neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.01.2012 | Medizin

Mala­ria: ver­ein­fachte Therapie

Anstelle des bis­he­ri­gen Sche­mas (fünf Mal täg­lich für drei Tage) ver­ab­reich­ten Tübin­ger Wis­sen­schaf­ter 171 Kin­dern Artes­u­nat nun drei­mal täg­lich über zwei Tage, dafür jedoch in einer höhe­ren Dosis – mit glei­chem Behand­lungs­er­folg. Mit die­ser ver­kürz­ten Behand­lung könn­ten die Kos­ten für eine Mala­ria-The­ra­pie in den Ent­wick­lungs­län­dern um rund 40 Pro­zent ver­rin­gert wer­den.
APA/​Journal of Infec­tious Dise­a­ses


Diät stei­gert Kognition

Eine kalo­rien­arme Ernäh­rung regt das Pro­te­in­mo­le­kül CREB1 an, das Gene akti­viert, die für ein lan­ges Leben und eine gute Gehirn­funk­tion zustän­dig sind. Im Ver­such erhiel­ten Mäuse nur 70 Pro­zent der her­kömm­li­chen Menge ihrer Nah­rung, wodurch CREB1 ange­regt wurde. Bei Mäu­sen, die ohne CREB1 gezüch­tet wur­den, zeigte sich unter Diät keine Ver­bes­se­rung der kogni­ti­ven Fähig­kei­ten.
APA/​Proceedings of the Natio­nal Aca­demy of Sci­en­ces

Lun­gen-CA: Mecha­nis­mus entdeckt

Inter­leu­kin 17A – ein Pro­tein des Immun­sys­tems, das über ein wei­te­res Pro­tein und Leu­ko­zy­ten regu­liert wird – för­dert das Tumor­wachs­tum in der Lunge. Ist der Pro­tein-Spie­gel zu nied­rig, kann der Kör­per die Pro­duk­tion von Inter­leu­kin 17A nicht mehr steu­ern; dadurch wird das Tumor­wachs­tum geför­dert. Durch die Gabe von Anti­kör­pern kann die Ket­ten­re­ak­tion aller­dings unter­bro­chen wer­den.
APA


Höhe­res MCI-Risiko bei Trauernden

Am Todes­tag eines gelieb­ten Men­schen ist das Risiko für einen Herz­in­farkt um das 21-Fache höher als die nor­male Infarkt-Wahr­schein­lich­keit. Wäh­rend der ers­ten Woche der Trau­er­zeit ist das Risiko sechs Mal höher und geht im Lauf eines Monats lang­sam zurück. Wis­sen­schaf­ter der Har­vard Medi­cal School und der School of Public Health in Bos­ton haben dafür 2.000 Herz­in­farkt­pa­ti­en­ten unter­sucht.
APA/​Circulation

Bereits ab 45: intel­lek­tu­elle Fähig­kei­ten neh­men ab

Die intel­lek­tu­el­len Fähig­kei­ten las­sen nicht wie bis­her ange­nom­men ab 60, son­dern bereits ab 45 Jah­ren nach. Das zeigt eine Stu­die des Uni­ver­sity Col­lege Lon­don und des fran­zö­si­schen Inserm-Insti­tuts. Dafür wur­den mehr als 7.000 Frauen und Män­ner zwi­schen 45 und 70 Jah­ren inner­halb von zehn Jah­ren ins­ge­samt drei­mal im Hin­blick auf ihr Erin­ne­rungs­ver­mö­gen, den Wort­schatz, das logi­sche Den­ken und den sprach­li­chen Aus­druck getes­tet. Bei Frauen und Män­nern zwi­schen 45 und 49 ging die intel­lek­tu­elle Leis­tungs­fä­hig­keit glei­cher­ma­ßen um 3,6 Pro­zent zurück. Bei Män­nern zwi­schen 65 und 70 Jah­ren wurde eine Abnahme von 9,6 Pro­zent ver­zeich­net; bei den Frauen hin­ge­gen nur 7,4 Pro­zent. Die Fähig­keit zu den­ken und zu ver­ste­hen, ver­rin­gere sich laut den Exper­ten bereits im mitt­le­ren Alter und nehme dann immer schnel­ler ab.
APA/​British Medi­cal Jour­nal


Miss­hand­lung akti­viert Angstzentrum

Erwach­sene, die als Kind miss­han­delt wer­den, haben selbst Jahr­zehnte danach eine erhöhte Akti­vi­tät der Amyg­dala, wie For­scher der Uni­ver­si­tät Müns­ter her­aus­ge­fun­den haben. Zunächst befrag­ten sie 148 psy­chisch gesunde Erwach­sene mit Hilfe eines Fra­ge­bo­gens, ob sie als Kind miss­han­delt wur­den. Danach zeig­ten sie den Pro­ban­den Fotos von wüten­den oder furcht­vol­len Gesich­tern; gleich­zei­tig wurde die Akti­vi­tät in der Amyg­dala, dem Angst­zen­trum, gemes­sen. Ergeb­nis: Die­ses war bei miss­han­del­ten Per­so­nen viel deut­li­cher akti­viert als bei nicht miss­han­del­ten. „Die Betrof­fe­nen fürch­ten sich schnel­ler, haben einen stär­ke­ren Schreck­re­flex, haben Angst vor Nähe zu ande­ren Men­schen und sind im All­tag ängst­li­cher als andere Men­schen“, so Stu­di­en­au­tor Udo Dann­low­ski. Die­ser Zusam­me­hang zwi­schen der hyper­sen­si­blen Amyg­dala und Kin­des­miss­hand­lung wurde sei­nen Aus­sa­gen zufolge bei gesun­den Men­schen noch nie nach­ge­wie­sen. Wei­ters waren bei den miss­han­del­ten Per­so­nen bestimmte Gehirn­re­gio­nen klei­ner, dar­un­ter der Hip­po­cam­pus (Lern­zen­trum) und der Stirn­lap­pen, der das Angst­zen­trum kon­trol­liert.
APA/​Biological Psychiatry

Brust­krebs durch Deodorants?

Das in Deodo­rants ent­hal­tene Alu­mi­ni­um­chlo­rid kann Brust­zel­len schä­di­gen – das konnte ein Gen­fer Team um den Bio­lo­gen Ste­fano Man­driota und den Seno­lo­gen André-Pas­cal Sap­pino nach­wei­sen. Für ihre Unter­su­chun­gen kul­ti­vier­ten die Wis­sen­schaf­ter Modelle von mensch­li­chen Brust­zel­len, auf die dann Alu­mi­ni­um­chlo­rid ein­wirkte. Die Dosis war dabei 1.500 bis 100.000-mal gerin­ger als in her­kömm­li­chen Deodo­rants. Einige Wochen spä­ter konn­ten die For­scher die Schä­di­gung der Zel­len fest­stel­len: Alu­mi­ni­um­chlo­rid ver­ur­sachte in den Zel­len Ver­än­de­run­gen, das in den ers­ten Pha­sen einer tumor­ar­ti­gen Ver­än­de­rung regis­triert wird. Wei­ters kam es zu einer erhöh­ten Zahl an Dop­pel­strang­brü­chen. Wie die Wis­sen­schaf­ter mit­teil­ten, rei­che die Stu­die zwar nicht, um nach­zu­wei­sen, dass Alu­mi­ni­um­chlo­rid Brust­krebs aus­löst; aller­dings sei sie ein wis­sen­schaft­li­cher Beweis dafür, dass es für Brust­zel­len schäd­lich sei.
APA/​Journal of App­lied Toxi­co­logy

Mus­kel­er­mü­dung ent­steht auch im Kopf

Der insu­läre Kor­tex, der die moto­ri­sche Akti­vi­tät regelt, ist für die Dros­se­lung der Mus­kel­ak­ti­vi­tät bei einer ermü­den­den Aus­dau­er­sport-Leis­tung ver­ant­wort­lich. Pro­ban­den muss­ten so lange anstren­gende Ober­schen­kel­kon­trak­tio­nen machen, bis sie die ver­langte Kraft nicht mehr erreich­ten. Kurz vor dem Abbruch waren zwei Gehirn­re­gio­nen – der Tha­la­mus und der insu­läre Kor­tex – beson­ders aktiv, wie ein Team unter der Lei­tung des Neu­ro­psy­cho­lo­gen Kai Lutz (Uni­ver­si­tät Zürich) und Urs Bou­tel­lier (Insti­tut für Bewe­gungs­wis­sen­schaf­ten und Sport der ETH Zürich) ent­deckt haben. Wie Lutz erklärte, eröff­ne­ten diese Ereig­nisse ein ganz neues For­schungs­feld: Sie seien ein wich­ti­ger Schritt, um auf­zu­de­cken, wel­che Rolle das Gehirn bei der Mus­kel­er­mü­dung spiele. Damit werde es bei­spiels­weise auch mög­lich, Stra­te­gien zu ent­wi­ckeln, um die Mus­kel­leis­tung zu ver­bes­sern.
APA

TEP des Hüft­ge­lenks: Blut­trans­fu­sio­nen nutzlos

Selbst bei Hoch­ri­siko-Pati­en­ten zei­gen Blut­trans­fu­sio­nen, die wäh­rend einer Total­en­do­pro­these des Hüft­ge­lenks ver­ab­reicht wer­den, kei­nen posi­ti­ven Effekt. US-ame­ri­ka­ni­sche Wis­sen­schaf­ter um Jef­frey L. Car­son von der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät von New Jer­sey haben in ihre Stu­die 2.016 Pati­en­ten über 50 Jahre auf­ge­nom­men. Zusätz­lich zur Frak­tur lag bereits eine Erkran­kung des Herz-Kreis­lauf-Sys­tems vor oder die Betref­fen­den wie­sen ent­spre­chende Risi­ko­fak­to­ren auf; nach der Ope­ra­tion wie­sen sie einen Hämo­glo­bin­wert von unter 10 g/​dl auf. 1.007 Pro­ban­den erhiel­ten des­we­gen Blut­kon­ser­ven, wäh­rend 1.009 Pati­en­ten erst bei einem Hämo­glo­bin von unter 8g/​dl eine Blut­trans­fu­sion erhiel­ten. Pri­märe Bewer­tungs­kri­te­rien waren Tod oder rela­tive Immo­bi­li­tät inner­halb von 60 Tagen nach der Ope­ra­tion. Zwi­schen den bei­den beob­ach­te­ten Grup­pen gab es keine sta­tis­tisch signi­fi­kan­ten Unter­schiede: Jeweils rund 35 Pro­zent der Ope­rier­ten star­ben oder waren auch nach 60 Tagen nicht in der Lage, allein und ohne Hilfe ein Zim­mer zu durch­que­ren.
APA/​NEJM

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 1–2 /​25.01.2012