Inter­view: Qua­li­tät: Gesichert

August 2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

Qua­li­täts­si­che­rung in der Medi­zin ist eine Quer­schnitts­ma­te­rie: Hygiene, Pati­en­ten­si­cher­heit und medi­zi­ni­sche Wis­sen­schaft sind Teile davon, sagt Artur Wech­sel­ber­ger, Lei­ter des ÖÄK-Refe­­rats für Qua­li­täts­si­che­rung und Qua­li­täts­ma­nage­ment und stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der ÖQMED.

„Qua­li­täts­si­che­rung in der Medi­zin ist eine Querschnittsmaterie.“

Artur Wech­sel­ber­ger

Wor­auf kommt es bei der Qua­li­täts­si­che­rung in der Medi­zin an? Die Qua­li­täts­an­for­de­run­gen, die es zu erfül­len gibt, bezie­hen sich auf die Effek­ti­vi­tät bezüg­lich der Mit­tel, bei­spiels­weise ob sie wirk­sam und taug­lich sind. Zudem ver­weist die öster­rei­chi­sche Geset­zes­lage auf die Pati­en­ten­ori­en­tie­rung, die Trans­pa­renz sowie auf die Effi­zi­enz – ver­stan­den als die Rela­tion des Mit­tel­ein­sat­zes zum Ergeb­nis. Zen­tra­les Anlie­gen ist die Opti­mie­rung von Struktur‑, Pro­­­zess- und Ergeb­nis­qua­li­tät. Auch die Pati­en­ten­si­cher­heit gehört zu den gesetz­lich vor­ge­ge­be­nen Qua­li­täts­zie­len. Mit dem Gesund­heits­qua­li­täts­ge­setz, das 2005 in Kraft trat, ist es gelun­gen, einen ein­heit­li­chen Qua­li­täts­stan­dard in Kran­ken­häu­sern und Pra­xen zu errei­chen. Im nie­der­ge­las­se­nen Bereich hat die ÖQMED in der Umset­zung ihres Auf­tra­ges einen gro­ßen Bei­trag zur Errei­chung die­ses Zie­les geleis­tet. Von öffent­lich aner­kann­ter Kom­pe­tenz zeugt auch die Tat­sa­che, dass ambu­lante Kran­ken­an­stal­ten zur gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Qua­li­täts­über­prü­fung auch die ÖQMED, als Alter­na­tive zur behörd­li­chen Über­prü­fung, beauf­tra­gen können.

Inwie­weit wird die Mit­­ar­­bei­­ter- bezie­hungs­weise Pati­en­ten­zu­frie­den­heit geprüft? Bei der Mes­sung der Mit­ar­bei­ter­zu­frie­den­heit unter­schei­den sich Arzt­pra­xen nicht von ande­ren Unter­neh­men. In den meist klei­nen Arzt­pra­xen, die nur wenig Per­so­nal beschäf­ti­gen, ist es etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig, Zei­ten für regel­mä­ßige, struk­tu­rierte Mit­ar­bei­ter­ge­sprä­che ein­zu­pla­nen oder Zei­chen von Unzu­frie­den­heit der Mit­ar­bei­ter wie eine erhöhte Mit­ar­bei­ter­fluk­tua­tion oder Fehl­zei­ten selbst­kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und zu ana­ly­sie­ren. Struk­tu­rierte, gezielte und regel­mä­ßige Pati­en­ten­be­fra­gun­gen und die Ana­lyse der Befra­gungs­er­geb­nisse sind aber ein wert­vol­les Qua­li­täts­in­stru­ment. Der rich­tige Ein­satz und die Ana­lyse der Ergeb­nisse und die Reak­tion dar­auf brin­gen mehr Zufrie­den­heit bei Mit­ar­bei­tern wie auch Pati­en­ten. Die­ses Feed­back erfah­ren wir sehr oft beson­ders aus den Rei­hen der Mit­ar­bei­ter, wenn sie bemer­ken, dass sich Qua­li­täts­ar­beit in der Pra­xis auch posi­tiv auf die eigene Arbeits­qua­li­tät auswirkt.

Was sind die Vor­teile einer unab­hän­gi­gen Qua­li­täts­si­che­rung? Qua­li­täts­si­che­rung in der Medi­zin ist eine Quer­schnitts­ma­te­rie, in der alle Qua­li­täts­an­for­de­run­gen ihren Platz fin­den müs­sen – die der Pati­en­ten ebenso wie die der Leis­tungs­er­brin­ger, der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaft und der Gesund­heits­öko­no­mie. Das gesetz­lich defi­nierte Gesamt­sys­tem ver­eint die staat­li­chen Gesun­d­heits- und Ver­sor­gungs­ziele aber auch die gesell­schaft­li­che Erwar­tungs­hal­tung nach einem flä­chen­de­cken­den, huma­nen, soli­da­ri­schen und von ethi­schen Grund­sät­zen getra­ge­nen Sys­tem, das trotz sei­nes Regel­wer­kes noch einen hohen Anteil an per­sön­li­cher Frei­heit ermög­li­chen muss. Ein­sei­tige, das Gesamt­bild und die Kom­ple­xi­tät ver­ken­nende Ein­flüsse der Poli­tik, ins­be­son­dere regio­na­ler poli­ti­scher Inter­es­sen, auch wenn sie unter dem Titel der Qua­li­täts­si­che­rung fir­mie­ren, kön­nen rasch die Qua­li­tät der Leis­tungs­er­brin­gung und der Ver­sor­gung mehr ver­schlech­tern als ver­bes­sern. Und sei es nur, weil spe­zi­fi­sche Län­der­wün­sche und ‑rege­lun­gen die not­wen­dige Ein­heit­lich­keit der Qua­li­täts­stan­dards zerstören.

Wie unter­stützt die ÖQMED die nie­der­ge­las­se­nen Ärzte im Umgang mit den Qua­li­täts­si­che­rungs­kri­te­rien? Die ÖQMED setzt nicht nur die gesetz­lich vor­ge­se­hene, peri­odi­sche Qua­li­täts­über­prü­fung der Arzt­pra­xen um, son­dern berät auch indi­vi­du­ell bei Qua­li­täts­fra­gen in der Arzt­pra­xis. Das kön­nen Fra­gen im Rah­men der Pra­xis­eva­lu­ie­rung sein, aber genauso auch all­ge­meine Fra­gen zum Thema Qua­li­tät in der Pra­xis. Das reicht von Hil­fen bei Unklar­hei­ten zur Hygie­never­ord­nung bis zur Imple­men­tie­rung eines Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­tems. Die ÖQMED ver­steht sich aber auch – gemein­sam mit dem Refe­rat für Qua­li­täts­si­che­rung und Qua­li­täts­ma­nage­ment – als kom­pe­tente Ein­rich­tung zur Bera­tung der Gre­mien der ÖÄK und der Län­der­kam­mern in allen Fra­gen der Qua­li­tät im Gesund­heits­we­sen und der Wei­ter­ent­wick­lung des Qua­li­täts­ma­nage­ments in Arzt­pra­xen im Sinne einer not­wen­di­gen und kon­ti­nu­ier­li­chen Qua­li­täts­ver­bes­se­rung. (sni)

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 12 /​25.06.2021