kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

10.05.2015 | Medizin

Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz beein­träch­tigt Cholesterinstoffwechsel

Bei chro­nisch ein­ge­schränk­ter Nie­ren­funk­tion gehen antient­zünd­li­che Eigen­schaf­ten des HDL-Cho­le­ste­rins ver­lo­ren, wodurch die Gefahr für Herz-Kreis­lauf­erkran­kun­gen steigt. Zu die­sem Ergeb­nis kamen For­scher der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz in einer ver­glei­chen­den Stu­die an Dia­ly­se­pa­ti­en­ten und gesun­den Pati­en­ten. Dazu Stu­di­en­lei­ter Prof. Gun­ther Mar­sche vom Insti­tut für Expe­ri­men­telle und Kli­ni­sche Phar­ma­ko­lo­gie: „Die Akti­vi­tät vie­ler Enzym­klas­sen, die im Blut zur Rei­fung von funk­ti­ons­tüch­ti­gem HDL-Cho­le­ste­rin bei­tra­gen, ist bei Dia­ly­se­pa­ti­en­ten stark ver­än­dert.“ Dem­nach sei das vor­han­dene HDL nur noch ein­ge­schränkt in der Lage, den rever­sen Cho­le­ste­rin­trans­port oder auch ent­zünd­li­che Vor­gänge zu steu­ern. Nun beschäf­tigt die For­scher die Frage, inwie­weit die Funk­ti­ons­ver­luste des HDL tat­säch­lich mit einer erhöh­ten Mor­ta­li­tät ein­her­ge­hen, und wie die Funk­tio­na­li­tät des HDL durch neue The­ra­pie­an­sätze gestei­gert wer­den könnte.
APA/​Journal of the Ame­ri­can Society of Nephrology

Schi­zo­phre­nie: Dia­gnose künf­tig durch MRT und CT

In fünf Jah­ren könnte es mög­lich sein, Schi­zo­phre­nie durch bild­ge­bende Ver­fah­ren wie Magnet­re­so­nanz- (MR) und Com­pu­ter­to­mo­gra­fie (CT) zu dia­gnos­ti­zie­ren. In For­schungs­ar­bei­ten, die der­zeit über­all auf der Welt durch­ge­führt wür­den, sei man bereits „rela­tiv nah dran“, wie Univ. Prof. Wolf­gang Fleisch­ha­cker von der Abtei­lung für Bio­lo­gi­sche Psych­ia­trie der Med­Uni Inns­bruck erklärt. Die dadurch ermög­lichte Früh­dia­gnos­tik – sie ist ent­schei­dend für das Rück­fall­ri­siko – könnte die­ses erheb­lich sen­ken. Da Schi­zo­phre­nie pri­mär Jugend­li­che betreffe, könnte man etwa bei einem Drit­tel der Betrof­fe­nen anhand einer sol­chen Dia­gnos­tik früh­zei­tig inter­ve­nie­ren. Der­zeit erlei­den nur 15 Pro­zent aller an Schi­zo­phre­nie Erkrank­ten nach einer Behand­lung kei­nen Rück­fall.
APA

Neue Anwen­dung für Malaria-Mittel

Lau­san­ner For­scher konn­ten mit dem eigent­lich gegen Mala­ria ein­ge­setz­ten Chlo­ro­quin das humane Cyto­me­ga­lie-Virus (CMV) aus dem Kör­per eli­mi­nie­ren. Zusam­men mit anti­vi­ra­ler Medi­ka­tion könnte Chlo­ro­quin eine Stan­dard­the­ra­pie wer­den, um eine Infek­tion mit dem CMV bei Hoch­ri­siko-Pati­en­ten zu eli­mi­nie­ren.
APA/​ETH Lausanne

WHO: Kai­ser­schnitt nur bei medi­zi­ni­scher Indikation

Zwei Stu­dien, an denen auch die WHO betei­ligt war, zei­gen, dass bei einer Sec­tio-Rate von zehn Pro­zent tat­säch­lich eine Ver­bes­se­rung der All­ge­mein­ge­sund­heit von Müt­tern und Kin­dern ein­tritt und die Ster­be­rate zurück­geht. Zu oft wird – so die Ein­schät­zung der WHO – ein Kai­ser­schnitt ohne echte Not­wen­dig­keit vor­ge­nom­men.
APA

Alter­na­tive Behand­lung für resis­tente Tumorzellen

Bei Labor­ver­su­chen stell­ten For­scher der Uni­ver­si­tät Bern fest, dass Krebs­zel­len die DNA repa­rie­ren kön­nen, obwohl ihnen eigent­lich die Repa­ra­tur-Pro­te­ine dazu feh­len; Grund dafür ist der Ver­lust eines spe­zi­el­len Gens. In Zell­kul­tu­ren wurde nun eine alter­na­tive Behand­lung von resis­ten­ten Tumor­zel­len gefun­den: Das Serin-Pro­te­in­ki­nase ATM, wel­ches eben­falls in die DNA-Repa­ra­tur invol­viert ist, wird blo­ckiert. Das wie­derum bewirkt, dass resis­tente Tumor­zel­len wie­der für die The­ra­pie sen­si­bi­li­siert wer­den. Die neu ent­wi­ckel­ten ATM-Inhi­bi­to­ren wer­den nun für erste kli­ni­sche Stu­dien vor­be­rei­tet.
APA/​Natur

West­afrika: 11.000 Mala­ria-Tote durch Ebola-Epidemie

Fast 11.000 Men­schen – nahezu ebenso viele, wie an Ebola gestor­ben sind – könn­ten in West­afrika an Mala­ria gestor­ben sein. Der Grund: Wegen der Ebola-Epi­de­mie sind die Gesund­heits­sys­teme in den betrof­fe­nen Län­dern zusam­men­ge­bro­chen. Wis­sen­schaf­ter um Patrick Wal­ker vom Zen­trum für Ana­lyse und Modell­rech­nung am Impe­rial Col­lege in Lon­don haben anhand von Mala­ria-Daten aus den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren unter­sucht, wel­chen Ein­fluss medi­zi­ni­sche Behand­lun­gen auf die Krank­heits­fälle haben. So hat es wegen der schlech­ten Ver­sor­gung in den drei Län­dern bis zu 3,5 Mil­lio­nen zusätz­li­che unbe­han­delte Mala­ria-Fälle gege­ben. Das könnte die Fort­schritte des letz­ten Jahr­zehnts im Kampf gegen Mala­ria in West­afrika wie­der zunich­te­ma­chen. Die Zahl der Mala­ria-Todes­fälle ist in Gui­nea um 5.600 gestie­gen; das ent­spricht rund einem Drit­tel; in Sierra Leone gab es 3.900 zusätz­li­che Mala­ria-Tote (plus 50 Pro­zent), in Libe­ria 1.500 (plus 62 Pro­zent).
APA/​The Lancet

Jugend­li­che bevor­zu­gen E‑Zigaretten

Kin­der und Jugend­li­che pro­bie­ren häu­fi­ger E‑Zigaretten aus als nor­male Ziga­ret­ten. Das ergab eine Stu­die, für die mehr als 10.000 Kin­der und Jugend­li­che in Wales befragt wur­den. Ins­ge­samt hat­ten 12,3 Pro­zent der Elf- bis 16-Jäh­ri­gen schon eine E‑Zigarette aus­pro­biert. Mit Aus­nahme der 15- bis 16-Jäh­ri­gen war der Anteil höher als bei Tabak. Nur 1,5 Pro­zent der Befrag­ten gaben an, regel­mä­ßig – min­des­tens ein­mal pro Monat – eine E‑Zigarette zu rau­chen. Regel­mä­ßi­gen E‑Zi­ga­ret­ten-Nut­zer kon­su­mier­ten laut Stu­die auch Tabak und Can­na­bis. Beim Kon­sum von E‑Zigaretten gab es – anders als bei nor­ma­len Ziga­ret­ten – keine Unter­schiede bezüg­lich Geschlecht oder sozia­ler Schicht.
APA/​BMJ Open

Para­dig­men­wech­sel in der Wie­der­be­le­bung alpi­ner Unfallopfer

Bei stark unter­kühl­ten Unfall­op­fern mit einer Kör­per­kern­tem­pe­ra­tur von unter 28 Grad Cel­sius kann die Herz­druck­mas­sage beim Trans­port im Gebirge immer wie­der kurz unter­bro­chen wer­den. Das haben For­scher­teams um Priv. Doz. Peter Paal von der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck und Her­mann Brug­ger vom EURAC-Insti­tut für Alpine Not­fall­me­di­zin Bozen im Rah­men einer Stu­die her­aus­ge­fun­den. Da die Kälte kon­ser­viere, tole­riere der Kör­per bei tie­fen Kör­per­tem­pe­ra­tu­ren einen Herz­still­stand wesent­lich län­ger als bei nor­ma­ler Kör­per­tem­pe­ra­tur. Den Aus­sa­gen der For­scher zufolge könnte dies zu einem Para­dig­men­wech­sel bei den bis­her gül­ti­gen Ret­tungs­richt­li­nien füh­ren: Wenn schwer unter­kühlte Pati­en­ten (Kör­per­kern­tem­pe­ra­tur unter 28 Grad Cel­sius) mit Herz­still­stand aus unweg­sa­mem Gelände eva­ku­iert wer­den müs­sen und eine kon­ti­nu­ier­li­che Wie­der­be­le­bung nicht mög­lich ist, kann man abwech­selnd fünf Minu­ten reani­mie­ren, fünf Minu­ten trans­por­tie­ren und dies solange im Wech­sel, bis wie­der eine kon­ti­nu­ier­li­che Herz­druck­mas­sage mög­lich ist.
APA/​Resuscitation

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 9 /​10.05.2015