neu & aktu­ell: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

15.08.2012 | Medizin


Haus­tiere stär­ken Immunsystem

Wenn Kin­der zusam­men mit einem Hund oder einer Katze auf­wach­sen, haben sie ein um 30 Pro­zent ver­rin­ger­tes Risiko, an Atem­wegs­in­fek­tio­nen zu erkran­ken; Mit­tel­ohr­ent­zün­dun­gen und andere Ohr­in­fek­tio­nen tra­ten um die Hälfte sel­te­ner auf. Die Uni­ver­si­tät Kuo­pio in Finn­land unter­suchte dafür 397 Babys zwi­schen neun Wochen bis zu ihrem ers­ten Geburts­tag.
APA/​Pediatrics


Ers­ter Heim­test für HIV

Die US-ame­ri­ka­ni­sche Arz­nei­mit­tel­be­hörde FDA (Food and Drug Admi­nis­tra­tion) hat den ers­ten frei ver­käuf­li­chen HIV-Test für zu Hause zuge­las­sen. Dabei wird ein Abstrich der Mund­schleim­haut genom­men; 92 Pro­zent aller Erkran­kun­gen wer­den mit­tels Test nach rund 40 Minu­ten erkannt. „OraQuick In-home“ soll im Okto­ber auf den Markt kom­men und knapp 20 Euro kos­ten.
APA

Stil­len erhöht Risiko für Nuss-Allergie

Bei Kin­dern, die in den ers­ten sechs Mona­ten nur gestillt wur­den, ist laut einer aus­tra­li­schen Stu­die das Risiko für eine Nuss-All­er­gie ein­ein­halb Mal höher als bei Kin­dern, die schon frü­her andere Nah­rung und Flüs­sig­kei­ten erhiel­ten. Schon bis­her hät­ten zahl­rei­che Stu­dien auf die­sen Zusam­men­hang hin­ge­wie­sen, so Stu­di­en­lei­ter Mar­jan Klja­ko­vic.
APA/​International Jour­nal of Pediatrics

Fünf Mil­lio­nen Retor­ten­ba­bys weltweit

Seit der Geburt des ers­ten Retor­ten­ba­bys 1979 – die Bri­tin Louise Brown ist mitt­ler­weile selbst Mut­ter – sind rund fünf Mil­lio­nen Retor­ten­ba­bys auf die Welt gekom­men. Diese Schät­zung gab die Euro­päi­sche Gesell­schaft für Repro­duk­ti­ons­me­di­zin kürz­lich bekannt. Die Zah­len basie­ren auf den Gebur­ten nach den bei­den am häu­figs­ten ange­wand­ten Metho­den, auf IVF und ICSI.
APA

Hel­les Licht stei­gert Leistungsfähigkeit

Wis­sen­schaf­ter um Arno Schmidt-Truck­säss von der Uni­ver­si­tät Basel haben erst­mals die sport­li­che Leis­tung in Ver­bin­dung mit dem Chro­no­typ der Pro­ban­den unter­sucht. Für die Stu­die muss­ten 43 Stu­den­ten am Ende einer mehr­stün­di­gen Bestrah­lung mit hel­lem oder Däm­mer­licht 40 Minu­ten auf das Fahr­ra­der­go­me­ter. Wäh­rend die Früh­auf­ste­her mit hel­lem Licht die Leis­tung um 4,5 Pro­zent stei­gern konn­ten, pro­fi­tier­ten die Nacht­ak­ti­ven nicht; auch Däm­mer­licht brachte hier nichts. Der Effekt, dass hel­les Licht die Leis­tungs­fä­hig­keit stei­gert, hing dar­über hin­aus von der inne­ren opti­ma­len Tages­zeit der Test­per­so­nen ab. So fiel die Leis­tungs­stei­ge­rung deut­lich höher aus, wenn der Test genau 14,5 Stun­den nach der tiefs­ten Schlaf­phase statt­fand als drei Stun­den zuvor. Laut den For­schern könnte der neu ent­deckte Zusam­men­hang zwi­schen inne­rer Uhr, Beleuch­tung und Leis­tungs­fä­hig­keit künf­tig für ein opti­mier­tes Trai­ning ein­ge­setzt wer­den.
APA/​PLoS ONE

Ist Selbst­lo­sig­keit Kopfsache?

For­scher der Uni­ver­si­tät Zürich konn­ten zum ers­ten Mal nach­wei­sen, dass „ein Zusam­men­hang besteht zwi­schen Hirn­ana­to­mie, Hirn­ak­ti­vi­tät und altru­is­ti­schem Ver­hal­ten“. Dafür lie­ßen die For­scher meh­rere Pro­ban­den Geld­be­träge zwi­schen sich und einem anony­men Spiel­part­ner auf­tei­len; dabei wurde die Gehirn­ak­ti­vi­tät auf­ge­zeich­net. Man­che waren fast nie bereit, zuguns­ten ande­rer auf Geld zu ver­zich­ten, wäh­rend andere aus­ge­spro­chen groß­zü­gig waren. Es zeigte sich, dass bei den Ent­schei­dun­gen über die Geld­auf­tei­lung bei ego­is­ti­schen Men­schen eine spe­zi­elle Hirn­re­gion hin­ter dem Ohr schon bei gerin­gen Zutei­lun­gen an andere recht aktiv war. Bei weni­ger eigen­nüt­zi­gen Pro­ban­den wurde die Hirn­re­gion erst stär­ker aktiv, wenn die Geld­mit­tel, die ande­ren zuge­stan­den wur­den, sehr hoch waren. „Per­so­nen, die altru­is­ti­scher waren als andere, haben mehr graue Hirn­sub­stanz zwi­schen Schei­tel- und Schlä­fen­lap­pen“, erklärte der Team­lei­ter Ernst Fehr, Direk­tor des Insti­tuts für Volks­wirt­schafts­lehre und des Inter­na­tio­nal Cen­ter of Eco­no­mics in Society. Wenn­gleich er die Ergeb­nisse als „auf­re­gend“ bezeich­net, warnt er auch: „Man sollte dar­aus aber kei­nes­falls den Schluss zie­hen, dass altru­is­ti­sches Ver­hal­ten nur bio­lo­gisch bestimmt ist.“ Die Menge an grauer Sub­stanz werde auch von sozia­len Pro­zes­sen beein­flusst.
APA/​Neuron

Lügen: keine Blick­dia­gnose möglich

Anders als bis­her ange­nom­men las­sen sich Lügen nicht durch genaue Beob­ach­tung der Augen­be­we­gun­gen ent­lar­ven. Das haben Unter­su­chun­gen von Wis­sen­schaf­tern um Caro­line Watt von der Uni­ver­si­tät Edin­burgh erge­ben. Die These, dass sich Lüg­ner durch Augen­be­we­gun­gen ver­ra­ten, geht zurück auf die umstrit­tene Tech­nik des NLP (Neu­ro­lin­gu­is­ti­sches Pro­gram­mie­ren). Dabei ler­nen die Teil­neh­mer in Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kur­sen, die Ver­hal­tens­wei­sen ihres Gegen­übers anhand bestimm­ter Regeln zu ana­ly­sie­ren. NLP zufolge lügt ein Mensch, der nach rechts oben blickt, wäh­rend eine Per­son mit Blick nach links oben die Wahr­heit spricht. Die Mei­nung, wonach bestimmte Augen­be­we­gun­gen ein Zei­chen der Lüge sind, stimmt laut Stu­di­en­lei­te­rin Watt nicht: „Unsere For­schung bestä­tigt dies nicht und legt nahe, dass es an der Zeit ist, die­sen Ansatz auf­zu­ge­ben.“
APA/​PLoS ONE

Ultra­schall ver­bes­sert Bestrah­lung von Tumoren

Wie erste Tests an krebs­kran­ken Mäu­sen zei­gen, ver­bes­sert die Kom­bi­na­tion von kon­ven­tio­nel­ler Strah­len­the­ra­pie mit einer neu­ar­ti­gen Ultra­schall­be­hand­lung das Behand­lungs­er­geb­nis: Es ster­ben zehn Mal mehr Krebs­zel­len ab als bei der aus­schließ­li­chen Strah­len­the­ra­pie. Kana­di­sche For­scher haben bei die­sem Ver­fah­ren zunächst win­zige Gas­bläs­chen in den Blut­kreis­lauf ein­ge­bracht, wo sie bis in die feins­ten Gefäß­ver­zwei­gun­gen des Tumors gelan­gen. Durch den Ein­satz des Ultra­schalls begin­nen die Bläs­chen zu schwin­gen und plat­zen, was letzt­lich zum Abster­ben der Tumor­zel­len führt. Wird die Ultra­schall­be­hand­lung mit der kon­ven­tio­nel­len Strah­len­the­ra­pie kom­bi­niert, addiert sich die Wir­kung bei­der Metho­den. Ein zusätz­li­cher Effekt: Die für die Bekämp­fung eines Tumors nötige Strah­len­do­sis kann durch die Ultra­schall­be­hand­lung deut­lich gesenkt wer­den.
APA/​Proceedings of the Natio­nal Aca­demy of Sciences


Gerin­gere Lebens­er­war­tung durch Sit­zen und Fernsehen

Lan­ges Sit­zen und Fern­se­hen ver­rin­gert die Lebens­er­war­tung der US-ame­ri­ka­ni­schen Bevöl­ke­rung – zu die­sem Ergeb­nis kommt eine Stu­die von For­schern um Peter Katz­mar­zyk vom Pen­ning­ton Bio­me­di­cal Rese­arch Cen­ter (US-Bun­des­staat Loui­siana). Die Wis­sen­schaf­ter wer­te­ten die Daten des Natio­nal Health und Nut­ri­tion Exami­na­tion Sur­vey (NHANES) aus, im Rah­men derer der Gesund­heits­sta­tus und Lebens­stil der Ame­ri­ka­ner erfasst wurde. Zusätz­lich ein­be­zo­gen wur­den Ergeb­nisse von fünf US-ame­ri­ka­ni­schen Stu­dien von ins­ge­samt 167.000 Per­so­nen. Fazit: Wer im Schnitt täg­lich weni­ger als drei Stun­den sitzt, könnte seine Lebens­zeit um rund zwei Jahre ver­län­gern. Wer durch­schnitt­lich weni­ger als zwei Stun­den täg­lich fern­sieht, ver­län­gert mög­li­cher­weise sein Leben um rund 1,4 Jahre. Die For­scher beto­nen, dass ihre Ana­lyse Hin­weise auf die Fol­gen von lan­gem Sit­zen und Fern­se­hen gäbe, räu­men jedoch ein, dass es sehr wohl Ein­schrän­kun­gen gebe: Es handle sich um eine rein theo­re­ti­sche Abschät­zung. Mög­li­che Unter­schiede in den ein­zel­nen Alters- und Bevöl­ke­rungs­grup­pen etwa seien nicht berück­sich­tigt.
APA/​British Medi­cal Journal

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 15–16 /​15.08.2012