neu & aktu­ell: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

10.06.2012 | Politik


Süd­ko­rea: rie­si­ger Versicherungsbetrug

Nach dem größ­ten Ver­si­che­rungs­be­trug in der Geschichte des Lan­des ermit­teln Finanz­kon­trol­leure in Süd­ko­rea gegen mehr als 1.300 Men­schen, dar­un­ter knapp 900 Frauen, aus der süd­li­chen Pro­vinz Gye­ong­sang. Sie sol­len Krank­hei­ten vor­ge­täuscht oder über­trie­ben haben, um Zah­lun­gen zu erhal­ten. Der Scha­den beträgt rund 6,4 Mil­lio­nen Euro. Auch drei Kran­ken­häu­ser sind involviert.

USA: Exper­ten für Zulas­sung von HIV-Heimtest

Ein US-ame­ri­ka­ni­sches Exper­ten­gre­mium hat die Zulas­sung des frei ver­käuf­li­chen HIV-Selbst­tests OraQuick gefor­dert, der nach einem Abstrich der Mund­schleim­haut in 20 Minu­ten ein Ergeb­nis lie­fert. Eine Stu­die mit 5.700 Teil­neh­mern ergab eine Tref­fer­quote von 93 Pro­zent bei posi­ti­ven Ergeb­nis­sen und 99,8 Pro­zent bei nega­ti­ven Resul­ta­ten. Die Emp­feh­lung der Exper­ten ist nicht bin­dend. 

China: Skan­dal um fal­sche Schweine-Ohren

Im Osten Chi­nas haben Händ­ler auf einem Markt statt ech­ten als Deli­ka­tesse gel­ten­den Schweine-Ohren Pro­dukte aus Gela­tine und dem Sei­fen­zu­satz Natri­u­m­o­leat ver­kauft. Der Betrug flog auf, nach­dem sich einige Kon­su­men­ten über den üblen Geruch bei der Zube­rei­tung beschwert hat­ten. In China gibt es immer wie­der Lebens­mit­tel-Skan­dale; zuletzt wurde Mela­min dem Milch­pul­ver bei­gemischt. 

Tür­kei: Tote durch Krim-Kongo-Fieber

Fünf Men­schen aus der Schwarz­meer­re­gion sind an dem von Zecken über­tra­ge­nen Krim-Kongo-Fie­ber gestor­ben. Die Krank­heit, bei der innere Blu­tun­gen auf­tre­ten, ist dort erst­mals 2002 und in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr­fach im Früh­ling aus­ge­bro­chen. Das Fie­ber, für das es kei­nen Impf­schutz gibt, ist in vie­len Län­dern Afri­kas, Euro­pas und Asi­ens ver­brei­tet, vor allem im Kosovo, Alba­nien und dem Iran. 

Ober­ös­ter­reich: Peter Nie­der­mo­ser wie­der­ge­wählt

In der Voll­ver­samm­lung am 21. Mai wurde Peter Nie­der­mo­ser für die Funk­ti­ons­pe­ri­ode bis 2017 als Prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer Ober­ös­ter­reich bestä­tigt. Als Vize­prä­si­dent wurde Klaus Hasl­wan­ter wie­der­ge­wählt. Bestä­tigt wur­den auch Tho­mas Fid­ler als Kuri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte und Harald Mayer als Kuri­en­ob­mann der ange­stell­ten Ärzte.

EU schränkt gesund­heits­be­zo­gene Wer­bung ein

Mit einer Liste von 222 erlaub­ten Anga­ben hat die EU-Kom­mis­sion gesund­heits­be­zo­gene Wer­bung stark ein­ge­schränkt. Die Euro­päi­sche Lebens­mit­tel­agen­tur EFSA hat die gesund­heits­be­zo­ge­nen Wer­bun­gen über­prüft und nur jene zuge­las­sen, die wis­sen­schaft­lich fun­diert sind. Bei den Tests ist etwa die Behaup­tung, soge­nann­tes pro­bio­ti­sches Joghurt stärke das Immun­sys­tem, durch­ge­fal­len. Her­stel­ler dür­fen die nicht zuge­las­se­nen Slo­gans nach einer Über­gangs­frist von sechs Mona­ten nicht mehr ver­wen­den. Das Ver­bot müs­sen die natio­na­len Behör­den durch­set­zen. Die Her­stel­ler kön­nen jedoch eine neu­er­li­che Über­prü­fung von strit­ti­gen Slo­gans bean­tra­gen; die Liste wird lau­fend aktua­li­siert. Zu Beginn des Ver­fah­rens im Jahr 2008 lagen 44.000 Anträge auf Zulas­sung vor. Die Exper­ten lehn­ten letzt­lich einen Groß­teil ab; einige Anga­ben ste­hen noch auf dem Prüf­stand. Die Liste ist im Inter­net unter http://ec.europa.eu/food/food/labellingnutrition/claims/index_en.htm zugäng­lich.

Ita­lien ver­bie­tet Brust-Implan­tate bei Minderjährigen

In Ita­lien sind Brust­ver­grö­ße­run­gen bei Min­der­jäh­ri­gen ver­bo­ten. Das kürz­lich ver­ab­schie­dete Gesetz sieht bei Ver­stoß eine Strafe von 20.000 Euro und drei Monate Berufs­sperre für die Chir­ur­gen vor. Nur Ein­griffe, die nicht unter die Schön­heits­chir­ur­gie fal­len wie etwa bei schwe­ren Miss­bil­dun­gen sind davon aus­ge­schlos­sen. Außer­dem sol­len künf­tig jeder Ein­griff und der Typ des Implan­tats in einem Regis­ter gespei­chert wer­den. Der Geset­zes­ent­wurf war dem Par­la­ment schon 2010 vor­ge­legt wor­den. Nach dem Skan­dal um die Bil­lig-Implan­tate der Firma PIP wollte der Senat den Ent­wurf jedoch nach­bes­sern und die Stra­fen erhö­hen. Jähr­lich wer­den in Ita­lien etwa 85.000 Implan­tate ein­ge­setzt; 70 Pro­zent davon bei Schön­heits­ope­ra­tio­nen. 

Gesund­heits­re­form: Abschluss noch vor Sommer?

Die Ver­hand­lun­gen zur Gesund­heits­re­form könn­ten noch vor dem Som­mer abge­schlos­sen wer­den, hieß es nach der letz­ten Sit­zung der poli­ti­schen Steue­rungs­gruppe Ende Mai. Inhalt­li­ches wurde nicht bekannt gege­ben; nur soviel: Man habe offene Punkte geklärt. Ein wei­te­res Tref­fen Mitte Juni soll dann der finale Ter­min sein. Die Steue­rungs­gruppe hat sich in den bis­he­ri­gen Ver­hand­lun­gen auf eine gemein­same Pla­nung und Steue­rung sowie auf die gemein­same Ver­wal­tung der Gel­der von Bund, Län­dern und Gemein­den sowie der Sozi­al­ver­si­che­rung in einem „vir­tu­el­len Topf“ ver­stän­digt. Außer­dem sind künf­tig Aus­ga­ben-Ober­gren­zen und ver­bind­li­che Aus­ga­ben­pfade für die ein­zel­nen Berei­che – nie­der­ge­las­sene Ärzte, Ambu­lan­zen, sta­tio­nä­rer Bereich – sowie Sank­ti­ons­me­cha­nis­men vor­ge­se­hen. 

Kran­ken­kas­sen: 291 Mil­lio­nen Euro Über­schuss

Die Kran­ken­kas­sen haben im Jahr 2011 einen Über­schuss von 291 Mil­lio­nen Euro erwirt­schaf­tet. Damit ist der Gewinn zwar gerin­ger als 2010 (362 Mil­lio­nen Euro), liegt aber über den im Februar pro­gnos­ti­zier­ten 240 Mil­lio­nen Euro. Erst­mals haben alle Kas­sen aus­ge­gli­chen oder posi­tiv bilan­ziert. Mit einem Plus von 4,2 Pro­zent (30,2 Mil­lio­nen Euro) erzielte die Kärnt­ner GKK den höchs­ten Über­schuss aller Gebiets­kran­ken­kas­sen, gefolgt von der stei­ri­schen GKK mit plus 3,3 Pro­zent (48,6 Mil­lio­nen Euro) und der ober­ös­ter­rei­chi­schen GKK mit plus 2,2 Pro­zent (20,8 Mil­lio­nen Euro). Auch in Salz­burg (9,4 Mil­lio­nen Euro) und Nie­der­ös­ter­reich (24,9 Mil­lio­nen Euro) gab es ein Plus von je 1,3 Pro­zent. Die Wie­ner GKK war mit plus 0,3 Pro­zent (9,2 Mil­lio­nen Euro) knapp posi­tiv, Tirol und Vor­arl­berg bilan­zier­ten aus­ge­gli­chen. Bei den Berufs­kran­ken­kas­sen bilan­zierte die BVA (Ver­si­che­rungs­an­stalt öffent­lich Bediens­te­ter) mit einem Plus von 82 Mil­lio­nen Euro am bes­ten. Für heuer wurde die Pro­gnose von 66 Mil­lio­nen Euro Über­schuss auf 24 Mil­lio­nen Euro ver­rin­gert; dabei sind die Mit­tel aus dem Struk­tur­fonds von 40 Mil­lio­nen Euro bereits berück­sich­tigt. Mit den Über­schüs­sen aus 2011 soll „der noch immer vor­han­dene Schul­den­berg“ von der­zeit rund 280 Mil­lio­nen Euro wei­ter getilgt wer­den, so Haupt­ver­bands-
Vor­sit­zen­der Hans Jörg Schelling.

Rei­se­pass: medi­zi­ni­sche Implan­tate eintragen

Das Gesund­heits­mi­nis­te­rium infor­miert dar­über, dass auf Antrag des Pas­s­in­ha­bers die Ein­tra­gung von medi­zi­ni­schen Implan­ta­ten in gül­tige Rei­se­pässe mög­lich ist. 

Mala­ria-Prä­pa­rate oft mangelhaft

Zwi­schen 20 und 42 Pro­zent der Mala­ria-Prä­pa­rate, die in Län­dern in Süd­ost­asien und Afrika getes­tet wur­den, waren gefälscht oder von schlech­ter Qua­li­tät, war­nen For­scher um Gaurvika Nay­yar von den Natio­nal Insti­tu­tes of Health (NIH) in den USA. Ein Drit­tel der 1.437 in öffent­li­chen Apo­the­ken und pri­va­ten Läden gekauf­ten Pro­ben in sie­ben asia­ti­schen Län­dern bestand die che­mi­sche Qua­li­täts­prü­fung nicht; die Hälfte war schlecht ver­packt und
ein Drit­tel gefälscht. Auch von den 2.634 Pro­ben aus 21 afri­ka­ni­schen Län­dern süd­lich der Sahara bestand ein Drit­tel die Prü­fung nicht; 20 Pro­zent waren gefälscht. Ver­läss­li­che Zah­len gibt es aller­dings nicht. Resis­ten­zen durch die Ein­nahme von man­gel­haf­ten Medi­ka­men­ten wie zuletzt in der Grenz­re­gion zwi­schen Thai­land und Kam­bo­dscha gegen Prä­pa­rate mit dem Wirk­stoff Artemi­s­i­nin gefähr­den den Erfolg im Kampf gegen Mala­ria. Obwohl die Ster­be­rate seit 2000 welt­weit um mehr als ein Vier­tel gesun­ken ist, star­ben laut WHO (Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion) 2010 ins­ge­samt 655.000 Men­schen an der Tro­pen­krank­heit. 

Deutsch­land: 250.000 Jugend­li­che Internet-abhängig

Rund 250.000 Jugend­li­che zwi­schen 14 und 24 Jah­ren in Deutsch­land sind Inter­net-abhän­gig, wie der Dro­gen- und Sucht­be­richt der deut­schen Regie­rung ergab. Ein pro­ble­ma­ti­sches Nut­zungs­ver­hal­ten zei­gen sogar rund 1,4 Mil­lio­nen Jugend­li­che. In der Gruppe der 14- bis 64-Jäh­ri­gen gel­ten rund 560.000 Men­schen als Inter­net-abhän­gig. Außer­dem kon­su­mie­ren knapp 40 Pro­zent der 18- bis 25-Jäh­ri­gen regel­mä­ßig – min­des­tens ein­mal pro Woche – Alko­hol. Bei den Zwölf bis 17-Jäh­ri­gen ist der Anteil von 17,9 Pro­zent (2001) auf 14,2 Pro­zent im Jahr 2011 gesun­ken. Auch der Tabak­kon­sum die­ser Alters­gruppe ist mit 11,7 Pro­zent auf einem neuen Tief­stand. Ins­ge­samt rau­chen in Deutsch­land 14,7 Mil­lio­nen Men­schen ab 15 Jah­ren. Jeder vierte zwi­schen 18 und 64 Jah­ren hat bereits Erfah­run­gen mit ille­ga­len Dro­gen, die Mehr­heit mit Can­na­bis.

Todes­fälle in der Schwan­ger­schaft welt­weit halbiert

Die Zahl der Todes­fälle wäh­rend der Schwan­ger­schaft oder bei der Geburt hat sich in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren welt­weit fast hal­biert. Im Ver­gleich zu 1990, als noch 543.000 Frauen in der Schwan­ger­schaft star­ben, waren es 2010 nur noch 287.000. Den­noch stirbt nach Anga­ben des Bevöl­ke­rungs­pro­gramms der Ver­ein­ten Natio­nen (UNFPA) immer noch fast alle zwei Minu­ten eine Frau im Kind­bett. Vor allem in asia­ti­schen Län­dern hat die Zahl der Todes­fälle stark abge­nom­men; in Schwarz­afrika hin­ge­gen gibt es nur wenig Erfolge. 99 Pro­zent der Todes­fälle, die vor­wie­gend durch Infek­tio­nen, schwere Blu­tun­gen und schlecht aus­ge­führte Abtrei­bun­gen ver­ur­sacht wer­den, kom­men in Ent­wick­lungs­län­dern vor.

Kli­ni­sche For­schung: Öster­reich an Spitzenposition

In der kli­ni­schen For­schung belegt Öster­reich inter­na­tio­nal eine Spit­zen­po­si­tion und liegt damit deut­lich über dem EUDurch­schnitt, wie eine Ana­lyse der Wis­sen­schafts-Web­site „Sci­ence Watch“ ergab. Von 2005 bis 2010 hat sich die Anzahl der Zitie­run­gen von öster­rei­chi­schen Publi­ka­tio­nen mehr als ver­dop­pelt und ist Ende 2011 auf einem Top-Niveau. „Immer­hin wird ein Drit­tel aller kli­ni­schen For­schungs­vor­ha­ben in Öster­reich an der Med­Uni in Wien abge­wi­ckelt“, erklärte der Lei­ter des Koor­di­na­ti­ons­zen­trums für Kli­ni­sche Stu­dien, Johan­nes Plei­ner-Dux­neu­ner. Den­noch sei die Akzep­tanz der kli­ni­schen
For­schung hier­zu­lande im inter­na­tio­na­len Ver­gleich gering.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 11 /​10.06.2012