Dos­sier: Rhinosinusitis

10.09.2020 | Medizin

Rund 80 Pro­zent der aku­ten Rhi­no­si­nu­sit­i­den bes­sern sich inner­halb von zwei Wochen auch ohne The­ra­pie; durch Viren bedingte Sinu­sit­i­den sind nach maximal drei Wochen kli­nisch aus­ge­heilt. Die chro­ni­sche Rhi­no­si­nu­si­tis, von der bis zu zehn Pro­zent der Bevöl­ke­rung betrof­fen sind, geht mit einer deut­li­chen Ver­min­de­rung der Lebens­qua­li­tät, der Schlaf­qua­li­tät und der all­täg­li­chen Pro­duk­ti­vi­tät einher.

Unter einer Rhi­ni­tisim enge­ren Sinn ver­steht man die ent­zünd­li­che Ver­än­de­rung der Nasen­schleim­haut; unter Sinu­si­tis ent­zünd­li­che Ver­än­de­run­gen der Mukosa der Nasen­ne­ben­höh­len. Da bei die­sen Erkran­kun­gen Nasen- und Nasen­ne­ben­höh­len-Schleim­häute fast aus­nahms­los gemein­sam betrof­fen sind, spricht man von „Rhi­no­si­nu­si­tis“.

Man unter­schei­det – nach dem zeit­li­chen Ver­lauf – zwi­schen einer aku­ten, rezi­di­vie­ren­den aku­ten und einer chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis. Bei einer aku­ten Rhi­no­si­nu­si­tis dau­ern die Beschwer­den bis zu zwölf Wochen an. Eine rezi­di­vie­rende akute Rhi­no­si­nu­si­tis liegt vor, wenn diese Epi­so­den min­des­tens vier­mal inner­halb von zwölf Mona­ten auf­tre­ten, wobei die Beschwer­den dazwi­schen völ­lig abklin­gen. Bei der chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis dau­ern die Beschwer­den län­ger als zwölf Wochen an.

Wei­ters unter­schei­det man bei der chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis – nach rhi­no­sko­pisch oder endo­sko­pisch sicht­ba­ren Poly­pen – zwi­schen jener mit Poly­pen (Chro­ni­sche Rhi­no­si­nu­si­tis cum nasale Poly­pen; CRScNP) sowie ohne Poly­pen (Chro­ni­sche Rhi­no­si­nu­si­tis sine nasale Poly­pen; CRS­sNP). Eine Epi­sode einer aku­ten Rhi­no­si­nu­si­tis wird dia­gnos­ti­ziert, wenn typi­sche bezie­hungs­weise fakul­ta­tive Beschwer­den oder Sym­ptome vor­lie­gen. Da die Beschwer­den bei der chro­ni­schen Form der Erkran­kung weni­ger cha­rak­te­ris­tisch sind, muss daher zusätz­lich eine Bestä­ti­gung durch einen patho­lo­gi­schen Befund bei der Rhinoskopie/​nasalen Endo­sko­pie oder durch ein bild­ge­ben­des Ver­fah­ren bestä­tigt werden.

Kar­di­nal­sym­ptome

Die Dia­gnose „akute Rhi­no­si­nu­si­tis“ wird beim Vor­lie­gen fol­gen­der Sym­ptome gestellt:

  • Behin­de­rung der Nasenatmung
  • Ante­riore und/​oder pos­te­riore Sekretion
  • Gesichts­schmerz
  • Riech­stö­rung

Fakul­ta­tiv: Fie­ber, Kopfschmerz

Bei Ver­dacht auf eine Sinu­si­tis fron­ta­lis, Sinu­si­tis maxil­la­ris oder eine den­to­gene Sinu­si­tis sind auch ein­sei­tige Druck­schmer­zen über der Stirn- bezie­hungs­weise Kie­fer­höhle oder im Bereich der Zähne mög­lich. Diese Schmer­zen neh­men zu, wenn sich der Betrof­fene vornüberbeugt.

Bei der Ana­mnese sollte auch erfragt wer­den: all­er­gi­sche Rhi­ni­tis, anhal­ten­des Fie­ber, Vor­ope­ra­tio­nen im Bereich der Nase bezie­hungs­weise Nasen­ne­ben­höh­len, Medi­ka­men­ten­ein­nahme und ent­spre­chende Unver­träg­lich­kei­ten sowie zahn­ärzt­li­che und kie­fer­chir­ur­gi­sche Maßnahmen.

Zeigt sich in der Bild­ge­bung ein auf­fäl­li­ger Befund ohne kor­re­spon­die­rende Sym­ptome, reicht dies in der Regel nicht für die Dia­gnose „Rhi­no­si­nu­si­tis“ aus. Anders stellt sich hin­ge­gen die Situa­tion bei immun­sup­pri­mier­ten bezie­hungs­weise immun­kom­pro­mit­tier­ten Pati­en­ten mit einer deut­lich weni­ger cha­rak­te­ris­ti­schen Sym­pto­ma­tik oder auch einer oligo sym­pto­ma­ti­schen Form dar.

Ent­ste­hung

Übli­cher­weise als Folge einer nasa­len Infek­tion kommt es zur aku­ten Rhi­no­si­nu­si­tis, wodurch es zum gestör­ten Abfluss und gestör­ter Ven­ti­la­tion der Nasen­ne­ben­höh­len kommt. Die häu­figste Ursa­che sind virale Infek­tio­nen, bei denen es mit einer zeit­li­chen Ver­zö­ge­rung in bis zu zwei Pro­zent der Fälle zu einer aku­ten bak­te­ri­el­len Rhi­no­si­nu­si­tis mit star­ker ent­zünd­li­cher Infil­tra­tion der Neben­höh­len­mu­kosa kom­men kann. Die häu­figs­ten Erre­ger sind Pneu­mo­kok­ken und Haemo­phi­lus influ­en­zae. Bei rezi­di­vie­ren­den Rhi­no­si­nu­sit­i­den sind auch ana­to­mi­sche Vari­an­ten der late­ra­len Nasen­wand eine mög­li­che Ursa­che. Die Ver­bin­dung zwi­schen einer chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis und Asthma kommt häu­fig vor – beson­ders bei Über­emp­find­lich­keit gegen­über Acetylsalicylsäure.

Eine Son­der­form stellt die odon-togene akute Rhi­no­si­nu­si­tis dar. Dabei han­delt es sich um eine fort­ge­lei­tete Ent­zün­dung der Kie­fer­höhle im Sinne einer odon­to­ge­nen Infek­tion. Die häu­figs­ten Ursa­chen sind: eine nicht erkannte Mund-Antrum-Ver­bin­dung nach Zahnent­fer­nung, Wur­zel­reste, api­kale und mar­gi­nale Par­odon­ti­tis, den­to­gene Zys­ten, in die Kie­fer­höhle dis­lo­zierte Zähne oder Implan­tate und Aug­men­ta­ti­ons­ma­te­rial nach einem prä­pro­the­ti­schen Sinus­lift. Ein Spe­zi­al­fall ist der über­stopfte Wurzelkanal.

Epi­de­mio­lo­gie

Für Deutsch­land exis­tie­ren der­zeit keine aktu­el­len Stu­dien zur Epi­de­mio­lo­gie der Rhi­no­si­nu­si­tis. Im Rah­men einer pro­spek­ti­ven Quer­schnitts­er­he­bung wurde jedoch bei einer reprä­sen­ta­ti­ven Stich­probe von Haus- und HNO-Ärz­ten inner­halb einer Woche im Win­ter die Anzahl der Pati­en­ten mit einer Sinu­si­tis erfasst. Dabei zeigte sich, dass von 2.250 Pati­en­ten 80 Pro­zent eine akute Rhi­no­si­nu­si­tis sowie 20 Pro­zent eine chro­ni­sche Rhi­no­si­nu­si­tis auf­wie­sen. Auf die Bevöl­ke­rungs­zahl hoch­ge­rech­net ergab das eine Häu­fig­keit von 14,5 Mil­lio­nen Sinu­si­tis-Fäl­len pro Win­ter – gemes­sen an der dama­li­gen Bevöl­ke­rungs­zahl von 21,5 Pro­zent der deut­schen Bevöl­ke­rung über 16 Jah­ren. Bei der chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis wird für Europa eine Jah­res­prä­va­lenz von 10,9 Pro­zent angegeben.

Erkran­kungs­dauer

Die aus­schließ­lich nach kli­ni­schen Kri­te­rien dia­gnos­ti­zierte akute Rhi­no­si­nu­si­tis hat eine Spon­tan­hei­lungs­rate von mehr als 50 Pro­zent nach einer Woche; 60 bis 80 Pro­zent nach zwei Wochen und mehr als 90 Pro­zent nach vier Wochen. Durch Viren bedingte Sinu­sit­i­den sind nach maximal drei Wochen kli­nisch ausgeheilt.

Bei der chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis han­delt es sich um eine häu­fige und wenig beach­tete chro­ni­sche ent­zünd­li­che Erkran­kung, von der zwi­schen drei und 10,9 Pro­zent der Bevöl­ke­rung betrof­fen sind. Dabei steigt die Prä­va­lenz mit höhe­rem Alter; ebenso ist sie auch höher bei Per­so­nen mit Asthma, COPD, All­er­gien sowie bei Frauen. Die chro­ni­sche Rhi­no­si­nu­si­tis geht ein­her mit einer deut­li­chen Ver­min­de­rung der Lebens­qua­li­tät, der Schlaf­qua­li­tät und der all­täg­li­chen Produktivität.

Untersuchungsmethoden

Bei der Rhi­no­sko­pie wer­den die vor­de­ren Nasen­ab­schnitte mit­tels Nasen­spe­ku­lum unter­sucht; bei der Endo­sko­pie die vor­de­ren und hin­te­ren Nasen­ab­schnitte mit Hilfe einer star­ren oder fle­xi­blen Optik. Bei der Detek­tion von nasa­len Poly­pen ist die Endo­sko­pie sen­si­ti­ver als die ante­riore Rhi­no­sko­pie. So konnte per ante­rio­rer Rhi­no­sko­pie bei 19/​80, mit­tels Nase­nen­do­sko­pie jedoch bei 29/​80 Pati­en­ten eine nasale Poly­po­sis nach­ge­wie­sen werden.

Für die Abklä­rung der aku­ten Rhi­no­si­nu­si­tis ist neben der Erfas­sung des All­ge­mein­zu­stands und der Inspek­tion des Gesichts die kli­ni­sche Unter­su­chung mit Erfas­sung von Druck- oder Klopf­schmer­zen über den Kie­fer- bezie­hungs­weise die Stirn­höh­len von Bedeu­tung. Um die Ursa­chen für eine rezi­di­vie­rende akute Rhi­no­si­nu­si­tis her­aus­zu­fin­den, ist eine ante­riore Rhi­no­sko­pie oder eine Endo­sko­pie sinn­voll. Bei der chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis ermög­licht die nasale Endo­sko­pie das Erken­nen von struk­tu­rel­len Beson­der­hei­ten oder Differentialdiagnosen.

Bildgebung

Für die Dar­stel­lung des Neben­höh­len­sys­tems hat sich die hoch­auf­lö­sende Com­pu­ter­to­mo­gra­phie (CT) eta­bliert. Für die OP-Pla­nung soll­ten Schnitt­bil­der in allen drei Ebe­nen (axial, coro­nar, sagit­tal) erfol­gen. Wegen der schlech­te­ren Dar­stel­lung der knö­cher­nen Struk­tu­ren stellt das MRT der­zeit nicht die Methode der ers­ten Wahl bei der Pri­mär­dia­gnos­tik der Rhi­no­si­nu­si­tis dar. Jedoch ist die MRT Methode der Wahl bei intra­kra­ni­el­len Kom­pli­ka­tio­nen oder Tumo­ren der Nasennebenhöhlen.

All­er­go­lo­gi­sche Untersuchung

Die Prä­va­lenz der all­er­gi­schen Rhi­ni­tis liegt in Europa zwi­schen 28,5 Pro­zent (Bel­gien) und 16,9 Pro­zent (Ita­lien). In den letz­ten Jahr­zehn­ten kann in Europa mit einem zwei- bis drei­fa­chen Anstieg der Prä­va­lenz der all­er­gi­schen Rhi­ni­tis aus­ge­gan­gen wer­den. Die all­er­gi­sche Rhi­ni­tis hat nicht nur Aus­wir­kun­gen auf das soziale Leben und die schu­li­sche Leis­tungs­fä­hig­keit, son­dern zum Teil auch auf die geis­tige und kör­per­li­che Ent­wick­lung der Betrof­fe­nen. Wei­ters zeigt sich auch eine hohe Rate an Komor­bi­di­tä­ten wie zum Bei­spiel eine Rhi­no­si­nu­si­tis, all­er­gi­sche Kon­junk­ti­vi­tis, Asthma, Nah­rungs­mit­tel­all­er­gien und ato­pi­sche Dermatitis.

Wenn Sym­ptome einer inter­mit­tie­ren­den Rhi­ni­tis (syn. Sai­so­nale all­er­gi­sche Rhi­ni­tis, Heu­schnup­fen) in einem zeit­li­chen Zusam­men­hang mit einer Expo­si­tion zum jewei­li­gen Pol­len­flug auf­tre­ten, sind bei einer rezi­di­vie­ren­den aku­ten Rhi­no­si­nu­si­tis all­er­go­lo­gi­sche Test­ver­fah­ren auf sai­so­nal vor­kom­mende Inha­la­ti­ons­all­er­gene indi­ziert. Sind Sym­ptome einer per­sis­tie­ren­den Rhi­ni­tis (Rhi­ni­tis all­er­gica peren­nia­lis) vor­han­den, dann soll­ten all­er­go­lo­gi­sche Test­ver­fah­ren auf ganz­jäh­rig vor­kom­mende Inha­la­ti­ons­all­er­gene durch­ge­führt wer­den. Dabei han­delt es sich um meist in Innen­räu­men vor­kom­mende Inha­la­ti­ons­all­er­gene wie zum Bei­spiel All­er­gene von Haus­staub- und Vor­rats­mil­ben, Schim­mel­pilz­spo­ren und Tierepithelien.

Nasen­at­mungs­be­hin­de­rung, ante­riore und pos­te­riore nasale Sekre­tion, Riech­stö­rung und gege­be­nen­falls Kopf­schmer­zen sind Sym­ptome, die sowohl bei der aku­ten Rhi­no­si­nu­si­tis als auch bei all­er­gi­schen Erkran­kun­gen auftreten.

Bei den Tests soll­ten zunächst Haut­test- und Labor­dia­gnos­tik­ver­fah­ren zum Ein­satz kom­men. Wegen der hohen Prä­va­lenz ist in min­des­tens einem Drit­tel der Fälle mit einem posi­ti­ven Test­ergeb­nis zu rech­nen. Aus der all­er­go­lo­gi­schen Abklä­rung erge­ben sich teil­weise völ­lig neue The­ra­pie­kon­zepte, die die Mög­lich­keit einer effek­ti­ven Pro­phy­laxe bil­den: die anti­all­er­gi­sche Phar­ma­ko­the­ra­pie, die kau­sale all­er­gen­spe­zi­fi­sche Immun­the­ra­pie sowie als Sekun­där­prä­ven­tion Karenzmaßnahmen.

The­ra­pie

Nicht-medi­ka­men­tös

In einem sys­te­ma­ti­schen Review wird bei aku­ter Rhi­no­si­nu­si­tis eine deut­li­che Emp­feh­lung für Nasen­spü­lun­gen als zusätz­li­che Maß­nahme zur Stan­dard­the­ra­pie abge­ge­ben. Durch sali­ni­sche Nasentropfen/​Nasensprays kann die Anwen­dungs­häu­fig­keit von Dekon­ges­tiva deut­lich redu­ziert werden.

Nasen­spü­lun­gen mit Koch­salz sind effek­tiv, um die Sym­ptome der chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis zu bes­sern. Die Spü­lung mit NaCl muss daher als Stan­dard­the­ra­pie der chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis ange­se­hen wer­den. Bei Ver­wen­dung von Nasen­du­schen besteht die Gefahr einer rekur­ren­ten Infek­tion, wenn das Spül­ge­fäß mikro­biell besie­delt ist; in 50 Pro­zent der Fälle ist dies Sta­phy­lo­coc­cus aureus.

Für die Inha­la­tion von hei­ßen Dämp­fen kann auf­grund der Ergeb­nisse beim bana­len Schnup­fen auch für die akute Rhi­no­si­nu­si­tis ein Effekt ver­mu­tet wer­den. Da für Infra­rot­be­strah­lung und die Kurz­wel­len­the­ra­pie keine ver­wert­ba­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen vor­lie­gen, wird deren Anwen­dung nicht empfohlen.

Für Aku­punk­tur konnte in klei­ne­ren Stu­dien eine Schmerz­lin­de­rung und Ver­bes­se­rung der Nasen­at­mung bei aku­ter Rhi­no­si­nu­si­tis gezeigt wer­den; in ande­ren Stu­dien wie­derum konnte kein über­zeu­gen­der Effekt gezeigt werden.

Eine wirk­same ärzt­li­che Ein­fluss­nahme auf die akute Rhi­no­si­nu­si­tis mit homöo­pa­thi­schen Medi­ka­men­ten wird auf­grund von Stu­dien als nicht bezie­hungs­weise nicht aus­rei­chend belegt angenommen.

Für die Wirk­sam­keit von Aku­punk­tur und Homöo­pa­thie bei chro­ni­scher Rhi­no­si­nu­si­tis wird auf­grund der ein­ge­schränk­ten Daten­lage keine abschlie­ßende Beur­tei­lung abgegeben.

Medi­ka­men­tös

Wegen der Gefahr des Rebound-Effekts bezie­hungs­weise der Rhi­ni­tis medi­ca­mentosa wird emp­foh­len, die Nut­zungs­dauer der loka­len Vaso­kon­s­trin­gen­tien (wie zum Bei­spiel Xylo­me­ta­zo­lin bezie­hungs­weise Oxy­me­ta­zo­lin 0,05% oder Ipra­tro­pi­um­bro­mid 0,03 oder 0,06%) auf längs­tens sie­ben Tage zu beschrän­ken. Bei nied­ri­ge­ren Dosie­run­gen und wenn Prä­pa­ra­tio­nen mit Kon­ser­vie­rungs­stof­fen (wie etwa Ben­zal­ko­ni­um­chlo­rid) ver­mie­den wer­den, besteht eine gerin­gere Gefahr. Auf­grund von Stu­dien muss von kli­nisch rele­van­ten Reiz- und Schä­di­gungs­wir­kun­gen durch Ben­zal­ko­ni­um­chlo­rid in Nasen­trop­fen und Nasen­sprays aus­ge­gan­gen wer­den. Beson­ders All­er­gi­ker und Lang­zeit-Nut­zer von Nasen­sprays soll­ten diese Sub­stanz mei­den; es gibt mitt­ler­weile auch Prä­pa­ra­tio­nen ohne Benzalkoniumchlorid.

Die Sekre­to­ly­tika Ace­tyl­cys­tein und Ambroxol wer­den zwar häu­fig unter­stüt­zend zur Anti­bio­ti­ka­gabe bei aku­ter Rhi­no­si­nu­si­tis ein­ge­setzt, jedoch liegt für den Nut­zen die­ser The­ra­pie keine Evi­denz vor.

Bei einer mit­tels Rönt­gen oder Endo­sko­pie nach­ge­wie­se­nen aku­ten Rhi­no­si­nu­si­tis, die mehr als eine Woche dau­ert, kom­men die Autoren eines Coch­rane-Reports zum Schluss, dass eine The­ra­pie mit einem Kor­ti­koid-Spray als Mono- oder Co-The­ra­pie mit Anti­bio­tika mäßige Effek­ti­vi­tät bezüg­lich der sym­pto­ma­ti­schen Effek­ti­vi­tät bie­tet. Bei der ora­len Ste­ro­id­me­di­ka­tion bei Erwach­se­nen fand sich bei kli­nisch dia­gnos­ti­zier­ter aku­ter Sinu­si­tis im haus­ärzt­li­chen Bereich kein posi­ti­ver Effekt. Bei Stu­dien, die in HNO-Ambu­lan­zen durch­ge­führt wur­den, zeigte sich – in Kom­bi­na­tion mit Anti­bio­ti­ka­gabe und bei erheb­li­chem Risiko für Bias – eine Anzahl der not­wen­di­gen Behand­lun­gen (NNT) von sie­ben für Sym­ptom­lin­de­rung bezie­hungs­weise für kurz­fris­tige Schmerz­lin­de­rung. Für die topi­sche Anwen­dung von Ste­ro­iden bei der rezi­di­vie­ren­den aku­ten Rhi­no­si­nu­sits wird die Evi­denz­lage in einem sys­te­ma­ti­schen Review wegen des Risi­kos für Bias als nur mäßig gut ein­ge­schätzt. Denk­bar ist auch ein Behand­lungs­ver­such mit Antihistaminika.

Analgetika/​Antiphlogistika wer­den ledig­lich bei bestehen­den Schmer­zen und nicht als abschwel­lende Maß­nahme emp­foh­len. In die­ser Indi­ka­tion sind wegen der stär­ker ent­zün­dungs­hem­men­den Wir­kung ASS und Ibu­profen vor Par­acet­amol zu empfehlen.

Chro­ni­sche Rhinosinusitis

Das Risiko, rezept­frei ver­füg­bare Dekon­ges­tiva dau­er­haft zu ver­wen­den, ist deut­lich erhöht: Von 895 Pati­en­ten mit einer chro­ni­schen mit­tel­gra­di­gen bis schwe­ren Rhi­ni­tis gaben 49 Pro­zent an, abschwel­lende intra­na­sale Mit­tel seit mehr als einem Jahr zu verwenden.

Muko­ly­tika kön­nen auf­grund der gerin­gen Zahl der Stu­dien, deren Güte und der nied­ri­gen auf­ge­nom­me­nen Pati­en­ten­zahl nicht sicher die Sym­pto­ma­tik einer chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis bes­sern; die Anwen­dung kann in bestimm­ten Sub­grup­pen eine The­ra­pie­op­tion darstellen.

Topi­sche Glu­ko­kor­ti­kos­te­ro­ide gel­ten als Erst­li­ni­en­the­ra­pie bei der chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis. Die sys­te­mi­sche Anwen­dung von Glu­ko­kor­ti­ko­iden kann nur oral oder zusätz­lich zur topi­schen Behand­lung erfolgen.

Anti­hist­ami­nika zäh­len in elf Pro­zent der kli­ni­schen Stu­dien zur chro­ni­schen Rhi­no­si­nu­si­tis zur maxi­ma­len medi­ka­men­tö­sen The­ra­pie in Kom­bi­na­tion mit ande­ren Medi­ka­men­ten. Wenn auch die Daten­lage im Rah­men von Stu­dien begrenzt ist, scheint die Ver­schrei­bung von Anti­hist­ami­nika mög­lich – vor allem beim Vor­lie­gen einer all­er­gi­schen Komor­bi­di­tät. Leu­ko­trien­ant­ago­nis­ten schei­nen im Ver­gleich zu Pla­cebo einen posi­ti­ven Effekt zu haben.

Oma­li­zumab ist ein Anti-IgE-Anti­kör­per, der für die Behand­lung von schwe­rem all­er­gi­schem Asthma zuge­las­sen ist, das sich mit der Kom­bi­na­tion von Kor­ti­son und Beta-2-Sym­pa­tho­mime­tika nicht kon­trol­lie­ren lässt. Im Rah­men der Ent­wick­lung die­ses Medi­ka­ments wurde als güns­tige Neben­wir­kung auch eine Ver­klei­ne­rung der nasa­len Poly­pen bei chro­ni­scher Rhi­no­si­nu­si­tis mit nasa­len Poly­pen beschrieben.

Mepo­li­zumab, Reslizumab

Diese bei­den Anti-IL5-Anti­kör­per bewir­ken nach iv-Appli­ka­tion eine deut­li­che Reduk­tion der Poly­pen­größe. Die The­ra­pie zeigte ein Anspre­chen bei etwa 50 Pro­zent der selek­tio­nier­ten Pati­en­ten mit Polyposis.

Anti­bio­tika

Rund 80 Pro­zent der aku­ten Rhi­no­si­nu­sit­i­den bes­sern sich inner­halb von zwei Wochen auch ohne The­ra­pie. Eine unkom­pli­zierte akute Rhi­no­si­nu­si­tis sollte nicht mit Anti­bio­tika behan­delt werden.

Eine anti­bio­ti­sche The­ra­pie bei aku­ter Rhi­no­si­nu­si­tis oder einer aku­ten Exazer­ba­tion einer rezi­di­vie­ren­den aku­ten Rhi­no­si­nu­si­tis sollte erwo­gen wer­den bei Pati­en­ten mit beson­de­ren Risi­ko­fak­to­ren wie chro­nisch ent­zünd­li­che Lun­gen­er­kran­kung, Immun­de­fi­zi­enz bezie­hungs­weise Immun­sup­pres­sion. Eine Anti­bio­ti­ka­the­ra­pie sollte bei Hin­wei­sen auf Kom­pli­ka­tio­nen wie starke Kopf­schmer­zen, Gesichts­schwel­lun­gen und Lethar­gie erfol­gen. Ebenso wird die anti­bio­ti­sche The­ra­pie emp­foh­len bei star­ken und sehr star­ken Schmer­zen plus erhöh­ten Ent­zün­dungs­wer­ten (CRP über 10 mg/​l oder BSG über 10 mm/​h bei Män­nern; über 20 mm/​h bei Frauen). Eine anti­bio­ti­sche The­ra­pie kann erwo­gen wer­den bei star­ken Beschwer­den und/​oder Ver­stär­kung der Beschwer­den im Lauf der Erkran­kung und/​oder Fie­ber über 38,5 Grad Celsius.

Bei der Anti­bio­ti­ka­the­ra­pie ist Amoxil­lin (3x 500 mg/​d) bezie­hungs­weise Cefuro­xim (2x 250 mg/​d) die erste Wahl. Die zweite Wahl sind Makro­lide bezie­hungs­weise Azi­thro­my­cin 500 mg/​d oder Amoxi­cil­lin plus Cla­vul­an­säure oder Doxy­cy­clin oder Co-Tri­m­o­xazol dar.

Chir­ur­gi­sche Therapie

Bei chro­ni­schen und rezi­di­vie­ren­den Ver­laufs­for­men kommt die chir­ur­gi­sche The­ra­pie der Nasen­ne­ben­höh­len zum Ein­satz. Die Indi­ka­tion zur Ope­ra­tion wird in der Regel erst bei Ver­sa­gen der kon­ser­va­ti­ven The­ra­pie gestellt. Stan­dard ist der­zeit die endo­sko­pi­sche endo­n­a­sale The­ra­pie. Im Ein­zel­fall kann auch eine pri­märe ope­ra­tive The­ra­pie sinn­voll sein.

Quelle: S2k-Leit­li­nie Rhinosinusitis/​Deutsche Gesell­schaft für Hals‑, Nasen‑, Ohren­heil­kunde, Kopf- und Hals-Chir­ur­gie e.V.; Deut­sche Gesell­schaft für All­ge­mein­me­di­zin und Fami­li­en­me­di­zin e.V.

© Öster­rei­chi­sche Ärz­te­zei­tung Nr. 17 /​10.09.2020