Sub­sti­tu­ti­ons­the­ra­pie: Sprit­zen statt schlucken

Sep­tem­ber 2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

Neue Depot­me­di­ka­mente in der Sub­sti­tu­ti­ons­the­ra­pie könn­ten für viele Pati­en­ten deut­li­che Erleich­te­run­gen brin­gen. Doch die Öster­rei­chi­sche Gesund­heits­kasse steht aus Kos­ten­grün­den auf der Bremse.

Drei Jahre ist es her, dass das Depot­me­di­ka­ment Buvi­dal® (Buprenor­phin­lö­sung) für Opi­at­ab­hän­gige von der Euro­päi­schen Arz­nei­mit­tel­be­hörde (EMA) zuge­las­sen wurde. Die wöchent­li­che bzw. monat­li­che Spritze zur Opiat-Sub­­s­ti­­tu­­tion wird in vie­len euro­päi­schen Län­dern ver­wen­det und von den Kran­ken­ver­si­che­run­gen gezahlt. In Öster­reich müs­sen aller­dings viele Betrof­fene wei­ter täg­lich in die Apo­theke, um ihre Tablet­ten abzu­ho­len. Der Grund: Die Öster­rei­chi­sche Gesund­heits­kasse (ÖGK) möchte die fünf bis sechs­mal so teure Dro­gen­ersatz­the­ra­pie nicht bezah­len, kri­ti­siert die Öster­rei­chi­sche Ärz­te­kam­mer (ÖÄK): „Lei­der wird die Pati­en­ten­ver­sor­gung mit Sub­stanz­ge­brauchs­stö­run­gen von der ÖGK sehr stief­müt­ter­lich behan­delt“, sagte Nor­bert Jachi­mo­wicz, Lei­ter des ÖÄK-Refe­ra­­tes für Sub­sti­tu­ti­ons­an­ge­le­gen­hei­ten, im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz. Das sei umso absur­der, als das öster­rei­chi­sche Par­la­ment die Sub­sti­tu­ti­ons­ver­ord­nung eben auf­grund der nun ver­füg­ba­ren sub­ku­tan zu appli­zie­ren­den Depot­zu­be­rei­tung geän­dert hat, um den Ein­satz zu ermög­li­chen. Was die Kos­ten betreffe, müsse man auch die Fol­ge­kos­ten berück­sich­ti­gen, die etwa bei Miss­brauch und Rück­fäl­len ent­stün­den. Zudem ver­wies Jachi­mo­wicz auf die The­ra­pien von Pati­en­ten mit Schi­zo­phre­nie oder bipo­la­rer Stö­rung, die seit Län­ge­rem inji­zier­bare Depot­prä­pa­rate erhal­ten, die von der ÖGK anstands­los bewil­ligt wür­den: „Warum dann nicht auch bei Pati­en­ten mit Substanzgebrauchsstörungen?“

Inte­gra­tion in den Arbeitsalltag

Die Zahl der Betrof­fe­nen sei zudem über­schau­bar, ergänzte Gabriele Fischer, Lei­te­rin der Dro­gen­am­bu­lanz, Sucht­for­schung und Sucht­the­ra­pie an der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien. Die Monats­do­sie­rung koste pro Pati­ent etwa 500 Euro: „Das ist wahn­sin­nig güns­tig im Ver­gleich zu ande­ren Medi­ka­men­ten, die psy­chisch Kranke bekom­men”, sagte sie. Anders als bei nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten erhal­ten Sub­sti­tu­ti­ons­pa­ti­en­ten in vie­len Spi­tals­am­bu­lan­zen und in Gefäng­nis­sen eine Injek­tion statt eines ora­len Medi­ka­men­tes, denn die Bud­gets sind hier nicht von der ÖGK abhän­gig. Und die The­ra­pie erhält viel Zuspruch: „Das inter­dis­zi­pli­näre Behand­lungs­team berich­tet über posi­tive Erfah­run­gen, eine gute Ver­träg­lich­keit und dem Vor­teil, nicht täg­lich oder wöchent­lich in der nie­der­ge­las­se­nen Apo­theke die Medi­ka­tion behe­ben zu müs­sen, wodurch eine vor­teil­hafte Inte­gra­tion in den Arbeits­all­tag ermög­licht wird“, sagte Fischer. Auch in der Dro­gen­am­bu­lanz in Inns­bruck wür­den etwa 20 Pati­en­ten mit dem Depot­me­di­ka­ment behan­delt, dar­un­ter sowohl sozial gut inte­grierte, arbei­tende Pati­en­ten, z.B. auch Schicht­ar­bei­ter, aber auch Men­schen mit Per­sön­lich­keits­stö­run­gen und soma­ti­schen Erkran­kun­gen. Es gebe auch Pati­en­ten, die es mit dem Depot schaf­fen wür­den, den par­en­te­ra­len Kon­sum von Buprenor­phin ein­zu­stel­len, berich­tet Jachi­mo­wicz. Neben einer höhe­ren Com­pli­ance wür­den zudem Ent­zugs­zei­chen weg­fal­len, ebenso gebe es kei­nen Bei­kon­sum von ande­ren Opi­aten, was durch regel­mä­ßige Harn­ana­ly­sen auf Dro­gen über­prüft werde.

In einer schrift­li­chen Stel­lung­nahme der ÖGK gegen­über der APA als Reak­tion auf die Pres­se­kon­fe­renz ver­wies ÖGK-Che­f­­arzt Andreas Krau­ter auf Gesprä­che mit füh­ren­den Sucht­ex­per­ten, wie Buvi­dal® opti­mal und ziel­ge­rich­tet ein­ge­setzt wer­den könne: „Diese Gesprä­che wer­den im Herbst fort­ge­setzt, um eine best­mög­li­che Ver­sor­gung für die Betrof­fe­nen sicher­zu­stel­len. Die Ver­hand­lun­gen mit der ver­trei­ben­den Firma konn­ten bis­her noch nicht zu einem erfolg­rei­chen Abschluss gebracht wer­den”, erläu­terte Krau­ter. (sni)

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /10.09.2021