kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.09.2016 | Medi­zin

Para­ple­gie: teil­weise Mus­kel­kon­trolle durch Training

Durch Arbeit mit Robo­ter­pro­the­sen konn­ten lang­jäh­rig Quer­schnitts­ge­lähmte wie­der teil­weise Mus­kel­kon­trolle und begrenzte Kon­trolle über bestimmte Glied­ma­ßen zurück gewin­nen. Diese „uner­war­te­ten Fort­schritte“ stell­ten US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche For­scher der Duke-Uni­­ver­­­si­­tät (North Caro­lina) in einer Stu­die fest. Bei vier der acht Pro­ban­den des Pro­jekts „Walk Again“ ver­än­derte sich der Sta­tus von „voll­stän­dig gelähmt“ zu „teil­weise gelähmt“. Die The­ra­pie kom­bi­niert meh­rere Tech­ni­ken zur Sti­mu­lie­rung der Gehirn­be­rei­che, u.a. ein vir­tu­el­les Bewe­gungs­trai­ning. Nach meh­re­ren Mona­ten wur­den auch hirn­ge­steu­erte Robo­ter­pro­the­sen, soge­nannte Exo­ske­lette, ein­ge­setzt. Die These der For­scher: Das Trai­ning könnte nicht nur im Hirn, son­dern auch im beschä­dig­ten Rücken­mark Ver­än­de­run­gen bewir­ken. APA/​Scientific Reports

Mali­gnes Mela­nom: Nano­sen­so­ren für Dia­gnose

Bas­ler For­scher haben einen Nano­sen­sor ent­wi­ckelt, der in Gewe­be­pro­ben eines mali­gnen Melanoms erkennt, ob eine BRAF-Muta­­tion vor­liegt. Von der Ent­nahme der Biop­sie bis zur Dia­gnose ver­geht so nicht ein­mal ein Tag. Der neue Nano­sen­sor beruht auf win­zi­gen Feder­bal­ken, die unter­schied­lich beschich­tet sind. Die For­scher um Ernst Meyer und Chris­toph Ger­ber brach­ten auf eini­gen die Erken­nungs­se­quenz der BRAF-Muta­­tion auf; ebenso auch aus den Gewe­be­pro­ben iso­lier­tes Erb­gut (RNA). Bei Vor­han­den­sein der BRAF-Muta­­tion bin­det die RNA an die Erken­nungs­se­quenz und ver­biegt den Feder­bal­ken, was die For­scher anschlie­ßend aus­le­sen kön­nen. APA/​Nano Letters

Anti­kör­per­the­ra­pie ver­rin­gert Plaques bei M. Alzheimer

Die Anti­­kör­­per-The­ra­­pie mit Aduca­numab redu­ziert bei Men­schen, die an M. Alz­hei­mer lei­den, Amy­­loid-Beta-Plaques im Gehirn. Auch der Ver­lust der kogni­ti­ven Fähig­kei­ten konnte nach ein­jäh­ri­ger Behand­lung mit der höchs­ten Dosis von zehn mg/​kg im Ver­gleich zur Pla­ce­bo­gruppe nahezu gestoppt wer­den. Die Wir­kung war umso grö­ßer, je län­ger die Pati­en­ten behan­delt wur­den und je höher die ver­ab­reichte Dosis war. Die Wis­sen­schaf­ter aus der Schweiz und den USA hat­ten ins­ge­samt 165 Pati­en­ten ein Jahr lang mit dem Anti­kör­per Aduca­numab oder mit Pla­cebo behan­delt. Die unter­such­ten Pati­en­ten waren im Früh­sta­dium und zeig­ten nur leichte Alz­hei­­mer-Sym­­p­tome. Dabei wurde auch ein Zusam­men­hang zwi­schen dem Rück­gang der Plaques und den kogni­ti­ven Fähig­kei­ten der Pati­en­ten fest­ge­stellt. Aller­dings kam es in der höchs­ten Dosie­rung bei jedem zwei­ten Pati­en­ten zu in der Kern­spin­to­mo­gra­phie erkenn­ba­ren Ver­än­de­run­gen (ARIA, amy­­loid-rela­­ted ima­ging abnor­ma­lity); den­noch musste kein Pati­ent des­halb hos­pi­ta­li­siert wer­den. Zwei große kli­ni­sche Phase III-Stu­­dien sol­len nun fol­gen. APA/​Nature

Feh­ler­hafte Hirn­­­scan-Sof­t­­ware: tau­sende Stu­dien falsch?

Ein schwe­di­sches For­scher­team der Uni­ver­si­tät Lin­köping hat auf­ge­zeigt, dass die Soft­ware für die Aus­wer­tung von fMRI-Hirn­­­scans feh­ler­haft ist. Damit könn­ten tau­sende Stu­dien zur Hirn­for­schung falsch sein. Die Wis­sen­schaf­ter hat­ten Roh­da­ten aus bereits ver­öf­fent­lich­ten Stu­dien ver­wen­det und durch acht-gän­­gige Ana­­lyse-Pro­­­gramme lau­fen las­sen. Drei der acht Pro­gramme zeig­ten bis zu 70 Pro­zent falsch posi­tive Signale – also Akti­vi­tät in Hirn­area­len, wo keine ist. Jene drei Pro­gramme sind unter For­schern die belieb­tes­ten, weil sie eher signi­fi­kante Resul­tate pro­du­zie­ren. Ver­schie­dene Hirn­for­scher beto­nen aber, dass viele der Stu­dien sich nicht allein auf die funk­tio­nelle Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (fMRI) stütz­ten und dem­nach nicht falsch sein müs­sen; die Ein­stel­lun­gen der Soft­ware müss­ten aber kor­ri­giert wer­den. APA/​PNAS

Sep­­sis-Dia­­gnose mit­tels Massenspektrometrie

Mit Hilfe der Mas­sen­spek­tro­me­trie kann eine Sep­sis schnel­ler dia­gnos­ti­ziert wer­den als mit kon­ven­tio­nel­len Metho­den. Das haben For­scher des Uni­ver­si­täts­spi­tals Basel fest­ge­stellt. Bak­te­rien kön­nen direkt in der Blut­kul­tur iden­ti­fi­ziert wer­den, indem spe­zi­fi­sche Mus­ter von Pro­te­in­bruchs­tü­cken erkannt wer­den, die für jede Bak­te­ri­en­art cha­rak­te­ris­tisch sind. Das dau­ert nur rund 33 Stun­den anstelle von rund 59 Stun­den bei kon­ven­tio­nel­ler Dia­gnos­tik. Durch die Schnell­dia­gnose müs­sen außer­dem weni­ger Pati­en­ten auf eine Inten­siv­sta­tion. Von 368 Betrof­fe­nen muss­ten in der Gruppe mit der Schnell­dia­gnose nur 23,1 Pro­zent auf eine Inten­siv­sta­tion ver­legt wer­den, in der kon­ven­tio­nel­len Gruppe 37,2 Pro­zent. Auch die Mor­ta­li­tät war in der Gruppe mit Schnell­dia­gnose mit 9,6 Pro­zent nied­ri­ger als in der Ver­gleichs­gruppe (16,4 Pro­zent).
APA/​Clinical Micro­bio­logy and Infection

EU: HIV-Pro­­­phy­­laxe zuge­las­sen

Die EU hat Tru­vada® als Pro­phy­laxe für Men­schen mit hohem Infek­ti­ons­ri­siko unter Auf­la­gen geneh­migt. Aller­dings ist noch unklar, wann das Medi­ka­ment als Pro­phy­laxe erhält­lich sein wird. In den USA ist Tru­vada® bereits seit 2012 zur Pro­phy­laxe zuge­las­sen; die Euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel­be­hörde EMA hatte die Zulas­sung Ende Juli die­ses Jah­res emp­foh­len. APA

STDs: stei­gende Antibiotikaresistenz

Durch die stei­gende Zahl der Anti­bio­ti­ka­re­sis­ten­zen sind die sexu­ell über­trag­ba­ren Erkran­kun­gen Gonor­rhoe, Syphi­lis und Chla­­my­­dien-Infe­k­­ti­o­­nen immer schwe­rer zu behan­deln, warnte die WHO kürz­lich. Haupt­grund ist die feh­ler­hafte oder zu häu­fige Anwen­dung von Anti­bio­tika. Am stärks­ten ist die Resis­tenz­ent­wick­lung gegen­über Neis­se­ria gonor­rhoeae; welt­weit infi­zie­ren sich jähr­lich 78 Mil­lio­nen Men­schen damit. APA

USA: Zika-Virus in Moskitos

In Miami Beach (Flo­rida) wurde zum ers­ten Mal das Zika-Virus in Mos­ki­tos fest­ge­stellt. Der Fall in Miami war der erste auf dem US-Fes­t­­land. Die US-Gesun­d­heits­­­be­­hörde CDC (Cen­ters for Dise­ase Con­trol and Pre­ven­tion) rät Schwan­ge­ren offi­zi­ell von Rei­sen nach Miami Beach ab. Außer­dem sol­len Blut­spen­den in den USA ab sofort lan­des­weit auf das Zika-Virus getes­tet wer­den. APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /​25.09.2016