24. Gra­zer Fort­bil­dungs­tage: Lau­fen gegen Malignome

10.09.2013 | Medi­zin

Drei- bis vier­mal die Woche min­des­tens 30 Minu­ten Bewe­gung redu­ziert nicht nur das rela­tive Risiko für ein Mali­gnom, son­dern kann die Behand­lung als Sup­por­tiv­the­ra­pie unter­stüt­zen und die Ver­träg­lich­keit einer Che­mo­the­ra­pie erhö­hen. Details dazu gibt es bei den dies­jäh­ri­gen Gra­zer Fort­bil­dungs­ta­gen Anfang Okto­ber.
Von Bar­bara Wakolbinger

Regel­mä­ßige kör­per­li­che Akti­vi­tät kann eine Krebs­be­hand­lung als Sup­por­tiv­the­ra­pie unter­stüt­zen und bei­spiels­weise die Ver­träg­lich­keit einer Che­mo­the­ra­pie deut­lich erhö­hen. Auch das Risiko für ein Rezi­div sinkt nach sechs Jah­ren bis zu sechs Pro­zent. Seine Erfah­run­gen als Lei­ter der Sport­am­bu­lanz der Ber­li­ner Cha­rité Cam­pus Ben­ja­min Fran­k­lin wird Priv. Doz. Fer­nando Dimeo bei den 24. Gra­zer Fort­bil­dungs­ta­gen Anfang Okto­ber im Rah­men des Ple­nums „Sport als The­ra­pie bei Inne­ren Erkran­kun­gen“ vor­stel­len. „Emp­foh­len wird ein Trai­nings­pro­gramm an drei bis vier Tagen die Woche. Das ist völ­lig aus­rei­chend, um diese pro­tek­tive Wir­kung zu errei­chen“, erklärt Dimeo. Dabei ist es kaum von Bedeu­tung, wel­cher Sport aus­ge­übt wird: Schon Rad­fah­ren, Trep­pen stei­gen oder Ein­käufe zu Fuß zu erle­di­gen, kann einen posi­ti­ven Ein­fluss aus­üben. Von zu hoher Inten­si­tät rät der Experte dage­gen eher ab. „Man sollte kei­nen Wet­t­­be­­werbs-Sport betrei­ben. Es sollte gerade so sein, dass man sich dane­ben noch gut unter­hal­ten kann.“

Umfas­sende Behandlungskonzepte

Vor allem Sport als Sup­­por­­tiv-The­ra­­pie wurde lange Zeit unter­schätzt oder sogar für schäd­lich erklärt. Inzwi­schen gehört ein Bewe­gungs­pro­gramm genauso zu einem moder­nen Behand­lungs­kon­zept wie eine Che­mo­the­ra­pie. „Die The­ra­pie wird bes­ser ver­tra­gen und die Pati­en­ten erho­len sich schnel­ler. Auch die Blut­bil­dung wird durch kör­per­li­che Akti­vi­tät ange­regt und die Stim­mung ist bes­ser“, schil­dert Dimeo die Vor­teile eines beglei­ten­den Sport­pro­gramms. Die Idee der Bett­ruhe für Tumor­pa­ti­en­ten ist über­holt. Mit­hilfe von regel­mä­ßi­gem Sport kann auch nach der Behand­lung der anhal­ten­den Fati­gue vor­ge­beugt wer­den. Stu­dien zei­gen, dass regel­mä­ßi­ges Trai­ning vor der Gabe von Doxo­ru­bicin zu einer Sen­kung der Lipidper­oxi­da­tion und einer Zunahme der Kon­zen­tra­tion von Hit­ze­s­chock­pro­te­inen und Caspase‑3 führt. „Dadurch wird die Kar­dio­to­xi­zi­tät deut­lich her­ab­ge­setzt, die Erhal­tung der Links­­­ven­­tri­­kel-Fun­k­­tion und eine höhere Über­le­bens­rate sind die Folge“, erklärt der Sport­me­di­zi­ner. Auch die posi­tive Wir­kung von kör­per­li­cher Akti­vi­tät auf die Rezi­­div-Rate ist belegt: Rund 3.000 Pati­en­tin­nen wur­den nach erfolg­rei­cher Behand­lung bis zu 20 Jahre lang beob­ach­tet. Dabei zeigte sich, dass die Über­le­bens­chan­cen der Pro­ban­din­nen, wenn sie vier bis fünf Stun­den oder mehr pro Woche walk­ten, nach fünf Jah­ren um vier Pro­zent und nach zehn Jah­ren sogar um sechs Pro­zent stie­gen. Aller­dings bedeu­tet eine inten­si­vere Belas­tung nicht immer eine noch bes­sere Über­le­bens­chance. „Bei noch inten­si­ve­rer oder län­ge­rer kör­per­li­chen Akti­vi­tät wurde keine wei­tere Risi­ko­re­duk­tion mehr fest­ge­stellt“, so Dimeo.

Arte­rio­skle­rose, obstruk­tive Lun­gen­er­kran­kun­gen oder Dia­be­tes mel­li­tus: Inak­ti­vi­tät ist einer der Haupt­gründe für viele innere Erkran­kun­gen, betont Univ. Prof. Her­mann Toplak von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Innere Medi­zin der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz. Noch ist regel­mä­ßige Bewe­gung jedoch nur sel­ten in den Behand­lungs­kon­zep­ten inte­griert. Bei glei­chem Kör­per­ge­wicht und glei­cher Sta­tur der Pati­en­ten kön­nen bis zu zehn Kilo­gramm weni­ger Mus­kel­masse vor­han­den sein als bei regel­mä­ßi­ger kör­per­li­cher Bewe­gung. Daher ist nicht in ers­ter Linie das Gewicht Aus­schlag gebend für die medi­zi­ni­sche Beur­tei­lung, son­dern viel­mehr die Kör­per­zu­sam­men­set­zung. „Zusam­men mit einem Test der phy­si­ka­li­schen Fit­ness kann man so meist viel mehr über die Gesund­heit eines Men­schen aus­sa­gen als mit einem EKG“, zeigt sich Toplak über­zeugt und warnt gleich­zei­tig: „Damit ist aber kein Mara­thon­lauf gemeint.“

Der Experte setzt vor allem auf aero­bes Aus­dau­er­trai­ning – also sport­li­che Betä­ti­gung bei einem Puls bis etwa 120. Das ist Gefäß-scho­­nend, es wird kaum Cor­ti­son aus­ge­schüt­tet und lässt etwa das HDL-Cho­­le­s­te­­rin stei­gen. Auch bei Demenz ist der posi­tive Ein­fluss von regel­mä­ßi­ger kör­per­li­cher Bewe­gung inzwi­schen nach­ge­wie­sen. „Sowohl durch geis­tige Beschäf­ti­gung als auch durch regel­mä­ßige kör­per­li­che Bewe­gung kann die Demenz hint­an­ge­hal­ten wer­den“, berich­tet Toplak. Bei­spiele und Stu­dien dazu kom­men etwa aus Japan, wo Trai­ning für ältere und alte Men­schen schon heute auf der Tages­ord­nung steht. „Man muss Sport ein­fach als Medi­ka­ment begrei­fen – mit lipid­sen­ken­den, anti­hy­per­ten­si­ven, posi­tiv ino­tro­pen, nega­tiv chro­no­tro­pen, vaso­dila­tie­ren­den, diure­ti­sie­ren­den, appe­tit­hem­men­den, gewichts­re­du­zie­ren­den, ver­dau­ungs­an­re­gen­den, blut­zu­cker­sen­ken­den, beru­hi­gen­den, schlaf­för­dern­den
und nicht zuletzt anti­de­pres­si­ven Eigen­schaf­ten“, fasst Toplak zusammen.

24. Gra­zer Fortbildungstage

Wann: 7. bis 12. Okto­ber 2013
Wo: Graz
Ver­an­stal­ter: Ärz­te­kam­mer für Steiermark

Infor­ma­tion und Anmel­dung unter:
www.grazerfortbildungstage.at

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /​10.09.2013