Stand­punkt Tho­mas Sze­ke­res: Keine Kos­ten scheuen

Sep­tem­ber 2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

a.o. Univ.-Prof. Thomas SzekeresErkran­kun­gen ver­schwin­den nicht wie von Geis­ter­hand und es wird Zeit, dass sie wie­der in den Vor­der­grund rücken. Kollateral­schäden, weil Pati­en­ten pan­de­mie­be­dingt nicht zur Vor­sorge gegan­gen sind, dür­fen nicht igno­riert wer­den. Früh­-Dia­­gno­­sen sind zurück­ge­gan­gen, Blut­hoch­druck, Dia­be­tes und Herz­-Kreis­lauf-­Er­­kran­­kun­­­gen wer­den zuneh­men, ebenso Über­ge­wicht und Adi­po­si­tas. Kin­der und Jugend­li­che wei­sen nach Zei­ten der Lock­downs und Schul­schlie­ßun­gen Impflü­cken auf, die rasch zu schlie­ßen sind. Hoch­in­fek­tiöse Erkran­kun­gen wie Masern las­sen sich mit einer hohen Durch­imp­fungs­rate aus­rot­ten. Hier gehört wie­der drin­gend ange­setzt, denn es muss vie­les auf­ge­holt wer­den, was ver­ab­säumt wurde.

Eine wei­tere Bau­stelle sind die Ver­sor­gung­s­truk­tu­ren der Zukunft. Ange­sichts der immer älter wer­den­den Bevöl­ke­rung und der stei­genden Anzahl an chro­ni­schen Erkran­kun­gen – die frü­her noch töd­lich ver­lie­fen – wer­den diese mehr denn je gefragt sein und uns alle betref­fen. Hier muss es nicht nur eine Ver­zah­nung zwi­schen den ein­zel­nen Gesund­heits­be­ru­fen geben, son­dern auch die finan­ziellen Mit­tel für ent­spre­chende Pro­jekte zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Not­lö­sung von 24­Stunden­Pflegern aus dem Aus­land ist keine dau­er­hafte Lösung.

Auch in der Finan­zie­rung muss umge­dacht wer­den – Gesun­d­heits­- und Sozi­al­be­rufe müs­sen ent­spre­chend hono­riert wer­den. Pati­en­ten­ver­sor­gung bedeu­tet auch viel Kom­mu­ni­ka­tion, Auf­klä­rung, Infor­ma­tion und aus­führ­li­che Gesprä­che. Das wird der­zeit nicht ent­spre­chend hono­riert. Ebenso müs­sen jene Hono­rare angeho­ben wer­den, die seit bald 30 Jah­ren nicht erhöht wur­den, Stich­wort Mut­­ter-Kind­-Pass. Es schril­len die Alarm­glo­cken, wenn der ÖGK­ Obmann in einem Neben­satz im Radio erwähnt, dass die Gel­der umge­schich­tet wer­den sol­len, dass in sei­nen Augen hochverdie­nende Ärz­tin­nen und Ärzte in ihren Hono­ra­ren redu­ziert wer­den, die bei­spiels­weise All­ge­mein­me­di­zi­nern und Kin­der­ärz­ten zugute­ kom­men. So wird das nicht gehen. Die Leis­tun­gen gehö­ren adäquat ange­gli­chen, aber nicht zulas­ten von ande­ren Ärz­tin­nen und Ärz­ten. Damit pro­vo­ziert man nur einen Kas­sen­ärz­te­man­gel in wei­te­ren medi­zi­ni­schen Fächern und Unver­ständ­nis bei den Betroffenen.

Es bleibt viel zu tun und der Poli­tik muss klar sein: diese offe­nen Bau­stel­len im Gesund­heits­sys­tem müs­sen fer­tig­ge­stellt wer­den. Gesund­heit ist der fal­sche Ort, um Kos­ten und Mühen zu scheuen.

a.o. Univ.-Prof. Tho­mas Sze­ke­res
Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 18 /25.09.2021