Ärz­te­fort­bil­dung: Sicher­heits­fak­tor Mensch

16.08.2022 | Aktuelles aus der ÖÄK

Wenn die Maschine an ihre Gren­zen stößt, ist der Mensch gefragt – in die­sem Work­shop reflek­tie­ren Ärzte gemein­sam mit Pilo­ten ihre Stra­te­gien am medi­zi­ni­schen Arbeits­platz und gewin­nen dabei ganz neue Ein­sich­ten zur Patientensicherheit.

Thors­ten Medwedeff

Wolf­gang Mül­ler war viele Jahre Pilot bei der AUA. Der Möd­lin­ger ist aber auch Experte für Sicher­heits­kon­zepte aus der Luft­fahrt. Seit 20 Jah­ren gibt der Grün­der des „avia­tion forum“ die­ses Wis­sen nun schon an die Medi­zin wei­ter, seit kur­zem auch im Rah­men des Diplom­fort­bil­dungs­pro­gramms für Ärzte (meindfp.at) an der Aka­de­mie der Ärzte der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer und gemein­sam mit Renate Stoh­was­ser, einer ehe­ma­li­gen Flug­be­glei­te­rin und erfah­re­nen Crew Resource Manage­ment Trai­ne­rin. Am Mon­tag, 10. Okto­ber 2022, fin­det das Webi­nar „CIRS – Mel­de­sys­teme im Gesund­heits­we­sen und in der Luft­fahrt“ statt, das mit sei­nem Dia­log zwi­schen den Wel­ten Lust auf mehr macht – den Work­shop am 26. Novem­ber 2022.

Pilo­ten, Flug­be­glei­ter und Ärzte – wie passt das zusam­men? Sehr gut sogar, glaubt man den posi­ti­ven Feed­backs ehe­ma­li­ger Trai­nings­teil­neh­mer: Es geht in bei­den Jobs um das Behal­ten von Ori­en­tie­rung in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen, es geht darum, auch in extre­men Situa­tio­nen arbeits­fä­hig zu blei­ben, es geht um unter­stüt­zende Kom­mu­ni­ka­tion und um die Zusam­men­ar­beit im Team bis zur Lan­dung bzw. bis zur opti­ma­len Patientenversorgung.

Fixer Bestand­teil des Work­shops ist ein Flug im Airbus­A­320­Simulator. „Im Cock­pit und im Behand­lungs­raum kön­nen jeder­zeit unvor­her­ge­se­hene Dinge pas­sie­ren. Wenn die Maschine an ihre Gren­zen stößt, ist der Mensch gefragt“, erklärt Mül­ler. Und Letz­te­rer wird nicht als Pro­blem betrach­tet, son­dern als die Lösung. „Unser Fokus liegt auf dem, was uns als Mensch gelingt, nicht auf unse­ren Feh­lern. Vor­schrif­ten und Regeln sind zwar wich­tig, aber nicht genug. Erst der Mensch macht die Arbeit sicher – denn die künst­li­che Intel­li­genz ist zwar ein wich­ti­ges Tool, ohne den Men­schen sind die­sem aber sehr enge Gren­zen gesetzt.“ Let‘s make it easy to do the right thing! – das ist der Slo­gan, der die Kurs­Teilnehmer stän­dig beglei­tet. Fro­hes Gelin­gen und Ermu­ti­gung, sich etwas selbst­be­wusst zuzu­trauen, das ist der Weg durch diese Fortbildung.

Schon die unge­wohnte Arbeit am Simu­la­tor mit Take Off bis hin zur siche­ren Lan­dung stärkt die­sen Gedan­ken. Stu­dien aus der Luft­fahrt und der Medi­zin hät­ten gezeigt, so Wolf­gang Mül­ler, dass die­ser Per­spek­ti­ven­wech­sel die Sicher­heit für Flug­gäste und Pati­en­ten noch zusätz­lich erhöht. Denn hier ler­nen nicht nur die Ärzte von den Pilo­ten und Flug­be­glei­tern, son­dern – auf Augen­höhe – auch umgekehrt.

Kon­kret geht es bei Webi­nar und Work­shop um Ver­fah­ren und Lösun­gen, wie man sich in Kri­sen­si­tua­tio­nen per­sön­lich und als Team Ori­en­tie­rung und Sicher­heit schaf­fen, die Hand­lungs­fä­hig­keit sicher­stel­len und eine struk­tu­rierte, rei­bungs­lose Not­fall­kom­mu­ni­ka­tion gewähr­leis­ten kann. Sze­na­rien, die im OP­Saal oder bei der Ver­sor­gung von Not­fäl­len genauso wich­tig sind wie beim Steu­ern und Lan­den eines Verkehrsflugzeugs.

„Wie im Flug­zeug so unter­stützt die Tech­nik auch die Ärz­tin­nen und Ärzte in ihrem Stre­ben nach mehr Sicher­heit für die Pati­en­ten. Aber: Der wich­tigste Sicher­heits­fak­tor bleibt immer der Mensch“, fasst Mül­ler zusammen.

Alle Infor­ma­tio­nen und wich­ti­gen Details zur Anmel­dung fin­den Sie hier: www.meindfp.at/va/sicherheitsfaktormensch.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 15–16 /​15.08.2022