Organ­man­gel: Ein Pro­blem, keine Lösung

15.08.2015 | Poli­tik


Welt­weit ist der Bedarf an Orga­nen viel höher als Spen­der­or­gane zur Ver­fü­gung ste­hen. Indus­trie­na­tio­nen und Ent­wick­lungs­län­der sind in die­ser Not ver­eint. Selbst dort, wo die Poli­tik Rah­men­be­din­gun­gen für die Organ­spende geschaf­fen hat, sind die War­te­lis­ten voll. In vie­len Ent­wick­lungs­län­dern feh­len funk­tio­nie­rende Organ­­spende-Pro­­­gramme gänz­lich.
Von Nora Schmitt-Sausen

Allein der Blick in die USA zeigt, dass die Lage dra­ma­tisch ist. Die War­te­liste hat aktu­ell einen his­to­ri­schen Höchst­stand erreicht: Fast 124.000 Men­schen benö­ti­gen ein Organ. Alle zehn Minu­ten wird ein neuer Name auf die War­te­liste gesetzt. 18 Men­schen ster­ben täg­lich, weil sie ver­geb­lich auf ein neues Organ war­te­ten. Am drin­gends­ten gebraucht wer­den Nie­ren – wie auch anderswo in der Welt. US-ame­­ri­­ka­­ni­­sche Gesund­heits­ex­per­ten sehen im Organ­man­gel eine „natio­nale Krise“.

Dabei haben die USA eine ver­gleichs­weise hohe Spen­der­be­reit­schaft. Auch des­halb, weil die Bür­ger ihr Ja oder Nein zur Organ­spende unbü­ro­kra­tisch geben. Jeder US-Ame­­ri­­ka­­ner, der einen Füh­rer­schein macht oder neu bean­tragt, wird auto­ma­tisch gefragt, ob er zur Organ­spende bereit ist. Meh­rere Mil­lio­nen Men­schen wer­den auf diese Weise jähr­lich vor die Wahl gestellt. Bei einer posi­ti­ven Ant­wort wird auf dem Füh­rer­schein gut sicht­bar ein klei­nes rotes Herz abge­bil­det. Die Bereit­schaft, das Herz im Füh­rer­schein auf­zu­neh­men, ist hoch. 48 Pro­zent der erwach­se­nen US-Bevöl­­ke­­rung sind bereit, sich nach ihrem Tod Organe ent­neh­men zu las­sen. In Zah­len heißt das: 117 von 245 Mil­lio­nen Erwach­se­nen sind regis­trierte Spen­der (Stand: 2013, Quelle: Donate Life America).

Europa: unter­schied­li­ches Bild

Auch in Europa sind Organe Man­gel­ware. Auf der War­te­liste der Stif­tung Euro­trans­plant, die als Ser­­vice-Orga­­ni­­sa­­tion für die Zutei­lung von Spen­der­or­ga­nen in acht euro­päi­schen Län­dern zustän­dig ist, ste­hen aktu­ell fast 15.000 Men­schen (Stand 1.1.2015).

In Deutsch­land bei­spiels­weise, wo Spen­der aktiv ihre Bereit­schaft zur Ent­nahme erklä­ren müs­sen, kamen im ver­gan­ge­nen Jahr ledig­lich 10,7 Spen­der auf eine Mil­lion Ein­woh­ner. Mehr als 10.000 Pati­en­ten war­ten im Moment auf ein Spen­der­or­gan. Zum Ver­gleich: In Öster­reich, wo die Wider­spruchs­re­ge­lung gilt, ist das Spen­der­auf­kom­men deut­lich höher. Die Zahl der post­mor­ta­len Organ­spen­den pro Mil­lion Ein­woh­ner lag im ver­gan­ge­nen Jahr bei 24,3. Im Jahr 2014 gab es in Öster­reich 207 Organ­spen­der; 641 Men­schen war­te­ten auf ein Organ.

Im euro­päi­schen Raum ragt Spa­nien posi­tiv her­aus. Mit 35,1 Organ­spen­den pro Mil­lion Ein­woh­ner ist das Land Spit­zen­rei­ter in der EU (Stand 2013). Spa­ni­ens Erfolgs­weg: Über Jahr­zehnte wurde vor allem in Kli­nik­struk­tu­ren inves­tiert. „In fast jedem spa­ni­schen Kran­ken­haus sind Inten­siv­me­di­zi­ner, Kran­ken­pfle­ger, Not­fall­ärzte und Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­tragte geschult. Es wird pro­ak­tiv am Thema Organ­spende gear­bei­tet und viel Auf­klä­rungs­ar­beit geleis­tet“, erläu­tert der Inter­nist Ste­fan Becker, Ober­arzt und haupt­amt­li­cher Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ter am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Essen.

Und es gibt noch einen wei­te­ren Unter­schied zu vie­len ande­ren euro­päi­schen Län­dern. „In Spa­nien wer­den auch Organe bei Pati­en­ten ent­nom­men, die einen Herz-Kreis­lauf-Tod erlit­ten haben. Dadurch gibt es ein grö­ße­res Poten­tial an Spen­dern“, weiß Becker.In Öster­reich ist dies nicht der Fall. Auch Kroa­tien (35 Organ­spen­den pro eine Mil­lion Ein­woh­ner) und Malta (34) wei­sen hohe Spen­der­be­reit­schaft auf. Schluss­licht in der Sta­tis­tik ist Russ­land mit ledig­lich 2,9 Organ­spen­den pro eine Mil­lion Einwohner.

Skan­dale erschüt­tern Vertrauen

Men­schen dazu zu bewe­gen, ihre Organe nach dem Tod frei­zu­ge­ben, ist für Poli­tik und Medi­zin nach wie vor eine schwie­rige Auf­gabe. Auch des­halb, weil nahezu jedes Land Trans­plan­ta­ti­ons­skan­dale kennt. Beson­ders tief erschüt­tert wurde das Ver­trauen der Bür­ger in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit in Deutsch­land. In Kli­ni­ken in Göt­tin­gen, Regens­burg, Mün­chen und Leip­zig sol­len Medi­zi­ner Kran­ken­ak­ten mani­pu­liert haben, um aus­ge­wählte Pati­en­ten bevor­zugt mit Spen­der­or­ga­nen zu versorgen.

Das Bekannt­wer­den der Unre­gel­mä­ßig­kei­ten hat zu einem dra­ma­ti­schen Ein­bruch der Spen­der­zah­len geführt. In 2007 gab es in Deutsch­land noch 1.313 post­mor­tale Organ­spen­der. Seit­her geht es kon­stant abwärts: 1046 (2012), 876 (2013), 864 (2014). „Die Situa­tion in Deutsch­land ist außer­ge­wöhn­lich, denn der Ver­trau­ens­ver­lust in die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin ist immens. An die­sem Ver­trau­ens­de­fi­zit müs­sen wir arbei­ten“, sagt der Esse­ner Becker. Neben der all­ge­mei­nen Skep­sis gegen­über der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin sieht der Inter­nist ein zen­tra­les Pro­blem darin, dass sich trotz mil­lio­nen­schwe­rer Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gnen ein gro­ßer Teil der deut­schen Bevöl­ke­rung beim Thema Organ­spende schlecht auf­ge­klärt fühlt. Neben dem Bemü­hen, mehr post­mor­tale Spen­der zu gewin­nen, wird nach wei­te­ren Lösungs­an­sät­zen gesucht, um dem Organ­man­gel zu begegnen.

Die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie (DGU) etwa spricht sich erneut für die Lebend­nie­ren­spende aus: Sie möchte die Bedin­gun­gen für die Spen­der ver­bes­sern. „Eine Richt­li­nie zur Lebend­spende wird der­zeit erstellt. Sie soll bis Jah­res­ende vor­lie­gen und wird mehr Trans­pa­renz und Sicher­heit für die Spen­der schaf­fen“, heißt es in einer DGU-Erklä­­rung, die von der Gesell­schaft anläss­lich des Tags der Organ­spende im Juni 2015 ver­öf­fent­licht wurde. In Skan­di­na­vien und in der Schweiz wird die Lebend­spende seit vie­len Jah­ren inten­siv und erfolg­reich prak­ti­ziert, ohne dass eine gene­ti­sche oder emo­tio­nale Bin­dung zwi­schen Emp­fän­ger und Spen­der vor­lie­gen muss. In Deutsch­land – wie auch in zahl­rei­chen ande­ren Län­dern – ist die Nie­­ren-Leben­d­­spende ver­bo­ten, wenn keine Ver­bin­dung zwi­schen Spen­der und Emp­fän­ger vor­liegt. Nicht nur in Deutsch­land wird kon­tro­vers dis­ku­tiert, wie dem Organ­man­gel ent­ge­gen­zu­wir­ken ist. Die medi­zi­nisch umstrit­tene Lebend­spende ist dabei vie­ler­orts Thema. Ein zen­tra­ler Bestand­teil der Debatte ist häu­fig sogar, Lebend­spen­der finan­zi­ell zu ent­schä­di­gen – was bis­lang in den meis­ten Län­dern der Welt ver­bo­ten ist. In den USA etwa wer­den als mög­li­che Hono­rie­rung Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen oder zusätz­li­che Ein­zah­lun­gen in die Ren­ten­kasse von Spen­dern erör­tert. In Groß­bri­tan­nien wird dar­über dis­ku­tiert, ob das staat­li­che Gesund­heits­sys­tem die Beer­di­gungs­kos­ten von Spen­dern über­neh­men soll. Dass das Pro­blem Organ­man­gel und Organ­han­del nur welt­weit gere­gelt wer­den kön­nen, davon ist Chris­tiane Druml, Vor­sit­zende der öster­rei­chi­schen Bio­ethik­kom­mis­sion, überzeugt.

Für Öster­reich sieht sie der­zeit kei­nen Hand­lungs­be­darf. „Wir haben ein gutes Gesetz und des­we­gen auch keine Ver­an­las­sung, aktiv zu wer­den.“ Dar­über hin­aus haben sich die deutsch­spra­chi­gen Bio­ethik­kom­mis­sio­nen von Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz bei ihrem ers­ten Tref­fen im März 2013 in Wien aus­führ­lich mit aktu­el­len Fra­gen zur Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin beschäf­tigt. Und die Öster­rei­chi­sche Trans­plan­ta­ti­ons­ge­sell­schaft hat über­dies die Erklä­rung von Istan­bul zu Organ­han­del und Trans­plan­ta­ti­ons­tou­ris­mus unter­zeich­net, die im Mai 2008 ver­ab­schie­det wur­den (www.declarationofistanbul.org). Hand­lungs­be­darf sieht Druml hin­ge­gen beim Wis­sen­stand über die in Öster­reich gel­tende Wider­spruchs­lö­sung und dem seit 1994 exis­tie­ren­den Wider­spruchs­re­gis­ter. Hier sollte es ihrer Ansicht nach wesent­lich mehr Auf­klä­rung und Infor­ma­tio­nen dar­über geben – nicht nur für Erwach­sene. Infor­ma­tio­nen dar­über sollte es auch für Kin­der und Jugend­li­che in der Schule geben. Bestre­bun­gen, die Lebend­spende künf­tig stär­ker zu för­dern, steht Druml posi­tiv gegen­über. „Den Spen­dern kein finan­zi­el­ler Scha­den ent­ste­hen“, wie sie betont und: „Ver­dienst­ent­gang und Behand­lungs­kos­ten soll­ten im Sinn einer Soli­da­ri­tät der Men­schen unter­ein­an­der auch kor­rekt finan­zi­ell kom­pen­siert werden“.

Organ-Tran­s­­plan­­ta­­tion im Ausland

Die welt­weite Organ­knapp­heit führt zu Akti­vi­tä­ten, die sich in den meis­ten Län­dern jen­seits der Lega­li­tät bewe­gen: zum kom­mer­zi­el­len Organ­han­del. Wohl­ha­bende Bür­ger aus Län­dern wie den USA, Aus­tra­lien, Saudi-Ara­­bien, Israel und auch West-Europa neh­men ihr Schick­sal selbst in die Hand, anstatt in der Hei­mat auf ein Organ zu war­ten. Sie rei­sen zur Trans­plan­ta­tion ins Aus­land, um dort – in über­wie­gend unter­ent­wi­ckel­ten Län­dern – das benö­tigte Organ von einem Spen­der zu kau­fen und sich ein­set­zen zu las­sen. Zu den Län­dern mit einem flo­rie­ren­den, unre­gu­lier­ten Markt für Organ­trans­plan­ta­tio­nen zäh­len Indien, Süd­afrika, Paki­stan, die Phil­ip­pi­nen und lange Zeit auch China. In der Ver­gan­gen­heit waren vor allem die dies­be­züg­li­chen Prak­ti­ken in China mehr als umstrit­ten. Über Jahre wur­den Organe von hin­ge­rich­te­ten Gefan­ge­nen ent­nom­men und an Emp­fän­ger im In- und Aus­land ver­kauft. Die­ses Vor­ge­hen wurde mitt­ler­weile gestoppt. In China ist der Organ­man­gel beson­ders dras­tisch. 300.000 Men­schen war­ten aktu­ell auf ein Organ. Doch die Bereit­schaft zur post­mor­ta­len Organ­spende ist aus kul­tu­rel­len Grün­den extrem nied­rig. Die Regie­rung ver­sucht nun, ein gere­gel­tes Sys­tem auf die Beine zu stel­len. Im Vor­jahr wurde ein natio­na­les Organ­­spende-Pro­­­gramm implementiert.

Als ein­zi­ges Land der Welt erlaubt der Iran offi­zi­ell Lebend­spen­dern den kom­mer­zi­el­len Ver­kauf von Orga­nen, wenn auch aus­schließ­lich im Inland – und dies bereits seit 1988. In die­sem staat­lich regu­lier­ten Sys­tem erhal­ten die Spen­der eine finan­zi­elle Ent­schä­di­gung. Außer­dem über­nimmt die Regie­rung die Kos­ten für die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung rund um die Transplantation.

Stim­men, den kom­mer­zi­el­len Organ­ver­kauf zu gestat­ten, tritt vor allem die Medi­zin vehe­ment ent­ge­gen. „Organ­han­del ist nicht nur ethisch frag­wür­dig, son­dern zu Recht auch ein kri­mi­nel­ler und straf­ba­rer Akt in Deutsch­land und in fast allen ande­ren Län­dern der Welt“, heißt es in einer aktu­el­len Stel­lung­nahme der Deut­schen Gesell­schaft für Neph­rolo­gie, des Bun­des­ver­bands Niere e.V. und des Ver­bands Deut­sche Nie­ren­zen­tren e.V. Mit ihrer ableh­nen­den Hal­tung sind die Deut­schen nicht allein. Welt­weit unter­stützt die große Mehr­heit aller Nie­ren­ver­bände die soge­nannte „Erklä­rung von Istan­bul“ aus dem Jahr 2008. Darin spre­chen sich Ver­tre­ter der Medi­zin ein­deu­tig gegen Organ­han­del und Organ-Tou­­ris­­mus aus.

Alter­na­tive Ansätze

Um die Not­lage in der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin zu lin­dern, sind Wis­sen­schaf­ter auf der Suche nach Alter­na­ti­ven zur tra­di­tio­nel­len Organ­trans­plan­ta­tion. So wird etwa erforscht, inwie­weit Organe von Tie­ren mensch­li­che Organe erset­zen kön­nen. Bei der Xeno­trans­plan­ta­tion müs­sen die Tier­or­gane gene­tisch so ver­än­dert wer­den, dass der mensch­li­che Kör­per sie akzep­tiert. Neben Abstoß­re­ak­tio­nen ist die Über­tra­gung von Krank­heits­er­re­gern von den Tie­ren auf Men­schen eine der größ­ten Gefah­ren. Dis­ku­tiert wird ebenso das Züch­ten von Gewebe und Orga­nen. Auch die Nut­zung von adul­ten Stamm­zel­len und embryo­na­len Stamm­zel­len­li­nien gilt als eine mög­li­che alter­na­tive The­ra­pie­op­tion. Aller­dings: All diese Ent­wick­lun­gen haben der­zeit ledig­lich expe­ri­men­tel­len Cha­rak­ter. Ihnen ste­hen erheb­li­che ethi­sche und mora­li­sche Beden­ken gegen­über. „Es ist nicht rea­lis­tisch, dass wir in 20 Jah­ren eine die­ser Optio­nen nut­zen wer­den und bei­spiels­weise ein Tier­or­gan einem Men­schen ein­set­zen“, sagt Becker. Viel­mehr sei ein ver­stärk­ter Ein­satz von „Assist Devices“ wie das Kunst­herz ein sinn­vol­ler und nach­hal­ti­ger Weg, das Pro­blem der Organ­knapp­heit anzu­ge­hen. Die Medi­zin­tech­nik von heute könne kranke Organe gut unterstützen.

Abseits der Bemü­hun­gen von Poli­tik und medi­zi­ni­scher For­schung wer­den Stim­men lau­ter, die ein Umden­ken for­dern: mehr prä­ven­tive Gesund­heits­för­de­rung, um zu ver­hin­dern, dass über­haupt so viele Organe benö­tigt wer­den – wie etwa bei Dia­be­tes mel­li­tus. Doch unter dem Strich steht im Moment: Die klas­si­sche Organ­trans­plan­ta­tion bleibt vor­erst alter­na­tiv­los – und die Organ­knapp­heit ein gra­vie­ren­des Problem.



Wie die USA ein Bewusst­sein für die Organ­spende schufen

„Don‘t take your organs to hea­ven – hea­ven knows we need them here“: Mit emo­tio­na­len Anspra­chen wie die­sen haben die USA ihre Bür­ger dafür gewin­nen kön­nen, sich für die Organ­spende zu öff­nen. Über Nacht kam der Erfolg der hohen Spen­der­be­reit­schaft nicht. US-Regie­­rung und Gesund­heits­or­ga­ni­sa­tio­nen arbei­ten seit vie­len Jah­ren inten­siv daran, ihre Bür­ger für die Organ­spende zu sensibilisieren.

Einige Mei­len­steine: 1996 wur­den auf Geheiß des ame­ri­ka­ni­schen Kon­gres­ses Infor­ma­tio­nen zur Organ­spende an 70 Mil­lio­nen ame­ri­ka­ni­sche Haus­halte ver­schickt. 2001 initi­ierte der dama­lige Gesund­heits­mi­nis­ter Tommy Thomp­son die große Auf­klä­rungs­kam­pa­gne „Gift of Life“. Über viele Jahre wurde stark in die Infra­struk­tur des ame­ri­ka­ni­schen Spen­­der- und Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems inves­tiert. Zahl­rei­che Non-Pro­­­fit-Orga­­ni­­sa­­ti­o­­nen sor­gen dafür, dass das Thema Organ­knapp­heit nie aus dem Bewusst­sein der Bevöl­ke­rung verschwindet.

Das Ergeb­nis der Bemü­hun­gen: Inner­halb weni­ger Jahre ging die Zahl der regis­trier­ten Spen­der deut­lich nach oben. 69,3 Mil­lio­nen im Jahr 2007. 94,6 Mil­lio­nen im Jahr 2010. Ein lange ersehn­ter Mei­len­stein wurde 2011 erreicht. Die USA über­schrit­ten die 100-Millionen-Spender-Marke.


Situa­tion in Österreich

In Öster­reich wur­den 2014 laut dem „Öster­rei­chi­schen Trans­plan­ta­ti­ons­be­richt 2014“ ins­ge­samt 813 Organ­trans­plan­ta­tio­nen (2013: 686) durch­ge­führt; 735 mit Orga­nen von Ver­stor­be­nen, 77 Organe/​Organteile stamm­ten von Lebend­spen­dern. Von den in Öster­reich gemel­de­ten 345 prä­sump­ti­ven Organ­spen­dern wur­den 207 für eine Trans­plan­ta­tion her­an­ge­zo­gen. Das sind 24,3 Organ­spen­der pro Mil­lion Ein­woh­ner und bedeu­tet ein um rund elf Pro­zent höhe­res Organ­spen­der­auf­kom­men als im Vor­jahr. So konn­ten 2014 auch rund sie­ben Pro­zent mehr Organ­trans­plan­ta­tio­nen durch­ge­führt wer­den; der Anstieg ver­teilt sich glei­cher­ma­ßen auf Nieren‑, Herz‑, Lungen‑, Leber- und Pankreas-Transplantationen.

Bei den Organ­spen­dern liegt das Bun­des­land Salz­burg mit 48,7 pro Mil­lion Ein­woh­ner an der Spitze; gefolgt von Kärn­ten mit 46,8 Spen­dern pro Mil­lion Ein­woh­ner und Tirol mit 26,3 Spen­dern pro Mil­lion Ein­woh­ner. In der Stei­er­mark waren es 23,9 Organ­spen­der je Mil­lion Ein­woh­ner, in Ober­ös­ter­reich 22,4, in Vor­arl­berg 21,3.; in Nie­der­ös­ter­reich 20,9; in Wien 12,5 sowie sie­ben im Burgenland.

In den Euro­­tran­s­­plant-Län­­dern mit inter­na­tio­na­ler Zusam­men­ar­beit (Bel­gien, Deutsch­land, Luxem­burg, Ungarn, Nie­der­lande, Kroa­tien und Slo­we­nien und Öster­reich) gab es Anfang 2015 eine Organ­em­p­­fän­­ger-War­­te­­liste von ins­ge­samt rund 15.000 Pati­en­ten. 2014 wur­den ins­ge­samt fast 7.200 Organ­ver­pflan­zun­gen durch­ge­führt. Ende 2014 haben in Öster­reich ins­ge­samt 921 Per­so­nen auf ein geeig­ne­tes Spen­der­or­gan gewar­tet. Die War­te­zeit selbst ist von Organ zu Organ ver­schie­den: Auf eine Niere war­tet man durch­schnitt­lich 42,1 Monate. Beim Herz beträgt die War­te­schnitt im Durch­schnitt 4,2 Monate, bei der Lunge 3,2 Monate und bei der Leber beträgt die War­te­zeit 3,5 Monate.
Quelle: APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 15–16 /​15.08.2015