neu & aktu­ell: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

25.10.2014 | Politik

Wie­ner Ärz­te­funk­dienst: höhe­res Hono­rar gefordert

Weil es immer weni­ger Ärzte gibt, die bereit sind, in der Nacht und an Wochen­en­den für den Ärz­te­funk­dienst tätig zu sein, for­dert die Ärz­te­kam­mer Wien eine Anhe­bung des Stun­den­lohns von der­zeit 38,68 auf 100 Euro. Zwar hät­ten viele Ärzte ein Inter­esse an der Tätig­keit; 60 Pro­zent von ihnen wür­den aber nicht begin­nen, nach­dem sie die Tarife ken­nen, erklärte Johan­nes Stein­hart, Obmann der Kurie nie­der­ge­las­sene Ärzte der Wie­ner Ärz­te­kam­mer. Der­zeit sind 140 All­ge­mein­me­di­zi­ner unter der Tele­fon­num­mer 141 im Ein­satz; 2005 waren es noch rund 170 Ärzte. Einige Koope­ra­ti­ons­pro­jekte – wie etwa mit der Wie­ner Ret­tung – muss­ten des­we­gen ein­ge­stellt wer­den. Auch die bereits ver­ein­barte Not­fall­or­di­na­tion, die in der Nacht, an Wochen­en­den und Fei­er­ta­gen die Ambu­lan­zen am künf­ti­gen Kran­ken­haus Nord in Flo­rids­dorf ent­las­ten soll, könne nicht umge­setzt wer­den, warnte Stein­hart. Der Ärz­te­funk­dienst hat im Vor­jahr rund 64.000 Visi­ten durchgeführt.

Ebola: Aus­brei­tung nach Europa erwartet 

Ebola werde sich nach wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen auch nach Europa aus­brei­ten. Die Wahr­schein­lich­keit, dass es in Frank­reich in den nächs­ten Wochen einen Fall gibt, liegt bei 75 Pro­zent; für Groß­bri­tan­nien rech­net man mit einer Wahr­schein­lich­keit von 50 Pro­zent. Diese Pro­gnose hat die Uni­ver­si­tät Lan­cas­ter (Groß­bri­tan­nien) anhand von Mus­tern, wie sich die Krank­heit bis­her aus­ge­brei­tet hat und wie der Flug­ver­kehr orga­ni­siert ist, erstellt. Frank­reich wurde des­halb gewählt, weil in den am stärks­ten betrof­fe­nen Län­dern Gui­nea, Sierra Leone und Libe­ria häu­fig fran­zö­sisch gespro­chen werde. Groß­bri­tan­nien wie­derum sei gefähr­det, weil Lon­don-Heathrow zu den welt­größ­ten Flug­hä­fen zähle. Bei der schwers­ten Ebola-Epi­de­mie der Geschichte sind inner­halb die­ses Jah­res in West­afrika bereits mehr als 3.400 Men­schen gestorben.

Uganda: Mar­burg­fie­ber ausgebrochen

In Uganda ist kürz­lich erneut das eng mit Ebola ver­wandte Mar­burg-Fie­ber auf­ge­taucht. Ein 30-jäh­ri­ger Betrof­fe­ner ist daran gestor­ben; 80 Kon­takt­per­so­nen ste­hen unter Qua­ran­täne, wie die Behör­den in der Haupt­stadt Kam­pala mit­teil­ten. Das Gesund­heits­mi­nis­te­rium hat alle medi­zi­ni­schen Not­fall­teams, die Erfah­rung bei der Bekämp­fung von lebens­ge­fähr­li­chen Virus­er­kran­kun­gen haben, reaktiviert.


Ita­lien: kein Füh­rer­schein für Drogenkonsumenten

In Ita­lien soll Per­so­nen, die regel­mä­ßig Dro­gen kon­su­mie­ren, künf­tig auf Lebens­zeit der Füh­rer­schein ent­zo­gen wer­den. Innen­mi­nis­ter Ange­lino Alfano drängt auf Ein­füh­rung des Tat­be­stan­des des „Stra­ßen­ver­kehrs­mor­des“, wenn Per­so­nen unter Ein­fluss von Dro­gen oder Alko­hol töd­li­che Unfälle ver­ur­sa­chen. Anlass war ein Unfall, bei dem ein alko­ho­li­sier­ter Len­ker einen Scoo­ter mit zwei Teen­agern rammte.

Paki­stan: Rekord bei Polio-Fällen

In Paki­stan ist mit 202 Infek­tio­nen drei Monate vor Jah­res­ende der bis­he­rige Höchst­stand an Polio-Fäl­len aus dem Jahr 2000 über­trof­fen, wie das Natio­nale Gesund­heits­in­sti­tut in Islam­abad mit­teilte. Damals wur­den 199 Fälle regis­triert. Die Regie­rung sieht als Haupt­grund für die Aus­brei­tung von Polio die Tali­ban, die u.a. Impf­kam­pa­gnen in den am schwers­ten betrof­fe­nen Regio­nen verhindern.

Frank­reich: neu­trale Zigarettenpackungen

Frank­reich will als ers­tes Land in Europa ein­heit­li­che, neu­trale Ziga­ret­ten­pa­ckun­gen ohne Mar­ken­an­gabe vor­schrei­ben, wie Gesund­heits­mi­nis­te­rin Mari­sol Tou­raine ankün­digte. So sol­len Ziga­ret­ten für Rau­cher weni­ger attrak­tiv wer­den. Hef­tige Kri­tik kommt von der Ziga­ret­ten­in­dus­trie. Frank­reich folgt damit Aus­tra­lien: Dort gibt es seit Dezem­ber 2012 Ziga­ret­ten­pa­ckun­gen ohne Marke und Firmenlogo.

Brust­krebs-Früh­erken­nungs­pro­gramm: Informationskampagne

Mit Anfang Okto­ber hat das Öster­rei­chi­sche Brust­krebs-Früh­erken­nungs­pro­gramm eine Kam­pa­gne gestar­tet, um „mehr Frauen zu errei­chen und sie daran zu erin­nern, recht­zei­tig Vor­sorge zu tref­fen“, erklärte Gesund­heits­mi­nis­te­rin Sabine Ober­hau­ser (SPÖ) kürz­lich bei einer Pres­se­kon­fe­renz zum Start der Offen­sive. Nach einem „holp­ri­gen Start“ (Ober­hau­ser) sei das Pro­gramm wei­ter­ent­wi­ckelt wor­den: So kön­nen seit 1. Juli die­ses Jah­res Frauen zwi­schen 45 und 69 Jah­ren mit der E‑Card – auch ohne Ein­la­dung – alle zwei Jahre zur Mam­mo­gra­phie gehen; auch die Indi­ka­ti­ons­liste wurde erwei­tert. Zwar löse die Betei­li­gung noch „keine Eupho­rie aus, aber wir sind im grü­nen Bereich“, betonte Franz Früh­wald, Spre­cher der regio­nal­ver­ant­wort­li­chen Radio­lo­gen im Pro­gramm. Der Trend gehe in die rich­tige Rich­tung. Die Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne umfasst Pla­kate, Prin­t­an­zei­gen sowie Online-Wer­bung. Frauen sol­len ver­stärkt auf die Mög­lich­keit der Früh­erken­nungs-Mam­mo­gra­phie auf­merk­sam gemacht wer­den. Die bei­den wich­tigs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len – Tele­fon-Ser­vice­line und Web­site – wer­den aktiv kom­mu­ni­ziert. Details gibt es unter www.frueh-erkennen.at.

Neu: Wie­ner Ärz­te­ver­zeich­nis als Buch

Gesund in Wien – Wiens Ärzte und Spi­tä­ler von A‑Z“ – so heißt das kürz­lich von der Ärz­te­kam­mer Wien prä­sen­tierte neue Ärz­te­ver­zeich­nis. Auf knapp 1.000 Sei­ten sind Kon­takt­da­ten und Infor­ma­tio­nen über Spe­zi­al­ge­biete, Fremd­spra­chen-Kennt­nisse sowie Erreich­bar­keit mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln von rund 5.000 nie­der­ge­las­se­nen All­ge­mein­me­di­zi­nern und Fach­ärz­ten sowie allen Spi­tä­lern und Apo­the­ken in Wien zusam­men­ge­fasst. Davon, dass das Buch als „Alter­na­tive zu elek­tro­ni­schen Medien wie dem erfolg­rei­chen Wie­ner Pra­xis­plan gro­ßen Anklang fin­den wird“, ist der Prä­si­dent der Wie­ner Ärz­te­kam­mer, Univ. Prof. Tho­mas Sze­ke­res, über­zeugt. Das Buch ist über www.gesund-in-wien.at, in Wie­ner Apo­the­ken sowie im aus­ge­wähl­ten Buch­han­del und Tra­fi­ken erhält­lich. Preis: 9,90 Euro.

TIA: Auf­klä­rungs­of­fen­sive

Das früh­zei­tige Erken­nen von TIAs (Tran­si­ente ischä­mi­sche Atta­cke) steht im Mit­tel­punkt einer breit ange­leg­ten Auf­klä­rungs­of­fen­sive in den nächs­ten Wochen. Auch wenn die meis­ten tran­si­en­ten ischä­mi­schen Atta­cken weni­ger als zehn Minute dau­ern, sind die mög­li­chen Kon­se­quen­zen schwer­wie­gend: So besteht inner­halb der ers­ten drei Wochen nach einer TIA das höchste Risiko für einen Schlag­an­fall. 30 bis 40 Pro­zent der Betrof­fe­nen erlei­den inner­halb der nächs­ten fünf Jahre einen Infarkt. Einige Aus­lö­ser für eine TIA – wie etwa cere­brale Embo­lien bei Vor­hof­flim­mern oder Arte­rio­skle­rose der Karo­ti­den – kön­nen mit Anti­ko­agu­lan­tien behan­delt wer­den. Grund­sätz­lich steht die Behand­lung der Risi­ko­fak­to­ren (Hyper­to­nie, Hyper­cho­le­ste­rin­ämie, Dia­be­tes mel­li­tus Typ 2) im Vor­der­grund. In der „Öster­rei­chi­schen Ärz­te­zei­tung“ wird es dazu in den nächs­ten Wochen the­ma­ti­sche Schwer­punkte zur TIA geben; ebenso auch ein War­te­zim­mer­pla­kat und eine Infor­ma­ti­ons­bro­schüre für Arzt­as­sis­ten­tin­nen. In einem Exper­ten­ge­spräch geht es um effek­tive Prä­ven­tion und die rich­ti­gen Maß­nah­men – sowohl kurz­fris­tig als auch lang­fris­tig – nach einer TIA. In Pres­se­ak­ti­vi­tä­ten sol­len dar­über hin­aus Ärz­tin­nen und Ärzte ebenso wie die Öffent­lich­keit ver­stärkt auf diese The­ma­tik auf­merk­sam gemacht wer­den. Kom­pe­tenz­part­ner die­ser Akti­vi­tät sind die Öster­rei­chi­sche Gesell­schaft für Neu­ro­lo­gie, die Öster­rei­chi­sche Kar­dio­lo­gi­sche Gesell­schaft, die Öster­rei­chi­sche Schlag­an­fall­ge­sell­schaft, die Öster­rei­chi­sche Gesell­schaft für All­ge­mein­me­di­zin sowie die Öster­rei­chi­sche Gesell­schaft für Innere Medi­zin. Wei­tere Part­ner sind Bayer Aus­tria GmbH, Sanofi und Boso.

SVA: Alex­an­der Her­zog neuer stell­ver­tre­ten­der Obmann

Der Vor­stand der Sozi­al­ver­si­che­rungs­an­stalt der gewerb­li­chen Wirt­schaft (SVA) hat den selbst­stän­di­gen Unter­neh­mens­be­ra­ter Alex­an­der Her­zog in der Nach­folge von Peter McDo­nald zum neuen stell­ver­tre­ten­den Obmann gewählt. Her­zog war bis­her Ers­ter Stell­ver­tre­ter der Obfrau in der Wie­ner Gebietskrankenkasse.

Eine 20-köp­fige Dele­ga­tion von rus­si­schen Ober­ärz­ten, die in regio­na­len staat­li­chen Kli­ni­ken tätig sind, konnte kürz­lich der Lei­ter des Refe­rats für Inter­na­tio­nale Ange­le­gen­hei­ten in der ÖÄK, Rei­ner Brett­entha­ler, in den Räum­lich­kei­ten der ÖÄK begrü­ßen. Dabei wur­den den Ärz­ten die Struk­tur und Auf­ga­ben der ÖÄK inner­halb des öster­rei­chi­schen Gesund­heits­we­sens dar­ge­stellt, damit die Mit­glie­der der Dele­ga­tion u.a. ihre eige­nen Struk­tu­ren ver­bes­sern können.


Ärz­teaus­bil­dung: Reform beschlossen

Der Natio­nal­rat hat Ende Okto­ber mit den Stim­men von SPÖ, ÖVP, Grü­nen und des Team Stro­nach die Reform der Ärz­teaus­bil­dung beschlos­sen. Die Aus­bil­dung wird – begin­nend mit Mitte nächs­ten Jah­res – neu gestal­tet. Künf­tig gibt es eine neun­mo­na­tige Basis­aus­bil­dung für alle ange­hen­den Ärz­tin­nen und Ärzte in Inne­rer Medi­zin, Chir­ur­gie und Notfallmedizin.

Für All­ge­mein­me­di­zi­ner wird es künf­tig eine ver­pflich­tende Aus­bil­dung in der Lehr­pra­xis (min­des­tens sechs Monate) geben; diese soll stu­fen­weise auf zwölf Monate ange­ho­ben wer­den. Bei der Fach­arzt­aus­bil­dung gibt es nun­mehr eine Son­der­fach-Grund­aus­bil­dung (min­des­tens 27 Monate) und eine dar­auf auf­bau­ende Son­der­fach-Schwer­punkt­aus­bil­dung (eben­falls min­des­tens 27 Monate). Die bis­he­ri­gen Addi­tiv­fä­cher fal­len weg, da sie zum Groß­teil in die neue Aus­bil­dung inte­griert werden.

Von 35 Stun­den Kern­aus­bil­dungs­zeit der Tur­nus­ärzte sind 25 Stun­den zwi­schen 7h und 16h zu absol­vie­ren. Hin­sicht­lich des abtei­lungs­über­grei­fen­den Ein­sat­zes von Tur­nus­ärz­ten wurde fest­ge­legt, dass die Betrof­fe­nen nur außer­halb der Kern­aus­bil­dungs­zeit, nur zur Basis­ver­sor­gung und maximal in drei Abtei­lun­gen gleich­zei­tig ein­ge­setzt wer­den dür­fen, wobei es hier eine Bet­ten­be­schrän­kung gibt. Ebenso wurde klar­ge­stellt, dass im Rah­men der Aus­bil­dung für All­ge­mein­me­di­zi­ner bestimmte Fach­ge­biete trotz Feh­lens einer ent­spre­chen­den Abtei­lung im Spi­tal – unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen – durch einen Kon­si­liar­arzt ver­mit­telt wer­den können.

Pati­en­ten­si­cher­heit: Dia­gno­se­feh­ler minimieren

Auf Initia­tive der Platt­form Pati­en­ten­si­cher­heit dis­ku­tier­ten natio­nale und inter­na­tio­nale Exper­ten über Gründe, Aus­wir­kun­gen und mög­li­che Ver­mei­dungs­stra­te­gien von Dia­gno­se­feh­lern. Diese seien die „häu­figs­ten, teu­ers­ten und töd­lichs­ten Feh­ler in der Medi­zin“, betonte Univ. Prof. Nor­bert Patei­sky, Lei­ter der Abtei­lung für kli­ni­sches Risi­ko­ma­nage­ment an der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Frau­en­heil­kunde Wien. Exper­ten schät­zen auf Basis von bis­lang mäßig vor­han­de­nen Daten, dass etwa zehn bis 15 Pro­zent aller Dia­gno­sen falsch sind. Dabei seien mensch­li­che Limi­ta­tio­nen die häu­figste Ursa­che, so Univ. Prof. Andreas Valen­tin, Lei­ter der All­ge­mei­nen und Inter­nis­ti­schen Inten­siv­sta­tion der Kran­ken­an­stalt Rudolfstif­tung in Wien. Laut Valen­tin seien 75 Pro­zent der Dia­gno­se­feh­ler auf kogni­tive Fak­to­ren zurück­zu­füh­ren. Dazu zäh­len etwa selek­tive Wahr­neh­mung, Ver­zer­run­gen im Den­ken, vor­zei­tige Schluss­fol­ge­run­gen, per­sön­li­che Über­zeu­gun­gen oder das Fest­hal­ten an Bewährtem.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 20 /​25.10.2014