Stand­punkt Tho­mas Sze­ke­res: Ver­ständ­nis – am rich­ti­gen Ort

24.11.2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

a.o. Univ.-Prof. Thomas SzekeresGenau wie vor einem Jahr sieht der Novem­ber nicht nur wegen der Jah­res­zeit wie­der düs­ter aus. Auch die Pan­de­mie­si­tua­tion lässt erneut kei­nen ent­spann­ten Win­ter zu, obwohl uns in die­sem Jahr sogar ein wirk­sa­mer und aus­rei­chend ver­füg­ba­rer Impf­schutz zur Ver­fü­gung steht. Lei­der haben sich die Befürch­tun­gen bewahr­hei­tet und die COVID-Imp­f­­quote sah Öster­reich noch Anfang Novem­ber auf dem letz­ten Platz in West­eu­ropa, die Infek­ti­ons­zah­len sind wie­der expo­nen­ti­ell gestie­gen und die Inten­siv­sta­tio­nen haben sich wie­der gefüllt. Die Ein­füh­rung der 2G-Regel scheint posi­tive Aus­wir­kun­gen auf die Impf­quote zu haben, wie lange der Effekt anhält und wann er sich in einer Ent­las­tung der Situa­tion mani­fes­tiert, bleibt aber abzuwarten.

Beson­ders erschüt­ternd ist aber, dass man­che Grup­pie­run­gen nicht ein­mal davor zurück­schre­cken, aus der aktu­el­len Pan­de­mie­si­tua­tion poli­ti­sches Klein­geld schla­gen zu wol­len und die Bevöl­ke­rung mit Halb­wahr­hei­ten und abstru­sen Rat­schlä­gen zur COVID-Behan­d­­lung ver­un­si­chern. Sol­che Rat­schläge sind ein Schlag ins Gesicht für alle Ärz­tin­nen und Ärzte und das Spi­tals­per­so­nal, die alle­samt jeden Tag nach aktu­ells­tem Stand der Wis­sen­schaft schwer­kranke COVID-Pati­en­­ten behan­deln und um jedes Men­schen­le­ben kämp­fen. Zum Dank wer­den sie von ein­zel­nen Ver­tre­tern poli­ti­scher Grup­pie­run­gen sogar noch pau­schal belei­digt. Hier hört sich wirk­lich jedes Ver­ständ­nis auf.

Mehr denn je gilt es nun, die Imp­fung und das Impf­schema ernst zu neh­men. Auch die dritte Dosis darf nicht ver­nach­läs­sigt wer­den, sie ist not­wen­dig, um dem nach­las­sen­den Impf­schutz ent­ge­gen­zu­wir­ken und wie­der den gewohnt hohen Schutz her­zu­stel­len. Hier machen die Zah­len aus Israel Mut. Auf dem Sek­tor der COVID-Medi­­­ka­­mente gibt es eben­falls der­zeit ver­mehrt posi­tive Signale, bis diese Prä­pa­rate aber wirk­lich zur Ver­fü­gung ste­hen, könnte es aber noch dau­ern und Zeit haben unsere Inten­siv­sta­tio­nen und das dort tätige Per­so­nal lei­der keine mehr. Schon jetzt befin­den sich hier Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen an der Grenze ihrer kör­per­li­chen und psy­chi­schen Belast­bar­keit. Beim Pfle­ge­per­so­nal denkt ein hoher Pro­zent­satz schon an einen Berufs­aus­stieg. Es braucht jetzt Soli­da­ri­tät mit die­sen hel­den­haf­ten Men­schen, kein poli­ti­sches Geplän­kel und kei­nen Ego­is­mus. Nur gemein­sam wer-den wir die Krise überwinden.

a.o. Univ.-Prof. Tho­mas Sze­ke­res
Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 22 /​25.11.2021