Aus­trian Inpa­ti­ent Qua­lity Indi­ca­tors – AIQI: Ergeb­nis­qua­li­tät im Spital

25.01.2013 | Poli­tik

Bei A‑IQI han­delt es sich um ein Instru­ment zur bun­des­weit ein­heit­li­chen Mes­sung von Ergeb­nis­qua­li­tät aus Rou­ti­ne­da­ten – näm­lich Abrech­nungs­da­ten – im Kran­ken­haus. Von Rita Offenberger*

In Deutsch­land bereits erprobt und auf öster­rei­chi­sche Ver­hält­nisse adap­tiert, wurde A‑IQI – Aus­trian Inpa­ti­ent Qua­lity Indi­ca­tors – zuerst von der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Lan­­des­­k­li­­ni­­ken-Hol­­ding als Instru­ment zur Mes­sung der Erge­b­­nis-Qua­­li­­tät ein­ge­setzt. Im April 2011 beschloss die Bun­des­ge­sund­heits­kom­mis­sion ein Pro­jekt zur Ergeb­nis­qua­li­täts­mes­sung aus Rou­ti­ne­da­ten – A‑IQI – ver­bun­den mit der Ein­füh­rung bun­des­wei­ter Peer Reviews. Vom bun­des­wei­ten Roll-out die­ser bei­den Instru­mente erwar­tet man sich neben der Qua­li­täts­si­che­rung eine Qua­li­täts­ver­bes­se­rung in den Krankenhäusern.

Was ist A‑IQI?

A‑IQI steht für Aus­trian Inpa­ti­ent Qua­lity Indi­ca­tors und ist ein Instru­ment zur bun­des­weit ein­heit­li­chen Mes­sung von Ergeb­nis­qua­li­tät aus Rou­ti­ne­da­ten – näm­lich Abrech­nungs­da­ten – im Kran­ken­haus. Bei den der­zeit rund 120 Indi­ka­to­ren han­delt es sich vor­wie­gend um Mor­ta­li­täts­in­di­ka­to­ren: Aber auch die Pro­zess­qua­li­tät wird erho­ben und zwar anhand von Indi­ka­to­ren zur Inten­siv­häu­fig­keit, zu Kom­pli­ka­tio­nen, Men­gen­in­for­ma­tio­nen, Ope­ra­ti­ons­tech­nik und Ver­sor­gungs­pro­zes­sen. Die Mor­ta­li­tät als Indi­ka­tor bezieht sich jedoch nicht auf die Gesamt-Kran­­ken­haus­­mor­­ta­­li­­tät son­dern auf die Sterb­lich­keit bei bestimm­ten aus­ge­wähl­ten Krankheitsbildern.

Erhe­bungs­pro­zess

Am Bei­spiel Mor­ta­li­tät wer­den zunächst die tat­säch­li­chen Todes­fälle mit den sta­tis­tisch zu erwar­ten­den Todes­fäl­len ver­gli­chen. Die Ziel­be­rei­che wer­den anhand berech­ne­ter Bun­des­durch­schnitts­werte, anhand der in Lite­ra­tur hin­ter­leg­ten Werte und – wo erfor­der­lich – nach einer Risi­ko­ad­jus­tie­rung ermit­telt. Risi­ko­ad­jus­tie­rung bedeu­tet, dass ent­schei­dende Fak­to­ren wie Beglei­ter­kran­kun­gen, Alter und Geschlecht berück­sich­tigt werden.

Die von der Gesund­heits­po­li­tik ange­strebte Qua­li­täts­ver­bes­se­rung soll jeweils unter der Set­zung eines Schwer­punkts auf wenige Indi­ka­to­ren – der­zeit Herz­in­farkt, Lun­gen­ent­zün­dung und Ober­schen­kel­hals­frak­tur – ange­strebt wer­den. Dafür wird eine Ana­lyse von sta­tis­ti­schen Auf­fäl­lig­kei­ten durch die Lan­des­ge­sund­heits­fonds vor­ge­nom­men. Gibt es für eine all­fäl­lige Abwei­chung von den Ziel­be­rei­chen eine nur unzu­rei­chende Erklä­rung, erfolgt eine Zutei­lung an die betrof­fe­nen Kran­ken­häu­ser zur Selbst­ana­lyse. Im nächs­ten Schritt soll eine Fremd­ana­lyse sowie der Vor­schlag für qua­li­täts­ver­bes­sernde Maß­nah­men anhand von kon­kre­ten Kran­ken­ge­schich­ten im kol­le­gia­len Dia­log im Rah­men von Peer Review-Ver­­­fah­­ren erfol­gen. Peer Reviewer sind in der Regel Pri­mar­ärzte und Pri­mar­ärz­tin­nen, die eine spe­zi­fi­sche Schu­lung nach bun­des­weit ein­heit­li­chen Stan­dards vorweisen.

Miss­ver­ständ­nisse

Die Mes­sung erfolgt anhand von Abrech­nungs­da­ten. Ergibt die Aus­wer­tung durch Gegen­über­stel­lung mit den Ziel­be­rei­chen eine sta­tis­ti­sche Auf­fäl­lig­keit, bedeu­tet das nicht auto­ma­tisch, dass ein Qua­li­täts­man­gel vor­liegt. Viel­mehr müs­sen die Gründe dafür ermit­telt wer­den. Die Dar­stel­lung der Indi­ka­to­ren ist damit keine Abbil­dung der kli­ni­schen Rea­li­tät und hat – ohne wei­tere Unter­su­chung – auch keine wis­sen­schaft­li­che Aus­sage. Allein die Mes­sung und Dar­stel­lung führt noch nicht zur Qua­li­täts­ver­bes­se­rung.

Die Chan­cen

Die Ergeb­nis­qua­li­tät wird bun­des­weit ein­heit­lich anhand von Rou­ti­ne­da­ten erho­ben. Das führt zu kei­nem zusätz­li­chen Doku­men­ta­ti­ons­auf­wand, son­dern zeigt viel­mehr in der Ana­lyse mög­li­che Abwei­chun­gen bei der Leis­tungs­ko­die­rung, wel­che die Ergeb­nis­qua­li­tät („falsch“) nega­tiv beein­flus­sen. Die gemein­same Ursa­chen-Ana­­lyse im kol­le­gia­len Dia­log mit den Peer Review­ern unter­stützt auch bei der Fest­le­gung von adäqua­ten qua­li­täts­ver­bes­sern­den Maß­nah­men. Durch Feed­back­be­richte bezie­hungs­weise ver­deck­tes Bench­mar­king an die Kran­ken­häu­ser wird die Mög­lich­keit des regio­na­len wie bun­des­wei­ten Ergeb­nis­ver­gleichs gebo­ten. In einem Bericht etwa wer­den Daten für die Qua­li­täts­be­richt­erstat­tung der Kran­ken­an­stal­ten gene­riert.

Tipp: Wei­tere Infor­ma­tio­nen gibt es unter www.bmg.gv.at

*) Mag. Rita Offen­ber­ger MSc ist Juris­tin in der ÖÄK

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 1–2 /​25.01.2013