Kurz und infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

25.03.2021 | Medizin

Anti­kör­per-Kom­bi­na­tion gegen SARS-CoV‑2

Die Anwen­dung der mono­k­lo­na­len Anti­kör­per Casi­riv­imab und Imde­vimab – die REGN-COV2- Kom­bi­na­tion – hat der Aus­schuss für Human­arz­nei­mit­tel (CHMP) der Euro­päi­schen Arz­nei­mit­tel­agen­tur (EMA) emp­foh­len; sie ist damit bereits vor der Zulas­sung ver­füg­bar. Die bei­den Anti­kör­per bin­den das Spike-Pro­tein von SARS-CoV‑2 an zwei unter­schied­li­chen Stel­len und ver­hin­dern so das Ein­drin­gen des Virus in die mensch­li­chen Zel­len. Die Emp­feh­lung – REGN-COV2 wird intra­ve­nös ver­ab­reicht – beschränkt sich auf COVID-19-Pati­en­ten, die kei­nen zusätz­li­chen Sauer­stoff benö­ti­gen und bei denen kein hohes Risiko für einen schwe­ren Ver­lauf besteht. Die Kom­bi­na­tion redu­ziert die Virus­last stär­ker als Pla­cebo bei nur leich­ten bis mode­ra­ten Neben­wir­kun­gen, wie vor­läu­fige Resul­tate zei­gen. Aller­dings wur­den Reak­tio­nen in Zusam­men­hang mit der Infu­sion inklu­sive all­er­gi­sche Reak­tio­nen beob­ach­tet. EMA

Elek­tro­sti­mu­la­tion regu­liert Blut­druck bei Querschnittpatienten 

Durch die Elek­tro­sti­mu­la­tion von Ner­ven mit­tels Elek­tro­den, die chir­ur­gisch gesetzt wur­den, kann der Blut­druck bei Pati­en­ten mit Quer­schnitts­ver­let­zun­gen regu­liert wer­den. Die von Exper­ten der Eid­ge­nös­si­schen Tech­ni­schen Hoch­schule Lau­sanne (EPFL), des Uni­ver­si­täts­spi­tals Lau­sanne und der Uni­ver­sity of Cal­gary ent­wi­ckelte Methode funk­tio­niert über einen Sen­sor in der Arte­rie am Rücken­mark, der einen Blut­druck­ab­fall regis­triert und mit einem Herz­schritt­ma­cher kom­mu­ni­ziert. Die­ser sen­det gezielt Signale an neu­ro­nale Schalt­kreise des Rücken­marks, die den Blut­druck regu­lie­ren. „Die Sti­mu­la­tion kom­pen­siert die unter­bro­chene Kom­mu­ni­ka­ti­ons­li­nie zwi­schen dem zen­tra­len und dem sym­pa­thi­schen Ner­ven­sys­tem des Pati­en­ten“, erklärte Prof. Gre­go­ire Cour­tine von der EPFL. Ver­fei­nert und getes­tet wurde die Rücken­marks­sti­mu­la­tion zunächst im Tier­ver­such. Ein 38-jäh­ri­ger Chir­urg, der seit einem Sport­un­fall quer­schnitts­ge­lähmt ist, ist der erste, an dem die For­scher die neue Methode getes­tet haben. APA/​Nature

26,8 Pro­zent

aller behörd­lich nach­ge­wie­se­nen Neu­in­fek­tio­nen mit dem Corona-Virus ver­lau­fen asym­pto­ma­tisch. Von den 11.820 in der Kalen­der­wo­che 7 neu auf­ge­tre­te­nen Fäl­len zeig­ten 2.457 keine Sym­ptome, wie aus Daten der AGES her­vor­geht. APA

Stress bewirkt schlechte Entscheidungen

Gestresste Mäuse wäh­len im Laby­rinth dop­pelt so oft den fal­schen Weg. Das hat ein For­scher­team um den Neu­ro­wis­sen­schaf­ter Assoc. Prof. Manuel Mameli von der Uni­ver­si­tät Lau­sanne im Tier­mo­dell her­aus­ge­fun­den. Im Laby­rinth hat­ten die Mäuse die Wahl zwi­schen zwei Kor­ri­do­ren: an einem Ende gab es als Beloh­nung Fut­ter, am ande­ren nichts. Nach­dem die Mäuse den Weg kann­ten, wurde das Fut­ter umplat­ziert und ein Teil erhielt schwa­che Elek­tro­schocks an den Bei­nen. Diese Mäuse wähl­ten dop­pelt so oft den fal­schen Weg. In Hirn­scans wur­den bei den Mäu­sen Unter­schiede in der late­ra­len Haben­ula, einem Tha­la­mus-Kern­ge­biet, fest­ge­stellt. Dabei war die Akti­vi­tät der Syn­ap­sen bei gestress­ten Tie­ren schwä­cher, was zu schlech­te­ren Ent­schei­dun­gen und grö­ße­ren Ent­täu­schun­gen führte. Mameli dazu: „Es ist, als ob die Ner­ven­zel­len dem Tier nicht mehr das not­wen­dige Signal geben, um zu sagen: Du triffst die fal­sche Wahl, das Fut­ter ist weg. Ändere deine Stra­te­gie!“. Da Men­schen mit Depres­sio­nen Schwie­rig­kei­ten haben, zu erken­nen, wel­che Optio­nen gut und wel­che schlecht sind, soll das Expe­ri­ment an kran­ken Mäu­sen wie­der­holt wer­den. Damit soll ermit­telt wer­den, ob die Haben­ula ein mög­li­ches Ziel für psych­ia­tri­sche Behand­lun­gen dar­stellt. APA/​Neuron

Mam­mo­gra­phie: dif­fu­si­ons­ge­wich­tete MRT ver­rin­gert Biopsien

Der bei der dif­fu­si­ons­ge­wich­te­ten MRT ermit­telte Appa­rent dif­fu­sion coef­fi­ci­ent (ADC) gibt Auf­schluss dar­über, ob bei einer suspek­ten Ver­än­de­rung im Rah­men einer Mam­mo­gra­phie eine Biop­sie fol­gen muss. For­scher der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien um Paola Clau­ser von der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Radio­lo­gie führ­ten im Anschluss an eine kon­ven­tio­nelle MRT noch eine rund drei­mi­nü­tige dif­fu­si­ons­ge­wich­tete MRT durch. Laut Erst-Autorin Clau­ser ent­falle eine Biop­sie bei einem Grenz­wert (ADC) grö­ßer gleich 1,5+10–3 mm²/​s. Damit könnte die Zahl der Biop­sien nach einer MRT um 30 Pro­zent ver­rin­gert wer­den. Stu­di­en­lei­ter Pas­cal Balt­zer ergänzt: „In die­ser mul­ti­zen­tri­schen Stu­die ist es uns mit die­sem Grenz­wert gelun­gen, einen objek­ti­ven, stan­dar­di­sier­ten Bio­mar­ker zu eta­blie­ren.“ APA/​MedUni Wien 

Muta­tion im „Sparc“-Gen begüns­tigt Sehnenrisse

Men­schen mit Seh­nen- und Bän­der­ris­sen haben häu­fig eine bestimmte Muta­tion im Sparc-Gen. Das führt zu einer schlech­ten Abgabe des Sparc-Pro­te­ins in die extra­zel­lu­läre Matrix und damit zu einer gerin­ge­ren Fes­tig­keit der Seh­nen. Dazu unter­suchte Univ. Prof. Andreas Tra­we­ger vom Insti­tut für Seh­nen- und Kno­chen­re­ge­ne­ra­tion der Para­cel­sus Medi­zi­ni­schen Pri­vat­uni­ver­si­tät in Zusam­men­ar­beit mit inter­na­tio­na­len Kol­le­gen Achil­les­seh­nen an Mäu­sen. Fehlt das Pro­tein Sparc, waren die Seh­nen der Mäuse schwä­cher ent­wi­ckelt als die­je­ni­gen von gesun­den Mäu­sen. Ist die extra­zel­lu­läre Matrix schwä­cher, „neh­men die ein­ge­bet­te­ten Zel­len auf­tre­tende Las­ten wie Deh­nung ver­stärkt wahr“, so Tra­we­ger. Die Matrix samt Eiweiß­stoff­fa­sern wird abge­baut und Ent­zün­dun­gen ent­ste­hen. Aktu­ell wird im Tier­mo­dell unter­sucht, ob durch die Gabe von Sparc die Hei­lung von Seh­nen geför­dert wer­den kann. APA/​Science Trans­la­tio­nal Medicine

Vogel­grippe-Virus: erst­mals Infek­tio­nen bei Menschen

In Russ­land haben sich welt­weit erst­mals sie­ben Men­schen in einer Geflü­gel­fa­brik mit dem H5N8-Vogel­grippe-Virus infi­ziert, nach­dem im Dezem­ber des Vor­jah­res die Vogel­grippe bei den Tie­ren auf­ge­tre­ten war. Die infi­zier­ten Arbei­ter haben den Anga­ben von Anna Popowa, Lei­te­rin der rus­si­schen Gesund­heits­be­hörde, zufolge keine ernst­haf­ten gesund­heit­li­chen Fol­gen erlit­ten. Da sich das Virus der­zeit offen­bar noch nicht von Mensch zu Mensch über­trage, gebe das „der gan­zen Welt Zeit, uns auf mög­li­che Muta­tio­nen vor­zu­be­rei­ten und ange­mes­sen und recht­zei­tig zu reagie­ren“, so Popowa. H5N8 ist für Vögel hoch anste­ckend und töd­lich; aller­dings wurde bis­her keine Gefahr für Men­schen ange­nom­men. In Öster­reich wur­den seit Februar 2021 im natio­na­len Refe­renz­la­bor der AGES bei der Unter­su­chung von toten Wild­vö­geln vier­mal das hoch patho­gene aviäre Influ­en­za­vi­rus (HPAI, Sero­typ H5N8 bezie­hungs­weise H5N5) dia­gnos­ti­ziert. APA

Mikro­ve­hi­kel schwim­men gegen Blutstrom

Mikro­ve­hi­kel, die gegen den Blut­strom flie­ßen kön­nen, wer­den der­zeit an der Eid­ge­nös­si­schen Tech­ni­schen Hoch­schule (ETH) Zürich ent­wi­ckelt. Die For­scher um Daniel Ahmed und Bradly Nel­son, Pro­fes­so­ren am Depar­te­ment Maschi­nen­bau und Ver­fah­rens­tech­nik, ori­en­tier­ten sich an der Boots­fahrt: Fluss­auf­wärts wird in Ufer­nähe geru­dert, da dort die Fließ­ge­schwin­dig­keit wegen des Rei­bungs­wi­der­stands des Ufers gerin­ger ist als in der Fluss­mitte. Die For­scher brach­ten mit­hilfe von Ultra­schall in einer bestimm­ten Fre­quenz einen Mikro­kü­gel­chen-Schwarm in einem Röhr­chen in Wand­nähe. Dann konn­ten sie die Mikro­kü­gel­chen mit einem rotie­ren­den Magnet­feld ent­ge­gen der Fluss­rich­tung bewe­gen. Mög­li­che Anwen­dungs­fel­der sind Obstruk­tio­nen von Blut­ge­fä­ßen oder auch das Ein­brin­gen von Onko­lo­gika in Tumor­ge­webe. APA

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 6 /​25.03.2021