kurz & infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.11.2015 | Medi­zin

Leu­­ko­­trien-Inhi­­bi­­tor stei­gert Lern­fä­hig­keit

Mon­te­lukast stei­gert im Tier­ver­such die Lern­fä­hig­keit und das Gedächt­nis von alten Rat­ten. Das hat eine Stu­die der Para­cel­sus Medi­zi­ni­schen Pri­vat­uni­ver­si­tät Salz­burg erge­ben. Die For­scher unter­such­ten die Wir­kung einer sechs­wö­chi­gen Behand­lung mit dem Leu­­ko­­trien-Inhi­­bi­­tor auf das Gehirn von jun­gen (vier Monate alt) und alten (20 Monate) Rat­ten. Beim stan­dar­di­sier­ten Mor­ris Water Maze-Test soll­ten die Tiere ler­nen, in einem run­den Was­ser­bas­sin eine ver­steckte Platt­form zu fin­den und sich daran zu erin­nern. Ergeb­nis: „Die Behand­lung mit Mon­te­lukast ver­bes­serte die Lern­fä­hig­keit der alten Tiere beim Auf­fin­den der Platt­form bis zu jenem Grad, den die jun­gen Tiere zeig­ten“, so die For­scher. Bei jun­gen Tie­ren blieb das Lern­ver­mö­gen gleich. Die Wis­sen­schaf­ter füh­ren die Wir­kung auf den antient­zünd­li­chen Effekt des Leu­­ko­­trien-Inhi­­bi­­tors im Gehirn zurück.
APA/​Nature Communications

Endo­can­na­bi­no­ide beein­flus­sen Pan­­kreas-Ent­­­wick­­lung

Ein zu hoher Anteil von Endo­can­na­bi­no­iden im Blut könnte die Wahr­schein­lich­keit erhö­hen, dass Kin­der spä­ter Schwie­rig­kei­ten bei der Ver­ar­bei­tung von Glu­cose haben und somit das Dia­­be­­tes-Risiko erhö­hen. Das hat ein For­scher­team um Tibor Har­kany vom Zen­trum für Hirn­for­schung der Med­Uni Wien in Zusam­men­ar­beit mit Wis­sen­schaf­tern aus Polen, Ita­lien, Schwe­den und den USA her­aus­ge­fun­den. Erst­au­torin Katar­zyna Malen­c­zyk: „In unse­ren Ver­su­chen lie­ßen sich die Insel-Zel­­len durch die Zugabe von Mole­kü­len, die das endo­can­na­bi­no­ide Signa­ling regu­lie­ren, fast nach Belie­ben modu­lie­ren und bil­de­ten funk­tio­nie­rende pan­krea­ti­sche Zell­clus­ter.“ Die­ses neue Ver­ständ­nis könnte hel­fen, Stra­te­gien für die recht­zei­tige Repa­ra­tur von ver­zö­ger­ter oder fehl­ge­schla­ge­ner Ent­wick­lung der Bauch­spei­chel­drüse zu erar­bei­ten.
APA/​Proceedings

Baby mit ALL: Hei­lung mit Designer-T-Zellen

Erst­mals welt­weit ist in Lon­don ein Baby mit aku­ter lym­phob­las­ti­scher Leuk­ämie (ALL) durch den Ein­satz von gene­tisch ver­än­der­ten Immun­zel­len geheilt wor­den. Die The­ra­pie mit UCAR­­T19-Zel­­len schlug an, nach­dem sowohl Che­mo­the­ra­pie als auch Kno­chen­marks­trans­plan­ta­tion erfolg­los blie­ben. Dafür ent­nah­men die Ärzte von einem gesun­den Spen­der Immun­zel­len und kre­ierten aus die­sen T‑Zellen soge­nannte UCAR­­T19-Zel­­len. Anfang 2016 soll das Ver­fah­ren in Lon­don kli­nisch erprobt wer­den.
APA

Mine­ralöl-Rück­­stände in Lebens­mit­teln gefunden

In 43 Pro­zent von 120 unter­such­ten Pro­duk­ten aus Deutsch­land, Frank­reich und den Nie­der­lan­den wur­den laut der Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­tion Food­watch Spu­ren von aro­ma­ti­schen Mine­ral­ölen gefun­den. Dem­nach sol­len die Rück­stände aus der bedruck­ten Ver­pa­ckung aus Alt­pa­pier auf das Pro­dukt über­ge­gan­gen sein. Getes­tet wur­den tro­ckene und lang halt­bare Lebens­mit­tel von bekann­ten Her­stel­lern, von Han­dels­mar­ken sowie kon­ven­tio­nelle und Bio-Pro­­­dukte. Aro­ma­ti­sche Mine­ral­öle ste­hen im Ver­dacht, kan­ze­ro­gen und tera­to­gen zu sein. Wesent­lichste Quelle für die Ver­un­rei­ni­gung sind dem­nach aus Alt­pa­pier her­ge­stellte Ver­pa­ckun­gen.
APA

Magen­ver­klei­ne­rung erhöht Allergierisiko

Magen­ver­klei­ne­run­gen kön­nen das All­er­gie­ri­siko deut­lich erhö­hen – zu die­sem Ergeb­nis kommt eine Stu­die der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Chir­ur­gie in Zusam­men­ar­beit mit dem Insti­tut für Patho­phy­sio­lo­gie und All­er­gie­for­schung der Med­Uni Wien. Wäh­rend der Magen bei stark Adi­pö­sen bis zu 1,6 Liter fasst, beträgt das Magen­vo­lu­men nach einer Magen­ver­klei­ne­rung nur noch 15 bis 25 Mil­li­li­ter. Es kön­nen daher nicht mehr aus­rei­chend Ver­dau­ungs­säfte pro­du­ziert wer­den, wodurch die Nah­rung nicht mehr zur Gänze zer­legt wird und unver­än­dert in den Darm gelangt. Da der Darm als Ort für die Ent­ste­hung von All­er­gien ange­se­hen wird, steigt das Risiko für All­er­gien. Die Stu­die wurde im Zuge von endo­sko­pi­schen Magen­ver­klei­ne­run­gen von stark adi­pö­sen Pati­en­ten durch­ge­führt; ins­ge­samt 34 All­er­gene wur­den getes­tet.
APA

Vor­le­sen macht Kin­der erfolg­reich

Regel­mä­ßi­ges Vor­le­sen wirkt sich posi­tiv auf die schu­li­sche und soziale Ent­wick­lung von Kin­dern aus – unab­hän­gig vom Bil­dungs­ni­veau der Eltern. 70 Pro­zent der Acht- bis Zwölf­jäh­ri­gen hat­ten im Fach Deutsch eine sehr gute oder gute Note, wenn ihnen täg­lich vor­ge­le­sen wurde. Das ist das Ergeb­nis der Vor­le­se­stu­die 2015, für die 524 Kin­der und ihre Müt­ter befragt wur­den. Auch gehen Kin­der, denen täg­lich vor­ge­le­sen wird, lie­ber in die Schule: 83 Pro­zent der Acht­bis Zwölf­jäh­ri­gen sagen, das „sehr gern“ zu tun. Bei den Kin­dern, denen sel­ten oder nie vor­ge­le­sen wurde, waren es nur 43 Pro­zent. 90 Pro­zent der Müt­ter, die ihren Kin­dern täg­lich vor­le­sen, beschrie­ben die Kin­der als wiss­be­gie­rig; bei jenen, die sel­ten oder nie vor­le­sen, waren es nur 43 Pro­zent. Bele­sene Kin­der sind auch ver­gleichs­weise sen­si­bel, empa­thisch und inter­es­siert an ande­ren. „Daher kann über das Vor­le­sen offen­sicht­lich etwas gesche­hen, das ihre soziale Kom­pe­tenz und ihr sozia­les Ver­hal­ten mit stärkt“, erklärt Simone Ehmig, Lei­te­rin des Insti­tuts für Lese- und Medi­en­for­schung, das die Stu­die mit Part­nern durch­führte.
APA

Toxo­plasma gon­dii beein­flusst Hirn­vor­gänge

Toxo­plasma gon­dii kann bei Men­schen wie bei sei­nen natür­li­chen Zwi­schen­wir­ten Rat­ten und Mäu­sen Hirn­vor­gänge ver­än­dern, erklärte Joanne Webs­ter vom Impe­rial Col­lege in Lon­don. „Abge­se­hen von einer Erst­in­fek­tion in der Schwan­ger­schaft glaubte man bis vor kur­zem, dass der Para­sit keine Sym­ptome ver­ur­sacht“, so Webs­ter. Nun weiß man, dass bei Men­schen die glei­chen Ver­hal­tens­ef­fekte auf­tre­ten wie bei Mäu­sen und Rat­ten: Durch eine Infek­tion wird die Akti­vi­tät höher und die Reak­ti­ons­zeit län­ger. So hat bei­spiels­weise ein Mensch, der an Toxo­plas­mose lei­det, eine um 2,75 Pro­zent höhere Wahr­schein­lich­keit, in einen Ver­kehrs­un­fall ver­wi­ckelt zu wer­den.
APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2015