Rau­cher­ent­wöh­nung: Alter­na­ti­ven vorhanden

15.12.2022 | Medizin

Im Ide­al­fall sollte ein Rau­cher das Rauch­ver­hal­ten kom­plett auf­ge­ben. Ist der Betref­fende extrem stark abhän­gi­ger Rau­cher und das nicht mög­lich, gibt es Alternativen.

Jas­min Sucher

Rund 20 Pro­zent der über 15-jäh­ri­gen Öster­rei­cher rau­chen laut Sta­tis­tik Aus­tria täg­lich. Zwar ist bei Kin­dern und Jugend­li­chen die Rauch­prä­va­lenz seit 2002 um mehr als die Hälfte zurück­ge­gan­gen, den­noch liegt Öster­reich hier aber im euro­päi­schen Ver­gleich immer noch über dem Durch­schnitt. Rund 15 Pro­zent aller Todes­fälle in Öster­reich waren 2017 laut „Glo­bal Bur­den of Disease“-Monitoring auf das Rau­chen zurück­zu­füh­ren. 2019 gin­gen fünf Pro­zent aller Todes­fälle in Öster­reich auf ein Bron­chi­al­kar­zi­nom zurück, drei Pro­zent auf COPD. „Wir sehen, wie wich­tig es ist, Per­so­nen dabei zu unter­stüt­zen, das Rau­chen auf­zu­ge­ben“, betont Univ. Prof. Bernd Lam­precht von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Innere Medi­zin 4/​Pneumologie des Kep­ler Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Linz die Bedeu­tung der Raucherentwöhnung.

Ers­ter Schritt: Kurzintervention

Der erste Schritt dabei sei es laut Lam­precht, den Betrof­fe­nen auf das Thema Rau­chen anzu­spre­chen: „In der Kurz­in­ter­ven­tion wird etwa nach­ge­fragt: ‚Haben Sie schon ein­mal mit dem Gedan­ken gespielt, das Rau­chen viel­leicht auf­zu­ge­ben?‘“. Dabei sollte immer signa­li­siert wer­den, dass eine Rau­cher­ent­wöh­nung erstre­bens­wert ist. Als nächs­tes soll­ten eine aus­führ­li­che Bera­tung sowie eine indi­vi­du­ell an den Betrof­fe­nen ange­passte Beglei­tung fol­gen. Univ. Doz. Ernest Gro­man vom Niko­tin­in­sti­tut in Wien dazu: „Am effek­tivs­ten ist die Kom­bi­na­tion aus einer ent­spre­chen­den Medi­ka­tion und einer Bera­tung und Betreuung.“Die Niko­tiner­satz­the­ra­pie in Form von Kau­gum­mis, Inha­la­to­ren, Haut­pflas­ter oder Sub­lin­gu­al­sprays soll Ent­zugs­er­schei­nun­gen ver­hin­dern und das Haupt­au­gen­merk auf die Ver­hal­tens­än­de­rung legen. Wenn diese erreicht wird, kann die Niko­tiner­satz­the­ra­pie lang­sam redu­ziert wer­den. „Hier muss dar­auf geach­tet wer­den, dass keine mas­sive Unter­do­sie­rung pas­siert“, erklärt Gro­man. Häu­figs­ter Feh­ler sei eine fal­sche Dosie­rung, was rasch zu einem Gefühl des Ver­sa­gens führe und im Abbruch der The­ra­pie resultiere.

E‑Zigaretten als Alternativen?

E‑Zigaretten, Niko­tin-Pou­ches oder Tabak-Erhit­zer wer­den oft als Alter­na­ti­ven zu her­kömm­li­chen Ziga­ret­ten ver­wen­det. Lam­precht dazu: „Im Ide­al­fall sollte der Rau­cher ganz frei von sol­chen Gewohn­hei­ten wer­den. Wenn aber jemand ein aus­ge­spro­chen stark abhän­gi­ger Rau­cher ist und es keine andere Chance gibt, fällt bei E‑Zigaretten zumin­dest der Rauch mit sei­nen schäd­li­chen Inhalts­stof­fen weg.“ Den­noch sei laut Gro­man nach wie vor „unklar“, wie schäd­lich Trä­ger­sub­stan­zen wie Pro­py­len­gly­kol und die Inhalts­stoffe die­ser Alter­na­tiv­pro­dukte lang­fris­tig seien. „Diese Pro­dukte sind nicht gesund, son­dern weni­ger schäd­lich. Beim Ver­bren­nen einer Ziga­rette ent­ste­hen Tau­sende Inhalts­stoffe, von denen min­des­tens 30 kan­ze­ro­gen sind. Bei der E‑Zigarette sind es nur zwei bis drei Sub­stan­zen“, führt Gro­man aus. Zusätz­lich kann der Ent­wöh­nungs­wil­lige an Rau­cher­be­ra­tun­gen und Rau­cher­ent­wöh­nungs-Semi­na­ren teil­neh­men. Beglei­tend seien auch Hyp­nose und Aku­punk­tur mög­lich, wobei beide Exper­ten beto­nen, dass es keine aus­rei­chend belast­ba­ren Stu­dien bezüg­lich der Erfolgs­rate oder Wirk­sam­keit gäbe – indi­vi­du­ell betrach­tet bestehe jedoch eine Chance auf Erfolg.


Die „5A-Stra­te­gie“

Bei der Unter­stüt­zung einer Rau­cher­ent­wöh­nung kann die „5A Stra­te­gie“ hilf­reich sein:

  1. Ask: Die­ser Schritt dient der Abfrage des aktu­el­len Zustan­des, inwie­fern ein pro­ble­ma­ti­sches Ver­hal­ten besteht und in wel­chem Aus­maß die Moti­va­tion für einen Rauch­stopp gege­ben ist.
  2. Advice: Hier geht es um die aus­drück­li­che Emp­feh­lung, das Rau­chen auf­zu­ge­ben. Im Zuge des­sen kann über die gesund­heit­li­chen Ris­ken auf­ge­klärt werden.
  3. Assess: An die­sem Punkt wird auf die gene­relle Bereit­schaft des Pati­en­ten bezüg­lich einer Rau­cher­ent­wöh­nung eingegangen.
  4. Assist: Es wird eru­iert, wel­che Unter­stüt­zung bei der Ent­wöh­nung indi­vi­du­ell am bes­ten geeig­net ist.
  5. Arrange: Die Lang­zeit­be­treu­ung wird ver­ein­bart. Der Pati­ent sollte in regel­mä­ßi­gen Abstän­den wie­der­be­stellt wer­den, um eine dau­er­hafte Ent­wöh­nung sicherzustellen.


Wich­ti­ger Fak­tor: Motivation

„Die Ent­wöh­nungs­ra­ten sind grund­sätz­lich recht beschei­den. Sie lie­gen je nach Stu­die zwi­schen 20 und 30 Pro­zent“, schil­dert Lam­precht. Ent­schei­dend sei die Moti­va­tion des Betrof­fe­nen und auch, ihm die posi­ti­ven Effekte eines rauch­freien Lebens auf­zu­zei­gen. „Sagt man dem Ent­wöh­nungs­wil­li­gen zum Bei­spiel, dass sich das Risiko für einen Myo­kard­in­farkt schon nach einem Jahr hal­biert, liegt auf der Hand, warum eine Rau­cher­ent­wöh­nung erstre­bens­wert ist“, erklärt Lam­precht. Auch müsse man sich mit der Ernäh­rung und Bewe­gung aus­ein­an­der­set­zen, um einer Gewichts­zu­nahme ent­ge­gen­zu­wir­ken. Der Schwe­re­grad der Niko­tin­ab­hän­gig­keit kann mit dem Fager­ström-Test erho­ben und dem­entspre­chend ein Ent­wöh­nungs­plan erstellt wer­den. Ent­schei­dend dabei sei laut Gro­man die indi­vi­du­elle Betreu­ung: „Es gibt zwar ver­schie­dene Sche­men, an denen man sich ori­en­tie­ren kann. Aber es gibt nicht den ein­zi­gen Weg, der für jeden passt.“

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 23–24 /​15.12.2022