Inter­view – Mar­tin Wehr­schütz: Ziel: bes­sere Ausbildungsqualität

10.02.2013 | Poli­tik


Ziel: Bes­sere Ausbildungsqualität

Ein ehr­gei­zi­ges Ziel hat sich Mar­tin Wehr­schütz, der seit eini­gen Mona­ten Vor­sit­zen­der des Bil­dungs­aus­schus­ses der ÖÄK ist, gesetzt: Er will die Aus­bil­dungs­qua­li­tät in den Aus­bil­dungs­stät­ten heben, erklärt er im Gespräch mit Agnes M. Mühl­gas­s­ner.

ÖÄZ: Konn­ten Sie sich schon einen ers­ten Über­blick ver­schaf­fen, mit wel­chen Agen­den sich der Bil­dungs­aus­schuss befasst?
Wehr­schütz: Ja sicher, nach­dem ich ja schon seit Juli 2012 diese Funk­tion inne­habe. For­mal ist der Bil­dungs­aus­schuss ein bera­ten­des Gre­mium des ÖÄK-Vor­­­stands. Er befasst sich mit allen Bil­dungs­an­ge­le­gen­hei­ten wie Aus­bil­dung, Wei­ter­bil­dung, Spe­zia­li­sie­rung, Diplo­m­ord­nung. Der Bil­dungs­aus­schuss arbei­tet eng mit den wis­sen­schaft­li­chen Gesell­schaf­ten zusam­men. Dort wer­den die fach­li­chen Grund­la­gen für Ent­schei­dun­gen fest­ge­legt.

Wie sieht das prak­tisch aus?

Neh­men wir bei­spiels­weise die Aus­bil­dungs­in­halte im Ras­ter­zeug­nis. Die wis­sen­schaft­li­chen Gesell­schaf­ten bewer­ten gemäß den Gesetz­mä­ßig­kei­ten der Aus­bil­dungs­ord­nung oder der Spe­zia­li­sie­rungs­ord­nung, was der Aus- und Wei­ter­bil­dung der öster­rei­chi­schen Ärzte dien­lich ist. Der Bil­dungs­aus­schuss sorgt dann für die prak­ti­sche Umsetzung.

Nun zeich­net sich schon seit vie­len Jah­ren eine immer stär­kere Auf­split­te­rung in medi­zi­ni­sche Sub­dis­zi­pli­nen ab. Wie geht es hier wei­ter?
Das ist einer der Punkte, mit dem wir uns in die­ser Funk­ti­ons­pe­ri­ode ver­stärkt sehr kri­tisch befas­sen wol­len: die Auf­split­te­rung der ein­zel­nen Fächer. Die immer mehr um sich grei­fende Sub­spe­zia­li­sie­rung ist nicht das poli­ti­sche Ziel des Bil­dungs­aus­schus­ses.

Son­dern?

Das poli­ti­sche Ziel ist viel­mehr ers­tens die Neu­ge­stal­tung der Ras­ter­zeug­nisse. Mein Ziel ist es, die ‚Aus­bil­dungs­ord­nung Neu‘ so zu gestal­ten, dass sie recht­lich sau­ber, trans­pa­rent und EU-kon­­form ist. Zwei­tens die Ver­ord­nung über ästhe­ti­sche Ope­ra­tio­nen: Diese Ver­ord­nung ist ja mit Jah­res­be­ginn in Kraft getre­ten und wird künf­tig genau regeln, wel­che Son­der­fä­cher ästhe­ti­sche Ope­ra­tio­nen durch­füh­ren dür­fen. Daran erkennt man, dass es den öster­rei­chi­schen Ärz­ten sehr wich­tig ist, die Pati­en­ten­si­cher­heit und die Qua­li­tät in den Vor­der­grund zu stel­len.

Gibt es noch einen Bereich, in dem Sie einen Schwer­punkt set­zen wol­len?

Der­zeit bie­ten auch sehr viele nicht­wis­sen­schaft­li­che Gesell­schaf­ten Kurse und Diplome für Ärzte an. Wir wer­den in Zukunft sehr genau dar­auf ach­ten, ob es für die Ärz­tin­nen und Ärzte von Nut­zen ist, sol­che Kurse und Diplome von Sei­ten der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer anzu­er­ken­nen. Wir wer­den dar­auf schauen, dass die Aus­bil­dung in ärzt­li­cher Hand bleibt. Und es geht natür­lich auch darum, dass wir vie­les, was jun­gen Ärz­ten unter dem Motto ‚Aus­bil­dung‘ von drit­ter Seite mit Zusatz­kos­ten auf­ge­drückt wer­den soll, letzt­lich abzu­leh­nen. Mein dezi­dier­tes Ziel ist es auch, die Aus­­­bil­­dungs-Qua­­li­­tät in den Aus­bil­dungs­stät­ten zu heben.

Und zwar wie?

Wir wol­len wie­der soge­nannte Audits ein­füh­ren. So etwas hat es frü­her im Rah­men von Visi­ta­tio­nen gege­ben. Lei­der sind sie vie­ler­orts ähn­lich einem Tri­bu­nal abge­lau­fen. Das soll es aber nicht sein. Ziel eines sol­chen Audits ist es, dass die Aus­bil­dung zer­ti­fi­ziert ist und so best­mög­lich erfolgt. Mein Ziel ist es, dass sol­che Audits wie­der in das Ärz­te­ge­setz auf­ge­nom­men wer­den. Künf­tig sol­len aber auch die Aus­bil­dungs­stät­ten im Sinn des Audit-Ver­­­fah­­rens im Vier-Jah­­res-Rhyth­­mus re-zer­­ti­­fi­­ziert werden.Dabei geht es um Fra­gen wie: Wie viel Per­so­nal gibt es? Wie viele Leis­tun­gen wer­den erbracht? Kön­nen an der Abtei­lung noch alle Leis­tun­gen, die beim Erst­an­trag ange­ge­ben wur­den, erbracht wer­den? Es geht aber auch darum, dass soft skills ver­mit­telt wer­den. Wenn Aus­bil­dungs­stät­ten nur man­gel­haft mit Ärz­ten besetzt wer­den kön­nen, muss man sich über­le­gen, ob man nicht eine Kurs­kor­rek­tur vor­nimmt oder in letz­ter Kon­se­quenz eine Aus­bil­dungs­stätte aberkennt.

Wie wol­len Sie gewähr­leis­ten, dass die Audits nicht wie­der zu Inqui­si­tio­nen ver­kom­men?
Beim Groß­teil der Lan­des­ärz­te­kam­mern, die diese Audits durch­ge­führt haben, hat das ja funk­tio­niert. Man sollte aber im Eifer nicht das Ziel aus den Augen ver­lie­ren, wie das lei­der manch­mal pas­siert ist. Es wird also sicher not­wen­dig sein, dass die Ärzte für die Audits in den jewei­li­gen Lan­des­ärz­te­kam­mern geschult wer­den. Von Sei­ten des Bil­dungs­aus­schus­ses wer­den wir die Qua­li­täts­kri­te­rien für die Inhalte der Audits vor­ge­ben. Die­ses Vor­ha­ben sollte im Gesund­heits­mi­nis­te­rium auf hell­hö­rige und durch­füh­rungs­wil­lige Ohren sto­ßen.

Kon­flikte mit den Kran­ken­haus­trä­gern sind ja dann vor­pro­gram­miert – oder?

Der Kran­ken­haus­trä­ger muss ein Inter­esse haben, dass er Ärzte bekommt und auch für opti­male Arbeits­be­din­gun­gen sor­gen. Zwei­tens wird es not­wen­dig sein, dass man sich inner­halb der Ärz­te­schaft über­legt, wie die Aus­bil­dung der jun­gen Kol­le­gen so vor sich gehen kann, dass sie Res­­sour­cen-scho­­nend im Hin­blick auf das Per­so­nal und auch zeit­lich Res­­sour­cen-scho­­nend ist. Bei 100 Pro­zent Pati­en­­ten-Betreu­ung ist nicht 100 Pro­zent Aus­bil­dung mög­lich. Von bei­den Sei­ten – sowohl vom Aus­zu­bil­den­den als auch vom Aus­bild­ner – muss ein hohes Maß an Moti­va­tion vor­han­den sein. Bei den Aus­bild­nern wird es not­wen­dig sein, die­je­ni­gen, die sich ent­spre­chend enga­gie­ren, auch nam­haft zu machen und ent­spre­chend zu remu­ne­rie­ren. Par­al­lel dazu müs­sen die Aus­bild­ner jedoch auch in einem gewis­sen Aus­maß von der all­täg­li­chen Rou­tine der Pati­en­ten­be­treu­ung ent­las­tet werden.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 3 /​10.02.2013