Im Fokus: Burnout

10.02.2021 | Poli­tik

1. Bur­nout im ICD-11

Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) hat das Bur­­nout-Syn­­­drom in die Inter­na­tio­nale Klas­si­fi­ka­tion der Krank­hei­ten (ICD-11) auf­ge­nom­men, die nach 30 Jah­ren erst­mals neu gefasst wurde und mit 1. Jän­ner 2022 in Kraft tritt. Bur­nout wird darin nicht als eigen­stän­dige Krank­heit, son­dern als Syn­drom in der Unter­ru­brik „arbeits­be­zo­gene Pro­bleme“ gelistet.

2. Prä­va­lenz in Österreich

Eine reprä­sen­ta­tive Erhe­bung zur Prä­va­lenz für das Bur­­nout-Syn­­­drom in Öster­reich ergab, dass 19 Pro­zent der Befrag­ten sich dem Problem‑, 17 Pro­zent dem Über­­­gangs- sowie acht Pro­zent dem Bur­­nout-Erkran­­kungs­­sta­­dium zuord­nen. Beson­ders betrof­fen sind unter 30-Jäh­­rige, der Anteil ver­rin­gert sich mit zuneh­men­dem Alter und erhöht sich ab dem 50. Lebens­jahr. Nach dem 59. Lebens­jahr sinkt das Erkrankungsrisiko.

3. Aus­bren­nen im Arztberuf

Laut einer US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen Quer­schnitts­stu­die lei­det ein Drit­tel der Ärz­tin­nen und Ärzte unter kli­nisch rele­van­ten Schlaf­stö­run­gen, wel­che das Risiko für ein Bur­nout um das Vier­fa­che erhö­hen. 14 Pro­zent wie­sen Insom­nie, zwölf Pro­zent obstruk­tive Schlaf­apnoe und elf Pro­zent das Schich­t­ar­­bei­­ter-Syn­­­drom auf. Anzei­chen eines Bur­nouts wur­den bei 29 Pro­zent festgestellt.

4. Digi­ta­ler Stress

Die Auf­lö­sung der Tren­nung von Arbeit und Pri­va­tem und der soziale Kom­mu­ni­ka­ti­ons­druck über digi­tale Medien erzeu­gen beson­ders viel Stress – so das Resul­tat einer Online-Befra­­gung von mehr als 3.000 Per­so­nen. Durch das Smart­phone wird man im Schnitt 88 Mal pro Tag unter­bro­chen; das zuneh­mende Mul­ti­tas­king ver­un­mög­li­che „Flow-Erle­b­­nisse“ am Arbeits­platz. Digi­ta­ler Stress führt zu emo­tio­na­ler Erschöp­fung; zusam­men mit Arbeits­stress erhöht sich u.a. die Wahr­schein­lich­keit für ein Burnout.

5. The­ra­pien unzu­rei­chend erforscht

Stu­dien zur Wirk­sam­keit the­ra­peu­ti­scher Maß­nah­men auf das Bur­­nout-Syn­­­drom sind rar; ledig­lich der Nut­zen der kogni­ti­ven Ver­hal­tens­the­ra­pie gilt als belegt. Soweit eine mani­feste psy­chi­sche Stö­rung wie eine Angst­er­kran­kung oder eine Depres­sion vor­liegt, ist diese ent­spre­chend zu behandeln. 

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 3 /​10.02.2021