Kurz und Infor­ma­tiv: Medi­zi­ni­sche Kurzmeldungen

24.11.2021 | Medi­zin

Para­bu­lin stoppt Wachs­tum von Toxo­plasma gondii

Der neu ent­deckte Wirk­stoff Para­bu­lin kann das Wachs­tum von Toxo­plasma gon­dii im Labor­ver­such stop­pen. Para­bu­lin dockt gezielt an das Tubu­lin von Toxo­plasma gon­dii an und stoppt des­sen Wachs­tum, berich­ten For­scher um Nat­acha Gail­lard und Ashwani Scharma vom Schwei­zer Paul Scher­rer Insti­tut. Toxo­plasma gon­dii zählt ebenso wie Mala­ria zu den Api­co­plexa. Die Wis­sen­schaf­ter ent­schlüs­sel­ten die mole­ku­lare Struk­tur von Tubu­lin eines Wim­pern­tier­chens, das jenem in Api­com­plexa quasi iden­tisch ist. Die faden­för­mi­gen Tubu­line spie­len eine zen­trale Rolle bei der Zell­tei­lung: Bei einer Blo­ckade kön­nen sich die Para­si­ten nicht mehr ver­meh­ren. Nun sol­len Arz­nei­mit­tel ent­wi­ckelt wer­den, die die Repli­ka­tion der Para­si­ten mit­hilfe der Tubu­­lin-Blo­ckade hier stop­pen. Para­bu­lin dürfte nicht nur gegen Toxo­plasma gon­dii, son­dern gegen alle Ver­tre­ter der Api­­com­­plexa-Para­­si­­ten wir­ken. APA/​EMBO Mole­cu­lar Medicine

21.200 Ton­nen Mikro­plas­tik­par­ti­kel durch LKW und PKW

Rund 2,4 Kilo­gramm Rei­fen­ab­rieb fal­len pro Per­son und Jahr in Öster­reich an. Zu die­sem Ergeb­nis kom­men For­scher um Dipl. Ing. Flo­rian Part vom Insti­tut für Abfall­wirt­schaft der Uni­ver­si­tät für Boden­kul­tur in Wien bei ihren Berech­nun­gen aller KFZ-Klas­­sen inklu­sive Tran­sit­ver­kehr. Dem­nach ver­liert ein acht Kilo­gramm schwe­rer Rei­fen in drei Jah­ren auf rund 60.000 Kilo­me­tern etwa ein Fünf­tel sei­nes Gewichts. Ins­ge­samt ver­ur­sach­ten PKW- und LKW-Ver­­­kehr im Jahr 2018 circa 21.200 Ton­nen Mikro­plas­tik­par­ti­kel auf Öster­reichs Stra­ßen. Der Anteil der LKW ist mit 57 Pro­zent am größ­ten, gefolgt von PKW mit 41 Pro­zent. Der Rest fällt auf Busse; Motor­rä­der, Mopeds und Fahr­rä­der fal­len nur wenig ins Gewicht. Etwa 60 Pro­zent der gesam­ten Mikro­­plas­­tik-Emis­­si­o­­nen sind durch Stra­ßen­ver­kehr ver­ur­sacht. Dar­über hin­aus gelan­gen auch Rei­fen­in­halts­stoffe wie Addi­tive, Füll­stoffe und vor allem Indus­trie­ruß im Aus­maß von rund 5.500 Ton­nen jähr­lich in die Umwelt. APA/​Environmental Pollution

Schwan­ger­schafts­test mit­tels Speichel

Den welt­weit ers­ten Spei­­chel-Schwan­­ger­­schafts­­­test hat das israe­li­sche Unter­neh­men Sali­gnostics ent­wi­ckelt. Ein saug­fä­hi­ger Stick muss zunächst in den Mund und dann in einen Test­be­häl­ter gesteckt wer­den; bin­nen Minu­ten kann fest­ge­stellt wer­den, ob eine Schwan­ger­schaft vor­liegt. Der Salistick funk­tio­niert im Grunde wie ein Urin-Schwan­­ger­­schafts­­­test durch den Nach­weis von Beta-hCG. Der Test kann vom ers­ten Tag nach dem Aus­blei­ben der Regel ange­wen­det wer­den. Nach kli­ni­schen Prü­fun­gen mit mehr als 300 Frauen in Israel und meh­re­ren Tau­send ana­ly­ti­schen Tests liegt die Sen­si­ti­vi­tät bei 95 Pro­zent, die Spe­zi­fi­tät bei 97 Pro­zent. Den Anga­ben der Her­stel­ler zufolge soll das Pro­dukt in den nächs­ten Mona­ten in Europa erhält­lich sein. APA

Immun­sys­tem arbei­tet im 24-Stunden-Rhymthmus

Die Akti­vie­rung des mensch­li­chen Immun­sys­tems ist in der spä­ten Ruhe­phase am stärks­ten aus­ge­prägt: bei nacht­ak­ti­ven Mäu­sen am Nach­mit­tag, beim Men­schen am frü­hen Mor­gen. Der Grund: Die Akti­vi­tät der den­dri­ti­schen Zel­len ist wäh­rend der Ruhe­pha­sen am größ­ten. Zu die­ser Erkennt­nis gelang­ten For­scher um Prof. Chris­toph Schlei­er­mann vom Insti­tut für Patho­lo­gie und Immu­no­lo­gie der Uni­ver­si­tät Genf und der Lud­­wig-Maxi­­mi­­li­ans-Uni­­ver­­­si­­tät Mün­chen durch Tier­ver­su­che und Expe­ri­mente mit mensch­li­chen Zell­kul­tu­ren. Der Pro­zess der kör­per­ei­ge­nen Abwehr hänge von der Tages­zeit ab und folge einem 24-Stun­­­den-Rhyth­­mus, so die For­scher. Sie iden­ti­fi­zier­ten zahl­rei­che Mole­küle – u.a. Che­mo­kine, deren Expres­sio­nen durch die innere Uhr gesteu­ert wer­den. APA/​Nature Immunology

Corona I: Schwe­den als Virus-Exporteur

Die zurück­hal­tende Corona-Stra­­te­­gie von Schwe­den hat dazu bei­getra­gen, dass das Virus in andere Län­der getra­gen wer­den konnte. Zu die­sem Ergeb­nis kom­men Wis­sen­schaf­ter der schwe­di­schen Uni­ver­si­tät Upp­sala, des Nor­we­gi­schen Insti­tuts für öffent­li­che Gesund­heit und der Uni­ver­si­tät Syd­ney in Aus­tra­lien nach der Ana­lyse von 71.000 Pro­ben. Diese stell­ten die Basis dar für die Nach­ver­fol­gung der Aus­brei­tung des Virus. Die Infek­ti­ons­ket­ten mit Ursprung in Schwe­den über­schrit­ten dabei in meh­re­ren 100 Fäl­len die Lan­des­gren­zen. „Schwe­den war im ers­ten Jahr der Pan­de­mie ein Netto-Expor­­teur des SARS-CoV-2-Virus in unsere nor­di­schen Nach­bar­län­der“, sagt John Pet­ters­son von der Uni­ver­si­tät in Upp­sala. Im Gegen­satz zu ande­ren skan­di­na­vi­schen Län­dern hatte das Land kaum Maß­nah­men ergrif­fen, um die Ver­brei­tung des Virus zu stop­pen. In der Folge kam es zu hohen Infek­ti­ons­zah­len, die letzt­lich auch die Muta­tion des Virus begüns­tig­ten. APA/​Eurosurveillance

Corona II: Hepa­rin ver­kürzt Infektionszeit

Die neu­ar­tige mit COVID-19 asso­zi­ierte Koagulo­pa­thie tritt fast aus­schließ­lich bei Pati­en­ten auf, die des­we­gen inten­siv­me­di­zi­nisch behan­delt wer­den oder an den Fol­gen der Infek­tion verster­ben. Das zeigt eine mul­ti­zen­tri­sche Stu­die der Kli­nik Favo­ri­ten Wien, der Johan­nes Kep­­ler-Uni­­ver­­­si­­tät Linz und des Lan­des­kran­ken­hau­ses Inns­bruck in Zusam­men­ar­beit mit einem Team von Wis­sen­schaf­tern um David Pereyra vom Insti­tut für Gefäß­bio­lo­gie und Throm­bo­se­for­schung der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien. Wei­tere Ana­ly­sen erga­ben, dass eine Behand­lung mit nie­der­mo­le­ku­la­rem Hepa­rin die Zeit­spanne der akti­ven SARS-CoV-2-Infe­k­­tion durch­schnitt­lich um vier Tage ver­kürzt. Wie expe­ri­men­telle Daten zei­gen, kann Hepa­rin die Bin­dungs­fä­hig­keit von SARS-CoV‑2 an Zel­len und dadurch deren Infek­tion ver­hin­dern. Car­dio­vascu­lar Research

11,8 Pro­zent

der Corona-Neu­in­­fe­k­­ti­o­­nen in Groß­bri­tan­nien sind durch die Delta-Sub­­­va­­ri­ante AY.4.2. ver­ur­sacht. Daten von mehr als 100.000 Men­schen wur­den für die Stu­die des Impe­rial Col­lege Lon­don ausgewertet.

Bio­ak­tive Nano-Fasern beschleu­ni­gen Axon-Wachstum

Ein Mate­rial aus bio­ak­ti­ven Nano­fa­sern, das die Hei­lung von Ner­ven­schä­den und Rücken­marks­ver­let­zun­gen för­dert, ent­wi­ckelte das Team um Zaida Alva­rez von der Nor­thwes­tern Uni­ver­sity of Chi­cago. Das neue Bio­ma­te­rial besteht aus Pep­­tid-Amphi­­p­hi­­len – syn­the­ti­schen Pep­­tid-Mole­­kü­­len. Diese orga­ni­sie­ren sich zu einem Netz aus Nano­fa­sern nach der Injek­tion an einen ver­letz­ten Nerv und bil­den ein extra­zel­lu­lä­res Stütz­ge­rüst. Die Pep­tide sind bio­ak­tiv und wir­ken zwei­fach: Einer­seits regen sie die durch­trenn­ten Ner­ven­fort­sätze zur Rege­ne­ra­tion an; ande­rer­seits för­dern sie die Neu­bil­dung von Mye­lin und Blut­ge­fä­ßen an der ver­letz­ten Stelle. Nach zwölf Wochen wird die­ses Stütz­ge­rüst vom Kör­per ohne Neben­wir­kun­gen abge­baut. Im Tier­ver­such mit ver­schie­de­nen Vari­an­ten der bio­ak­ti­ven Pep­­tid-Amphi­­p­hile an gelähm­ten Mäu­sen began­nen die durch­trenn­ten Ner­ven­fort­sätze zu wach­sen. Je nach Zusam­men­set­zung des Nano­­fa­­ser-Gerüsts war das Axon-Wachs­­tum zwei bis 50-Mal grö­ßer als in der Kon­troll­gruppe. Nach Ansicht der Wis­sen­schaf­ter eröff­net die­ser Ansatz neue Mög­lich­kei­ten, die Ner­ven­hei­lung zu för­dern und anhal­tende Läh­mun­gen zu ver­hin­dern. Sci­ence

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2021