Stand­punkt Tho­mas Sze­ke­res: Ärz­te­no­velle: Schlag ins Gesicht

August 2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

a.o. Univ.-Prof. Thomas SzekeresIn einer Pan­de­mie ist die Arbeit von Ärz­tin­nen und Ärz­ten, Pfle­ge­rin­nen und Pfle­gern sowie sämt­li­chen Mit­ar­bei­tern im Bereich der Gesund­heits­be­rufe umso sicht­ba­rer. Ob nun in Spi­tä­lern, in Ordi­na­tio­nen oder in Impf­zen­tren und Impf­stra­ßen – aller­orts war das Enga­ge­ment der Ärz­te­schaft spür­bar. Sie alle haben bis an die per­sön­li­che Belas­tungs­grenze und oft dar­über hin­aus ihr Bes­tes gege­ben. Sie waren jeder­zeit für ihre Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten da und haben die Ver­sor­gung auch abseits von SARS-CoV‑2 aufrechterhalten.

Anstatt diese Leis­tung sub­stan­ti­ell zu wür­di­gen und die Ärz­tin­nen und Ärzte best­mög­lich in ihrer Arbeit zu unter­stüt­zen, damit die Qua­li­tät in der Pati­en­ten­ver­sor­gung auf dem hohen Niveau bei­be­hal­ten wer­den kann, wurde just in die­ser Zeit eine Novelle des Ärz­te­ge­set­zes beschlos­sen. Ein juris­ti­scher For­mal­feh­ler, der leicht aus der Welt zu schaf­fen gewe­sen wäre, wurde macht­po­li­tisch für einen Rund­um­schlag auf die ärzt­li­che Selbst­ver­wal­tung miss­braucht. Mit schwer­wie­gen­den Fol­gen: Der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer wer­den Kom­pe­ten­zen bei der ärzt­li­chen Aus­bil­dung und bei der Qua­li­täts­si­che­rung ent­zo­gen. Die ärzt­li­che Aus­bil­dung soll nun zu den Bun­des­län­dern, die Qua­li­täts­si­che­rung an das Gesund­heits­mi­nis­te­rium wandern.

Dafür fehlt uns jedes Ver­ständ­nis. Wer, wenn nicht Ärz­tin­nen und Ärzte, kön­nen kom­pe­tent ihr Wis­sen und ihre Erfah­rung ein­brin­gen, damit die Rah­men­be­din­gun­gen und Inhalte der ärzt­li­chen Aus­bil­dung so sind, dass die Pati­en­ten­ver­sor­gung sicher­ge­stellt ist? Das ist kein neues Kon­zept, in allen mög­li­chen Bran­chen wird der Nach­wuchs von den Erfah­re­nen aus­ge­bil­det, so bil­den Bäcker auch ihre Lehr­linge aus. Warum soll­ten die Rah­men­be­din­gun­gen der jun­gen Ärz­tin­nen und Ärzte von Bezirks­äm­tern fest­ge­legt wer­den, statt von den Exper­ten in den eige­nen Reihen?

Das ist ein Schlag ins Gesicht der Ärz­tin­nen und Ärzte. Und es ist ein poli­ti­sches Macht­spiel auf dem Rücken der Ärz­tin­nen und Ärzte und der gesam­ten Bevöl­ke­rung. Es wird dabei ver­ges­sen, dass es hier um das wert­vollste Gut geht, näm­lich um die Gesund­heit der Bevölkerung.

Es ist faden­schei­nig, einer­seits Maß­nah­men zum Schutz der Gesund­heit der Bevöl­ke­rung vor einem neuen Virus zu ver­an­las­sen, aber gleich­zei­tig still und heim­lich die gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen auf Kos­ten der all­ge­mei­nen Gesund­heit der Bevöl­ke­rung zu ändern.

a.o. Univ.-Prof. Tho­mas Sze­ke­res
Prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärztekammer

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 12 /25.06.2021