Rönt­gen­as­sis­ten­ten: Was dür­fen sie, was nicht?

10.10.2013 | Politik

Mit dem Inkraft­tre­ten des Medi­zi­ni­schen Assis­tenz­be­rufe- Geset­zes (MAB-Gesetz) mit
1. Jän­ner die­ses Jah­res wurde unter ande­rem das Berufs­bild der Rönt­gen­as­sis­ten­ten neu geschaf­fen. Was dür­fen nun Rönt­gen­as­sis­ten­ten, was nicht?
Von Marion Huber

Der Arzt kann nun auch an Ange­hö­rige die­ser neuen Berufs­gruppe, an die Rönt­gen­as­sis­ten­ten – ebenso wie an Radio­lo­gie­tech­no­lo­gen und den medi­zi­nisch-tech­ni­schen Fach­dienst – Auf­ga­ben dele­gie­ren. Was dür­fen nun Rönt­gen­as­sis­ten­ten, was nicht? „Für alle drei Berufs­grup­pen gibt es unter­schied­li­che Ein­satz­be­rei­che, die sich davon ablei­ten, was der Arzt an wen dele­gie­ren darf“, erklärt Univ. Doz. Franz Früh­wald, Bun­des­fach­grup­pen-Obmann Radio­lo­gie in der ÖÄK. Der Tätig­keits­be­reich der Radio­lo­gie­tech­no­lo­gen ist dabei am wei­tes­ten gefasst: „Diese kann man in allen in Frage kom­men­den Berei­chen – weit­ge­hend ohne unmit­tel­bare ärzt­li­che Auf­sicht – ein­set­zen.“ Sie dür­fen alle radio­lo­gisch- tech­ni­schen Metho­den durch­füh­ren. Zwar braucht es die ärzt­li­che Anord­nung, die Unter­su­chung füh­ren Radio­lo­gie­tech­no­lo­gen aber eigen­ver­ant­wort­lich durch.

„Die aus­lau­fende Berufs­gruppe des medi­zi­nisch-tech­ni­schen Fach­diens­tes darf das, was sie bis­her gemacht hat, auch wei­ter­hin“, so Früh­wald. So dür­fen Ange­hö­rige des MTF ein­fa­che medi­zi­nisch-tech­ni­sche Hil­fe­leis­tun­gen bei der Anwen­dung von Rönt­gen­strah­len aus­füh­ren. Auch bleibt es dabei, dass sie – hier gibt es den gro­ßen Unter­schied zu den Radio­lo­gie­tech­no­lo­gen – ärzt­lich beauf­sich­tigt wer­den müs­sen. Dar­auf ver­zich­tet wer­den kann allen­falls nur dann, wenn eine MTF mehr als drei Jahre Erfah­rung in bestimm­ten Berei­chen nach­wei­sen kann und dar­über hin­aus im Rah­men der Über­gangs­be­stim­mun­gen zum MAB-Gesetz einen Bescheid des Lan­des­haupt­manns erwirkt. „Hat ein Ange­hö­ri­ger des MTF bei­spiels­weise drei Jahre an einem CT nahezu selbst­stän­dig gear­bei­tet, ist er mit die­sem Bescheid den Radio­lo­gie­tech­no­lo­gen punk­tu­ell für den Bereich CT gleich­ge­stellt“, führt der Radio­loge wei­ter aus. Beson­ders im Nacht­dienst in Kran­ken­häu­sern spiele das eine Rolle, weiß Frühwald.

Die neu geschaf­fene Berufs­gruppe der Rönt­gen­as­sis­ten­ten wie­derum darf laut §10 MAB-Gesetz unter Auf­sicht und nach Anord­nung eines Arz­tes ein­fa­che stan­dar­di­sierte Rönt­gen­un­ter­su­chun­gen durch­füh­ren und bei radio­lo­gi­schen Unter­su­chun­gen assis­tie­ren. Ihr Tätig­keits­be­reich umfasst stan­dar­di­sierte Rönt­gen­un­ter­su­chun­gen des Tho­rax und des Ske­lett­sys­tems sowie Kno­chen­dichte-Mes­sun­gen. Zusätz­lich dür­fen sie Mam­mo­gra­phien durch­füh­ren – und zwar ohne Ein­schrän­kung auf gewisse Auf­nah­men, wie Früh­wald betont: „Sie kön­nen das ganze Pro­gramm der Mam­mo­gra­phie machen.“

Dar­über hin­aus kön­nen Rönt­gen­as­sis­ten­ten ein­fa­che stan­dar­di­sierte Tätig­kei­ten bei Schnitt­bild­un­ter­su­chun­gen mit­tels CT und MRT durch­füh­ren. Wobei in der Pra­xis „heut­zu­tage so gut wie alle Unter­su­chun­gen am CT und MRT“ stan­dar­di­siert sind, fügt der Radio­loge hinzu. In der Regel wer­den näm­lich für die gän­gi­gen Unter­su­chun­gen Unter­su­chungs­pro­to­kolle abge­spei­chert und abge­ru­fen. Will man diese Pro­to­kolle aber ändern, darf der Rönt­gen­as­sis­tent das nicht unbe­auf­sich­tigt und eigen­ver­ant­wort­lich son­dern aus­schließ­lich auf Anord­nung eines Arz­tes tun.

Auf­sicht, nicht Draufsicht

Rönt­gen­as­sis­ten­ten müs­sen – ebenso wie Ange­hö­rige des MTF – bei ihren Tätig­kei­ten ärzt­lich beauf­sich­tigt wer­den. Für Früh­wald heißt das, dass „jeden­falls ein Arzt in der Ein­rich­tung anwe­send sein muss“. Es bedeu­tet aber nicht, dass er dem Rönt­gen­as­sis­ten­ten bei der Unter­su­chung über die Schul­ter schauen muss. Gege­be­nen­falls kann der Arzt die Auf­sicht auch an einen Radio­lo­gie­tech­no­lo­gen dele­gie­ren. Das Aus­maß der Auf­sicht sei pri­mär davon abhän­gig, was dem zu Beauf­sich­ti­gen­den zumut­bar ist, wie er erklärt. So müsse der Arzt den Mit­ar­bei­ter und sei­nen Aus­bil­dungs­stand ken­nen, um zu wis­sen, was ihm zuzu­trauen ist. Führt jemand eine Tätig­keit schon jah­re­lang selbst­stän­dig aus, kann sich der Arzt auch ein paar Zim­mer wei­ter befin­den – auch das ist immer noch Auf­sicht, betont Früh­wald: „Auf­sicht ist nicht Draufsicht!“

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 19 /​10.10.2013