AIDS: Pre-Expo­sure-Pro­phy­la­xis

15.08.2011 | Medizin

Durch die Ein­nahme einer Tablette, wel­che die Wirk­stoffe Teno­fo­vir und Emtri­ci­ta­bin ent­hält, könn­ten sich hete­ro­se­xu­elle Paare künf­tig vor einer HIV-Anste­ckung schüt­zen, wie das Pro­gramm der Ver­ein­ten Natio­nen für HIV/​AIDS (UNAIDS) und die WHO (Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion) mit­tei­len. Stu­dien in Uganda, Kenia und Botsuana haben gezeigt, dass das Risiko für eine Virus-Über­tra­gung um bis zu 73 Pro­zent sinkt, wenn der gesunde Part­ner täg­lich eine Tablette mit der Wirk­stoff-Kom­bi­na­tion ein­nimmt. Auch wenn ledig­lich Teno­fo­vir ver­ab­reicht wird, ver­rin­gert sich die Anste­ckungs­ge­fahr immer­hin noch um bis zu 62 Prozent.

Bei die­ser Art der HIV-Vor­beu­gung, der Pre-Expo­sure-Pro­phy­la­xis (PrEP), wer­den Nicht-Infi­zierte schon vor einer mög­li­chen Anste­ckung mit anti­re­tro­vi­ra­len Medi­ka­men­ten behan­delt. „Dies ist ein gro­ßer wis­sen­schaft­li­cher Durch­bruch, der noch ein­mal bestä­tigt, welch wesent­li­che Rolle anti­re­tro­vi­rale Medi­ka­mente bei der Aids-Bekämp­fung spie­len“, erklärte UNAIDS-Direk­tor Michel Sidibe.

Für die Stu­die hatte das Inter­na­tio­nal Cli­ni­cal Rese­arch Cen­ter der Uni­ver­si­tät Washing­ton ab Som­mer 2008 ins­ge­samt 4.758 Paare, von denen jeweils ein Part­ner infi­ziert war, ein­ge­hend bera­ten und mit Kon­do­men ver­sorgt; ein Teil erhielt anti­re­tro­vi­rale Medi­ka­mente, die ande­ren Pla­ce­bos. Ergeb­nis: Bis Ende Mai 2011 hat­ten sich 47 Teil­neh­mer der Pla­cebo-Gruppe mit dem Virus infi­ziert; 18 von jenen, die Teno­fo­vir ein­nah­men und nur 13, die eine Kom­bi­na­ti­ons­the­ra­pie erhiel­ten. WHO-Gene­ral­di­rek­to­rin Mar­ga­ret Chan betonte, dass die Stu­dien „eine enorme Aus­wir­kung auf die hete­ro­se­xu­elle Über­tra­gung von HIV“ haben könn­ten. UNAIDS und WHO war­nen davor, sich auf­grund von Tablet­ten in Sicher­heit zu wie­gen: „Keine ein­zelne Methode schützt kom­plett vor HIV.“ Die Tablet­ten müss­ten mit ande­ren Metho­den kom­bi­niert wer­den wie etwa Kon­do­men, medi­zi­ni­scher männ­li­cher Beschnei­dung, einer gerin­ge­ren Part­ner­zahl und län­ge­rem War­ten bis zum ers­ten Sex.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 15–16 /​15.08.2011