Inter­view – Chris­tian Bern­hard: Kon­krete Maß­nah­men sind gefragt

10.03.2013 | Poli­tik

Kon­krete Maß­nah­men gefragt

Man­geln­der Ärzte-Nach­­­wuchs und unge­löste Fra­gen bei der Aus­bil­dung – das sind nur einige der Pro­blem­fel­der im Vor­arl­ber­ger Gesund­heits­we­sen. Wel­che Maß­nah­men der erst seit eini­gen Mona­ten im Amt befind­li­che Gesund­heits­lan­des­rat Chris­tian Bern­hard dage­gen ergrei­fen will, erklärt er im Gespräch mit Ruth Mayr­ho­fer.


ÖÄZ: 2011 hat eine Blitz­um­frage unter den Vor­arl­ber­ger Spi­tals­ärz­ten ihre Unzu­frie­den­heit mit ihrem Arbeits­um­feld dra­ma­tisch auf­ge­zeigt. Immer­hin sag­ten damals 50 Pro­zent der Ärzte in Kran­ken­häu­sern, in ‚abseh­ba­rer Zeit‘ kün­di­gen zu wol­len. Wel­che Schritte hat das Land seit­her unter­nom­men, um die Situa­tion posi­tiv zu ver­än­dern?

Bern­hard: Das Ziel einer Erhö­hung der Arbeits­zu­frie­den­heit und damit eine Ver­bes­se­rung der Bin­dung an den Arbeit­ge­ber ist ein Ziel, das die Kran­­ken­haus-Betriebs­­­ge­­sel­l­­schaft lau­fend ver­folgt. Vor rund drei Jah­ren wurde eine Arbeits­gruppe ein­ge­rich­tet, die ver­schie­denste Maß­nah­men zur Errei­chung des Zie­les erar­bei­tet hat: so etwa die Erhö­hung der Ein­stiegs­ge­häl­ter der Fach­ärzte bezie­hungs­weise Ober­ärzte für ‚Quer­ein­stei­ger‘, die Ver­bes­se­rung der Bezah­lung in Zei­ten der Ruf­be­reit­schaft und teil­weise Anrech­nung der Ein­satz­stun­den auf die Soll-Arbeits­­zeit, die Unter­stüt­zung durch Doku­­men­­ta­­ti­ons-assis­­ten­­ten und die Dele­ga­tion von Tätig­kei­ten, die auch vom Pfle­ge­per­so­nal über­nom­men wer­den kön­nen, ins­be­son­dere Blut­ent­nah­men und Infusionen.

In der Ost­schweiz gehen in den nächs­ten 15 Jah­ren rund 400 Spi­tals­ärzte und 950 nie­der­ge­las­sene Ärzte in Pen­sion. Somit könnte die gesamte Vor­arl­ber­ger Ärz­te­schaft bei wesent­lich bes­se­ren Rah­men­be­din­gun­gen dort­hin ‚aus­wan­dern‘. Wie steu­ert die Lan­des­po­li­tik ent­ge­gen?
Bei einem Ver­gleich der Ein­kom­mens­si­tua­tion müs­sen alle Rah­men­be­din­gun­gen wie zum Bei­spiel höhere Jah­res­ar­beits­zeit, gerin­gere Sozi­al­leis­tun­gen betrach­tet wer­den. Ein nomi­nel­ler Ver­gleich der Grund­ge­häl­ter allein greift zu kurz. Mit der aus­ver­han­del­ten Gehalts­re­form kann das Land Vor­arl­berg noch bes­ser als attrak­ti­ver Dienst­ge­ber in der Gesamt­schau von Gehalt und Rah­men­be­din­gun­gen von den Bediens­te­ten in den Lan­des­kran­ken­häu­sern wahr­ge­nom­men wer­den, um damit wei­tere Abwan­de­run­gen nach Mög­lich­keit zu vermeiden.

Nun stellt sich wei­ters ein Man­gel an All­ge­mein­me­di­zi­nern in Vor­arl­berg ein. Die Zahl der unbe­setz­ten Kas­sen­stel­len steigt. Hier ist die Lan­des­po­li­tik in Bezug auf die Aus­bil­dung in der Ver­ant­wor­tung. Wie wol­len Sie eine zeit­ge­mäße Aus­bil­dung im Tur­nus sicher­stel­len?
Für die Ärzte-Aus­­­bil­­dung ist sowohl im Bereich der Gesetz­ge­bung als auch in der Voll­zie­hung der Bund zustän­dig. Im Rah­men der bestehen­den Rege­lun­gen ver­su­chen wir, unse­ren Tur­nus­ärz­ten ein sehr hohes Maß an Aus­bil­dungs­qua­li­tät zu ver­mit­teln. So ent­steht an unse­ren Stand­or­ten in kur­zer Zeit ein hohes Maß an Ver­ant­wor­tung und Lern­im­puls. Wir arbei­ten kon­ti­nu­ier­lich daran, die Rah­men­be­din­gun­gen der Tur­nus­ärzte wei­ter zu ver­bes­sern. Das Ergeb­nis unse­rer Bemü­hun­gen zeigt sich auch im Ergeb­nis einer jüngs­ten Unter­su­chung des Ärzt­li­chen Qua­li­täts­zen­trums Linz zur Zufrie­den­heit der Tur­nus­ärzte, nach­dem die Vor­arl­ber­ger Spi­tä­ler öster­reich­weit am bes­ten abschneiden.

Um dem Spi­­tal­s­ärzte-Man­­gel effek­tiv begeg­nen zu kön­nen, ist außer­dem eine Gehalts­re­form geplant. Wie schaut der aktu­elle Zwi­schen­stand aus?
In den Vor­arl­ber­ger Kran­ken­häu­sern sind auf­grund der Abwan­de­rung von vor­wie­gend aus­län­di­schen Fach­ärz­ten Ver­sor­gungs­eng­pässe ent­stan­den. Mit der zwi­schen­zeit­lich aus­ver­han­del­ten Gehalts­re­form erfolgt eine wesent­li­che Ver­bes­se­rung der Ent­loh­nung. Der­zeit sind die legis­ti­schen Umset­zun­gen am Lau­fen, die Umset­zung der Reform wird plan­ge­mäß mit 1. Juli 2013 erfolgen.

Die Ärz­te­kam­mer for­dert seit Jah­ren eine min­des­tens zwölf Monate dau­ernde Lehr­pra­xistä­tig­keit in der Aus­bil­dung. Der Bund ist säu­mig. Wäre das Land Vor­arl­berg bereit, diese Lehr­pra­xen zu finan­zie­ren, umso mehr, als das Land ja auf föde­rale Kom­pe­tenz im Gesund­heits­we­sen pocht?
Die Lan­­des­­ge­­sun­d­heits­­­re­­fe­­ren­­ten-Kon­­fe­­renz hat bis­her lei­der ver­geb­lich den Gesund­heits­mi­nis­ter auf­ge­for­dert, die För­de­rung der Aus­bil­dung von Ärz­ten in Lehr­pra­xen zu ver­bes­sern und ein trag­fä­hi­ges und aus­rei­chen­des Finan­zie­rungs­mo­dell zu erar­bei­ten, damit wesent­lich mehr Ärzte einen maß­geb­li­chen Teil ihrer Aus­bil­dung in einer Lehr­pra­xis absol­vie­ren kön­nen. Das Land Vor­arl­berg hat sich immer für eine rasche Lösung ein­ge­setzt und obwohl die Aus­bil­dung von All­ge­mein­me­di­zi­nern spe­zi­fisch für den nie­der­ge­las­se­nen Bereich in Lehr­pra­xen Auf­gabe von Bund und Selbst­ver­wal­tung ist, auch eine finan­zi­elle Mit­be­tei­li­gung in Aus­sicht gestellt.

Stich­wort Gesund­heits­re­form: Wel­che kon­kre­ten Schritte wird Vor­arl­berg in nächs­ter Zeit dies­be­züg­lich set­zen?
Eines der Kern­ziele der Gesund­heits­re­form ist ‚län­ger Leben bei guter Gesund­heit‘. Das bedeu­tet ein kla­res Bekennt­nis zu mehr Prä­ven­tion und Gesund­heits­för­de­rung, die eine zen­trale Rolle ein­neh­men wer­den. Mit dem im Rah­men der Gesund­heits­re­form auf Lan­des­ebene ein­zu­rich­ten­den Gesund­heits­för­de­rungs­fonds ste­hen zukünf­tig auch ent­spre­chende Mit­tel bereit: Öster­reich­weit sind das 150 Mil­lio­nen Euro für zehn Jahre. Das Land Vor­arl­berg ist für den Vor­­­sorge-Gedan­­ken und seine Vor­sor­ge­me­di­zin seit Jah­ren bekannt. Kon­kret geht es nun darum, dar­über hin­aus ers­tens gesund­heits­för­der­li­che Gesamt­po­li­tik zu betrei­ben und zwei­tens Chan­cen­gleich­heit in Bezug auf Gesund­heit zu bie­ten. Eine taug­li­che Grund­lage für das zukünf­tige Han­deln bie­ten die im August 2012 beschlos­se­nen zehn Rah­men­ge­sund­heits­ziele für Öster­reich, die es län­der­spe­zi­fisch aus­zu­ge­stal­ten gilt. Hier lau­fen die not­wen­di­gen Gesprä­che mit den Systempartnern.

Zur Per­son:

Lan­des­rat Chris­tian Bernhard

  • Gebo­ren am 15.11.1963
  • Stu­dium der Medi­zin an der Uni­ver­si­tät Innsbruck
  • Ab 1993 Lei­ter der Abtei­lung Gesund­heits­we­sen in der Bezirks­haupt­mann­schaft Bludenz
  • Ab 2011 Vor­stand der Abtei­lung Sanitätsangelegenheiten
  • Seit 6. Juni 2012 Lan­des­rat mit den Auf­ga­ben­be­rei­chen Gesund­heit und Behindertenhilfe

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 5 /​10.03.2013