Dro­gen-Sub­sti­tu­tion: Miss­brauch gering halten

10.05.2013 | Politik


Miss­brauch könne im Rah­men der Dro­gen­sub­sti­tu­tion nie ganz aus­ge­schlos­sen wer­den. So wer­den tat­säch­lich nur 0,14 Pro­zent der ver­schrie­be­nen retar­dier­ten Mor­phine sicher­ge­stellt. Es gelte, den Miss­brauch gering zu hal­ten – aber auch, Abhän­gi­gen eine The­ra­pie anzu­bie­ten.
Von Marion Huber

Kann die Poli­tik den Ärz­ten Vor­schrif­ten machen, wel­che Sub­stanz in der Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung ver­schrie­ben wer­den darf? Mit einem kla­ren „Nein“ beant­wor­te­ten Exper­ten kürz­lich bei einer Pres­se­kon­fe­renz in Wien diese Frage. „Die Poli­tik soll sich um den Schwarz­markt und die Beschaf­fungs­kri­mi­na­li­tät küm­mern. Wir Ärzte behan­deln unsere Pati­en­ten“, brachte es Nor­bert Jachi­mo­wicz, Lei­ter des Refe­rats für Sub­sti­tu­ti­ons­fra­gen der ÖÄK, auf den Punkt. Auch der Wie­ner Dro­gen­ko­or­di­na­tor Michael Dres­sel besteht auf der „indi­vi­du­el­len ärzt­li­chen Ent­schei­dung“ und ergänzt: „Nicht-Ärzte soll­ten sich dabei vor­nehm zurückhalten.“

Wollte Innen­mi­nis­te­rin Johanna Mikl-Leit­ner Ende 2012 noch die Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung ins­ge­samt abge­schafft sehen, steht nun eine ein­zelne Sub­stanz­gruppe im Kreuz­feuer der Kri­tik: die retar­dier­ten Mor­phine. Sie wür­den Miss­brauch för­dern und den Schwarz­markt über­schwem­men – ein „öster­rei­chi­sches Phä­no­men, haus­ge­macht und in Europa ein­zig­ar­tig“, wie Mikl-Leit­ner sagt.

Miss­brauch könne in kei­nem Land der Welt und bei kei­ner der in Öster­reich zuge­las­se­nen Sub­stan­zen – ob Metha­don, Buprenor­phin oder retar­dier­ten Mor­phi­nen – aus­ge­schlos­sen wer­den, so der Grund­te­nor der Exper­ten. „Fakt ist, dass immer jene Sub­stan­zen den Schwarz­markt domi­nie­ren, die am meis­ten ver­schrie­ben wer­den“, kon­terte Dres­sel. Auch Johann Halt­mayer, Lei­ter des Refe­rats für Sub­sti­tu­tion und Dro­gen­the­ra­pie in der Wie­ner Ärz­te­kam­mer, wies die Behaup­tung, wonach retar­dierte Mor­phine beson­ders „attrak­tiv“ für miss­bräuch­li­che Ver­wen­dung seien, zurück. „Der intra­ve­nöse Kon­sum ist nicht an eine Sub­stanz gebun­den, son­dern Sym­ptom der Erkran­kung. Nimmt man dem Betrof­fe­nen Sub­stanz X weg, inji­ziert er Sub­stanz Y“, führte Halt­mayer aus.

Hin­sicht­lich der Menge an Mor­phi­nen, die sich auf dem Schwarz­markt befinde, müsse man die „Kir­che im Dorf las­sen“, meinte Dres­sel. Denn „tat­säch­lich wer­den nur 0,14 Pro­zent der ver­schrie­be­nen retar­dier­ten Mor­phine sicher­ge­stellt.“ Natür­lich sei das „kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen“. Miss­brauch und Schwarz­markt müss­ten gering gehal­ten wer­den, aber man müsse Opiat-Abhän­gi­gen auch eine Behand­lung anbie­ten, wie er wei­ter aus­führte: „Es gilt, beide Ziele zu errei­chen, nicht nur eines.“ Und im Sinn der indi­vi­du­el­len Behand­lung sei es kon­tra­pro­duk­tiv, eine bestimmte Sub­stanz zu ver­teu­feln, betonte Univ. Prof. Alfred Sprin­ger von der Öster­rei­chi­schen Gesell­schaft für Arz­nei­mit­tel-gestützte Behand­lung von Sucht­kran­ken: „Wenn man eine Sub­stanz ver­bie­tet, gefähr­det man die Qua­li­tät der Behandlung.“

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 9 /​10.05.2013