neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.05.2012 | Medizin


USA: mehr Opi­at­ab­hän­gige Neugeborene

In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren hat sich die Zahl der Schmerz­mit­tel-abhän­gi­gen Neu­ge­bo­re­nen in den USA ver­drei­facht: Von 2000 bis 2009 ist die Rate von 1,2 Fäl­len je 1.000 Gebur­ten auf 3,9 Fälle gestie­gen. In die­sem Zeit­raum hat sich der Schmerz­mit­tel-Miss­brauch durch Schwan­gere ver­fünf­facht. Laut dem Bericht wür­den die Medi­ka­mente zu häu­fig ver­schrie­ben und ille­gal ver­kauft.
APA/​JAMA

Neues Gerät macht Atmen sichtbar

An der Uni­ver­si­täts­kli­nik Graz kön­nen – erst­mals in Öster­reich – mit Hilfe der elek­tri­schen Impe­danz­to­mo­gra­fie in Echt­zeit Schicht­bil­der der arbei­ten­den Lunge erstellt wer­den. Das Gerät nutzt den phy­si­ka­li­schen Effekt, dass sich mit dem Luft­ge­halt im Brust­korb der elek­tri­sche Wider­stand im Kör­per ver­än­dert. Die nicht-inva­sive Über­wa­chung soll vor allem zur Opti­mie­rung der Beatmung bei Kin­dern bei­tra­gen.
APA

Menin­gi­tis B‑Impfstoff in Sicht

Kli­ni­sche Tests an Jugend­li­chen in Aus­tra­lien, Polen und Spa­nien zei­gen, dass ein neu ent­wi­ckel­ter Impf­stoff ohne schwere Neben­wir­kun­gen zu einer Immu­ni­tät gegen Menin­go­kok­ken des Typs B führt. 80 bis 100 Pro­zent der Test­per­so­nen zeig­ten eine Immun­ant­wort. Häu­figste Neben­wir­kung ist ein leich­ter Schmerz an der Injek­ti­ons­stelle. In wei­ter­en­Tests soll die Dauer der Immu­ni­tät ermit­telt wer­den.
APA/​The Lan­cet Infec­tious Dise­a­ses

Pso­ria­sis: Mecha­nis­mus entdeckt

For­scher aus Zürich und Ber­lin stell­ten fest, dass Zel­len der ange­bo­re­nen Immun­ant­wort die Haut­ent­zün­dung ver­ur­sa­chen. Bis­her ging man davon aus, dass spe­zi­elle T‑Helferzellen irr­tüm­lich eine Immun­ab­wehr aus­lö­sen. Bei Mäu­sen mit Schup­pen­flechte pro­du­zier­ten aber die Zel­len „Ror-Gamma“ und „Gamma-Delta“ Boten­stoffe, die die Krank­heit aus­lö­sen. Diese Erkennt­nis könnte für neue The­ra­pien hilf­reich sein.
APA/​Journal of Cli­ni­cal Inves­ti­ga­tion

Schi­zo­phre­nie: Medi­ka­mente am effektivsten

Im Hin­blick auf die Rück­fall­quote und die Not­wen­dig­keit einer Spi­tals­auf­nahme ist die Behand­lung mit Medi­ka­men­ten für schi­zo­phrene Pati­en­ten die beste The­ra­pie­form. Das stellte Ste­fan Leucht von der Kli­nik für Psych­ia­trie des Kli­ni­kums rechts der Isar der TU Mün­chen in einer Meta-Ana­lyse über 65 kli­ni­sche Stu­dien mit mehr als 6.000 Pati­en­ten aus den Jah­ren 1959 bis 2011 fest. Die Rück­fall­quote inner­halb eines Jah­res nach Krank­heits­be­ginn kann durch Anti­psy­cho­tika auf 27 Pro­zent gesenkt wer­den; die Auf­nah­me­rate in ein Kran­ken­haus betrug zehn Pro­zent. Hin­ge­gen kam es bei 64 Pro­zent der mit Pla­ce­bos behan­del­ten Pati­en­ten zum Auf­tre­ten von neu­er­li­chen Sym­pto­men; 26 Pro­zent muss­ten sta­tio­när auf­ge­nom­men wer­den. Die Autoren fol­gern aus den Ergeb­nis­sen, dass dies offen­bar für die gesamte Zeit der Anti­psy­cho­tika-Gabe gilt.
APA/​The Lan­cet

Hang zu Dro­gen­miss­brauch: Hin­weise im Gehirn erkennbar

Ob Jugend­li­che einen Hang zu Dro­gen­miss­brauch haben, lässt sich laut einer Stu­die der Uni­ver­sity of Ver­mont (USA) an der ver­min­der­ten Akti­vi­tät in einem neu­ro­na­len Netz­werk, zu dem der orbito­fron­tale Cor­tex gehört, erken­nen. Diese ist mit der Expe­ri­men­tier­freu­dig­keit bei Alko­hol, Ziga­ret­ten und ille­ga­len Dro­gen asso­zi­iert und macht Jugend­li­che impul­si­ver. Die For­scher fer­tig­ten knapp 1.900 Auf­nah­men mit funk­tio­nel­ler MRT von 14-Jäh­ri­gen an. Diese muss­ten bei einem Test einen Knopf drü­cken; in eini­gen Fäl­len in letz­ter Sekunde, was Men­schen mit einer guten Impuls­kon­trolle bes­ser gelingt. Es konnte auch gezeigt wer­den, dass bei ADHS – anders als bis­her ange­nom­men – andere Netz­werke invol­viert sind. Der Hang zum Dro­gen­kon­sum und ADHS läuft – trotz man­geln­der Impuls­kon­trolle bei bei­den – über ver­schie­dene Steu­er­kreise. ADHS sei somit auch nicht unbe­dingt ein Zei­chen dafür, dass ein Kind ein höhe­res Risiko hat, Dro­gen aus­zu­pro­bie­ren. Der orbito­fron­tale Cor­tex wird schon lange mit man­geln­der Impuls­kon­trolle und Dro­gen­miss­brauchs­ver­hal­ten in Ver­bin­dung gebracht; zahl­rei­che Stu­dien bele­gen dies auch.
APA/​Nature Neu­ro­sci­ence

Künf­tig medi­ka­men­töse The­ra­pie für Adipositas?

Ein For­scher­team um Flo­rian Kie­fer an der Har­vard Medi­cal School in Bos­ton (USA) ent­deckte, dass das bei Adi­po­si­tas deut­lich erhöhte Enzym Reti­nyl­al­de­hyd-Dehy­dro­ge­nase 1 des Vit­amin A‑Stoffwechsels den Ener­gie­haus­halt im wei­ßen Kör­per­fett steu­ert. Den Wis­sen­schaf­tern gelang es, das Gen für diese Iso­form bei Mäu­sen aus­zu­schal­ten. Dadurch häuft sich in den Zel­len die Vit­amin A‑Vorstufe Reti­nyl­al­de­hyd an, das Pro­tein Ucp1 (uncou­pling pro­tein 1) wird akti­viert und der Fett­zell-Stoff­wech­sel stellt von Ener­gie­spei­che­rung (wei­ßes Fett) auf Ener­gie­ver­bren­nung (brau­nes Fett) um. Die Folge: Die Mäuse wer­den trotz hoch­ka­lo­ri­scher Nah­rung nicht dick. Über­dies konnte gezeigt wer­den, dass dies auch bei mensch­li­chen Fett­zel­len funk­tio­niert. Durch Injek­tion eines Anti­sense Oli­go­nu­kleo­tid gegen Reti­nyl­al­de­hyd-Dehy­dro­ge­nase 1a1, das die Pro­duk­tion des Enzyms aus­schließ­lich im Fett blo­ckiert, kann man außer­dem eine wei­tere Gewichts­zu­nahme stop­pen, so Kie­fer. Die Ergeb­nisse sol­len für die Ent­wick­lung von Medi­ka­men­ten bei Adi­po­si­tas genutzt wer­den.
APA/​Nature Medi­cine

Trai­nings­pro­gramm für Depres­sive im Test

Sport­wis­sen­schaf­ter der Uni­ver­si­tät Mar­burg und Psych­ia­ter der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Psych­ia­trie, Sozi­al­psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie Han­no­ver ent­wi­ckel­ten ein Trai­nings­pro­gramm für Depres­sive, das nun eva­lu­iert wird. 50 Pati­en­ten neh­men am Pro­gramm „Aktiv aus dem Stim­mungs­tief“ teil. Sie tref­fen sich drei­mal pro Woche zu Ein­hei­ten à 45 bis 60 Minu­ten, um sich bei Wal­king, leich­tem Lauf­trai­ning und spie­le­ri­schen Übun­gen kör­per­lich zu betä­ti­gen. Das Pro­gramm ist für Sport­ver­eine kon­zi­piert, rich­tet sich aber spe­zi­ell an Depres­sive, da bei die­sen beim regu­lä­ren Ver­eins­trai­ning Über­for­de­rung auf­tre­ten kann. Kon­troll­gruppe sind Gesunde der Poli­zei Würz­burg, die das Trai­ning eben­falls absol­vie­ren. Bis­her gäbe es viel zu wenig spe­zi­fi­sche Sport- und Bewe­gungs­the­ra­pien, obwohl Bewe­gung bei Depres­sio­nen helfe, so Marc Zie­gen­bein von der Han­no­ve­ra­ner Uni­kli­nik.
APA

Schlech­te­rer Tast­sinn bei Hörbeeinträchtigung

Eine For­scher­gruppe des Ber­li­ner Max-Del­brück Cen­trum für Mole­ku­lare Medi­zin fand her­aus, dass Men­schen mit Hör­pro­ble­men auf­grund einer gemein­sa­men gene­ti­schen Basis oft auch einen schlech­te­ren Tast­sinn haben. Eine Gen-Ver­än­de­rung beein­flusst beide Sinne. Eine Stu­die an 100 Zwil­lings­paa­ren zeigte, dass die Tast­fä­hig­keit zu mehr als 50 Pro­zent gene­tisch bedingt ist. In einer zwei­ten Unter­su­chung wurde fest­ge­stellt, dass bei auf­fäl­lig vie­len Hör­be­hin­der­ten der Tast­sinn nur schwach aus­ge­prägt war. Die Wis­sen­schaf­ter kon­zen­trier­ten sich auf Pati­en­ten mit dem Usher-Syn­drom, einer ver­erb­ten Form von Schwer­hö­rig­keit, für das neun aus­lö­sende Gene bekannt sind. Nur Pati­en­ten mit einer Ver­än­de­rung des Gens USH2A hat­ten auch einen schlech­te­ren Tast­sinn. Ins­ge­samt wur­den 518 Per­so­nen unter­sucht, davon 295 Frauen. Frauen hör­ten bes­ser als Män­ner und ver­füg­ten über einen bes­se­ren Tast­sinn. Die Ergeb­nisse sol­len genutzt wer­den, um die Funk­ti­ons­weise des Tast­sinns bes­ser zu ver­ste­hen und ihn even­tu­ell mit che­mi­schen Sub­stan­zen wie bei­spiels­weise in Haut­cremes zu beein­flus­sen.
APA/​PLoS Bio­logy

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 10 /​25.05.2012