Kurz und infor­ma­tiv: Poli­ti­sche Kurzmeldungen

Sep­tem­ber 2021 | Poli­tik

Sana­to­rium Hera: Rech­nungs­hof kri­ti­siert Gebarung

In einem aktu­el­len Prüf­be­richt kri­ti­siert der Rech­nungs­hof die Geba­rung des Wie­ner Sana­to­ri­ums Hera, einem Spi­tal der KFA (Kran­ken­für­sor­gean­stalt der Bediens­te­ten der Stadt Wien). Auch nach den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren erfolg­ten Umstruk­tu­rie­run­gen fehl­ten gesamt­stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen. Die ange­strebte Reduk­tion der medi­zi­ni­schen Viel­falt sei eher nicht erreicht wor­den. Auch erhöhte sich das ärzt­li­che Per­so­nal von 2008 bis 2018 um 50 Pro­zent, wäh­rend sich in die­sem Zeit­raum die Zahl der Ein­griffe von 5.305 Ope­ra­tio­nen auf 5.081 ver­rin­gerte. Ein Belegs­tag kos­tete im Jahr 2017 laut dem Prüf­be­richt im Sana­to­rium Hera 1.404 Euro, in ver­gleich­ba­ren Kran­ken­an­stal­ten 842 Euro. Kos­ten­vor­teile gegen­über ande­ren Spi­tä­ler sehen die Prü­fer beim Pfle­ge­dienst: Hier kommt man mit weni­ger Per­so­nal­res­sour­cen aus; ebenso ist die Ver­weil­dauer gerin­ger. Dabei müsse aber berück­sich­tigt wer­den, dass die Pri­vat­kran­ken­an­stalt Hera ihr Leis­tungs­an­ge­bot auf weni­ger kom­plexe, in der Regel plan­bare Ein­griffe und Behand­lun­gen beschrän­ken konnte.

UN: Ende für ver­blei­tes Benzin

Das Umwelt­pro­gramm der Ver­ein­ten Natio­nen hat das welt­weite Ende von ver­blei­tem Ben­zin ange­kün­digt. Wie die Orga­ni­sa­tion mit­teilte, wur­den die letz­ten Vor­räte im Juli die­ses Jah­res in Alge­rien auf­ge­braucht. Das im Ben­zin ent­hal­tene Tret­ra­e­thyl­blei soll unter ande­rem die Ent­wick­lung des mensch­li­chen Gehirns – vor allem von Kin­dern – nega­tiv beein­flus­sen. In Öster­reich wurde das Tank­stel­len­netz 1985 auf blei­freies Ben­zin umge­stellt. Die gene­relle Umstel­lung von Super­ben­zin auf blei­frei erfolgte mit 1. Feber 1993; in der EU im Jahr 2000. Das erste Land, in dem ver­blei­tes Ben­zin kom­plett ver­bo­ten wurde, war Japan: Es setzte die­sen Schritt bereits im Jahr 1980.

34 Mil­lio­nen

US-Dol­lar (umge­rech­net rund 29 Mil­lio­nen Euro) – das ist der Wert des Koka­ins, das kürz­lich in einem Boot vor der Küste von El Sal­va­dor gefun­den wurde. Die Marine stellte dabei rund 1.370 Kilo­gramm Kokain fest, das auf 70 Säcke ver­teilt war.

Polio-Aus­­­bruch in Uganda

Im ost­afri­ka­ni­schen Uganda ist Mitte August die­ses Jah­res ein Polio-Aus­­­bruch mit einer von Imp­fun­gen aus­ge­lös­ten Form des Virus gemel­det wor­den. In der Haupt­stadt Kam­pala konnte das Virus aus zwei Klär­an­la­gen nach­ge­wie­sen wer­den. Dabei gibt es gene­ti­sche Über­ein­stim­mun­gen mit einem bereits im Sudan auf­ge­tre­te­nen Erre­ger. Seit August 2020 gilt der Wild­typ des Polio­vi­rus in Afrika als aus­ge­rot­tet. Fälle von Impf­po­lio­mye­li­tis gibt es nach Anga­ben der WHO der­zeit in 20 afri­ka­ni­schen Staa­ten; dar­un­ter auch in drei Län­dern, die an Uganda grenzen.

Gerin­ge­res Minus bei Krankenversicherungen

Wegen des Wirt­schafts­auf­schwungs erwar­ten die drei Kran­ken­ver­si­che­rungs­trä­ger ÖGK, BVAEB und SVS anstelle des noch vor eini­gen Mona­ten erwar­te­ten Defi­zits von 318,5 Mil­lio­nen Euro nun einen Abgang in der Höhe von ins­ge­samt 148,9 Mil­lio­nen Euro. Die Vor­schau für die ÖGK (Öster­rei­chi­sche Gesund­heits­kasse) bes­serte sich von Minus 186,3 auf Minus 58,8 Mil­lio­nen; jene der BVAEB (Beamte und Eisen­bah­ner) von Minus 153,5 auf 135,4 Mil­lio­nen Euro. Ein­zig die SVS (Selbst­stän­dige und Bau­ern) erwar­tet ein Plus von 45,3 Mil­lio­nen Euro (Mai: 21,4 Mil­lio­nen Euro). Für 2022 wird für alle drei ein Ver­lust in der Höhe von 238,9 Mil­lio­nen Euro erwartet.

EU: neue Grenz­werte für Schwermetalle

Für zahl­rei­che Lebens­mit­teln sind mit Anfang Sep­tem­ber die­ses Jah­res neue Grenz­werte in Kraft getre­ten. Man habe sich im Rah­men des Euro­päi­schen Krebs­be­kämp­fungs­plans ver­pflich­tet, den Gehalt der kar­zi­no­ge­nen Inhalts­stoffe wei­ter zu ver­rin­gern, erklärte dazu EU-Gesun­d­heits­­­kom­­mis­­sa­­rin Stella Kyria­ki­des. So gibt es neue Grenz­werte für Blei und auch für Cad­mium, das durch Ver­bren­nungs­pro­zesse, als Bestand­teil von Klär­schlamm oder durch Phos­phat­dün­gung in den Boden gelangt. Grund für die neuen Grenz­werte bei Blei sind Erkennt­nisse, wonach es keine Schwelle gibt, unter­halb derer gesund­heit­li­che Schä­di­gun­gen für den Men­schen sicher aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen. Blei gilt ebenso wie Cad­mium als kanzerogen.

Lach­gas als Pro­blem für fran­zö­si­sche Müllverbrennung

In Frank­reich füh­ren Reste von Lach­gas in Kar­tu­schen und Fla­schen immer wie­der zu Explo­sio­nen in Müll­ver­bren­nungs­an­la­gen. Schon seit Jah­ren wird Lach­gas als Par­ty­droge miss­braucht; beson­ders wäh­rend des Lock­downs hat der Kon­sum offen­sicht­lich zuge­nom­men. Das schlie­ßen die Betrei­ber der Müll­ver­bren­nungs­an­la­gen aus den gehäuft auf­tre­ten­den Pro­ble­men. Für die Repa­ra­tur nach einer Explo­sion muss der Ver­bren­nungs­ofen her­un­ter­ge­fah­ren wer­den. Die Kos­ten für die­sen Betriebs­stopp lie­gen bei 50.000 Euro.

Liba­non: Kol­laps des Gesund­heits­sys­tems droht

Im Liba­non droht ein voll­stän­di­ger Kol­laps des Gesund­heits­sys­tems, wie Ver­tre­ter von „Ärzte ohne Gren­zen“ war­nen. So müss­ten in den Spi­tä­lern Leis­tun­gen ratio­niert und Pati­en­ten prio­ri­siert wer­den, weil es weder Strom, Per­so­nal, Medi­ka­mente oder medi­zi­ni­sches Equip­ment gebe. Um Strom zu spa­ren, wer­den in vie­len Spi­tä­lern nur noch Not­fälle und keine chro­nisch Kran­ken mehr ver­sorgt. Die stän­di­gen Strom­aus­fälle kön­nen nur man­gel­haft mit Gene­ra­to­ren kom­pen­siert wer­den, da der not­wen­dige Treib­stoff fehlt. Nach Ansicht von Joao Mar­tins, Ein­satz­lei­ter von „Ärzte ohne Gren­zen“, ist eine der Ursa­chen für diese Ent­wick­lung das poli­ti­sche Vakuum im Land: Nach dem Rück­tritt der Regie­rung vor einem Jahr nach der Explo­sion im Hafen ist es bis­lang noch immer nicht gelun­gen, eine neue Regie­rung zu bilden.

Gui­nea: Marburg-Fieber

Mitte August die­ses Jah­res wurde im west­afri­ka­ni­schen Gui­nea eine Infek­tion mit dem Mar­­burg-Virus nach­ge­wie­sen. Das Mar­­burg-Fie­­ber geht mit schwe­ren Kopf­schmer­zen, hohem Fie­ber und inne­ren Blu­tun­gen ein­her und weist eine Mor­ta­li­tät von bis zu 88 Pro­zent auf. Erst­an­ste­ckun­gen bei Aus­brü­chen gehen häu­fig auf den Genuss von infi­zier­tem Fleisch von Wild­tie­ren wie etwa Flug­hun­den zurück.

Niger: Cho­­lera-Aus­­­bruch

Bei einem Cho­­lera-Aus­­­bruch im Süden des Niger haben sich min­des­tens 200 Men­schen ange­steckt, min­des­tens zwölf sind daran gestor­ben. Im süd­li­chen Nach­bar­land Nige­ria sind seit März die­ses Jah­res mehr als 600 Men­schen daran gestor­ben. Die Gren­zen zwi­schen den bei­den Län­dern gilt als Hot­spot für sol­che Aus­brü­che, da es für den Per­so­nen­ver­kehr nur wenige Ein­schrän­kun­gen gibt.

Elfen­bein­küste: Ebola-Ausbruch

In der west­afri­ka­ni­schen Elfen­bein­küste (Cote d’Ivoire) wurde erst­mals seit 1994 wie­der eine Ebola-Infe­k­­tion fest­ge­stellt. Nach Ansicht der WHO ist das Auf­tre­ten der aus Gui­nea ein­ge­schlepp­ten Infek­tion in der Vier-Mil­­lio­­nen-Metro­­pole Abidjan „extrem besorg­nis­er­re­gend“. Erst am 19. Juni die­ses Jah­res hat­ten die WHO und Gui­nea die zweite Ebola-Epi­­de­­mie des Lan­des für offi­zi­ell been­det erklärt.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /10.09.2021