Kom­men­tar – Vize-Präs. Karl Forst­ner: Inter­pro­fes­sio­na­li­tät auf dem Vormarsch?

25.09.2012 | Poli­tik

Die Luft­tem­pe­ra­tur in Wien wies sub­fe­brile Werte auf und der Aus­blick über die Stadt war groß­ar­tig. Dies waren die äuße­ren Bedin­gun­gen einer Ver­an­stal­tung des Haupt­ver­ban­des in die­sem Sommer.

Inhalt­lich ging es bei die­ser Ver­an­stal­tung um die Bezie­hun­gen und Schnitt­stel­len zwi­schen Bil­dungs­be­reich und Gesund­heits­we­sen vor dem Hin­ter­grund zuneh­mend ver­netz­ter Struk­tu­ren und ver­schwim­men­der Gren­zen tra­di­tio­nel­ler Arbeits­wel­ten. Es sollte bei die­ser Ver­an­stal­tung der Frage nach­ge­gan­gen wer­den, wel­che Ver­än­de­run­gen in der Bil­dungs­stra­te­gie allen­falls erfor­der­lich sind, um dem Bedarf des Gesund­heits­sys­tems nach qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal auch künf­tig ent­spre­chen zu können.

Und warum sollte das Ärzte und Ärz­tin­nen inter­es­sie­ren, außer viel­leicht jene, die an Uni­ver­si­tä­ten leh­ren? Ganz ein­fach, weil die hier vor­ge­stell­ten Über­le­gun­gen zum Bil­dungs­be­reich bei ihrer Umset­zung sub­stan­ti­ell in Orga­ni­sa­tion und Struk­tur des Gesund­heits­we­sens ein­grei­fen wür­den – oder anders gesagt: Der Bil­dungs­be­reich wird zum Hebel für Ver­än­de­run­gen im Gesund­heits­sys­tem. Inter­pro­fes­sio­na­li­tät, Auf­lö­sung der gewach­se­nen Gren­zen zwi­schen Berufs­grup­pen oder das Infra­ge­stel­len hier­ar­chi­scher Struk­tu­ren sind nur einige der Schlag­worte und Ziel­set­zun­gen die­ser Diskussion.

Die öster­rei­chi­sche Ärz­te­schaft wäre aber schlecht bera­ten, sich die­sem Dia­log zu ver­wei­gern. Einer­seits, weil zur Kennt­nis zu neh­men ist, dass sich Ansprü­che tat­säch­lich ver­än­dern und ande­rer­seits weil diese Dis­kus­sion auf bil­­dungs- und gesund­heits­po­li­ti­scher Ebene in den deutsch­spra­chi­gen Län­dern längst inten­siv in Gang ist. Eine Betei­li­gung an die­sem Dia­log ist aber auch des­halb nötig, um jenen ent­ge­gen­tre­ten zu kön­nen, die hier ihre Chance sehen, aus der Medi­zin Rand­be­rei­che her­aus­zu­bre­chen. Die Lust nach Zuge­winn an Auf­ga­ben, nach Bedeu­­tungs- und Macht­zu­wachs ist hier ebenso klar zu erken­nen wie der Man­gel an Kon­zep­ten, dafür im Gegen­zug ver­mehrt Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Die­ses „Pri­vi­leg“ bliebe wohl Ärz­ten und Ärz­tin­nen vorbehalten.

Sol­che Ent­wick­lun­gen sind natür­lich weder für die Ärz­te­schaft akzep­ta­bel noch bedeu­te­ten sie für Pati­en­ten einen wün­schens­wer­ten Zustand. Umso mehr dür­fen wir bei die­sem Thema nicht abseits stehen.

* Dr. Karl Forst­ner ist 1. Vize-Prä­­si­­dent der ÖÄK

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /​25.09.2012