Der­ma­to­lo­gi­sche Sym­ptome bei inter­nis­ti­schen Erkran­kun­gen: Blick­dia­gnose als Hinweis

25.11.2012 | Medizin

Der­ma­to­lo­gi­sche Sym­ptome von inter­nis­ti­schen Erkran­kun­gen kön­nen sowohl als erste Sym­ptome vor den inne­ren Organ­sym­pto­men auf­tre­ten als auch im wei­te­ren Ver­lauf. So kann auch bei wenig aus­ge­präg­ten Erschei­nun­gen eine gründ­li­che Erhe­bung des Haut­sta­tus früh klare Hin­weise auf eine inter­nis­ti­sche Erkran­kung geben. Von Eli­sa­beth Gerstendorfer

Die Ursa­chen für patho­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen der Haut, der angren­zen­den Schleim­häute und Haut­nah­ge­bilde kön­nen viel­fäl­tig sein und im Unter­schied zur ers­ten Ver­mu­tung vie­ler Betrof­fe­ner han­delt es sich nicht immer um aus­schließ­li­che Der­ma­to­sen. „Selbst rela­tiv harm­lose Zei­chen an der Haut kön­nen ein Abbild inne­rer Grund­er­kran­kun­gen dar­stel­len und maß­geb­lich für ihre früh­zei­tige Dia­gnose sein. Die Ver­bin­dung zwi­schen Der­ma­to­lo­gie und Inne­rer Medi­zin ist in vie­len Punk­ten sehr inten­siv“, sagt Univ. Prof. Wer­ner Abe­rer, Vor­stand der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Der­ma­to­lo­gie und Venero­lo­gie Graz. Das zeigt sich auch his­to­risch: Das Fach­ge­biet der Der­ma­to­lo­gie ent­wi­ckelte sich als Abspal­tung der Inne­ren Medi­zin; in man­chen Län­dern wie etwa in den USA sind der­ma­to­lo­gi­sche Abtei­lun­gen nach wie vor Teil der Inne­ren Medi­zin. Abe­rer wei­ter: „Patho­lo­gi­sche Haut­ver­än­de­run­gen sind eine wich­tige kli­ni­sche Hil­fe­stel­lung und erfor­dern eine Zusam­men­ar­beit von Der­ma­to­lo­gen
und Inter­nis­ten.“

Typi­sche Beispiele

Der­ma­to­lo­gi­sche Sym­ptome von inter­nis­ti­schen Erkran­kun­gen kön­nen als erste Sym­ptome sowohl vor den inne­ren Organ­sym­pto­men auf­tre­ten als auch im wei­te­ren Ver­lauf. Umso wich­ti­ger ist eine gründ­li­che Erhe­bung des Haut­sta­tus – auch bei wenig aus­ge­präg­ten Erschei­nun­gen -, die zum Teil über die Blick­dia­gnose früh klare Hin­weise geben kann. Häu­fige Ursa­chen für patho­lo­gi­sche Haut­ver­än­de­run­gen sind häma­to­lo­gi­sche, endo­kri­no­lo­gi­sche, rheu­ma­ti­sche, kar­diale, gastro­in­tes­ti­nale, neu­ro­ku­tane und mali­gne Erkran­kun­gen sowie Kol­la­ge­no­sen. Typi­sche Bei­spiele von inne­ren Erkran­kun­gen, die auch an Haut­sym­pto­men sicht­bar werden:

Pso­ria­sis
Die Schup­pen­flechte ist typi­scher­weise durch stark schup­pende, punkt­för­mige bis hand­tel­ler­große Haut­stel­len gekenn­zeich­net – meist an Kopf­haut, Ellen­bo­gen und Knien. Auch an den Nägeln kön­nen Ver­än­de­run­gen auf­tre­ten. „Die Pso­ria­sis wird heute nicht mehr als bloße Haut­er­kran­kung iso­liert gese­hen. Viele Pati­en­ten haben neben den kos­me­ti­schen Stö­run­gen an der Haut auch Gelenks­be­schwer­den und ein erhöh­tes Risiko für innere Erkran­kun­gen“, betont Abe­rer.

Sys­te­mi­scher Lupus ery­the­ma­to­des (SLE)

Die Auto­im­mun­erkran­kung mani­fes­tiert sich bei etwa jedem vier­ten Betrof­fe­nen zuerst an der Haut mit je nach Ver­laufs­form unter­schied­li­chen Mani­fes­ta­tio­nen: Cha­rak­te­ris­tisch für den SLE ist das Schmet­ter­lings­ery­them – eine per­sis­tie­rende, sym­me­tri­sche Rötung an Nase, Stirn und Wan­gen mit leich­ter Schup­pung in Form eines Schmet­ter­lings. „Die Haut­er­schei­nun­gen bestimm­ter For­men des Lupus ery­the­ma­to­des sind schwer von einer Son­nen­all­er­gie zu unter­schei­den. Häu­fig sind sehr unan­ge­nehme, juckende Aus­schläge an jenen Stel­len, wo man den Kör­per frei trägt, wes­halb die Pati­en­ten meist den­ken, sie lei­den an einer Son­nen­all­er­gie“, so Aberer.

Dia­be­tes mel­li­tus
Auf­grund einer gestör­ten Durch­blu­tung kann es zu Nekro­sen, Ent­zün­dun­gen sowie einer erhöh­ten Anfäl­lig­keit für Myko­sen oder bak­te­ri­elle Infek­tio­nen kom­men. Auch eine Ver­dün­nung der Haut, Ver­letz­lich­keit und vor­zei­tige Haut­al­te­rung kön­nen auf Dia­be­tes mel­li­tus hin­wei­sen. „Infolge der Man­gel­durch­blu­tung kommt es nicht sel­ten zu Ulzera und schlecht hei­len­den Wun­den an der Haut, vor allem an den Füßen bezie­hungs­weise Unter­schen­keln“, erklärt Paul Pavek, Inter­nist in Graz. Häu­fig ist auch die Dia­be­ti­sche Der­mo­pa­thie, die zu klei­nen braun-roten, unre­gel­mä­ßig begrenz­ten und nicht schmerz­haf­ten Fle­cken sowie Papeln im Bereich der Schien­beine und der Knö­chel führt sowie zu ver­mehr­ter Pigmentierung.

Sys­te­mi­sche Sklero­der­mie
Im Früh­sta­dium ist die Sklero­der­mie schwer zu dia­gnos­ti­zie­ren, da sie zunächst schmerz­frei ver­läuft und typi­sche Sym­ptome der betrof­fe­nen Organe oft feh­len. Bemerkt wer­den von den Pati­en­ten nur Haut­ver­än­de­run­gen, auf­grund derer sie den Arzt auf­su­chen. Neben ris­si­ger und star­rer Haut, Ödem­bil­dung an Hän­den und Füßen sowie Fibrose der Haut und des Unter­haut­fett­ge­we­bes ist aber auch das Bin­de­ge­webe von inne­ren Orga­nen – beson­ders von Lun­gen, Herz und Nie­ren – mas­siv beein­träch­tigt. Typisch für die loka­li­sierte Sklero­der­mie sind plaque­för­mige Mor­phea mit lila­far­be­nem Rand­saum.

Stö­run­gen des Por­phy­rin-Stoff­wech­sels

Krank­hei­ten in Zusam­men­hang mit Por­phy­ri­nen kön­nen bei Abbau­stö­run­gen des Hämo­glo­bins zu Gelb­fär­bun­gen der Haut, der Schleim­häute und der Bin­de­haut des Auges (Ikte­rus wie zum Bei­spiel bei Hepa­ti­tis) aber auch zu durch Licht aus­ge­lös­ter Bla­sen­bil­dung in der Haut füh­ren. Bei Häm-Auf­bau­stö­run­gen kommt es eben­falls zu einer star­ken Licht­un­ver­träg­lich­keit der Haut. Wei­tere häma­to­lo­gi­sche Erkran­kun­gen, wel­che die Haut betref­fen, sind Sichel­zel­len­an­ämie, die häu­fig zu Ulzera führt sowie Eisen­man­gelan­ämie, bei der es zu blas­ser Haut, Ent­zün­dun­gen der Zunge (Glos­si­tis), Haar­aus­fall und brü­chi­gen Nägeln kommt.

Der­ma­to­lo­gi­sche Far­ben­lehre
Bestimmte Farb­ver­än­de­run­gen der Haut kön­nen auf spe­zi­fi­sche Organ­stö­run­gen hin­wei­sen. „Bei Herz­er­kran­kun­gen, beson­ders dann, wenn das Herz man­gel­haft arbei­tet, ver­fär­ben sich die Schleim­häute und die Haut bläu­lich. Bei ande­ren kar­dia­len Stö­run­gen kommt es zu einer typi­schen Rot­fär­bung des Gesichts“, sagt Pavek. Pati­en­ten mit Nie­ren­er­kran­kun­gen wei­sen hin­ge­gen oft eine graue bis blass­weiße Haut­fär­bung auf; Beein­träch­ti­gun­gen der Leber kön­nen eine Gelb­fär­bung sowie die Bil­dung von Leber­fle­cken bewir­ken. Neben Organ­er­kran­kun­gen sind manch­mal Kom­pli­ka­tio­nen oder Neben­wir­kun­gen von The­ra­pien mit patho­lo­gi­schen Haut­ver­än­de­run­gen asso­zi­iert, etwa bei bestimm­ten Medi­ka­men­ten. Man­che Anti­bio­tika kön­nen etwa Neben­wir­kun­gen wie Rötun­gen, Juck­reiz oder ein bren­nen­des Gefühl auf der Haut verursachen.

Bei der The­ra­pie von inter­nis­tisch beding­ten patho­lo­gi­schen Haut­ver­än­de­run­gen wird Ursa­chen-gelei­tet vor­ge­gan­gen, wobei die der­ma­to­lo­gi­schen Sym­ptome je nach Erkran­kung pri­mär, sekun­där oder par­al­lel behan­delt wer­den. „Für eine erfolg­rei­che The­ra­pie ist die enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen Der­ma­to­lo­gen und Inter­nis­ten erfor­der­lich“, resü­miert Pavek.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2012