neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.01.2014 | Medizin

Kof­fein sti­mu­liert Gedächtnis 

Kof­fein kann bestimmte Erin­ne­run­gen min­des­tens einen Tag lang, nach­dem sie ent­stan­den sind, för­dern. Zu die­sem Ergeb­nis kommt ein For­scher­team der John Hop­kins Uni­ver­si­tät in Bal­ti­more (USA). Für ihre Stu­die baten die Wis­sen­schaf­ter 73 Frei­wil­lige, sich Bil­der von ver­schie­de­nen Objek­ten wie von einem Korb oder von einem Saxo­phon anzu­se­hen. Im Anschluss erhielt die Hälfte der Gruppe 200 Mil­li­gramm Kof­fein, was zwei Tas­sen star­kem Kaf­fee ent­spricht; die andere Gruppe erhielt ein Pla­cebo. In Spei­chel­pro­ben nach einer, drei und 24 Stun­den wurde die Kof­fein-Kon­zen­tra­tion gemes­sen. Bei­den Grup­pen wur­den am dar­auf­fol­gen­den Tag neu­er­lich Bil­der gezeigt. Es soll­ten die gleich Bil­der vom Vor­tag, neue sowie ähn­li­che her­aus­ge­fun­den wer­den. Ergeb­nis: Die Gruppe der­je­ni­gen, die Kof­fein erhal­ten hat­ten, war bes­ser darin, ähn­li­che Bil­der her­aus­zu­fin­den. Laut den For­schern könnte das Ergeb­nis die­ser Stu­die für die Hirn­for­schung von Bedeu­tung sein, da Kof­fein mit einer gesun­den, lan­gen Lebens­dauer in Ver­bin­dung gebracht werde und einen Schutz­ef­fekt gegen Gedächt­nis­schwund etwa bei M. Alz­hei­mer haben könnte.
APA/​Nature Neuroscience


Über­ge­wich­tige Teen­ager in den USA: zwei­ge­teil­ter Trend 

Wäh­rend sich das Gewicht bei Kin­dern von Eltern mit Hoch­schul­ab­schlüs­sen seit Mitte des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts ver­rin­gerte, ist der Nach­wuchs von Eltern mit ein­fa­cher Schul­bil­dung immer dicker gewor­den. Ähn­li­che Unter­schiede gibt es im Hin­blick auf das Fami­li­en­ein­kom­men, wie eine Unter­su­chung von For­schern der Har­vard Uni­ver­si­tät ergibt. Für ihre Stu­die bezo­gen die For­scher zwei frü­here Erhe­bun­gen aus und ergänz­ten sie um das Ein­kom­men sowie um die Bil­dung der Eltern. In der Gesamt­schau glei­chen sich die gegen­läu­fi­gen Trends offen­sicht­lich aus. So sta­gniert seit 2003/​2004 die Adi­po­si­tas­rate bei den Zwölf- bis 17-Jäh­ri­gen bei rund 17 Pro­zent. Zuvor hatte sich der Anteil an über­ge­wich­ti­gen Jugend­li­chen in die­ser Alters­gruppe seit Ende der 1980er Jahre nahezu ver­dop­pelt. Laut den Stu­di­en­au­toren ist kör­per­li­che Betä­ti­gung der unter­schei­dende Fak­tor; außer­dem könn­ten sich ärmere Fami­lien kaum gesunde Lebens­mit­tel leis­ten.
APA/​Proceedings

Neues Treib­haus­gas identifiziert

Kana­di­sche For­scher haben in der Atmo­sphäre ein wei­te­res Gas namens Per­flu­or­tri­bu­tyl­amin (PFTBA), das mit­ver­ant­wort­lich für den Treib­haus­ef­fekt sein soll, iden­ti­fi­ziert. Ein ein­zi­ges PFTBA-Mole­kül schä­digt die Erd­at­mo­sphäre so stark wie 7.100 CO2-Mole­küle, wes­halb es auf die Kli­ma­er­wär­mung in 100 Jah­ren einen weit­aus grö­ße­ren Effekt hat als Koh­len­di­oxid.
APA/​Geophysical Rese­arch Letters


Süß­stoff Aspar­tam unbe­denk­lich

In der der­zeit erlaub­ten und von der Indus­trie ein­ge­setz­ten Menge ist der künst­li­che Süß­stoff Aspar­tam unbe­denk­lich. Die emp­foh­lene Tages­höchst­do­sis liegt laut EU-Lebens­mit­tel­be­hörde EFSA bei 40 Mil­li­gramm pro Kilo­gramm Kör­per­ge­wicht. Ein Kind, das 20 Kilo­gramm wiegt, kann dem­nach rund ein­ein­halb Liter Saft, der mit Aspar­tam gesüßt ist, trin­ken. Aspar­tam ist rund 200 Mal süßer als Zucker.
APA

Warn­bil­der auf Ziga­ret­ten wirken

Seit Okto­ber 2012, seit auf Ziga­ret­ten­pa­ckun­gen abschre­ckende Bil­der ver­öf­fent­licht wer­den, ist in Aus­tra­lien die Zahl der Anrufe bei der Tele­fon-Hot­line „Quit­line“ um 78 Pro­zent gestie­gen. Quit­line hilft Men­schen, die mit dem Rau­chen auf­hö­ren wol­len. Dabei han­delt es sich um die erste fak­ten­ba­sierte Stu­die, die den Effekt sol­cher Ver­pa­ckun­gen nach­weist.
APA/​Medical Jour­nal of Australia

Vogel­grippe H7N9: neue Infektionswelle

Chi­ne­si­sche Gesund­heits­be­hör­den mel­den eine neue Welle von Infek­tio­nen mit dem Vogel­grippe-Virus H7N9. Seit Jah­res­be­ginn ist die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen auf rund 30 Fälle gestie­gen. Berichte über Infek­tio­nen beim Men­schen hatte es erst­mals im März 2013 gege­ben; nach dem Keu­len von Tau­sen­den Vögeln gab es nur noch ver­ein­zelt neue Fälle.
APA

Ursa­che für Angst: feh­lende Hem­mung im Gehirn

Bei Sozi­al­pho­bi­kern ist eine Ver­än­de­rung der nega­ti­ven Rück­kopp­lung im Regel­kreis von Amyg­dala und orbito­fron­ta­lem Kor­tex der Grund, wieso die Betrof­fe­nen ihre Angst nicht kon­trol­lie­ren kön­nen. Das haben Wis­sen­schaf­ter des Zen­trums für Medi­zi­ni­sche Phy­sik und Bio­me­di­zi­ni­sche Tech­nik und der Uni­ver­si­tätkli­nik für Psych­ia­trie und Psych­ia­trie der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien unter der Lei­tung von Chris­tian Win­disch­ber­ger her­aus­ge­fun­den. Den Stu­di­en­teil­neh­mern wur­den emo­tio­nale Gesichts­aus­drü­cke – Lachen, Wei­nen, Zufrie­den­heit, Zorn – gezeigt und gleich­zei­tig die neu­ro­nale Akti­vi­tät im Gehirn mit­tels funk­tio­nel­ler Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie gemes­sen. Hier zeigte sich bei Sozi­al­pho­bi­kern – im Gegen­satz zu gesun­den Stu­di­en­teil­neh­mern – eine starke neu­ro­nale Akti­vi­tät. Dazu Ronald Sladky, einer der Stu­di­en­au­toren: „Gerade bei psych­ia­tri­schen Erkran­kun­gen kann man davon aus­ge­hen, dass es nicht zu Kom­plett­aus­fäl­len kommt, son­dern viel­mehr zu Ungleich­ge­wich­ten in kom­ple­xen Regu­lie­rungs­pro­zes­sen.“ Auf­grund die­ser Erkennt­nisse sol­len nun neue Ansätze für the­ra­peu­ti­sche Mög­lich­kei­ten gefun­den wer­den.
Med­uni Wien

Imp­fun­gen: Tes­to­ste­ron beein­flusst Wirksamkeit

Frauen pro­du­zie­ren als Reak­tion auf die Influ­enza-Imp­fung mehr Anti­kör­per und auch mehr Zyto­kine. Das fan­den For­scher um Mark Davis von der Stan­ford-Uni­ver­si­tät in Kali­for­nien anhand der Reak­tio­nen des Immun­sys­tems von 53 Frauen und 34 Män­nern unter­schied­li­chen Alters auf die übli­chen Influ­enza-Imp­fun­gen her­aus. Die unter­schied­li­chen Reak­tio­nen konn­ten die Wis­sen­schaf­ter auf eine Gruppe von Genen zurück­füh­ren, die mit dem Fett­stoff­wech­sel zu tun hat, die aber auch an einer ver­min­der­ten Immun­ant­wort betei­ligt ist. Diese Gene reagie­ren ver­stärkt auf Tes­to­ste­ron. Laut den For­schern passe das zu den Ver­su­chen, da Män­ner mit einem erhöh­ten Tes­to­ste­ron­spie­gel eine schwä­chere Ant­wort auf die Influ­enza-Imp­fung zeig­ten. Ganz all­ge­mein hät­ten Frauen eine stär­kere Reak­tion als Män­ner; die Ursa­che sei bis­her unklar gewe­sen.
APA/​Proceedings

Alko­hol in der Puber­tät erhöht Abhängigkeits-Risiko

Wäh­rend man bis­lang davon aus­ge­gan­gen ist, dass das spä­tere Trink­ver­hal­ten umso ris­kan­ter wird, je frü­her Jugend­li­che Alko­hol trin­ken, dürfte neu­es­ten Erkennt­nis­sen zufolge viel­mehr ent­schei­dend sein, ob sich das Gehirn gerade in der Rei­fungs­phase der Puber­tät befin­det. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine Stu­die des Mann­hei­mer Zen­tral­in­sti­tuts für See­li­sche Gesund­heit nach einer Lang­zeit­stu­die an 283 jun­gen Erwach­se­nen und einer Tier­stu­die an Rat­ten. Dazu die Direk­to­rin des Mann­hei­mer Insti­tuts: „Diese Ergeb­nisse bestä­ti­gen, dass ein Hin­aus­zö­gern des Ein­stiegs­al­ters beim Alko­hol trin­ken ein wich­ti­ges Prä­ven­ti­ons­ziel blei­ben muss.“ Wäh­rend der Puber­tät rei­fen Gehirn­areale, die unter ande­rem mit Moti­va­tion, der Ver­ar­bei­tung von Gefüh­len, aber auch mit der Ent­wick­lung von Abhän­gig­keit in Ver­bin­dung gebracht wer­den. Mäd­chen sind mit etwa zehn bis 14 Jah­ren in der Puber­tät; Buben etwa zwi­schen zwölf und 17 Jah­ren.
APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 1–2 /​25.01.2014