Im Fokus: Schlaganfall

25.11.2022 | Politik

1 Zeit ist entscheidend
Nach einem Insult gehen pro Minute 1,9 Mil­lio­nen Neu­ro­nen zugrunde. Je schnel­ler die Akut­be­hand­lung erfolgt, umso stär­ker ist der Effekt: Erfolgt die Throm­bo­lyse inner­halb von 90 Minu­ten nach Beginn der Sym­ptome, beträgt die num­ber-nee­ded-to-treat 4,5. Bei 270 Minu­ten liegt sie bei 14.

2 Risiko für frü­hes Rezidiv
In den ers­ten 24 bis 48 Stun­den nach einem Insult ist das Rezi­div-Risiko sehr hoch. Beson­dere Gefahr besteht nach einer tran­si­to­ri­schen ischä­mi­schen Atta­cke (TIA). Mit dem ABCD2-Score (Alter, Blut­druck, Kli­nik, Dia­be­tes mel­li­tus, Dauer der Sym­pto­ma­tik) kann das frühe Rezi­div-Risiko abge­schätzt wer­den. Bei einem Score über 4 besteht eine Hoch­ri­siko-TIA. In drei Stu­dien mit Pati­en­ten mit TIA oder einem Minor Stroke konnte gezeigt wer­den, dass die Kom­bi­na­tion von Aspi­rin und Clo­pi­do­grel das Rezi­div-Risiko um 30 Pro­zent senkt.

3 LDL-Ziel­werte
Grund­sätz­lich gilt für die Sekun­där-prä­ven­tion des Insults „the lower, the bet­ter“. Bei einem Schlag­an­fall ohne Athe­ro­skle­rose beträgt der LDL-Ziel­wert < 100 mg/​dl. Bei Schlag­an­fall mit Athe­ro­skle­rose sollte der Wert unter 70 mg/​dl lie­gen. Alter­na­tiv kann eine Reduk­tion von mehr als 50 Pro­zent des Aus­gangs­werts ange­strebt wer­den. Bei einer Hoch­ri­siko-Situa­tion wie etwa bei einer sym­pto­ma­ti­schen Caro­tis-Stenose sollte das LDL unter 55 mg/​dl liegen.

4 Blut­druck- und Diabeteseinstellung
Bei der Sekun­där­prä­ven­tion sollte der systo­li­sche Wert bei unter 70-Jäh­ri­gen auf 120 bis 130 mmHg gesenkt wer­den; bei über 70-Jäh­ri­gen bis 140 mmHg. ACE-Hem­mer, Angio­ten­sin II-Ant­ago­nis­ten und Cal­cium-Ant­ago­nis­ten erzie­len laut Gui­de­li­nes den bes­ten Effekt. Für den HbA1c-Wert liegt das Ziel bei maximal sie­ben Pro­zent; liegt der Wert dar­über, steigt das Risiko für einen Insult.

5 Ambu­lante Nach­kon­trolle wirkt
Eine ein­ma­lige ambu­lante Nach­kon­trolle, bei der die Errei­chung der Ziel­werte über­prüft wurde, ver­rin­gert das Rezi­di­v­ri­siko und führt zu einer bes­se­ren Lebens­qua­li­tät nach einem Jahr.

Quelle: „Lear­ning from the wise: Schlag­an­fall“, Ver­an­stal­tung der Gesell­schaft der Ärzte im Bill­ro­th­haus Wien

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2022