BKNÄ: Reso­lu­tion zu COVID-Imp­­fun­­­gen: Disqualifiziert

Sep­tem­ber 2021 | Aktu­el­les aus der ÖÄK

Nach dem Skan­dal rund um die Apo­theke der Apo­­the­­ker­­kam­­mer-Prä­­si­­den­­tin gab es laut­starke Pro­teste sei­tens der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer. Das ÖÄK-Imp­f­­re­­fe­­rat und die Impf­re­fe­rate der Lan­des­ärz­te­kam­mern haben zudem eine ent­spre­chende Reso­lu­tion beschlossen.
Sascha Bunda

Hohe Wel­len schlug ein Bericht im „Stan­dard“ rund um die Apo­theke von Apo­­the­­ker­­kam­­mer-Prä­­si­­den­­tin Ulrike Mursch-Edl­­mayr. Dort wur­den dem Bericht zufolge Salz­lö­sun­gen zur Beglei­tung der Corona-Imp­­fung emp­foh­len, die unter ande­rem zur „Aus­lei­tung von Impf­be­gleit­stof­fen“ die­nen sol­len. Ent­spre­chend hef­tig fiel die Reak­tion der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer aus, die sich „fas­sungs­los“ zeigte. ÖÄK-Prä­­si­­dent Tho­mas Sze­ke­res kom­men­tierte: „Ich bin ent­täuscht, dass die Apo­­the­­ker­­kam­­mer-Prä­­si­­den­­tin trotz ihrer ver­ant­wor­tungs­vol­len Auf­gabe hier den evi­denz­ba­sier­ten Boden verlässt.“

„Wir kämp­fen seit über einem Jahr gegen eine Pan­de­mie, sehen deren häss­li­che Fratze täg­lich in unse­ren Spi­tä­lern und Ordi­na­tio­nen. Alle gemein­sam kämp­fen für eine mög­lichst hohe Durch­imp­fungs­quote und vor allem gegen Fake News und Ver­schwö­rungs­theo­rien“ meinte Johan­nes Stein­hart, Vize­prä­si­dent der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer und Bun­des­ku­ri­en­ob­mann der nie­der­ge­las­se­nen Ärzte. Er for­derte eine umge­hende Klar­stel­lung der Apo­the­ker­kam­mer zur Auf­klä­rungs­qua­li­tät in Apo­the­ken, die bis Redak­ti­ons­schluss aber ausblieb.

Das Thema Imp­fen in Apo­the­ken habe sich damit nun end­gül­tig erle­digt, so Stein­hart. Es sei nun offen­sicht­lich, dass es den Apo­the­ken nur um den Ver­kauf von OTC-Pro­­­du­k­­ten gehe. „Wir brau­chen keine Geschäf­te­ma­che­rei, son­dern solide Medi­zin und die Imp­fung bei Ärz­ten. Viel­mehr braucht es die zuver­läs­sige Grund­ver­sor­gung mit den not­wen­digs­ten Medi­ka­men­ten bei nie­der­ge­las­sen Ärz­ten, damit man sich unnö­tige Wege erspart“, rich­tet Stein­hart den Blick auf die Wei­ter­ent­wick­lung des Gesund­heits­sys­tems. Ähn­lich besorgte zeigte sich Rudolf Schmitz­ber­ger, Lei­ter des ÖÄK-Imp­f­­re­­fe­ra­­tes: „Dass das Thema COVID-Imp­­fun­­­gen sogar in der Apo­theke der höchs­ten Apo­­the­­ker­­kam­­mer-Reprä­­sen­­tan­­tin für unwis­sen­schaft­li­che Geschäf­te­ma­che­rei genutzt wird, lässt für den Umgang von Apo­the­kern mit Imp­fun­gen das Schlimmste befürch­ten.“ Gemein­sam mit den Impf­re­fe­ren­ten der Lan­des­ärz­te­kam­mern beschloss das ÖÄK-Imp­f­­re­­fe­­rat eine Reso­lu­tion, in der der Gesund­heits­mi­nis­ter auf­ge­for­dert wird, das Thema Imp­fen in Apo­the­ken im Sinne der Pati­en­ten­si­cher­heit end­gül­tig ad acta zu legen.

Die Reso­lu­tion im Wortlaut:

Der Lei­ter des Impf­re­fe­ra­tes der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer und die Impf­re­fe­ren­tin­nen und Impf­re­fe­ren­ten der Lan­des­ärz­te­kam­mern zei­gen sich scho­ckiert vom Umgang mit dem Thema Imp­fun­gen, der in der Apo­theke der Apo­the­ker­kam­mer­prä­si­den­tin an den Tag gelegt wurde. Dass hier Salz­lö­sun­gen zur „Aus­lei­tung von Impf­be­gleit­stof­fen“ ange­bo­ten und emp­foh­len wer­den, ent­behrt jeg­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Hin­ter­grun­des und ist als pure Geschäf­te­ma­che­rei mit ver­un­si­cher­ten Kli­en­ten strikt abzu­leh­nen. Anstatt unsere Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Fak­ten bezüg­lich Imp­fun­gen auf­zu­klä­ren, sorgt eine sol­che Vor­gangs­weise nur für noch mehr Verunsicherung.

Auch die Öster­rei­chi­sche Gesell­schaft für Kin­­der- und Jugend­heil­kunde lehnt in einer Stel­lung­nahme ihres Impf­re­fe­ra­tes das soge­nannte „Aus­lei­ten von Impf­ne­ben­wir­kun­gen“ ab und stellt fest, dass dadurch ledig­lich die Impf­skep­sis ver­stärkt werde. Diese Vor­ge­hens­weise ist daher mit den ethi­schen Grund­sät­zen unse­res Beru­fes nicht vereinbar.

Das Impf­re­fe­rat der Öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer und die Impf­re­fe­ren­tin­nen und Impf­re­fe­ren­ten der Lan­des­ärz­te­kam­mern for­dern daher den Gesund­heits­mi­nis­ter auf, zur Kennt­nis zu neh­men, dass eine Apo­the­ker­schaft, die Äuße­run­gen in Bezug auf das Imp­fen ver­brei­tet, die dem State of the Art der Vak­zi­no­lo­gie abso­lut wider­spre­chen, kei­nes­falls als seriö­ser Anwär­ter auf Durch­füh­rung von Imp­fun­gen anzu­se­hen ist. Offen­sicht­lich wird hier nicht ein­mal die wich­tige beglei­tende basale Impf­auf­klä­rung den gefor­der­ten wis­sen­schaft­li­chen Stan­dards ent­spre­chend durchgeführt.

Unsere Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten haben auch und beson­ders in Bezug auf das Imp­fen die beste Betreu­ung ver­dient. Die Apo­the­ker­schaft hat sich dies­be­züg­lich nun klar disqualifiziert.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /10.09.2021