Bur­gen­land Rota­tion im Tur­nus: Der­ma­to­lo­gie: neues Konzept

25.04.2013 | Poli­tik

Da es im Bur­gen­land keine Abtei­lung für Der­ma­to­lo­gie gibt, rotier­ten Tur­nus­ärzte bis­lang ins Wie­ner AKH. Diese Koope­ra­tion wurde nun been­det und ein neues Kon­zept erstellt. Von Marion Huber

Im Bur­gen­land gibt es keine Abtei­lung für Der­ma­to­lo­gie, an der Tur­nus­ärzte die ver­pflich­ten­den zwei Monate Der­­ma­­to­­lo­­gie-Aus­­­bil­­dung absol­vie­ren kön­nen. Bis dato rotier­ten sie dafür ins nahe­ge­le­gene AKH Wien. Seit kur­zem jedoch nicht mehr: Denn die KRAGES (Bur­gen­län­di­sche Kran­ken­an­stal­ten Gesell­schaft mbH) und das Kran­ken­haus der Barm­her­zi­gen Brü­der Eisen­stadt haben eine neue, im ver­gan­ge­nen Jahr vor­ge­schla­gene Über­las­sungs­ver­ein­ba­rung nicht unter­zeich­net. Mathias Resin­ger, stell­ver­tre­ten­der Obmann der Kurie Ange­stellte Ärzte in der Ärz­te­kam­mer Bur­gen­land und Pri­mar der Chir­ur­gi­schen Abtei­lung am Kran­ken­haus der Barm­her­zi­gen Brü­der Eisen­stadt, bezeich­net diese Über­las­sungs­ver­ein­ba­rung als „unzu­mut­bare neue Ver­trags­mo­da­li­tät“ und die Aus­bil­dungs­si­tua­tion im AKH selbst als „unbe­frie­di­gend“.

Wie es so weit kom­men konnte? Dass es mit der Aus­bil­dung wäh­rend der Zeit im Tur­nus nicht zum Bes­ten bestellt ist, ist spä­tes­tens seit den ers­ten Ergeb­nis­sen der Tur­­nus­ärzte-Eva­lu­ie­­rung nicht mehr von der Hand zu wei­sen. Dem­nach ver­brin­gen Tur­nus­ärzte nahezu die Hälfte ihrer Tages­ar­beits­zeit damit, Zet­tel zu sor­tie­ren und von A nach B zu tra­gen, Befunde zu über­tra­gen oder Ter­mine zu ver­ein­ba­ren. Dass das kei­nes­wegs über­trie­ben oder fik­tiv ist, weiß Tur­nus­ärz­tin Michaela Zalka, Obmann-Stel­l­­ver­­­tre­­te­­rin der Kurie Ange­stellte Ärzte in der Ärz­te­kam­mer Bur­gen­land, aus eige­ner Erfah­rung. Auch sie hat ins AKH rotiert, um ihren Tur­nus auf der der­ma­to­lo­gi­schen Abtei­lung zu machen – und kann nicht viel Gutes dar­über berich­ten.

Blut­ab­nahme statt Visite?

In den bei­den Mona­ten ist der Tur­nus­arzt zunächst ein Monat in der Ambu­lanz und im zwei­ten Monat auf der Sta­tion ein­ge­setzt. Beson­ders dort sei man Sys­tem­er­hal­ter, schil­dert Zalka: „Es ist ja noch in Ord­nung, dass man in der Früh Blut abnimmt und Fläsch­chen anhängt. Über­haupt nicht in Ord­nung ist aber, dass man andere Sta­tio­nen zusätz­lich betreuen muss, wenn dort kein Sys­tem­er­hal­ter oder Tur­nus­arzt anwe­send ist.“ Oft habe sie dadurch keine Mög­lich­keit gehabt, etwa an der Visite teil­zu­neh­men. Wenn dann aber doch ein­mal Zeit dafür war, war man als bur­gen­län­di­scher Tur­nus­arzt auf ver­lo­re­nem Pos­ten: „Die Pro­fes­so­ren haben sich mehr um die Stu­den­ten geküm­mert, was ja an sich gut ist. Bei ihnen haben sie aber vor allem die schlech­ten Eva­lu­ie­run­gen gefürch­tet. Das wurde auch offen so gesagt.“ Waren bei der Visite Stu­den­ten anwe­send, wurde viel erklärt – wenn nicht, waren das Bemü­hen und die Bereit­schaft sei­tens der Pro­fes­so­ren viel gerin­ger, wie Zalka erzählt. Sie konnte sich des Ein­drucks nicht erweh­ren, dass Tur­nus­ärzte aus dem Bur­gen­land im AKH gene­rell „nicht beson­ders geschätzt“ wur­den. Den­noch ist es ihr wich­tig, nicht alle über einen Kamm zu sche­ren: „Ver­ein­zelt gab es auch Pro­fes­so­ren, die sehr bemüht waren. Aber im Gro­ßen und Gan­zen war es eine Farce.“

Ein Ein­zel­fall? Kei­nes­wegs, sagt Zalka: „Das ist schon Jahre vor mir so gewe­sen und wäre auch noch Jahre so wei­ter­ge­gan­gen.“ Wenn die KRAGES und die Barm­her­zi­gen Brü­der nicht die Reiß­leine gezo­gen und die Koope­ra­tion auf­ge­löst hät­ten. Als Drauf­gabe zur unbe­frie­di­gen­den Aus­bil­dungs­si­tua­tion im Bereich Der­ma­to­lo­gie soll­ten näm­lich laut einem Ent­wurf einer neuen Über­las­sungs­ver­ein­ba­rung mit der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien die Moda­li­tä­ten für alle soge­nann­ten „Über­las­se­nen“ am AKH geän­dert wer­den. Dem­nach wären die über­las­se­nen Ärzte künf­tig etwa dazu ver­pflich­tet, Jour­­nal- und Ruf­be­reit­schafts­dienste sowie Mehr- und Über­stun­den­ar­beit bis zum zuläs­si­gen Höchs­taus­maß zu leis­ten – falls das vom AKH ange­ord­net wird. Pikan­ter­weise erfolgt die Bezah­lung der Tur­nus­ärzte durch das Kran­ken­haus der Barm­her­zi­gen Brü­der bezie­hungs­weise die KRAGES – für das AKH seien sie somit quasi unbe­zahlte Arbeits­kräfte, wie Zalka sagt: „Man hätte uns damit zu 72 Stun­den Dienst her­an­zie­hen kön­nen. So hät­ten wir kei­nen Dienst mehr in den eige­nen Häu­sern machen kön­nen.“ Bis­lang hat­ten die Tur­nus­ärzte nur 40 Stun­den Dienst am AKH und den Rest der Zeit in ihren jewei­li­gen Häu­sern geleis­tet. „Das war der Knack­punkt, wieso wir gesagt haben: ‚Das unter­schrei­ben wir nicht‘“, so Resin­ger. Und er fügt hinzu: „Nach­dem unsere Tur­nus­ärzte sowieso gesagt haben, dass die Aus­bil­dung am AKH nicht beson­ders gut ist, war das ganz sicher kein Fehler.“

So hat man sich um eine andere Lösung bemüht. Für die Tur­nus­ärzte der KRAGES hat sich ledig­lich das Kran­ken­haus geän­dert, an das sie rotie­ren: Die Aus­bil­dung erfolgt nun in Zusam­men­ar­beit mit einem ande­ren gro­ßen Rechts­trä­ger, wie von der Pres­se­stelle und der Per­so­nal­di­rek­tion der KRAGES auf Anfrage der ÖÄZ zu erfah­ren war. Im Kran­ken­haus der Barm­her­zi­gen Brü­der in Eisen­stadt wie­derum hat man eine Mög­lich­keit der Aus­bil­dung vor Ort geschaf­fen. Resin­ger dazu: „Wir haben mit unse­rem Kon­si­li­ar­fach­arzt, der auch eine Lehr­pra­xis in Eisen­stadt inne­hat, ein Kon­zept erstellt. Es wurde in der letz­ten Sit­zung der Aus­bil­dungs­kom­mis­sion der Ärz­te­kam­mer vor­ge­stellt und auch geneh­migt.“ Die Tur­nus­ärzte kön­nen nun im Kran­ken­haus gemein­sam mit dem Kon­si­li­ar­fach­arzt die Aus­bil­dung absol­vie­ren. Sein Fazit: „Wir haben mitt­ler­weile eine Kol­le­gin, die die Aus­bil­dung in Eisen­stadt bereits absol­viert hat. Sie ist davon über­zeugt, dass diese Lösung um vie­les bes­ser ist und sie auch viel mehr pro­fi­tiert hat.“

Auf die Inter­­view-Anfrage zu den Vor­wür­fen bezüg­lich der Aus­bil­dung auf der Der­ma­to­lo­gie und zur geplan­ten, neuen Über­las­sungs­ver­ein­ba­rung beim Rek­tor der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien, Univ. Prof. Wolf­gang Schütz, haben wir von der Pres­se­stelle des Rek­to­rats schrift­lich fol­gende Stel­lung­nahme erhal­ten: „Die Med­Uni Wien schließt der­zeit Über­las­sungs­ver­ein­ba­run­gen mit ver­schie­de­nen Kran­ken­an­stal­ten (dar­un­ter ist auch die KRAGES) ab, um den Tur­nus­ärz­ten aus die­sen Kran­ken­an­stal­ten zu ermög­li­chen, an die Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken im AKH Wien zu rotie­ren. Diese Über­las­sungs­ver­ein­ba­rung ist juris­tisch nötig, um eine wich­tige haf­tungs­recht­li­che Lücke zu schlie­ßen. In der Ver­ein­ba­rung sind alle recht­lich rele­van­ten Punkte gere­gelt – ana­log zum sons­ti­gen ärzt­li­chen Per­so­nal an den Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken, das bei der Med­Uni Wien beschäf­tigt ist. Mit der KRAGES wird die­ser Ver­trag der­zeit ver­han­delt – von einer Been­di­gung der Zusam­men­ar­beit wis­sen wir nichts.“

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 8 /​25.04.2013