neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

10.09.2013 | Medi­zin


Gehirn­ver­let­zun­gen bei Pilo­ten häufiger

Flie­gen Pilo­ten der US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen Luft­waffe in gro­ßen Höhen, haben sie drei Mal häu­fi­ger Gehirn­ver­let­zun­gen als Sol­da­ten am Boden. Außer­dem seien die fest­ge­stell­ten Ver­let­zun­gen vier Mal stär­ker gewe­sen und an allen Stel­len des Gehirns auf­ge­tre­ten. Für die Stu­die wur­den 102 Pilo­ten, die mit Auf­klä­rungs­flug­zeu­gen in rund 21.000 Meter Höhe unter­wegs waren, unter­sucht.
APA/​Neurology


Unfall mit E‑Bike: genau so gefähr­lich wie Motorrad-Crash

Die Ver­let­zun­gen nach einem Unfall mit einem E‑Bike sind durch­aus ver­gleich­bar mit jenen mit Motor­rä­dern. Den Grund dafür sehen Schwei­zer Unfall­chir­ur­gen im höhe­ren Tempo, dem län­ge­ren Brems­weg und dem grö­ße­ren Gewicht der E‑Bikes. Die häu­figs­ten Ver­let­zun­gen sind Arm- und Bein­brü­che, Ver­let­zun­gen von Kopf, Gehirn und Wir­bel­säule sowie innere Blu­tun­gen.
APA

Gan­z­­kör­­per-CT erhöht Über­le­bens­rate Schwerverletzter

Unter­sucht man Schwer­ver­letzte mit­tels Gan­z­­kör­­per-CT anstatt nur per Rönt­gen, sinkt die Mor­ta­li­tät von 21,4 auf 17,4 Pro­zent. Am deut­lichs­ten zeigte sich der Unter­schied bei Pati­en­ten mit einem schwe­ren Schock­zu­stand. Per CT kön­nen stark blu­tende innere Ver­let­zun­gen rasch exakt loka­li­siert und behan­delt wer­den. Ins­ge­samt wur­den Daten von 16.700 Schwer­ver­letz­ten ana­ly­siert.
APA/​PLOS one

Corona-Virus bei Fle­der­mäu­sen entdeckt

Fle­der­mäuse könn­ten eine ent­schei­dende Rolle bei der Über­tra­gung des vor allem im Nahen Osten ver­brei­te­ten Corona-Virus gespielt haben. In deren Kot fan­den For­scher ein Virus, das gene­tisch genau mit dem beim Men­schen fest­ge­stell­ten Corona-Virus MERS über­ein­stimmt. Noch ist jedoch unklar, ob sie direkte Über­trä­ger oder nur Teil der Infek­ti­ons­kette sind.
APA/​Emerging Infec­tious Diseases


Insu­lin­pum­pen: Nacht­ab­schal­tung redu­ziert Risiko

Das Risiko von Dia­be­ti­kern, in der Nacht eine Hypo­gly­kämie zu erlei­den, könnte in Zukunft mit Hilfe von Insu­lin­pum­pen, die eine auto­ma­ti­sche Abschalt­funk­tion haben, um fast ein Drit­tel redu­ziert wer­den. In der ASPIRE-Stu­­die erhielt ein Teil der ins­ge­samt 247 Typ-1-Dia­­be­­ti­­ker Sen­­sor-gestützte Insu­lin­pum­pen mit inte­grier­ter kon­ti­nu­ier­li­cher Glu­ko­se­mes­sung. Bei einer Über­schrei­tung des vor­her ein­ge­stell­ten Glu­­kose-Gren­z­­wer­­tes schal­tete die Pumpe nach einem Alarm­si­gnal auto­ma­tisch für bis zu zwei Stun­den ab. Die Insu­­lin-Zufuhr konnte jedoch vom Pati­en­ten jeder­zeit wie­der akti­viert wer­den. Die Pati­en­ten in der Kon­troll­gruppe erhiel­ten Insu­lin­pum­pen ohne Abschalt-Auto­­ma­­tik. Das Ergeb­nis: Bei den Pro­ban­den mit Abschalt­funk­tion tra­ten Hypo­gly­kämien um 31,8 Pro­zent sel­te­ner auf; auch die Dauer der nächt­li­chen Unter­zu­cke­rung redu­zierte sich gegen­über der Kon­troll­gruppe um 37,5 Pro­zent. Bei der Blu­t­­zu­­cker-Ein­stel­­lung ins­ge­samt wurde keine Ver­schlech­te­rung fest­ge­stellt.
APA/​New Eng­land Jour­nal of Medicine

Non-Respon­­der bei Imp­fun­gen: unter­schied­li­che Ursachen

Im Rah­men einer Stu­die haben Wis­sen­schaf­ter der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät
Wien unter­schied­li­che Mus­ter der Immun­ant­wort nach der FSME- und Influ­en­za­imp­fung bei Non-Respon­­dern auf FSME und Hepa­ti­tis B unter­sucht. Eine Kern­frage dabei lau­tete, ob das Nicht-Anspre­chen auf eine Imp­fung ein „Imp­f­­stoff-spe­­zi­­fi­­sches“ oder ein gene­rel­les Pro­blem ist. Die Wis­sen­schaf­ter ver­such­ten, die Non-Respon­­der gegen FSME und Hepa­ti­tis B neu­er­lich zu imp­fen sowie zusätz­lich gegen Influ­enza. Ergeb­nis: Bei den FSME-Imp­f­­ver­­­sa­­gern blei­ben auch bei erneu­ter Immu­ni­sie­rung die kaum vor­han­dene Anti­­kör­­per-Kon­­zen­­tra­­ti­o­­nen sowie die Zyto­kine nied­rig, aber es wur­den genü­gend Anti­kör­per gegen Influ­enza gebil­det. Da es sich bei den Non-Respon­­dern auf FSME vor­wie­gend um ältere Per­so­nen han­delt, spre­che dies laut Stu­di­en­lei­te­rin Univ. Prof. Ursula Wie­­der­­mann-Schmidt vom Insti­tut für Spe­zi­fi­sche Pro­phy­laxe und Tro­pen­me­di­zin der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien eher dafür, dass „gene­relle Alte­rungs­pro­zesse des Immun­sys­tems invol­viert sind.“ Das bes­sere Anspre­chen auf die Influ­enza-Imp­­fung könnte damit erklärt wer­den, dass die Men­schen im Lauf ihres Lebens immer wie­der mit Influ­en­za­vi­ren in Kon­takt kom­men und es zu einer Art Gedächt­nis­bil­dung kommt. Bei den Non-Respon­­dern auf Hepa­ti­tis B hin­ge­gen dürfte ein Defekt im HLA-Sys­­tem vor­lie­gen; denn hier zeig­ten sich schon vor der Immu­ni­sie­rung hohe Werte an Inter­leu­kin 10, was letzt­lich die Immun­ant­wort dämpft. Laut Wie­der­mann müsste man man­che Per­so­nen öfter immu­ni­sier­ten, aber auch andere Impf­do­sen und Impfrou­ten wäh­len, um auch hier eine Immu­ni­sie­rung zu erzie­len.
APA/​Journal of Immunology

Anti­­bio­­­tika-asso­­zi­ierte Diar­rhoe: Pro­phy­laxe wirkungslos

Weder Laktoba­zil­len noch Bifi­­dus-Bak­­te­­rien zei­gen bei Pati­en­ten, die an einer durch Anti­bio­tika oder Clos­tri­dium dif­fi­cile ver­ur­sach­ten Diar­rhoe erkrankt waren, tat­säch­lich Wir­kung. Zu die­sem Ergeb­nis kommt eine Stu­die des Teams um Ste­phen Allen von der Uni­ver­si­tät Swan­sea (Groß­bri­tan­nien), bei der aus 17.420 bri­ti­schen Spi­tals­pa­ti­en­ten zufäl­lig 3.000, die orale oder per Infu­sion ver­ab­reichte Anti­­bio­­­tika-The­ra­­pie erhiel­ten, aus­ge­wählt wur­den. Die Hälfte der Pro­ban­den erhielt – per Zufall bestimmt – drei Wochen lang täg­lich eine Kap­sel der Bak­­te­­rien-Prä­­pa­­rate, die andere Hälfte ein Pla­cebo. Zwi­schen den bei­den Grup­pen gab es kei­nen Unter­schied: Die­je­ni­gen, die Anti­bio­tika und Darm­­­flora-Keime erhiel­ten, wie­sen zu 10,8 Pro­zent eine Diar­rhoe-Erkran­­kung auf; in der Kon­troll­gruppe waren es 10,4 Pro­zent. Auch die Zahl und die Schwere der Neben­wir­kun­gen war gleich.
APA/​The Lan­cet


Kof­fein in der Schwan­ger­schaft schadet

Erhal­ten Mäuse in der Schwan­ger­schaft Kof­fein, beein­flusst das beim Embryo die Wan­de­rung von Neu­ro­nen in den Gehirn­be­reich, der für das Gedächt­nis zustän­dig ist. Die neu­ge­bo­re­nen Mäu­se­ba­bys haben ein erhöh­tes Risiko für Epi­lep­sie und als erwach­sene Tiere Schwie­rig­kei­ten mit dem Gedächt­nis für Räume. Das haben fran­zö­si­sche For­scher in einer Stu­die her­aus­ge­fun­den, bei der sie schwan­ge­ren und spä­ter stil­len­den Mäu­sen Kof­fein ins Trink­was­ser misch­ten, wobei die Menge jener von zwei bis drei gro­ßen Tas­sen Kaf­fee beim Men­schen ent­spricht. Die Ergeb­nisse kön­nen jedoch nicht eins zu eins auf den Men­schen über­tra­gen wer­den, betonte Stu­di­en­lei­ter Chris­to­phe Ber­nard vom For­schungs­in­sti­tut Inserm in Paris. Aller­dings handle es sich um den „ers­ten grund­sätz­li­chen Beweis“ für die Schäd­lich­keit von Kaf­fee wäh­rend der Schwan­ger­schaft. Der­zeit ist umstrit­ten, wie sich Kaf­fee auf Föten und Neu­ge­bo­rene aus­wirkt; die WHO (Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion) emp­fiehlt Schwan­ge­ren, höchs­tens zwei große Tas­sen Kaf­fee pro Tag zu trin­ken.
APA/​Science Trans­la­tio­nal Medicine

Herz­mus­kel aus Stamm­zel­len gezüchtet

US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen For­schern der Uni­ver­si­tät Pitts­burgh ist es gelun­gen, mensch­li­ches Herz­ge­webe, das sich wie ein funk­tio­nie­ren­des Organ zusam­men­zieht, zu züch­ten. Die Zel­len könn­ten in Zukunft genutzt wer­den, um bei einem Infarkt geschä­dig­tes Herz­ge­webe zu erset­zen. Auch das Her­an­züch­ten eines gesam­ten Organs sei denk­bar, noch sei man aber weit davon ent­fernt, erklärte der an der Stu­die betei­ligte For­scher Lei Yang. Für ihr Herz­ge­webe nutz­ten die For­scher aus Haut­zel­len gewon­nene indu­zierte plu­ri­po­tente Stamm­zel­len, um zunächst Vor­läu­fer von Herz­zel­len zu züch­ten. Diese wur­den dann in das Gerüst eines Mäu­se­her­zens – also das Pro­­tein- und Koh­len­hy­d­rat­ge­webe, aus dem die Herz­zel­len der Maus ent­fernt wur­den – ein­ge­setzt. Dort ent­wi­ckel­ten sich die Zel­len zu einem Herz­mus­kel, der nach 20 Tagen Blut­ver­sor­gung begann, sich mit einer Geschwin­dig­keit von 20 bis 50 Schlä­gen pro Minute zusam­men­zu­zie­hen. Nun arbei­ten die For­scher daran, dass sich das Gewebe stark genug zusam­men­zieht, um tat­säch­lich Blut durch den Kör­per zu pum­pen.
APA/​Nature Communications

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /​10.09.2013