­ga­nis­mus für Mers-CoV gel­ten, und infi­zier­ten sie danach mit den Viren. Ergeb­nis: Die Imp­fung redu­ziert vor allem die Viruspro­duk­tion in den obe­ren Atem­we­gen der Tiere deut­lich. Mers-Fälle wer­den seit 2012 vor allem im Nahen Osten und in Süd­ko­rea regis­triert. Welt­weit gab es bis­her 1.621 bestä­tigte Fälle; 584 Betrof­fene star­ben.
APA/​Science

ALCL: T‑Zell-Rezep­to­ren betei­ligt

Das ana­plas­ti­sche groß­zel­lige Lym­phom (ALCL) bei Kin­dern wird auf eine Gen- Stö­rung in der Ent­wick­lung von blut­pro­du­zie­ren­den Stamm­zel­len im Thy­mus zurück­ge­führt. Dabei tritt eine mas­sive Ver­än­de­rung des T‑Zellrezeptors auf. Das haben Wis­sen­schaf­ter der Uni­ver­si­tät Cam­bridge unter Mit­ar­beit von Univ. Prof. Lukas Ken­ner vom Kli­ni­schen Insti­tut für Patho­lo­gie der Med­Uni Wien her­aus­ge­fun­den.
APA/​Nature Communications

Pso­ria­sis: Anti­kör­per-Behand­lung wirkt auch topisch

Auch die topi­sche Anwen­dung von Anti-TNF-alpha-Anti­kör­pern könnte bei schwe­rer Pso­ria­sis wir­ken. Hin­weise dar­auf haben Der­ma­to­lo­gen der Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken in Müns­ter, Tübin­gen und Wien kürz­lich gefun­den. Die Wis­sen­schaf­ter, unter ihnen Ass. Prof. Patrick Brun­ner und Univ. Prof. Georg Stingl vom AKH Wien, ver­gli­chen in zwei Stu­dien mit Pla­cebo und Zufalls­aus­wahl der Pati­en­ten die Wir­kung des Anti­kör­pers DLX105 in zwei Anwen­dungs­for­men: als Injek­tion oder als Gel zum Auf­tra­gen. Bei der Injek­tion in die Haut zeigte sich nach zwei Wochen ein Rück­gang des PASI-Score (Pso­ria­sis Area and Seve­rity Index) um rund ein Drit­tel, unter Pla­cebo nur um zwölf Pro­zent. Bei der zwei­mal täg­li­chen Anwen­dung von DLX105 als Gel auf die Haut kam es zu kei­nem Rück­gang des PASI; die Werte der kör­per­ei­ge­nen Ent­zün­dungs­bo­ten­stoffe in der Haut nah­men aber ab. Der Effekt konnte erhöht wer­den, indem ein­mal wöchent­lich die Haut­schup­pen ent­fernt wur­den.
APA/​Experimental Dermatology

Taub­heit durch Unaufmerksamkeit

Weil beim Hören und Sehen ver­mut­lich die glei­chen neu­ro­na­len Res­sour­cen genutzt wer­den, ist bei­des gleich­zei­tig nicht mög­lich. Die Ver­ar­bei­tung des einen Sin­nes wird unter­drückt, wenn der andere viele Res­sour­cen braucht. Das haben Wis­sen­schaf­ter um Katha­rine Mol­loy vom Uni­ver­sity Col­lege Lon­don her­aus­ge­fun­den. Ver­suchs­per­so­nen muss­ten an einem Bild­schirm Auf­ga­ben lösen und zwi­schen­durch Töne hören. Die For­scher scann­ten die Hirn­ak­ti­vi­tät und konn­ten zei­gen, dass die Leute Geräu­sche nicht ein­fach igno­rier­ten oder her­aus­fil­ter­ten; sie hör­ten sie von vorn­her­ein nicht. Bei star­ker visu­el­ler Kon­zen­tra­tion wur­den die Geräu­sche schon früh in der neu­ro­na­len Ver­ar­bei­tungs­kette unter­drückt und kamen nie im Bewusst­sein der Pro­ban­den an. Dass die Ver­ar­bei­tung von Sin­nes­rei­zen bei Über­las­tung des Gehirns teils ein­ge­schränkt wird („Unauf­merk­sam­keits­blind­heit“), wurde bei­spiels­weise schon 1999 von For­schern der Har­vard-Uni­ver­si­tät gezeigt. Pro­ban­den hat­ten einen Men­schen im Gorilla Kos­tüm kom­plett über­se­hen, weil sie sich auf andere Dinge kon­zen­trier­ten.
APA/​Journal of Neuroscience

Stress lässt schnel­ler altern

Exzes­si­ver oder chro­ni­scher Stress lässt Men­schen schnel­ler altern. Wis­sen­schaf­ter vom Max-Planck-Insti­tut für Psych­ia­trie in Mün­chen (MPI) haben her­aus­ge­fun­den, dass die Ursa­che in epi­ge­ne­ti­schen Ver­än­de­run­gen an Bin­dungs­stel­len des Rezep­tors für Glu­ko­kor­ti­ko­ide liegt. Dafür hat­ten die For­scher hoch­gra­dig trau­ma­ti­sierte Afro­ame­ri­ka­ner unter­sucht und fest­ge­stellt, dass jene, die über eine weite Lebens­spanne hohem Stress aus­ge­setzt waren, epi­ge­ne­tisch älter ein­ge­stuft wur­den als es von ihrem bio­lo­gi­schen Alter zu erwar­ten wäre. Laut dem Stu­dien-Erst­au­tor Anthony Zan­nas fin­det die Repro­gram­mie­rung an den Stel­len im Erb­gut statt, die auch mit Alte­rungs­pro­zes­sen in Ver­bin­dung gebracht werden.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 3 /​10.02.2016