Neue­run­gen bei der Fort­bil­dung: Admi­nis­tra­tion wird einfacher

10.09.2013 | Poli­tik



Mehr Qua­li­tät und weni­ger Admi­nis­tra­tion – das sind die Kenn­zei­chen der For­t­­bil­­dungs-Novelle (DFP-Diplom), die seit 1. Sep­tem­ber in Kraft ist.
Von Bar­bara Wakolbinger

Weni­ger Ver­wal­tungs­auf­wand und weni­ger Büro­kra­tie sowohl für ange­stellte als auch für nie­der­ge­las­sene Ärzte – das ist für Peter Nie­der­mo­ser, Prä­si­dent des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der aka­de­mie der ärzte, einer der Kern­punkte der Novelle zum Diplom-For­t­­bil­­dungs-Pro­­­gramm (DFP). Denn in Zukunft müs­sen sowohl nie­der­ge­las­sene als auch ange­stellte Ärzte ihre Fort­bil­dung mit­tels Fort­bil­dungs­di­plom gegen­über der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer (ÖÄK) nach­wei­sen. Erst­mals muss jeder Arzt einen Nach­weis über seine Fort­bil­dung gegen­über der Kam­mer (erst­mals im Herbst 2016) erbrin­gen; gleich­zei­tig gilt seit 1. Sep­tem­ber 2013 eine Frist von fünf Jah­ren für die Gül­tig­keit des DFP-Diploms. Zukünf­tig sind statt bis­her 150 in die­sem Zeit­raum 250 DFP-Punkte zu erwer­ben. Der Nach­weis über die Fort­bil­dung erfolgt in Zukunft – sofern das DFP-Konto genutzt wird – automatisch.

Gesetz­li­che Verpflichtung

Aus­gangs­punkt der DFP-Novelle ist eine im Rah­men der Gesund­heits­re­form beschlos­sene Ände­rung des Ärz­te­ge­set­zes, das nun vor­sieht, dass die Erfül­lung der ärzt­li­che Fort­bil­dungs­ver­pflich­tung ab sofort nicht nur von nie­der­ge­las­se­nen, son­dern auch von ange­stell­ten Ärz­ten gegen­über der ÖÄK nach­zu­wei­sen ist. Nie­der­mo­ser dazu: „Die Ärz­te­kam­mer ist gesetz­lich dazu ver­pflich­tet, die Fort­bil­dung der Ärzte zu über­prü­fen und anony­mi­sierte Berichte dar­über dem Gesund­heits­mi­nis­te­rium zu über­mit­teln.“ Erst­mals muss jeder Arzt seine Fort­bil­dung gegen­über der ÖÄK am 1. Sep­tem­ber 2016 glaub­haft machen, dann im Drei-Jah­­res-Rhyth­­mus; der erste ÖÄK-Bericht über die Fort­bil­dung der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­schaft wird bereits im März 2015 erschei­nen. „Damit die Ärzte diese neue Ver­pflich­tung erfül­len kön­nen, wurde die Admi­nis­tra­tion der Fort­bil­dung spür­bar ver­ein­facht“, betont der Prä­si­dent des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der aka­de­mie der ärzte. Schon jetzt sei die Fort­bil­dungs­mo­ral der öster­rei­chi­schen Ärzte hoch; 8,6 Mil­lio­nen Stun­den ver­zeich­nen die DFP-Kon­­ten derzeit.

Mit der Erwei­te­rung von drei auf fünf Jahre wird der Rhyth­mus des DFP-Diploms der Ordi­na­ti­ons­eva­lu­ie­rung durch die ÖQMed ange­gli­chen; diese fin­det eben­falls alle fünf Jahre statt. „Der Fort­bil­dungs­nach­weis ist ein essen­ti­el­ler Bestand­teil der Pra­xis­eva­lu­ie­rung. Da lag es nahe, beide Zyklen gleich­zu­schal­ten, um Ver­wir­rung und Mehr­auf­wand zu ver­mei­den“, ergänzt Edgar Wut­scher, Fort­bil­dungs­re­fe­rent der Ärz­te­kam­mer Tirol. Auch inter­na­tio­nal sei der Fünf-Jah­­res-Rhyth­­mus Stan­dard und mit dem DFP-Diplom erfüllt der Arzt seine gesetz­li­chen Ver­pflich­tun­gen ohne, dass er sich um Wei­te­res küm­mern muss, so Niedermoser.

Die Ände­rung der Bestim­mun­gen für die Fort­bil­dung wurde am 21. Juni im Zuge der Voll­ver­samm­lung der ÖÄK beschlos­sen und trat mit 1. Sep­tem­ber 2013 in Kraft. Für die Über­gangs­frist gilt Fol­gen­des: Bis Ende Juni 2017 erhal­ten Ärzte auch nach drei Jah­ren und mit 150 Punk­ten das DFP-Diplom, das dann fünf Jahre lang gül­tig ist. Alle Diplome, deren Gül­tig­keit zwi­schen 1. Jän­ner 2012 und 30. August 2013 beginnt, gel­ten auto­ma­tisch fünf Jahre lang. Diese Ver­län­ge­rung wird in der Ärz­te­liste und auf den DFP-Kon­­ten ein­ge­tra­gen. Damit wer­den die Peri­oden kom­plett der Ordi­na­ti­ons­eva­lu­ie­rung der ÖQMed angeglichen.

Bis­her muss­ten ange­stellte Ärzte die DFP-kon­­forme Fort­bil­dung nicht geson­dert nach­wei­sen: das ändert sich nun auf Grund der gesetz­li­chen Vor­ga­ben. „Am wenigs­ten Auf­wand haben Ärzte, wenn sie das DFP-For­t­­bil­­dungs­­­konto nut­zen“, meint Wut­scher. Im Zuge der Novelle sind nun die DFP-Kon­­ten für alle Ärzte vor­be­rei­tet und frei­ge­schal­tet, Punkte für absol­vierte appro­bierte Ver­an­stal­tun­gen wer­den auto­ma­tisch gebucht. Mit dem DFP-Konto kann das DFP-Diplom auch online bean­tragt wer­den. „So erspa­ren sich Ärzte vor allem viel Papier­ar­beit“, betont Nie­der­mo­ser. Das Füh­ren eines DFP-Kon­­tos ist frei­wil­lig; auch wenn man nicht über ein sol­ches ver­fügt, muss man die Fort­bil­dung gegen­über der ÖÄK dann 2016 nachweisen.

Die DFP-Novelle wurde auch dazu genutzt, um „die Fort­bil­dung an die Rea­li­tät anzu­pas­sen und in gewis­sen Berei­chen Ver­fei­ne­run­gen vor­zu­neh­men“, sagt Wut­scher. So heißt etwa die „freie Fort­bil­dung“ jetzt „sons­tige Fort­bil­dung“; maximal 50 der benö­tig­ten 250 Punkte dür­fen in die­ser Kate­go­rie erwor­ben wer­den. Min­des­tens 85 Punkte wer­den durch den Besuch von Ver­an­stal­tun­gen erwor­ben; zu die­sen zäh­len – im Zuge der Novelle – nun auch Qua­li­täts­zir­kel. Außer­dem wer­den Ein­zel­per­so­nen, Grup­pen­pra­xen oder Kran­ken­an­stal­ten in der Rechts­form selbst­stän­di­ger Ambu­la­to­rien nicht mehr als allei­nige Anbie­ter von DFP-For­t­­bil­­dun­­­gen aner­kannt. „Diese Rege­lung dient vor allem der Qua­li­täts­kon­trolle“, betont Nie­der­mo­ser abschließend.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /​10.09.2013