neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

10.04.2014 | Medi­zin

Kin­der älte­rer Väter: weni­ger attraktiv

Susanne Huber und Mar­tin Fie­der vom Depart­ment für Anthro­po­lo­gie der Uni­ver­si­tät Wien unter­such­ten, inwie­fern die Attrak­ti­vi­tät von Jugend­li­chen eines US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen Col­­lege-Abschlus­s­­jahr­­gan­­ges mit dem Alter der Eltern zusam­men­hängt. Daten­ba­sis war die Wis­con­sin Lon­gi­tu­di­nal Study, im Zuge derer sechs Frauen und sechs Män­ner die Gesich­ter von mehr als 10.000 Mäd­chen und Bur­schen bewer­tet hat­ten. Ergeb­nis: Fort­ge­schrit­te­nes Alter der Väter wirkt sich schlecht dar­auf aus, wie das Aus­se­hen der Kin­der beur­teilt wird. Fie­der dazu: „Wenn sie 20 Jahre älter sind, sind ihre Kin­der um fünf bis zehn Pro­zent weni­ger attrak­tiv.“ Diese Zah­len kor­re­lie­ren laut dem Wis­sen­schaf­ter gut mit den Ris­ken für andere Erkran­kun­gen – wie etwa Epi­lep­sie, Schi­zo­phre­nie und Adi­po­si­tas – und ebenso auch mit den schon bis­lang regis­trier­ten Muta­ti­ons­ra­ten in Sper­mien. 15 Pro­zent der Attrak­ti­vi­tät eines Jugend­li­chen seien ver­mut­lich durch diese Muta­ti­ons­rate bedingt. Wäh­rend sich Sper­mien ein Leben lang tei­len und ver­meh­ren und Muta­tio­nen sich häu­fen, hat das Alter der Mut­ter kei­nen Ein­fluss auf die Attrak­ti­vi­tät.
APA/​Evolution and Human Behavior

Leuk­ämie­pa­ti­en­tenn gegen CMV geschützt

Pati­en­ten mit chro­nisch lympha­ti­scher Leuk­ämie (CLL) haben ver­mehrt Anti­kör­per gegen das Cyto­me­ga­lie­vi­rus (CMV) und sind des­halb geschützt. Das haben Wis­sen­schaf­ter der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Innere Medi­zin I am AKH Wien um Stu­di­en­lei­ter Chris­toph Stei­nin­ger her­aus­ge­fun­den. Im Gegen­satz zu ande­ren Infek­tio­nen sind CMV-Erkran­­kun­­­gen bei Men­schen, die an Leuk­ämie lei­den, von gerin­ger Bedeu­tung. Im Rah­men der Stu­die konnte gezeigt wer­den, dass eine Immun­re­ak­tion gegen das Gly­ko­pro­tein B der Erre­ger für die Schutz­wir­kung ent­schei­dend ist. Die Wis­sen­schaf­ter ver­mu­ten, dass das Immun­sys­tem das schlum­mernde CM-Virus, immer wenn es akti­viert wird, erfolg­reich bekämpft und dadurch trai­niert wird.
APA

Fet­t­­le­­ber-Hepa­­ti­­tis: Dia­gnose mit­tels fMRT

Die funk­tio­nelle MRT kann bei der Dia­gnose der nicht-alko­hol­­be­­din­g­­ten Fett­le­ber­he­pa­ti­tis zum Ein­satz kom­men. Die iv ver­ab­reichte Gado­xet­säure als Kon­trast­mit­tel wird über die Gal­len­wege aus­ge­schie­den. Fett­le­ber­zel­len neh­men das Kon­trast­mit­tel wegen der Ent­zün­dung, Fibrose und der damit ver­bun­de­nen Aus­deh­nung des Volu­mens („Bal­loo­ning“) schlecht auf, gesunde Leber­zel­len dage­gen sehr gut.
APA/​Radiology

Japan: Spiel­au­to­ma­ten als Seniorentrainer

Mit spe­zi­ell ent­wi­ckel­ten Spiel­au­to­ma­ten sol­len Senio­ren in Japan Gehirn, Mus­keln und Reflexe trai­nie­ren. Dadurch wer­den sie zu mehr Bewe­gung moti­viert und auch psy­cho­lo­gi­sche Effekte erzielt. Erprobt wird die­ses Pro­gramm in einem Senio­ren­zen­trum in Yoko­hama, einem Vor­ort von Tokio. In Japan wird im Jahr 2055 fast die Hälfte der Ein­woh­ner über 65 Jahre alt sein.
APA

HIV: Depot­spritze im Test

Mit einer Depot­spritze, die nur monat­lich oder alle drei Monate ver­ab­reicht wird, könnte HIV künf­tig kos­ten­güns­ti­ger und ein­fa­cher behan­delt wer­den. Nach Tests an Men­schen könnte sie in ein bis zwei Jah­ren auf dem Markt sein, so der Münch­ner For­scher Hans Jäger. In Öster­reich sind im Jahr 2013 die Neu­in­fek­tio­nen mit 481 Fäl­len gegen­über 2011 (525) und 2012 (523) gesun­ken.
APA

WHO: Todes­ur­sa­che Luftverschmutzung

Jähr­lich ster­ben laut WHO (Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion) 3,7 Mil­lio­nen Men­schen durch Smog, 4,3 Mil­lio­nen durch Luft­ver­schmut­zung in Innen­räu­men. Drei Vier­tel der Todes­fälle wer­den in China und Indien regis­triert; in Europa sind es 279.000 Fälle. Für die Ana­lyse wur­den neue Erkennt­nisse, wie stark Herz-Kreis­lauf-Erkran­­kun­­­gen und Krebs auf ver­schmutzte Luft zurück­zu­füh­ren sind, berück­sich­tigt.
APA

Häu­fi­gere Mam­mo­gra­phie bei hohem Krebsrisiko

Man­che Frauen wür­den von einer häu­fi­ge­ren Mam­mo­gra­phie pro­fi­tie­ren, wie eine Stu­die aus Groß­bri­tan­nien ergab; dort betra­gen die Mam­­mo­­gra­­phie-Inter­­valle drei Jahre. Für ihre Stu­die bestimm­ten die Wis­sen­schaf­ter um Gareth Evans von der Uni­ver­si­tät von Man­ches­ter bei ins­ge­samt 53.467 Frauen seit 2009 ein Gefähr­dungs­bild und stell­ten dem die Erkran­kungs­zah­len gegen­über. Bei jenen Frauen mit durch­schnitt­li­chem oder unter­durch­schnitt­li­chem Risiko kam es zu 45 Erkran­kun­gen mit Befall der Lymph­kno­ten inner­halb von vier Jah­ren (drei Fälle pro 100.000 pro Jahr). Bei Frauen mit über­durch­schnitt­li­chem Risiko waren die Erkran­kun­gen drei­mal häu­fi­ger (elf Fälle pro 100.000 pro Jahr). „Unsere Ergeb­nisse deu­ten dar­auf hin, dass Scree­­ning-Unter­­su­chun­­­gen alle drei Jahre bei rund 70 Pro­zent der Frauen effek­tiv sind“, so Evans. Für Frauen mit höhe­rer Gefähr­dung seien häu­fi­gere Unter­su­chun­gen not­wen­dig; bei einem klei­nen Teil der Frauen mit einem hohen Risiko von acht Pro­zent inner­halb von zehn Jah­ren sollte sogar jähr­lich eine Mam­mo­gra­phie erfol­gen, so die Autoren.
APA

Gen DRD2 macht schusselig

Schus­se­lig­kei­ten sind gene­tisch bedingt, wie Psy­cho­lo­gen der Uni­ver­si­tät Bonn nach­ge­wie­sen haben. Wer über eine bestimmte Vari­ante des Gens DRD2 ver­fügt, lässt sich leich­ter ablen­ken und ist öfter unauf­merk­sam. Die Struk­tur des Gens sei „mit einem Diri­gen­ten ver­gleich­bar, der das Gehirn als Orches­ter koor­di­niert“, so Stu­di­en­au­tor Sebas­tian Mar­kett. Macht der „Diri­gent“ – das Gen DRD2 – einen Feh­ler, kommt das Orches­ter durch­ein­an­der. Die Psy­cho­lo­gen haben für die Stu­die 500 Frauen und Män­ner getes­tet und ihren Spei­chel auf das Gen unter­sucht. Die Teil­neh­mer soll­ten außer­dem mit­tels Fra­ge­bo­gen ihre Schus­se­lig­keit ein­schät­zen. Dabei zeigte sich ein deut­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen den Aus­set­zern und einer Vari­ante des Gens.
APA

Stress macht Frauen ein­fühl­sam, Män­ner egozentrisch

Stress und belas­tende Situa­tio­nen machen Frauen eher ein­fühl­sam und Män­ner ego­zen­trisch. Das haben Psy­cho­lo­gen der Uni­ver­si­tät Wien in einer Stu­die an 40 Män­nern und 40 Frauen erforscht. Die Teil­neh­mer muss­ten eine öffent­li­che Prä­sen­ta­tion hal­ten und anspruchs­volle Rechen­auf­ga­ben unter Zeit­druck lösen; dass dies Stress aus­löste, wurde über einen Anstieg der Puls­fre­quenz und des Cor­­ti­­sol-Levels bestä­tigt. Danach muss­ten die Test­per­so­nen Auf­ga­ben durch­füh­ren, mit denen Empa­thie gemes­sen wer­den kann. In allen Auf­ga­ben zeig­ten sich ent­ge­gen­ge­setzte Effekte von Stress auf die sozia­len Fähig­kei­ten von Män­nern und Frauen. Frauen konn­ten empa­thi­scher auf andere reagie­ren; Män­ner zeig­ten eher das Ver­hal­ten einer klas­si­schen Kampf- und Flucht­re­ak­tion und wur­den ego­zen­tri­scher. Dies könne „neben mög­li­chen erzie­hungs­be­ding­ten und kul­tu­rel­len Ein­flüs­sen“ auch bio­lo­gi­sche Gründe haben, so Stu­di­en­lei­ter Claus Lamm. Frauen schüt­ten unter Stress mehr Oxy­to­cin aus als Män­ner. In einer wei­te­ren Stu­die soll nun unter­sucht wer­den, ob tat­säch­lich Unter­schiede in der hor­mo­nel­len Stress­re­ak­tion das jeweils typi­sche Ver­hal­ten erklä­ren.
APA/​Psychoneuroendocrinology

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 7 /​10.04.2014