Neues Coro­na­vi­rus: Covid-19 Update

25.02.2020 | Coro­na­vi­rus, Poli­tik

Durch die Anpas­sung der Dia­­gnose-Kri­­te­­rien schnellte die Zahl der mit dem
Coro­na­vi­rus Infi­zier­ten wei­ter an, aller­dings weni­ger rasch als bis­her. In eini­gen Tei­len Chi­nas ist die Zahl der Erkran­kun­gen mit Covid-19 – so der Name des Virus – schon seit eini­gen Tagen rückläufig.

Seit 10. Februar die­ses Jah­res hat die durch das Coro­na­vi­rus aus­ge­löste Krank­heit einen offi­zi­el­len Namen: Covid-19. Covi steht für Coro­na­vi­rus, d für dise­ase Die Zahl 19 für das Jahr 2019, als die ers­ten Fälle auftraten. 

Einer aktu­el­len Mel­dung der chi­ne­si­schen Regie­rung zufolge gibt es mitt­ler­weile in China mehr als 70.500 Infi­zierte. Allein in der Pro­vinz Hubei um die Stadt Wuhan sind mehr als 48.200 Erkran­kun­gen bekannt; so stieg etwa die Zahl der bestä­tig­ten Infek­tio­nen um 15.000. Der Grund: Die Behör­den hat­ten die Dia­­gnose-Kri­­tie­­rien ange­passt. Da mit DNA-Tests im Labor häu­fig eine Infek­tion nicht fest­ge­stellt wer­den konnte, wer­den ab die­sem Zeit­punkt auch die­je­ni­gen Fälle mit nur kli­ni­schen Dia­gno­sen – also etwa Pneu­mo­nie, Fie­ber, Atem­pro­bleme oder andere typi­sche Covid-19-Sym­­p­tome – mitgezählt. 

Aller­dings wird diese neue Zähl­weise nur in der Pro­vinz Hubei, nicht jedoch im übri­gen China ange­wen­det. Aktu­ell (Redak­ti­ons­schluss: 17.2.) liegt die offi­zi­elle Gesamt­zahl der Todes­op­fer in China bei 1.775. Damit gibt es bereits mehr Todes­op­fer als bei der SARS (Severe Acute Respi­ra­tory Syndrome)-Epidemie in den Jah­ren 2002/​03. Damals star­ben auf dem chi­ne­si­schen Fest­land und in Hong­kong fast 650 Men­schen, welt­weit 774. Jedoch ist die Ster­be­rate bei der durch das Coro­na­vi­rus ver­ur­sach­ten Epi­de­mie mit rund zwei Pro­zent deut­lich nied­ri­ger. Zum Ver­gleich: Nach Anga­ben der WHO lag diese damals bei fast zehn Prozent. 

Neuer Über­tra­gungs­weg

Bei eini­gen Pati­en­ten konnte vor dem Auf­tre­ten der typi­schen Sym­ptome von Covid-19 auch Diar­rhoe und Nau­sea beob­ach­tet wer­den. Bei rund zehn Pro­zent von 138 Pati­en­ten in einem Kran­ken­haus in Wuhan habe der Krank­heits­ver­lauf so begon­nen, berich­ten chi­ne­si­sche Exper­ten im JAMA (Jour­nal of the Ame­ri­can Medi­cal Asso­cia­tion). Mög­li­cher­weise kann das Coro­na­vi­rus auch durch Fäka­lien über­tra­gen wer­den. Weil man sich bei den frü­he­ren Fäl­len nur auf die Atem­wegs­sym­ptome kon­zen­triert hatte, könn­ten die Sym­ptome des Gastro­in­tes­ti­nal­trakts über­se­hen wor­den sein. 

Der Haupt­über­tra­gungs­weg des Virus bleibt aber wei­ter­hin die Tröpf­chen­in­fek­tion über den Hus­ten eines Infi­zier­ten. Die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen sind auch der Grund, warum rund 6.200 medi­zi­ni­sche Fach­kräfte mit 47 Char­ter­flü­gen nach Wuhan ein­ge­flo­gen wur­den. Neun chi­ne­si­sche Flug­ge­sell­schaf­ten haben neben drin­gend benö­tig­ter medi­zi­ni­scher Aus­stat­tung 34 Teams aus meh­re­ren Pro­vin­zen ein­ge­flo­gen. Seit Wochen betreuen Ärzte und Pfle­ger die Pati­en­ten, ohne über aus­rei­chende Schutz­an­züge und Atem­schutz­mas­ken zu ver­fü­gen. Ein chi­ne­si­scher Arzt berich­tet, dass er und min­des­tens 16 Kol­le­gen bereits die typi­schen Sym­ptome des Coro­na­vi­rus zei­gen. Zusätz­lich unter­stützt eine Exper­ten­gruppe der WHO vor Ort bei der Erfor­schung der Epidemie. 

Virus-Ent­­­de­­cker verstorben

Der chi­ne­si­sche Augen­arzt Li Wen­liang hat bereits Ende Dezem­ber 2019 erst­mals vor die­ser neuen Erkran­kung gewarnt. Er infor­mierte seine Kol­le­gen via Chat­gruppe. Statt diese War­nung auf­zu­grei­fen, ver­such­ten die Behör­den, Li mund­tot zu machen. Er wurde von der Poli­zei gezwun­gen, eine Erklä­rung zu unter­schrei­ben, dass er keine „geset­zes­wid­ri­gen Hand­lun­gen“ mehr bege­hen werde, berich­tete Li im Inter­net. Der Ent­de­cker des Coro­na­vi­rus steckte sich bei einem Pati­en­ten an und starb am 7. Februar die­ses Jah­res 34-jäh­­rig an den Fol­gen der durch das Coro­na­vi­rus aus­ge­lös­ten Lungenerkrankung. 

Seit sei­nem Tod wächst die Wut der chi­ne­si­schen Bevöl­ke­rung auf die Regie­rung rasant. In zwei offe­nen Brie­fen for­der­ten Akti­vis­ten unter ande­rem Mei­nungs­frei­heit von der Füh­rung in Peking. Die chi­ne­si­sche Regie­rung stoppte die Ver­brei­tung der Schrif­ten weit­ge­hend und ver­schärft damit die Stim­mung wei­ter. Nicht nur das: Der oberste poli­ti­sche Chef der zen­tral­chi­ne­si­schen Pro­vinz Hubei wurde abge­setzt. Und der Sekre­tär der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei für Hubei wurde durch den bis­he­ri­gen Bür­ger­meis­ter von Shang­hai ersetzt, mel­dete die staat­li­che Nach­rich­ten­agen­tur Xinhua.

Zur aktu­el­len Situa­tion meinte ein Experte für Infek­ti­ons­krank­hei­ten und medi­zi­ni­scher Bera­ter der chi­ne­si­schen Regie­rung laut der Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters: „Der­zeit hat Covid-19 in China ihren Höhe­punkt erreicht. Nun fängt die Aus­brei­tung im Rest der Welt an. Ich bin über­zeugt, dass die Epi­de­mie im April vor­bei sein wird.“ Das Euro­pean Centre for Dise­ase Con­trol (ECDC) erstellt täg­lich unter­schied­li­che Modelle, um die EU-Mit­­­glied­s­­staa­­ten für einen Aus­bruch zu wapp­nen. Mit mitt­ler­weile 16 bestä­tig­ten Fäl­len ist in Europa Deutsch­land am stärks­ten betrof­fen. Viele der Infek­tio­nen wur­den durch eine aus Shang­hai zurück­ge­kehrte Mit­ar­bei­te­rin einer Firma bei ihren Kol­le­gen aus­ge­löst. Bestä­tigt wurde außer­dem eine Erkran­kung eines bri­ti­schen Tou­ris­ten auf Mal­lorca, der sich offen­bar in Frank­reich ange­steckt hat.

Indes­sen wurde Mitte Feber der erste Todes­fall in Europa, der durch das Coro­na­vi­rus ver­ur­sacht wurde, regis­triert. Den Anga­ben des fran­zö­si­schen Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums zufolge erlag ein 80-jäh­­ri­­ger chi­ne­si­scher Tou­rist in einem Pari­ser Kran­ken­haus der Lun­gen­krank­heit. Zuvor waren auch in Japan, Hong­kong und den Phil­ip­pi­nen Men­schen am Coro­na­vi­rus gestorben. 

Situa­tion in Österreich

Bis­lang wur­den in Öster­reich ins­ge­samt 162 Tests durch­ge­führt; alle ver­lie­fen nega­tiv, wie das Gesund­heits­mi­nis­te­rium auf sei­ner Home­page infor­miert. Ebenso wur­den die ers­ten Wuh­an­Heim­keh­rer aus der Qua­ran­täne entlassen. ◉ 

Stand: 17.02.2020

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 4 /​25.02.2020