FSME: Pro­blem Impfmüdigkeit

10.06.2014 | Medi­zin

Nur noch etwa die Hälfte der Öster­rei­cher ist kor­rekt gegen FSME geimpft. Beson­ders bei Kin­dern und Jugend­li­chen, die immer öfter von FSME betrof­fen sind, sinkt die Impf­rate immer wei­ter. Die neuen „Hot­spots“ lie­gen im Wes­ten von Öster­reich; auch dort ist die Durch­imp­fung zu gering.
Von Marion Huber

Die Impf­mü­dig­keit der Öster­rei­cher the­ma­ti­sierte Rudolf Schmitz­ber­ger, Impf­re­fe­rent der ÖÄK, kürz­lich bei einer Pres­se­kon­fe­renz in Wien. „Es macht uns Sor­gen, dass die Öster­rei­cher immer impf­mü­der wer­den.“ Wenn die FSME-Imp­­fung hier­zu­lande auch eine „Erfolgs­story“ sei: So sind bei einer Durch­imp­fungs­rate von 82 Pro­zent nur noch knapp 54 Pro­zent kor­rekt geimpft. Dazu kommt eine Mil­lion Öster­rei­cher, die gar nicht gegen FSME geimpft sind.

Sor­gen macht Schmitz­ber­ger auch die Alters­ver­tei­lung: Spe­zi­ell Kin­der und Jugend­li­che sind immer sel­te­ner kor­rekt geimpft; bei den unter 15-Jäh­­ri­­gen sind es nur noch 56 Pro­zent. „Auf diese Gruppe müs­sen wir uns kon­zen­trie­ren und unsere gesamte Moti­va­tion legen“, sagte der ÖÄK-Imp­f­­re­­fe­­rent. Denn neben den über 50-Jäh­­ri­­gen – sie waren 2013 etwa von der Hälfte aller FSME-Fälle betrof­fen – sind es beson­ders Kin­der, die gefähr­detsind. 2013 waren ins­ge­samt 20 Kin­der und Jugend­li­che unter 20 Jah­ren von FSME betrof­fen, in sechs Fäl­len sogar Kin­der unter sechs Jahren.

2013: Fälle verdoppelt

Ins­ge­samt wur­den im Vor­jahr mit 98 FSME-Pati­en­­ten fast dop­pelt so viele Fälle regis­triert wie 2012; damals waren es 52. Jähr­li­che Schwan­kun­gen der Inzi­denz seien zwar typisch für die FSME in Zen­tral­eu­ropa; zu beob­ach­ten sei aller­dings eine Ver­schie­bung der am stärks­ten betrof­fe­nen Bun­des­län­der in Öster­reich. Das berich­te­ten Univ. Prof. Franz X. Heinz und Univ. Prof. Hei­de­ma­rie Holz­mann vom Depart­ment für Viro­lo­gie der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien in der aktu­el­len Aus­gabe der „Virus­epi­de­mio­lo­gi­schen Infor­ma­tion“. Schmitz­ber­ger dazu: „Die Hot­spots der FSME-Erkran­­kun­­­gen haben sich in den Wes­ten ver­la­gert – und gerade dort ist die Impf­rate rückläufig.“ 

Bis­lang wur­den die meis­ten Fälle immer aus Kärn­ten und der Stei­er­mark gemel­det; im Vor­jahr haben Ober­ös­ter­reich und Tirol aber gleich­ge­zo­gen: Alle vier Bun­des­län­der wie­sen eine Inzi­denz von elf bis 15 Fälle pro 100.000 Ein­woh­ner auf. Das ist dop­pelt so hoch wie der gesamt­ös­ter­rei­chi­sche Durch­schnitt von sechs pro 100.000 Ein­woh­ner. Aus Ober­ös­ter­reich wur­den im Vor­jahr 32 Hos­pi­ta­li­sie­run­gen gemel­det, 24 aus Tirol sowie 16 aus der Stei­er­mark und neun aus Kärn­ten. Dahin­ter fol­gen Salz­burg mit sie­ben Fäl­len sowie die rest­li­chen Bun­des­län­der Wien, Nie­der­ös­ter­reich, Vor­arl­berg und das Bur­gen­land mit je zwei gemel­de­ten Hospitalisierungen.

Regel­mä­ßig Auffrischungsimpfungen

Weil die Bevöl­ke­rung in Sachen Imp­fung immer nach­läs­si­ger werde, müsse man sie neben einer kor­rek­ten Grund­im­mu­ni­sie­rung auch regel­mä­ßig an die Auf­fri­schungs­imp­fun­gen erin­nern, so Schmitz­ber­ger. Sein Appell: „Nur eine kor­rekte und voll­stän­dige Imp­fung schützt!“ 33 Jahre Erfah­rung unter eng­ma­schi­ger Über­wa­chung hät­ten deut­lich gezeigt, wie wirk­sam die FSME-Imp­­fung ist, erklärte Max Wel­lan, Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Apo­the­ker­kam­mer bei der Pres­se­kon­fe­renz. So konn­ten allein zwi­schen 2000 und 2011 rund 4.000 Men­schen durch die Imp­fung vor FSME geschützt wer­den. Und: Es gebe kaum einen Impf­stoff, der so gut doku­men­tiert und mit so guten Sicher­heits­da­ten belegt sei, fügte Schmitz­ber­ger hinzu: „Die Schutz­ra­ten lie­gen bei 98 bis 99 Prozent.“

FSME-Imp­f­ak­­tion

Noch bis 31. Juli die­ses Jah­res wer­den FSME-Imp­f­­stoffe im Rah­men der Impf­ak­tion in allen Apo­the­ken wie­der zu ver­güns­tig­ten Prei­sen ange­bo­ten: Für Erwach­sene um Euro 33,50; für Kin­der um Euro 28,90.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 11 /​10.06.2014