Barock im Bel­ve­dere: Von Maria The­re­sia bis heute

10.02.2013 | Spek­trum


Auf die Suche nach den Spu­ren des Barock in Arbei­ten öster­rei­chi­scher Künst­ler des 20. und 21. Jahr­hun­derts begibt sich das Untere Bel­ve­dere ab 27. Feber in einer Aus­stel­lung unter dem Titel „Barock since 1630“.
Von Bar­bara Wakolbinger

Der öster­rei­chi­sche Barock endet nicht mit 1750. Nicht nur im His­to­ris­mus des 19. Jahr­hun­derts spielt die Wie­der­be­le­bung der baro­cken Kunst eine maß­geb­li­che Rolle, auch in Arbei­ten öster­rei­chi­scher Künst­ler des 20. und 21. Jahr­hun­derts las­sen sich Spu­ren baro­cker Motive und Meis­ter ent­de­cken. Auf die Suche nach die­sen begibt sich das Untere Bel­ve­dere ab 27. Februar: „Wir wol­len nicht auf Kon­fron­ta­tion set­zen, son­dern die Ent­wick­lungs­li­nien des Barock bis in die Gegen­wart nach­zeich­nen“, erklärt Georg Lech­ner, Kura­tor von „Barock since 1630“.

Die eine Hälfte der gezeig­ten Werke ent­stand tat­säch­lich im Barock, etwa unter der Regent­schaft Maria The­re­sias, die andere ist Kunst aus dem His­to­ris­mus, der klas­si­schen Moderne, aber auch dem 21. Jahr­hun­dert. Dabei soll die Aus­stel­lung vor allem die star­ren schu­li­schen Epo­chen­gren­zen auf­wei­chen und ver­su­chen, Kon­ti­nui­tä­ten auf­zu­zei­gen. „Die Idee ist ein har­mo­ni­sches Neben­ein­an­der“, so Lech­ner. Umge­setzt wird das, indem immer eines oder meh­rere baro­cke „Aus­gangs­werke“ mit jenen Arbei­ten grup­piert wer­den, die sie maß­geb­lich beein­flusst haben.

So wird etwa in der Gruppe Gewit­ter­land­schaft das „Aus­gangs­werk“ von Anton Fais­ten­ber­ger (1663–1708) neben der the­ma­tisch ähn­li­chen Land­schaft von Fried­rich von Amer­ling (1803–1887), Anton Roma­kos „See­sturm“ (etwa 1880) und Lud­wig Hein­rich Jung­ni­ckels „Die Sint­flut“ (um 1913) gehängt. Ergänzt wird die Gruppe durch Foto­gra­fien der jun­gen in Öster­reich leben­den Künst­le­rin Caro­line Hei­der. Das soll Kunst­ge­schichte anschau­lich prä­sen­tie­ren und nach­voll­zieh­bar machen. Von Mar­tin Johann Schmidt (Krem­ser Schmidt) bis Paul Tro­ger sind dabei alle gro­ßen Namen des öster­rei­chi­schen Barock vertreten.

Ob Jagd­still­le­ben, Blu­men­bu­ketts oder Vani­­tas-Toten­­köpfe – baro­cke Motive hal­ten sich bis in die Gegen­wart. Die jün­ge­ren Werke seien oft durch bewusste Para­phra­sen und Wie­der­auf­nah­men der alten Meis­ter ent­stan­den, aber auch durch unbe­wusste Beein­flus­sung, zeigt sich Lech­ner über­zeugt. „Man­che sind dem stren­gen Kopie­ren treu geblie­ben, andere haben sich von ihren gesam­mel­ten Seh­erleb­nis­sen beein­dru­cken las­sen. Dann gibt es kein kon­kre­tes Vor­bild, son­dern meh­rere Ein­flüsse.“ Fried­rich von Amer­ling etwa hatte in sei­ner Samm­lung selbst einige Barock­ma­le­reien. Der Barock ist aber nicht nur für pracht­volle Still­le­ben bekannt, son­dern auch für die Kunst der Gegen­re­for­ma­tion. Dem­entspre­chend häu­fig fin­den sich sakrale Motive, wie etwa das baro­cke Madon­nen­bild, des­sen Wir­kung eben­falls bis heute aus­strahlt. Auch die­sem Aspekt baro­cker Kunst wurde Platz ein­ge­räumt, etwa mit der berühm­ten „Kreuz­auf­rich­tung“ von Franz Anton Maul­bertsch, die nach einer auf­wän­di­gen Restau­rie­rung erst­mals seit vie­len Jah­ren zu sehen ist.

Unbe­kann­tes lockt

Die Barock- und His­to­ris­mus­samm­lun­gen des Bel­ve­dere zäh­len zu den umfas­sends­ten Öster­reichs. So wer­den für die Aus­stel­lung vor allem die eige­nen Depots bemüht, und „der eine oder andere Schatz zu Tage geför­dert“, wie es Kura­tor Lech­ner for­mu­liert. „Es ist auch eine Gele­gen­heit, hoch­ka­rä­tige Werke wie­der ein­mal der Öffent­lich­keit zu zei­gen.“ Eines der High­lights ist etwa „Venus und Amor“ des Krem­ser Schmidt, das ver­mut­lich in der Kriegs­zeit aus sei­nem Rah­men geschnit­ten und in meh­rere Teile geteilt wurde. In den 1970er-Jah­­ren gefun­den und kon­ser­va­to­risch gesi­chert, ist es jetzt frisch restau­riert zu sehen. Einen Besuch lohnt aber nicht nur die Male­rei, auch die eher unbe­kann­te­ren baro­cken Decken­skiz­zen und Skulp­tu­ren – etwa von Johann Peter Schwan­tha­ler dem Älte­ren und Gio­vanni Giu­liani – war­ten dar­auf neu ent­deckt und in Kon­text gesetzt zu werden.

Was, Wann, Wo:

„Barock since 1630“
27. Februar bis 9. Juni
Unte­res Bel­ve­dere, täg­lich 10 bis 18 Uhr, Mitt­woch 10 bis 21 Uhr

www.belvedere.at

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 3 /​10.02.2013